DgM 044

Der gute Menschenkenner 044 von 101

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MENSCHENKENNTNIS           

CARL HUTER (1861-1912)

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Der Menschenkenner und die neue Zeit

nach Carl Huters Psycho-Physiognomik

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Herausgegeben von Amandus Kupfer in Schwaig bei Nürnberg

CARL-HUTER-ZENTRAL-ARCHIV

Medical-Manager Wolfgang Timm

www.chza.de 

 

  Form Geist

EXTRA LIFE INTELLIGENCE TRANS ENERGY 

PSYCHOLOGIE UND MEDIZIN DER ZUKUNFT 

 

 

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                           

Der gute Menschenkenner

nach Carl Huters Psycho-Physiognomik

© September 1936, Nr. 44

Sind Sie ein guter Beobachter?

 

Der Blick für

FORM und GESTALT

Das gute Augenmaß

 

 

Wie ist Ihre

Beobachtung und Auffassung

Konzentration und Wiedergabe

Geisteskraft und Geistesruhe

Entschlossenheit usw.?

 

 

In der vorigen Numer dieser Zeitschrift hatten wir den Sinn für Zahlen, Rechnen und Mathematik in Wort und Bild behandelt.

Die Anlage für Mathematik kommt in der seitlichen Auswölbung der Stirn zum Ausdruck.

Bild 1 Leibnitz. (Archiv)

 

Bild 1 zeigt den großen Mathematiker und Philosophen Freiherrn Gottlieb Wilh. V. Leibnitz.

Auch der noch Ungeübte kann, wenn er sich im Formensehen anstrengt, an dem Bilde deutlich wahrnehmen, daß die Stirn seitlich, wo die Pfeilstriche hinzeigen, stark ausgewölbt ist. Daran kann man die Begabung für Mathematik erkennen.

Von der seitlichen Stirn ziehen sich die Augenbrauen abwärts nach der Mitte zu, wo die Nasenwurzel liegt, siehe den Pfeilstrich. Man hat bei der Betrachtung das Gefühl, es müsse hier die Fähigkeit liegen, alles Wissen und Denken, das im Gehirn liegt, auf einen Punkt zu sammeln, sich zu konzentrieren und die Gedanken wiederzugeben.

Das ist in der Tat der Fall, denn hier erkennt man die Fähigkeit, wie der Mensch sein Wissen im Moment sammeln und frei wiedergeben kann.

Die Nasenwurzel ist bei unserm Bilde sehr breit und auch sonst noch wirklich klar und rein gezeichnet. (Leibnitz war nicht nur groß als Mathematiker, sondern auch als Philosoph, Rechtsgelehrter, Staatsmann und Theologe, wofür mehr die oberen Stirnteile in Frage kommen.)

Mit dieser Beschreibung soll der Leser zur vergleichenden Betrachtung angeregt werden. Liegt die meiste Kraft seitlich der unteren Stirn, in der Mitte oder zwischen diesen Teilen? –

Die vorliegende Arbeit behandelt in der Hauptsache den Formen- und Gestaltsinn.

Man orientiere sich zuerst über die genaue Lage dieses Sinnes nach der rechts oben befindlichen Zeichnung.

Bild (Titel)

Dort, wo in beiderseitiger Rundung die Stirn zur Nase übergeht, innerhalb der beiden oberen Augenecken und noch etwas über die weißen Linien hinaus nach der Stirn und nach dem mittleren Sammelpunkt zu, liegt der Sinn für die Beobachtung von Formen und Gestalten.

Der Sinn für Konzentration und Wiedergabe liegt in der Mitte der Nasenwurzel und nach oben zu, wie die links stehende obige Zeichnung deutlich macht.

Die Organe für diese Geistestätigkeiten liegt dicht beieinander, und so wurde bei der Besprechung auch auf den Sinn für Konzentration und Wiedergabe Bezug genommen.

Man muß nicht nur die Formbildung dieser Teile in Betracht ziehen, sondern noch etwas mehr beobachten, z.B. wie die Haut gespannt ist, wie die Rundung und Wölbung dieser Teile ist, wie sie durchstrahlt sind, kurz, wie die Qualität in der Formbildung ist.

Daß man den Ausdruck der Augen auch mit beobachtet, ist wohl selbstverständlich, denn das Auge ist das wunderbare Aufnahmeorgan für die Formen und Gestalten der Außenwelt.

Das Auge nimmt die Sehbilder auf und leitet sie nach innen zu weiter, zunächst zu den Sehzentralen, die im Hinterhaupt liegen, von hier aus mit Hilfe eines Milliardenschaltwerkes des Nervensystems zum Gehirn und zu sämtlichen Körperzellen. Es erfolgt darauf eine Reaktion und Rückstrahlung. Was innerlich als Sehbilder und Lichtreize aufgenommen und vearbeitet ist, das sammelt sich auf dem Wege der Rückstrahlung als Erfahrungswissen dort an, wo der Formen- und Gestaltsinn liegt.

Daher kann man an der äußeren Formbildung erkennen, wie diese Sinne entwickelt sind, was der Mensch diesbezüglich zu leisten vermag, ob, z.B. die Formerfassung als Grundlage für ein Talent zum Malen, Zeichnen, Bildhauen usw. ausreicht.

Zunächst nimmt ja das Auge mit dem Gesamtbild der Außenwelt die einzelnen Formen und Gestalten je nach Anlage mehr oder weniger scharf und deutlich wahr. Das Gedächtnis für Form und Gestalt liegt zu beiden Seiten etwas oberhalb des Formensinnes.

 

Die übrigen für die Beobachtung und Auffassung in Frage kommenden Sinne lagern und richten sich dann ordnungsmäßig weiter seitwärts der Augenwölbung, etwa so, wie Fig. 2 zeigt, worauf wir aber hier im Rahmen dieser Abhandlung nicht weiter eingehen können.

Fig. 2.

Kein Sinn hat wohl heute eine solch große Bedeutung wie der Formen- und Gestaltsinn, weil unser ganzes Kulturleben sozusagen daraufhin abgestimmt ist.

Was Industrie und Technik, Handwerk und Gewerbe, Architektur, Kunst und Kunstgewerbe in Bauten, Verkehrsmitteln, Luxus- und Gebrauchsgegenständen, was allein in der Bekleidung an Formgestaltung und, man kann sagen, an Formschönheit hervorgebracht wird, das ist ganz außerordentlich.

Dabei soll immer noch das eine schöner, handlicher und praktischer wie das andere sein, es soll in die Augen springen und Gefallen erregen. Danach kann man ermessen, was für eine Bedeutung der gut entwickelte Formen- und Gestaltsinn hat, wie wichtig es ist, diese Anlage nach Kraft und Vermögen, sowie das besondere Talent zu erkennen.

Die Natur ist ja wohl die größte Formgestalterin. In allen ihren toten und lebendigen Formen offenbart sich die Kraft und der Wille, der diese geschaffen hat.

Der Mensch und die Natur wetteifern im Formgestalten. Man kann auch so sagen: Die Natur arbeitet zur Zeit mit Hochdruck an der Entwicklung und Vollendung des menschlichen Formen- und Gestaltsinnes.

Noch lebt sich der Mensch in der äußerlichen Arbeit und Formgestaltung aus, und er hat noch nicht ganz erkannt, daß seine größte Lehrmeisterin, die Natur, in all ihren inneren Kräften aus ihrem sogenannten toten und vor allen Dingen aus ihrem lebendigen Formgestalten erkannt werden kann.

Je mehr aber der Mensch sein scharfes Sehen und Beobachten, das Augenmaß, den Formen- und Gestaltsinn in Verbindung mit dem psychologischen Erkenntnissinn entwickelt, um so mehr wird er befähigt, in der lebendigen Formbildung des Menschen mehr zu sehen wie bisher, nämlich die inneren Lebenskräfte, Gesundheit und Krankheit und den Lebensgeist überhaupt.

Man kann versucht sein zu glauben, es sei kein rein zufälliges Zusammentreffen, daß gerade zu der Zeit, da der Mensch seinen Formen- und Gestaltsinn so außerordentlich entwickelt, ein Genie von seltener umfassender Veranlagung ein Lehrsystem begründete, wodurch der Lebensgeist aus den Formen erkannt wird.

Die ganze Psycho-Physiognomik Carl Huters hat tatsächlich die gute Ausbildung des Formen- und Gestaltsinnes zur Bedingung oder Grundlage.

 

Betrachten wir Bild 3 und 4.

Bild 3.                            Bild 4.

 

Bild 3 zeigt das rekonstruierte Bild eines Urmenschen von Java.

Ganz kolossal stark und kraftvoll ist die Stirn direkt über den Augen, also die Beobachtung der realen Umwelt, entwickelt und besonders zwischen beiden Augen an der Nasenwurzel, dort, wo der Formen- und Gestaltsinn liegt. Man beachte auch, wie das Auge auf die Beobachtung eingestellt ist.

Der Urmensch besaß tatsächlich eine fabelhafte Beobachtungsgabe, erst dadurch hat er sich behaupten können und dann allmählich aus dem Urzustand höher entwickelt.

An dieser breiten, knorrigen, plastisch starken und gerundeten Stirn-Nasenansatz erkennen  wir also zuerst überhaupt den großartig entwickelten Beobachtungssinn für Form und Gestalt.

Bild 4 ist eine Gestalt aus der griechischen Sage. Hier finden wir die klassisch schöne Nasenwurzelbildung. Gegenüber dem Urmenschen sehen wir hier einen Entwicklungshochstand.

Wunderbar ist die Nasenwurzel hier herausgehoben, ganz abgesehen von der Verfeinerung der Nasen- und Stirnform überhaupt, des Mundes, des Untergesichtes usw.

Der brutale, rohe Daseinskampf, den noch der Urmensch zu führen gezwungen war, ist hier längst überwunden. Es hat bereits eine sehr große Verfeinerung Platz gegriffen.

Ein fabelhaft schnelles Auffassen und Handeln, eine Veredelung in der Richtung der Körperkultur, der Kunst und des Schönheitsgestaltens spricht aus diesem Bild.

Man betrachte die Rundung und verfeinerte gehobene Plastik an den Ecken des Stirn-Nasenansatzes und die darüber liegende Feinheit der Stirnteile.

Dabei besaß aber zweifellos der Urmensch in manchen Dingen, die für Bild 4 nicht mehr in Betracht kommen, eine Überlegenheit.

Das eine wird durch diese beiden Bilder klar ersichtlich, daß die Entwicklung und die Höherbildung der hier liegenden wichtigen Organe mit einer Verfeinerung der äußeren Formbildung des Knochens, der Gewebe und der Haut einhergeht.

Damit ist aber nicht gesagt, daß eine noch größere qualitative Entwicklung dieser Sinne und der äußeren Formbildung nun überhaupt nicht mehr möglich sei.

 

Betrachten wir die Bildausschnitte 5 und 6, zwei griechische Göttergestalten.

Bild 5.                                  Bild 6.

Hier sehen wir die schöne, klassisch-griechische Nasenwurzelbildung, die auf eine große Geistesruhe, Geistesklarheit, Geisteskonzentration, schnelle Auffassung und Wiedergabe, auf ein edles Feuer des Geistes und Gewandtheit, Formerfassung und Schönheitsgestalten deutet.

Der Künstler wußte also bereits, wie sich diese Wesenszüge physiognomisch ausprägen, denn sonst hätte er diese klassische Nasenwurzelbildung nicht in Marmor schaffen können, und sicher hat er dabei auch die besten lebendigen Vorbilder seiner Zeit benutzt.

Man beachte, wie wunderbar der Formensinn herausmodelliert ist, wie rein und edel die Zeichnung desselben ist.

Man beachte auch die Eckenkraft der Nasenwurzel, besonders bei Bild 5.

Heute würden wir aber trotzdem eine Göttergestalt, die uns als Vorbild dienen soll, dem wir nachstreben wollen, wesentlich anders bilden, weil diese Entwicklung nach unserer heutigen, wissenschaftlich begründeten Erkenntnis noch nicht die höchste Vollendung der Gesichts-, Kopf-, Schädel- und Körperformen bedeutet.

Betrachten wir nun zwei aus dem Leben des Volkes gegriffene Bilder unserer heutigen Zeit Nr. 7 und 8.

Bild 7.                                          Bild 8.

Der Unterschied in der Formbildung der Nasenwurzel ist deutlich. Es zeigt sich hier, daß das erstrebte Ideal der Formbildung und der Entwicklung des Menschen, wie es sich die alten Griechen vorstellten, nicht erreicht ist.

Aber es ist doch einiges erreicht. Das Gewebe ist bei beiden Bildern weich und eindrucksvoll – die Vorbedingung für eine glückliche, entwicklungsfähige Veranlagung der Nachkommen.

Bei beiden Bildern ist der Formensinn und überhaupt die Beobachtungsgabe schwach, aber weich und gefühlvoll, bei Bild 8 besonders die Wiedergabe.

Beide können wohl Einzelheiten gut und richtig erfassen, sonst aber steht die Beobachtung und Auffassung erst an der Schwelle der ganzen großen neuen Wahrheitserkenntnis.

Bild 7 hat eine schwache Geistesruhe, die Nasenwurzel ist zu eng, und wenn viel auf einmal auf diesen Menschen eindringt, verliert er die Ruhe, die Geistesgegenwart und wird ängstlich.

Bild 8, eine einfache und gute Frau, blieb neutral. Ihr war das Sehen des Geistes aus den Formen zu schwer – es ging beim besten Willen nicht: sie war gottesfürchtig und überließ die Zukunft Gottes Ratschluß.

So viel erkannte sie u.a. doch aus sich selbst, daß gewisse Menschen mit unsauberem Aussehen ihr sehr unangenehm waren, sie waren ihr in Gedanken und Handlungen nicht rein genug. Es war das erste Ahnen einer neuen Wahrheit, aus den Formen des Gesichts und dem Benehmen Rückschlüsse auf das innere Wesen zu machen.

Es würde endlose Mühe kosten, beide Personen so weit zu bringen, daß sich aus sich selbst auf Schritt und Tritt den Geist in den lebendigen Formen sehen, beobachten, erkennen und sich danach richten.

Nur nach und nach hätten sie bei viel Geduld und Liebe die groben Formmerkmale beim Menschen erkennen und werten lernen können, um beim ersten Widerspruch vielleicht wieder schwankend zu werden.

(Interessant ist an dem Bilde der Frau der original ausgeprägte Wortsinn unmittelbar über dem linken Auge, man beachte dort die Fülle und Spannung der Gewebe, sie besaß ein Erzähl- und Unterhaltungstalent.)

Der moderne Mensch ist so mit Pflichten überhäuft, daß ihm meist zur Schärfung der Beobachtung durch Übung die Zeit fehlt.

Fragt man heute einen Menschen, wie seine eigene Stirn-, Kopf-, Gesichts-, Ohren-, Nasen-, Mund- und Kinnbildung aussieht, so ist er meist erstaunt über eine solche Frage, er weiß es nicht.

Dafür haben aber diese Leute oft einen Blick für das Benehmen und die Kleidung anderer Menschen, für Wohnungseinrichtungen usw., daß man einfach staunen muß.

Das Sehen ist nach dieser Richtung hin also geübt. Aber darüber hinaus geht es nicht. – Sie urteilen nach diesen Äußerlichkeiten und wundern sich oft sehr, wenn sie mit dieser ihrer Kenntnis vom Menschen Enttäuschungen erleben. Sie sagen dann woh, das hätte ich nicht gedacht – aber weiter geht es nicht. Sie bleiben trotzdem im alten Geleise und dieser neuen Wahrheit gegenüber interesselos.

Wäre diese Psycho-Physiognomik [Physiognomische Psychologie] im alten Griechenland aufgetaucht, sicher und gewiß, man hätte sie mit Feuereifer aufgenommen, und die Kultur wäre dann heute eine andere. Aber wir wissen zum Glück, daß die Natur mehr wie je an der Entwicklung des Formen- und Gestaltsinnes arbeitet, und diesmal wird sie ihr Zielt erreichen, da ja die fortgeschrittene Naturwissenschaft dem gleichen Ziel unverkennbar zusteuert und die Lehre von dem Formenausdruck da ist.

Der Mensch kann zur Wahrheitserkenntnis kommen 1. durch Schmerz und Leid, 2. durch Denken, 3. durch Beobachten und Vorstellen.

 

Um nochmals den Unterschied in der Form- und Gewebsbildung genau zu sehen, betrachte man Bild 9 und 10.

Bild 9.                            Bild 10.

Bild 9 stellt die Göttin der Wissenschaft und Kriegskunst aus der griechischen Sage dar.

Man beachte, wie prachtvoll der Gestaltsinn ausgewölbt ist. Es ist die Formerkenntnis für die Kraft, Schönheit und Gestalt des Kriegers. Die dazwischenliegende mittlere Nasenwurzel zeigt edelste Plastik und Feinheit, die geistige Klarheit und Reife, um der Wissenschaft freien Spielraum zu lassen.

Diese plastische Nasenwurzel zeigt aber auch Geistesgegenwart und Entschlossenheit.

Bild 10 ist eine Zeichnung aus der Gegenwart. Diese kraftvolle, feinst gebildete Nasenwurzel in Verbindung mit dem klaren, großen und warmen Auge soll den Geist und die Formerfassung eines Menschen darstellen, die allseitig gut und im besten Sinne ausgebildet sind. Das ist von zwar ungeübter Hand, aber dennoch gut herausgeholt.

Man kann also tatsächlich mit einem Blick erkennen, wie die geistige Erfassungs-, Form- und Gestaltungskraft eines Menschen entwickelt ist.

Die stark ausgeprägte, klassisch griechische Nasenwurzelbildung findet man heutzutage nicht allzuoft. Wo man sie aber antrifft, da wird man auch beobachten, mit welcher Lebhaftigkeit, Sicherheit und Schnelligkeit ein solcher Mensch auffaßt, denkt und handelt. Gedanke, Tat und Wille sind bei ihm eins.

Es ist also diese Formbildung gewissermaßen auch heute noch ein Ideal, aber sie kann sich trotzdem noch weiter vervollkommnen.

Die fortschreitende Durchgeistigung und Entwicklung der lebendigen Formbildung geht nun nicht nach der Größe, Wucht oder Masse hin, sondern wie schon wiederholt dargelegt, nach der Feinheit und Qualität, und die Erkennung erfordert ein geschärftes Sehen.

 

Nun betrachte man Bild 11.

Bild 11 [Carl Huter, der Begründer der Physiognomischen Psychologie]

Hier ist die Formenbildung und Plastik in allen Teilen abgerundet, aber dabei in ganz warmem, durchleuchteten Gewebston gehalten.

Auch das Auge und die Augenlider zeigen eine plastisch vergeistigte Spannkraft.

Das Gewebe ist schwer zu bechreiben. Es prägt sich darin aber die Genialität dieses Mannes ebenso aus wie in der bloßen Formbildung – es ist außerordentlich stark heliodisch, d.h. mit Lebens-, Empfindungs- und Geistesstrahlenergie erfüllt.

Die Eckenkraft der Nasenwurzel und die plastische Wucht derselben, wie sie die klassischen Bildwerke aufweisen, ist hier nicht mehr zu finden, die Formteile sind bei aller Plastik und Fülle mild und sehr lebenswirklich abgerundet.

Das entpricht einer Formbeobachtung, die scharf alle Einzelteile erfaßt und wieder verbindet.

Vom Formensinn aus, der sich sehr plastisch abhebt, verlaufen zwei senkrechte Falten nach oben. Diese Anlage wird daher einem höchsten Zwecke dienstbar gemacht.

Diese dritte Falte verläuft genau in der Mitte, wo die Konzentration und Wiedergabe liegt, und ist auch plastisch abgehoben. (Hier haben besonders die großen Schriftsteller und Redner, die ihre Gedanken fließend zur Konzentration und Wiedergabe bringen, die sehr gute plastische Wölbung.)

Man kann an der Faltenbildung fast die Abgrenzung der einzelnen Sinne erkennen, sie deuten die Kraft an, mit welcher in diesem Zellen- und Atomgebäude die geistige Energie wirkt.

In diesem die Formen mit dem Geist durchdringenden Blick und der Formbildung der Nasenwurzel kommt die geniale Beobachtung und Auffassung der sichtbaren Welt, die Kraft der Konzentration und Wiedergabe zum Ausdruck.

Die Genialität offenbart sich also gar nicht auffallend, sondern lediglich in einer ganz besonderen Form- und Gewebsbildung, aber nichtsdestoweniger außerordentlich charakteristisch.

Beschreiben läßt sich das schwer, sehen ums so leichter. Wer diese Unterscheidungen aber nicht kennt, sieht nichts, daher ist das Genie auch selten erkannt, sondern meist verkannt, oft sogar verhöhnt und verlacht worden.

Darauf einzugehen, ist hier nicht der Ort, der Leser versuche, das Besondere in dieser Formbildung zu erkennen.

 

Bildausschnitt 12, ein Bild von Raphael, das von ihm selbst gezeichnet ist.

Bild 12.

Hier liegt in der Formbildung eine große Reinheit und innere Leuchtkraft, Ebenmaß und Schönheit.

Es ist die Genialität des Formen- und Farbensinnes, der Gestaltungskraft, siehe die unmittelbar aus dem Stirnansatz fließende edle lange Nasenform – ferner das herrliche schönheitsblickende Auge.

Hier ist der Formen- und Gestaltsinn – man beachte die edle Breite und Fülle der Nasenwurzel – wunderbar nach Form und Plastik, Kraft und Qualität hervorgehoben.

Raphael hat also selbst in seiner eigenen Zeichnung offensichtlich den Schwerpunkt auf die Feinheit, die plastische Form- und Quellkraft des Gestaltensinnes verlegt.

Ähnliches kann man bei allen Bildern der großen Meister der Malerei, Plastik und Architektur beobachten.

Ganz gewiß sind diese Meister die besten Beobachter der menschlichen Natur gewesen, und man kann allein schon auf Grund dessen alle Zweifel darüber, wie und wo diese Sinne zum Ausdruck kommen, hintanstellen.

Die Reinheit und Leuchtkraft der Form bei unserm Bild ist auf die Lebenskraftquelle, die in allen Tiefen des Gewebes liegt, zurückzuführen. Wer gut sehen kann, wird allerdings finden, daß die geistige Spannkraft in der Formbildung bei Bild 11 noch eine andere ist und noch intensiver hervortritt.


Die Welt der Kleinheit

Betrachtet man die Nasenwurzel mit dem Formen-, Gestalt- und geistigen Sammelsinn im Erfassen mit den Augen der modernen Naturwissenschaft, so findet man ein Gebäude von kompliziertestem Ausmaß.

Diese kleine Gesichts- und Gehirnstelle besteht schätzungsweise aus einigen Milliarden feinst organisierter Zellen, in denen eine gewaltige geistige Arbeit verrichtet wird.

Diese wiederum beruht auf Vererbung und Erfahrung, die auf Grund der Stammesgeschichte in ihren ersten Anfängen zurückgreift bis zur Entstehung des Menschengeschlechtes überhaupt und noch darüber hinaus.

XX

Zelle (hinzugefügt)

Jede einzelne Zelle stellt einen höchst komplizierten Bau dar aus Billionen von Molekülen, Atomen, Elektronen und Jonen.

Berechnet man die Größe eines Atoms vergleichsweise auf etwa einen hundertmilliardstel Kubikzentimeter, so ist die Größe des Atomkernes etwa ein billionstel Kubikzentimeter. In dem Atom kreisen die Elektronen und Jonen um diesen Kern ähnlich wie die Planeten um die Sonne.

Planetensystem (hinzugefügt)

Die Entfernungen in diesem Kleinstteilchen der Materie sind also ungeheuer. Sie sind ähnlich so wie in unserem wirklichen Sonnensystem, und ähnlich wie dort die Himmelskörper stehen auch diese Kleinstteilchen in einem gigantischem Kräftespiel.

Man kann sich danach von den Spannungen und Kraftäußerungen, die sich bei voller gesunder Lebenstätigkeit in diesen Organen abspielen, ein Bild machen.

Das Kleinste ist also sozusagen ein fernes Sinnbild des Großen und Unendlichen.

Damit ist aber die Welt des unendlich Kleinen noch nicht erschöpft, sondern sie beginnt erst, denn in jedem Atom und Elektron sind Teile des Empfindens vorhanden, jener Urkraft des Geistigen und des Lebens überhaupt, die den Anstoß zur Entwicklung gab, und zwar einmal nach der Richtung dieser materiellen sichtbaren Welt und ebenso nach der entgegengesetzten, sogenannten jenseitigen Richtung der Kleinheit und Feinheit – bis zur Unendlichkeit der Innerlichkeit und Tiefe.

Zieht man die Entwicklungslehre des Atoms in Betracht, so reicht die Erfahrung der darin enthaltenen Empfindungsenergie zurück bis zum Urzeitalter der Welt.

Wenn ein allmächtiger Gott die Welt geschaffen hätte, wahrlich, sie könnte nicht grandioser sein, als wie es uns unsere heutige Naturwissenschaft lehrt, obwohl die Erkenntnisse von den in Kleinstteilchen der Materie aufgespeicherten Energien erst zurückdatieren auf die Zeit der Entdeckung des X-Strahlen und des Radiums.

Unser derzeitiges Weltbild hat sich ungeheuer verändert, und wir müssen uns an den Gedanken gewöhnen, diesbezüglich umzulernen.

Es klingt wie eine Mär, daß ein einzelner Forscher, Carl Huter, auf dem Denkwege diese Welt des Kleinen und ihre gigantische Entwicklung bereits erforschte und bis ins Genaueste beschrieb, bevor noch die heutige Naturwissenschaft mit ihren diesbezüglichen Forschungen einsetzte.

Versucht man die Welt des Kleinen sich vorzustellen, und diese Arbeit ist nicht müßig, denn sie betrifft unser ureigenes Leben und Sein, so wird es möglich, die Entwicklung des Lebens, den Vorgang des Todes und das Jenseits restlos im Prinzip zu verstehen.

XX

Bild (hinzugefügt)

Wenn wir schon Mühe haben, uns die Kleinheit eines Atoms vorzustellen, so ist es klar, daß die Kleinheit und Feinheit der Impuls- und Empfindungsenergie, die schon fast immateriell ist, uns zunächst noch unfaßbarer erscheint.

Hier beginnt für uns das wirkliche und wahrhaftige Jenseits, die Welt der unendlichen Kleinheit, welche als Gegenpol der diesseitigen Welt, der unendlichen Größe des Weltenraumes, anzusehen ist. Beide Welten stehen in scheinbar ewigem Kreislauf und Austausch ihrer Stoffe und Kräfte.

In jener kleinen Gehirn- und Gesichtsstelle, die wir beschrieben haben, ist ein Teil der überschüssigen Empfindungsenergie, die sich von etwa 29 Billionen Körperzellen abspaltete, angesammelt, lebendig wirksam und tätig, eine großartige Geistesarbeit verrichtend.

Wir leben also in unserem Körper, gleichzeitig aber auch in der Welt des unendlich Kleinen, und damit wurzelt unsere Geistes- und Lebensenergie gleichzeitig auch in jener Welt des Kleinen, die wir als das Jenseits der Materie oder das Jenseits überhaupt bezeichnen müssen.

Demnach ist klar, daß mit dem Verfall des Körpers jene konzentrierte geistige Energie, welche die Form bildete, baute und belebte, nicht zu verfallen braucht, ja nicht einmal verfallen kann. Denn dieses abgespaltete, konzentrierte Geistige kann nicht zurück in die Kleinstteile der Materie, da kein Atom und Molekül diesbezüglich über das Proportionsmaß seiner Kräftebildung hinaus kann, also nicht mehr Empfindungsenergie aufnimmt, als ihm zukommt.

Daß diese höchste Energie des Lebens mit dem Tode unseren Blicken entschwindet, ist selbstverständlich. Wer aber behaupten will, daß sie deshalb nicht mehr da sei, der muß tatsächlich sich in die Vorstellung der Welt des Kleinen erst noch vertiefen.

Jedenfalls hat uns die moderne Naturwissenschaft eine würdige und vernünftige Vorstellung von Leben, Tod und Jenseits, ohne daß es allerdings zunächst in ihrem Willen lag, ermöglicht.

Damit soll dem Leser vor Augen geführt werden, daß die erwähnte kleine Gesichtsstelle mit den Augen der modernen Naturwissenschaft, Physik und Biologie, betrachtet, eine Ausdehnung nach der unendlichen Kleinheit hat.

Damit ändert sich das Weltbild, und zweifellos wird uns die moderne Naturwissenschaft mit der Zeit eine bisher nicht gekannte Hochachtung vor der Geistesentwicklung und vor dem Leben überhaupt abzwingen.

Es erscheint nun wert, diese kleine Gesichtsstelle, ebenso alle andern Kopf- und Gesichtsformen, mit liebendem Sinn aufmerksam bis in alle Qualitäten und Feinheiten zu beobachten und zu werten.

 

 

Damit können wir in unseren Studien fortfahren, und wir betrachten Bild 13.

Bild 13. Römischer Krieger im Kampf.

Man muß sich wundern, wie genau schon vor Tausenden von Jahren der Künstler, der dieses Bildwerk schuf, gewußt hat, wo der Form- und Gestaltsinn, die Konzentration, liegt.

Der Form- und Gestaltsinn ist hier außerordentlich plastisch und stark hervorgehoben, aber nicht weich, sondern hart.

Es wird nur im Moment die Gestalt und Bewegung beobachtet, und das Gefühl ist dabei gänzlich ausgeschaltet.

Daher ist das Gewebe wohl äußerst gespannt, aber wie hart und gefühllos.

Ganz eng ist der Formensinn von beiden Seiten nach der Mitte gezogen, wo die Konzentration, Willensanspannung und augenblickliche Handlungsfähigkeit liegt.

Dabei verläuft noch eine Falte quer über die Nasenwurzel, den Formen- und Gestaltsinn symbolisch verbindend.

Das Auge selbst ist unruhig gespannt und schreckhaft vorgedrängt, um zu beobachten und, wenn möglich, den Gegner mit dem Willen lähmend zu beeinflussen.

Der Künstler, der dieses Werk der Plastik schuf, hat also genau gewußt, worauf es bei der Darstellung ankam. Er ist in der richtigen Formbeobachtung der wissenschaftlichen Erkenntnis um Jahrtausende vorausgeeilt.

Daher ist auch der große bildende Künstler in die Reihe der großen Naturforscher miteinzubeziehen.

Wenn die Psycho-Physiognomik [Physiognomische Psychologie] allgemein in ihrer Wichtigkeit erkannt und gelehrt wird, dann werden die großen Kunstwerke, die noch aus vergangenen Zeiten erhalten sind, einen unersetzlichen Lehrwert erhalten.

Bild 14

Bild 14 zeigt einen großen Weltmeisterschützen, der bei 50 Schuß 50 mal das Zentrum traf.

Hier ist die Augen- und die Nasenwurzelform wie abgezirkelt, und man kann an den senkrechten Falten von der Nasenmitte nach den Seiten der Unterstirn die sieben Hauptsinne, die hier liegen, deutlich und genau abgegrenzt sehen.

Von den beiden inneren Augenecken, wo das Augenmaß und die Raumeinteilung liegt, zieht sich sehr deutlich sichtbar ein äußerst starker, fester, plastischer Zug über die breite Nasenwurzel, wodurch die Natur deutlich zeigt, welcher Sinn ganz besonders angespannt und entwickelt ist.

Die tiefe senkrechte Stirnfalte in der Mitte kennzeichnet in der lebendigen Sprache der Natur deutlich die starke Konzentration, welche auch aus dieser Stellung der Augen und dem Blick zu ersehen ist, der sich auf einen Punkt in der mittleren Entfernung richtet. Die obere Nasenform zeigt die stark konzentrierte motorische Kraft und Energie des Körpers und die Wangen, die hier an beiden Seiten des Nasendaches hervorquellen, daß alles Empfinden nach dieser einen gekennzeichneten Richtung eingestellt ist.

Deutlicher kann die Natur in ihrer Ursprache die bevorzugte Betätigung dieser Sinne nicht kenntlich machen.

Das Gewebe selbst scheint wie aus Bronze gegossen zu sein.

Bild 15.

Bild 15 zeigt die leicht gebaute, breite Nasenwurzel bei einer Bühnen- und Filmkünstlerin.

Besonders ist die Nasenwurzel dort auffallend stark, kraftvoll und schön, wo der Formen- und Gestaltsinn liegt. Das Auge ist lebhaft und bewegt, ganz auf die Beobachtung der Form, Bewegung und Gestalt eingestellt, also auf das Äußerliche, Darstellung, Farben, schöne Kleider usw.

In dieser Weise kann der Formen- und Schönheitssinn förmlich den ganzen Menschen ausmachen und beherrschen. Das geht so weit, daß das Gesicht angemalt und das Haar künstlich gebleicht wird.

Wenn nun diese an sich gute Entwicklung des Formensinnes auch noch nach der Richtung geschult, geübt und betätigt wird, den inneren Gehalt, den Geist aus den Formen zu sehen, dann braucht zwar die Lebensfreudigkeit keineswegs zurückstehen, aber es kommt noch eine besondere Feinheit und Wärme im Ausdruck und in der Form hinzu, wie z.B. bei Bild 11 und 12.

Es ist also bei Bild 15 nur die eine Seite des Formensinnes stark betätigt, die der Äußerlichkeit und nicht die der Innerlichkeit und Tiefe. Das liegt auch im gesamten Ausdruck.

Diese einseitige Entwicklung wird sich einmal müde leben und der Wunsch erwachen, tiefer in das Geheimnis der Natur einzudringen und aus den natürlichen, lebendigen Gesichtsformen die geistigen Werte zu erkennen.

 

Bild 16 zeigt den kräftigen und wuchtigen Nasenansatz eines hervorragenden Flugzeugführers, des Mannes, der sich bis zum Äußersten anstrengt.

Schärfstens und auf weite Sicht beobachtend liegt das Auge fest in den Lidern und sprechend kräftig wölbt sich der Form- und Gestaltsinn heraus, und angespannt ist die Plastik, wo der Sinn für den Ort und die Orientierung liegt, vergleiche Fig. 2.


Fig. 2.

Man beachte über dem Auge in dem plastischen Schnitt der Form die Kraft für die Schwer- und Gewichtsmassenorientierung.

Dabei ist die Konzentration in der Mitte der Nasenwurzel, siehe die typischen Falten, bis auf den Punkt gerichtet, und darüber, wo das Gedächtnis für Form und Gestalt, Ort und Gewicht liegt, ist die Gewebsbildung außerordentlich charakteristisch.

Alle Geistesenergie scheint auf die Beobachtung der Bewegung und Veränderung und auf die Auffassung von Form und Gestalt gerichtet zu sein.

Anspannung und urwüchsige Kraft und Wucht liegt in diesen Form- und Gewebsteilen. Für die Auswahl der Flieger könnte die Kenntnis dieser Formbedeutung sehr nutzbringend verwertet werden.

Wenn man das Gesicht eines Menschen ruhig einen Moment beobachten kann, dann ist leicht zu erkennen, ob sich der Formen- und Gestaltsinn in seiner Leuchtkraft, Spannung und Klarheit abhebt oder nicht, ob derselbe also stark oder schwach entwickelt und geübt ist.

Übrigens bekommt man so auch ein Verständnis dafür, warum denn die Gesichter der Menschen, die einzelnen Gesichtsteile so verschieden sind, es zeigt sich darin die Anlage, Kraft und Betätigung der einzelnen Sinne.

Bild 17.                                Bild18.

Bild 17 und 18 zeigt ein Ehepaar. Die Frau hat den Formen- und Gestaltsinn besser entwickelt wie der Mann.

Das kann man deutlich sehen, wenn man ruhig den Blick auf dem Stirn- und Nasenteil zwischen beiden Augen ruhen läßt. Man kann deutlich sehen, daß dieser Teil bei der Frau entschieden klarer, besser und stärker herausgeholt und abgerundet ist. Auch das Auge blickt freudig und beobachtend.

Die Frau hat mit großer Vorliebe die Schönheit der Natur beobachtet und hatte auch Interesse für die Menschenkenntnis, da sie die Gesichter und ihre Einzelheiten ganz gut unterscheiden konnte und sich davon überzeugte, daß diese Formen nicht Zufall sind, sondern eine Naturbedeutung haben.

Ihre Liebe zur Naturbeobachtung führte sie dahin, zu erkennen, daß ja jeder Baum, jede Pflanze und jedes Tier entsprechend der inneren Eigenart eine andere äußere Form hat.

Sie war auf dem richtigen Wege zur Wahrheitserkenntnis, daher auch der freudige Blick. Dieses zarte Geistesflämmchen der Erkenntnis verlöschte aber wieder, als eine starke Veränderung der äußeren Verhältnisse in ihr Leben trat. Die Kraft war noch nicht stark genug und reichte nicht aus.

Der Mann war Beamter und beobachtete nur spezielle technische Einzelheiten gut und übte den Formensinn nach dieser Richtung. Hier fehlt noch sehr die lebendige Kraft und die Geistigkeit in der Nasenwurzel. Das zeigt auch der Ausdruck der Augen und der nur auf das Naheliegende des täglichen Lebens gerichtete Blick.

Bild 19.

Dieses Bild 19 zeigt und trotz der Kleinheit, daß der Formen- und Gestaltsinn hier ganz gut ausgebildet ist.

Man beobachte nur, wie schön plastisch die Formbildung über den Augen nach der Mitte der Nasenwurzel zusammentritt.

Auch ist die Nasenwurzel ganz gut herausgehoben. Das Auge blickt recht klar und beobachtend.

So klein auch der Bildausschnitt ist, er läßt dennoch erkennen, daß im gegebenen Fall die Anlage für einen Beruf vorhanden ist, der einen guten Formen- und Gestaltsinn zur Bedingung hat.

Bild 20.

Bei Bild 20 fällt hingegen die Breite und Wuchtigkeit der Nasenwurzelbildung auf, die wir bei Menschen finden, die sehr viel praktische Erfahrung ansammeln.

Das ist z.B. etwas, was der Kaufmann braucht, er muß praktisch beobachten können, um die Qualität und Quantität der Waren und Gegenstände aus dem Äußern, Form, Gewicht, Farbe, Konstanz, Struktur usw. zu bestimmen.

Hier fällt also die Erfassung, die Formbeobachtung leicht, auch die Aneignung einer für den Beruf erforderlichen ausreichenden praktischen Erfahrung und Menschenkenntnis, um die Ruhe und Geistesgegenwart nicht zu verlieren.

Dabei ist die Form gut gespannt, aber eine besondere Feinheit liegt nicht vor, nur große Geschäftigkeit, Aufmerksamkeit und Objektivität.

Das Auge blickt auch entsprechend durchaus klar, aber real und nüchtern, ohne besondere Wärme, Gefühl und Idealität.

Bild 21.

Bild 21 zeigt einen Gesichtsausschnitt des sterbenden Priesters der Laokoongruppe, in welchem typisch der höchste seelische und körperliche Schmerz zum Ausdruck kommt, wobei doch noch die  Weichheit und Schönheit gewahrt bleibt.

Im größten körperlichen und seelischen Schmerz ist die Stirn nach der Mitte gezogen, wo die geistige Konzentration liegt. Die tiefe Falte hier zeigt die gewaltige Anstrengung aller innern seelischen und geistigen Kräfte, um nicht zu verzweifeln, den Schmerz würdig zu tragen.

Der Formen- und Getaltsinn ist zu starken Ecken nach oben gezogen, das innere Gewebe ist hervorgequollen. Von allem äußeren Geschehen abgewandt, ist die Geistesenergie bis zuletzt konzentriert. Diese gewaltige Formbildung symbolisiert, daß die inner geistige Energie noch die Herrschaft über den Körper behält, bis sie denselben verläßt, um jenseits der Atome, Moleküle und Elektronen unter anderen Lebensbedingungen sich weiter zu entwickeln.

 

Johann Kulpok (Bild 1923) (Archiv)

Der oben Abgebildete, eine durchaus originale Natur, hat viele Jahre die Psycho-Physiognomik eifrig gefördert.

Er stellte sich selbst zurück, was leicht verständlich ist, wenn man die hochgehende vordere Oberstirn betrachtet und damit das schwächere hintere Oberhaupt vergleicht.

Das obere Vorderhaupt ist sehr gut plastisch ausgewölbt, gut durchspannt und auch seitlich breit, und das hier liegende Haar kennzeichnet den Gemütszustand, mit Eifer für neue Wahrheiten tätig zu sein.

Als Sanitätsoffizier beseelte ihn im Kriege große Unerschrockenheit und Hilfsbereitschaft, siehe das große, Tatkraft sprechende Ohr und die ausgesprochene Kinn- und Unterkieferform des Kriegers.

Er wurde schwer verwundet – seine Kameraden brachten ihn aus schwerem Feuer zurück -, er verlor den rechten Arm.

Zu unserm Thema betrachte man die Nasenwurzel, sie ist eng, aber die Wiedergabe darüber ist um so stärker, wobei das Auge scharf beobachtet. Die reale Übersicht stand gegenüber dem starken Gefühl und seiner Gutmütigkeit und Tatkraft zurück, – er hat viel Fehlschläge und Leid durchgemacht.

Auffallend ist der warme Ton der Gewebe. Er hatte ein weiches Gemüt und Interesse für psychologische Dinge. Er schonte sich nicht und schon krank, gab er bis kurz vor seinem Tode (1936) noch Unterricht in der wissenschaftlichen Psycho-Physiognomik.

Die Fragen über Leben und Tod interessierten ihn besonders. Er hatte über diese Dinge auf Grund der neuesten Forschungen vollständige Klarheit und hegte keinen Zweifel über ein individuelles Fortleben nach dem Tode.

Wissend und mutig sah er dem Tod ins Auge. Er starb in den Armen seiner Frau mit den Worten: Grüße mir alle meine Freunde und guten Bekannten, leb wohl, Jenn! Wir übermitteln hiermit allen, die ihn kannten, seinen letzten Gruß.

Er wollte, daß seine Asche in aller Stille und ohne Gefolge beigesetzt würde, aber viele seiner Berufskameraden, die Heilpraktiker in Dessau, ließen es sich nicht nehmen, ihm dennoch das letzte Geleite zu geben. Ehre seinem Andenken!

 

Bild („treu und fest“, hinzugefügt)

Lebensrichtung von Carl Huter (1905), 1. Strophe:

Immer den Blick nur nach vorwärts gerichtet,

Niemals verzagen, wenn Schweres uns droht,

Selbst wenn das Schicksal uns alles vernichtet,

Schaut nur ins Auge recht mutig dem Tod,

Eins bleibt uns sicher, das nimmt man uns nicht,

Es ist die Treue in Tugend und Pflicht.

 

 

 

Große Studienbüste (Photo Myrta Chesini, Schweiz)

Mail vom 23. September 2005 von „Myrta Chesini“ mchesini@hispeed.ch an Herrn Timm.

Sehr geehrter Herr Timm

Die Studienbüste hat ihr neues Zuhause gefunden. Der neue Besitzer würde

gerne mit Ihnen Kontakt aufnehmen, denn er verbreitet auch die Lehre von

Carl Huter. Wenn Sie das möchten, hier seine Mail Adresse:

info@diagnostik.de ( Hr.Michael Münch ).

Herzlichen Dank für den Kontakt mit Ihnen, wünsche Ihnen alles Gute und

herzliche Grüsse aus der Schweiz

Myrta Chesini         (Hinzugefügt)

Schriftleiter Amandus Kupfer, Schwaig bei Nürnberg

D.A. 4500. Druck: C. Brügel & Sohn AG. Ansbach.

Herausgegeben von Amandus Kupfer, Schwaig bei Nürnberg

Schweizer Huterfreunde

Neuherausgeber Medical-Manager Wolfgang Timm

Copyright 2001-2008 by Carl-Huter-Zentral-Archiv

 

 D The Gate MK

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