Schlagwort: Carl Huter

DgM 054

Der gute Menschenkenner 054 von 101

MENSCHENKENNTNIS           

CARL HUTER (1861-1912)

pgs-link-wwwchzade-redm.jpg 

Der Menschenkenner und die neue Zeit

nach Carl Huters Psycho-Physiognomik

 dgm59dgm_1937.jpg

Herausgegeben von Amandus Kupfer in Schwaig bei Nürnberg

CARL-HUTER-ZENTRAL-ARCHIV

Medical-Manager Wolfgang Timm

http://www.chza.de 

 

  Form Geist

EXTRA LIFE INTELLIGENCE TRANS ENERGY 

PSYCHOLOGIE UND MEDIZIN DER ZUKUNFT 

 

 

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                         
Der gute Menschenkenner                                                                        
                                                          

nach Carl Huters Psycho-Physiognomik

© Juli 1937, Nr. 54

dgm054-titel-a

LEBENSAUSDRUCK

DER WANGEN

dgm054-titel-wangen-bilder

Gesunde Stoffe und Kräfte, Blut- und

Reserve-Säfte, Verdauung und Stoffwechsel

 dgm054-titel-c

PHYSIOGNOMISCHE STUDIEN AN 20 PHOTOS

 

Ach  wie bald

Schwindet Schönheit und Gestalt!

Tust du stolz mit deinen Wangen,

Die wie Milch und Purpur prangen?

Ach, die Rosen welken all!

(Aus „Reiters Morgengesang aus Hauff.)

dgm054-gedicht-start

Über den Lebensausdruck der Wangen würde am besten ein großer Dichter schreiben und ein großer Kunstmaler und Naturarzt dazu die farbigen Illustrationen geben. –

Hier kann nur von den wissenschaftlichen Feststellungen eines Genies ausgegangen werde. Carl Huter legte in seiner Psycho-Physiognomik [Physiognomische Psychologie] im Rahmen seiner Gesamtforschungen Grundsätzliches über die Beziehung der Wangen zu inneren Körpervorgängen und die seelische Bedeutung dar.

dgm054-titel-b

Zeichnung E. Mellerke

Rechts oben die große Zeichnung gibt durch schematische Inschriften an den Wangen zu verstehen, was hier zum Ausdruck kommt.

Es ist das gesunde Blut und die Lymphe, es sind die Säfte, die Reservestoffe und –kräfte, die aus dem Körper zu Hals, Gesicht, Sinnesorganen und Gehirn emporsteigen, um Leben, Arbeit und Tätigkeit auszulösen, und im weiteren ist es die gesunde Verdauung, der rege Stoffwechsel, der den Wangen Form und Farbe, plastische Spannkraft und Frische, den gesunden Ausdruck verleiht.

Wenn die Wangen rosig, warm und frisch, von blühender Kraft sind, dann pflegt man zu sagen, der Mensch sieht gut aus. Sind aber die Wangen abgehärmt und bleich, – fließt die Träne über die Wangen, – dann weiß man, daß körperliches und seelisches Leid die Ursache ist.

Folglich muß hier eine alte Erfahrung zugrunde liegen, die in der Tat durch die Wissenschaft genügend bestätigt wird. –

Wir wollen zunächst an den vier obigen kleinen Bildchen eine praktische Vorstudie machen.

dgm054-bilder-titel-alle

Das ist insofern sehr gut möglich, als die dargestellte Dame sich bei den Bildaufnahmen in einem besonderen, durch sympathisch-hypnotische Beeinflussung herbeigeführten Traumzustand befindet, in welchem sie außerordentlich fein und natürlich auf äußere Einflüsse, Suggestionen, Dichtungen, Erzählungen, Musik usw. reagiert.

Es ist die berühmte Traumtänzerin Madeleine.

Was sie innerlich erlebt, spiegelt sich lebhaft an Augen, Wangen und Gesicht, in Gebärden, Mimik und Bewegungen wieder.

Nicht besser und einwandfreier kann der formende und gestaltende Einfluß der Seele auf Körper und Gesicht gezeigt werden wie durch die naturgetreuen Bilder dieser großen Darstellerin in den verschiedenen Gemütszuständen.

Das erste Bild, von links nach rechts betrachtet, zeigt die Madeleine etwas ermüdet, aber beglückt nach einem fröhlichen Tanz. Wohlig und freudig innerlich erregt sind die Gefühle, die sich im Gesicht kundgeben.

dgm054-bild-titel-1-li

Die Wangen sind ganz warm, voll und plastisch geformt, das Blut fließt lebhaft durch die Adern, glücklich ist der Stoffwechsel angeregt und das Leben ist erhöht.

Dieser glückliche innere Zustand gibt sich deutlich an Gesicht, Hals, Wangen, Haar, Brust und Haltung kund. Voll, weich, locker, rosig und schön ist der Ausdruck der Wangen und des Gesichts.

Wer will, kann daraus lernen, daß der edle Tanz und die Musik, Freude, Leben und Gesundheit stärken.

Das zweite Bildchen aber ist ganz anders. Hier sehen wir die Madeleine in zorniger Erregung und abwehrender Haltung: „Nein, sie will nicht. –„ sie ist erzürnt und gekränkt.

dgm054-bild-titel-2-li

Die Augenbrauen sind zusammengezogen, die Augen drängen seitlich hervor, die Nase härtet und die Nasenflügel spanne sich, das Kinn strafft sich, die Mundwinkel ziehen sich herab, steif wird die Haltung.

Die Wangen und alle Gewebe härten und straffen sich, alles warme Gefühl ist zurückgedrängt, die harte Spannung überträgt sich auf Ohren und Haar.

Würde dieser Zustand anhalten oder sich öfters wiederholen, dann müßte sie hart und gefühllos werden.

Wer will, kann daraus lernen, daß die Lebens- und Seelenkraft durch reine Freude glücklich angeregt wird, daß aber harte Gefühle bewirken, daß das warm empfindende Leben sich zurückzieht zugunsten der harten magnetischen und elektrischen Energien, – die aus sich keine Leben und Glück bilden können.

Das dritte Bildchen zeigt die Madeleine in furchtsamer, unglücklicher Erregung und Erwartung, in Angst und Sorge.

dgm054-bild-titel-3-re

Die Stirn und das Haar, die in der Freude wie glücklich gehoben erschienen, sind wie eingefallen und gedrückt, die Stirn liegt in kummervollen Falten. Das Auge tritt nach unten liegend angstvoll hervor, die Körperhaltung ist zusammengekauert, alle Gewebe fallen ein und haben gänzlich die glückliche Spannung verloren.

Wie tief eingefallen sind die eben noch so lächelnden Wangen, knochig treten die Jochbeine heraus und abwärts davon, wo Reservestoff und –kraft zum Ausdruck kommen, fallen die Wangen tief und wie abgehärmt ein.

Das Haar hat alle glückliche Spannkraft verloren und selbst die Haut schrumpft ein. Dieser Zustand ist nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich, – man beachte die Nasenflügel, selbst die Atmung stockt, – alle Organe sind betroffen und das Leben ist sichtlich im Verfall.

XX

Neue deutsche psycho-physiologische Heilweise (Hinzugefügt)

Wer will, kann daraus lernen, im täglichen Leben möglichst so zu handeln, daß die Lebensfreude und die Lebenslust aller Mitwesen erhöht wird, Es könnte danach eine neue deutsche psycho-physiologische Heilweise begründet werden,  wie sie Huter bereits ausgeübt hat.

Das vierte Bildchen zeigt die Madeleine, wie sie aus dem Zustand tiefer Trauer durch freundliche Musik in glückliche Erinnerung versetzt wird.

dgm054-bild-titel-4-re

Wohlgemerkt, diese Darstellungen zeigen bloße seelische imaginäre Zustände, – wieviel nachhaltiger müssen diese erst im wirklichen Leben sich auswirken!

Das ganze Gesicht ist von freudiger Erinnerung belebt, Augen, Mund und Wangen haben den frohen Ausdruck.

Das glückliche Gefühl steigt von innen auf und bringt die Wangen und alle Gewebe in lebenswarme, volle plastische Spannung. Das Haar nimmt an diesem glücklichen Gemütszustand teil, es ist gehoben, weich gelockert

Die zugrunde liegende Wahrheit ist, daß die Lebenskraft in glücklichem Zustand aus allen Atomen und Molekülen neue Nahrung saugt, wodurch der gesamte Lebensprozeß erhöht, das Leben gestärkt wird.

Der Ernst und der Kampf des Lebens sollen also stetig, wie die Natur durch die Sonnenstrahlen beglückt und belebt wird, durch die Wunderkraft der Freude, der Liebe verschönt und durchsonnt werden. Nie soll die Trauer überhandnehmen, denn sonst saugt die lebendige und scheinbar tote Umgebung noch die Lebenskraft auf.

So könnte an über 1000 Bildern der Madeleine diese Darlegungen erweitert werden, eine ganz neue Lebenskunst aus dem Lebensausdruck erlernt werden, jedoch bleibt dieses einer späteren Zeit vorbehalten. –

An den vier Bildern sieht man deutlich, wie das angeregte Gefühlsleben sich bis in alle Körperteile fortpflanzt und gesetzmäßig offenbart. Was ist dageben alle Theorie? –Form und Ausdruck sind der Born der Wahrheit

huter-geist-formen2

Form und Geist (Hinzugefügt)

 

Man braucht nur die anatomischen Abbildungen 5 und 6 zu betrachten, um inne zu werden, wie reich der aus den inneren Leiborganen kommende verschiedenartige Blut- und Schlagadernverlauf der linken und rechten Gesichtshälfte ist und daß diesbezüglich ein Zusammenhang mit den äußeren Wangenformen bestehen muß.

dgm054-fig-5-mt

Fig. 5. Rechte Hals-, Kopf- und Gesichtsseite mit vorherrschendem schwerem Saug-Blut in den venösen Adernverzweigungen. Nach Prof. Östreicher

dgm054-fig-6-mt

Fig. 6. Linke Hals-, Kopf- und Gesichtshälfte mit vorherrschendem hellrotem Schlagaderblut in den arteriellen Adergefäßen

Die rechte Gesichtshälfte ist mehr mit dickeren, die linke mit dünneren Blutadern durchzogen, daher zeigen die Wangen nicht nur den gesunden Vorrat und die Beschaffenheit der Blutstoffe, Kräfte und Körpersäfte, sondern die Verschiedenheit und Bedeutung dieser körperlichen Zustände spiegelt sich demgemäß auch in einer geringen oder stärkeren Verschiedenheit beider Wangen.

Aber auch mit Lymphgefäßen sind die Wangen reich durchzogen, daher zeigt sich hier die mehr oder weniger gesunde Beschaffenheit der Lymphe und Säfte und deren Fülle, wie uns Fig. 7 leicht zu belehren imstande ist.

dgm054-fig-7-mt

Fig. 7. Die Lymphgefäße des Gesichts und des Halses. Nach Prof. Dr. med. Weber

Die Gesundheit von Blut und Lymphe, Stoff und Kraft, gründet sich auf den regen Stoffwechsel und die gute Verdauung, daher ist es verständlich, daß die Darmbeschaffenheit des Leibes an den Wangen sich gleichzeitig mit widerspiegeln muß.

mirrors-x1

Spiegeln, Mirrors (Hinzugefügt)

Das ist alles so selbstverständlich und so einleuchtend, daß man sich nur wundern muß, daß diese Zusammenhänge so wenig Beachtung gefunden haben. Man übersah das Naheliegende, die wunderbare Einheit des lebendigen inneren Körperlebens und des äußeren Lebensausdrucks.

Es ist nicht nötig, auf die Kraftrichtungs- und Entwicklungsordnung einzugehen, die Huter in der Natur gefunden und nachgewiesen hat, um weitere wissenschaftliche Belege für den Zusammenhang der Wangen mit den inneren Körperorganen darzulegen, denn das Angeführte ist genügend stichhaltig und einleuchtend.

Im weiteren müssen wir in Betracht ziehen, daß die Wangen auch außerordentlich reich mit Nerven durchzogen sind, die teils aus den Leiborganen, teils aus dem Gehirn kommen.

Daher zeigt sich an Wangen und Gesicht nicht nur das Unbewußt-Inner-Körperliche, sondern auch das Bewußt-Körperliche, schließlich sogar der Eindruck der objektiven äußeren Welt, der Außer-Körperlichen, das dem Bewußtsein durch das Auge und die weiteren Sinnesorgane vermittelt und zum Gesicht übertragen wird.

Somit haben wir für den Lebensausdruck der Wangen die so nötige real-wissenschaftliche Unterlage und wollen an Bildern aus dem Leben unsere Studien fortsetzen.

dgm054-bild-08-ot

Bild 8. Die vollen, weichen Wangen Archiv

Figur 5, 6 und 7 zeigen deutlich, wie die Blut- und Lymphsäfte und mit ihnen die Lebens- und Seelenkräfte, die aus den Leiborganen aufsteigen, sich über Hals, Wangen und Gesicht verteilen.

Wenn nun die Ernährungs- und Verdauungs-, also die Leiborgane stark betont sind, dann zeigt sich das folgerichtig klar und deutlich an den vollen, fleischigen, weichen Wangen und am Hals wie bei Bild 8.

Diese vollen und weichen Wangen und Halsformen deuten also auf eine reiche Stoffülle, Blut-, Lymph- und Säftebildung, auf einen großen Vorrat von Stoff und Kraft.

Man kann sich diesen würdigen Mann im reifen Alter sehr gut als den tüchtigen Wirt eines gemütlichen Gasthauses alten Stils, als Besitzer und Hausvater denken.

Die weichen, vollen Wangen sind ausdrucksvoll belebt, der Mund zeigt den prüfenden Zug und den Feingeschmack, Augen und Gesichtszüge sind ernst und nachdenklich, die Nasenform bestimmt und fest, kraftvoll das Seitenhaupt, es ist das wirtschaftliche Talent.

Mit dieser Stoffülle, der reichlichen Produktion an Blut- und Lymphsäften, der zu diesen vollen Wangen- und Halsformen gehörenden beleibten Gestalt ist auch eine entsprechende seelische und geistige Einstellung und Veranlagung verbunden. Alles was mit der Lebensmittelproduktion und der entsprechenden Wirtschaftlichkeit zusammenhängt, findet hier reichliches Interesse und Verständnis.

Es ist das von Carl Huter entdeckte Ruh- und Ernährungs-Naturell, ein Lebensgrundformtypus.

XX

Chemisches Ruh- und Ernährungs-Naturell (Hinzugefügt)

Die Veranlagung ist durchaus normal und gesund, es ist der bevorzugte Stoffumsatz, der rege, gesunde Stoffwechsel, der diese angenehm und ausdrucksvoll geformten Wangen kennzeichnet.

Der Mann ißt reichlich und gut, er liebt eine leicht verdauliche, gut zubereitete Kost, – dagegen ist nichts einzuwenden, er ißt durchaus nicht übermäßig. Die Nahrung wird aber gut umgesetzt und verdaut. Die Körperfülle verursacht keine Beschwerden, er ist lebensfroh und munter und kann ein hohes Alter erreichen.

Daraus ist die Bedeutung dieser vollen, weichen, säftereichen Wangen deutlich zu erkennen.

Auch diese Frau, Bild 9, hat die vollen fleischigen Wangen, den vollen Hals, die gesunde, glatt und frisch gespannte Haut, ein klares Auge und einen natürlich guten, wenn auch etwas besorgt unruhigen Ausdruck.

dgm054-bild-09-ot

Bild 9. Voll geformte Wangen, kurzer voller Hals, reiche Stoffülle und Ernährungsanlage

Sie ist im Moment des Photographierens etwas mißlich gestimmt, was sich mimisch im Ausdruck von Augen, Mund und mittlerem Gesicht zeigt, sonst ist sie aber, wie die Formen an sich kundgeben, lebensfroh, sehr praktisch, wirtschaftlich und gutmütig.

Diese vollen Wangen deuten also auf reichliche Stoffülle, auf eine sehr gute Verdauung und Ernährung, auf einen gesunden Stoffwechsel und im Rahmen der Allgemeinveranlagung, da aus dem Leiblichen das Seelische hervorwächst, aus einen klugen, praktischen, wirtschaftlichen und ökonomischen Sinn.

Der etwas gröbere Mund zeigt, daß sie in der Nahrungsaufnahme durchaus nicht wählerisch ist, einfach, leicht verdaulich und gut zubereitet muß die Kost sein.

Wer also glaubt, diese Menschen müßten schlemmen und prassen, der irrt sich. Die natürliche Fülle ist die gesunde, normale Veranlagung des Ernährungs-Naturells mit den vorzugsweise betonten Leib- und Verdauungsorganen. Es sind lebensfrohe, tüchtige Menschen, die das Bestehende zu erhalten suchen, wenn sie in die reale Lebenswirklichkeit gestellt sind, in welche sie hineinpassen. –

Dieses antike Bildwerk Nr. 10 zeigt die Ruine eines Menschen, einen alten reichen Römer, der durch Übergenuß und Ausschweifungen bald am Ende angelangt ist.

Hier hat die gesunde Natürlichkeit längst aufgehört. Der Mann hat dem Guten zu viel zugesprochen, was allein schon aus dem häßlichen Mund ersichtlich wird, der auf Übergenuß und Entartung deutet.

dgm054-bild-10-ot

Bild 10. Ein häßlicher alter Römer Glyptothek, München

Bei den alten Römern war Schlemmen und Prassen eine sehr üble Sitte der reichen Stände. Hier sehen wir das Endresultat.

Überall am Gesicht und am Hals zeigen sich häßliche Formveränderungen, die Wangen sind faltig und filzig geworden, der tiefe, scharfe Einschnitt der Wangen seitlich vom Auge abwärts bis zum Unterkiefer, der wie mit dem Messer gemacht erscheint, deutet auf Gefühlsverhärtung.

Der Übergenuß und die Ausschweifung ersticken das unbewußte normale Gefühl in den die Lebenssäfte und Kräfte produzierenden Leiborganen, erzeugen kein Wohlbefinden, sondern Ekel und Überdruß, daher die Rückwirkung in den häßlichen Formveränderungen an Wangen, Hals, Kinn, Nase und Mund. Entsprechend ungünstig verändert sind Seele und Charakter.

Auch das Obergehirn, das Schädeldach, das sich nach links zu abflacht und nicht mehr gerade sitzt, steht unter einem Überdruck, wodurch die edelsten Organe, die hier liegen, verkümmert sind, was wiederum auf das Gesicht ungünstig zurückwirkt.

Die Moral ist: lebe einfach und schlicht je nach der Veranlagung, vermeide jeden Übergenuß, dann bleibt das gesunde, natürliche Lebensgefühl erhalten und spiegelt sich im reinen und schönen Körperbau, in Augen und Gesichtsausdruck wieder.

pp-naturell-sprache-natur

Naturell-Schema von und nach Carl Huter (Hinzugefügt)

 

Die folgenden Bilder 11, 12 und 13 zeigen uns nun etwas typisch anderes.

In Bild 11 sehen wir das Bewegungs-Naturell, den zweiten Haupttypus des Lebens.

dgm054-bild-11-mt

Bild 11.         Archiv

Hagere Wangen und natürlich gesunde Veranlagung

Hier sind die Wangen hager, mager, markant, muskulös und fest. Bewegungsfleißige Menschen haben oft die mageren Gesichter.

Man betrachte nun das lange Gesicht, das feste, sehr starke Kinn, den starken Unterkiefer, die starken Jochbeine. Ein enorm starkes Knochengerüst bildet hier die Unterlage für den Gesichtsbau, daneben ein straffes und festes Muskelsystem.

Das ist hier natürliche Veranlagung und gleichbedeutend mit Gesundheit.

Demgemäß steht aber die Fülle und der Reichtum in der Ernährung, der Blut- und Nervenstoffe und –kräfte, der Lymphe und Säfte zurück. Die Knochen- und Muskelkraft herrscht vor. So erklären sich die straffen, mageren und hagern Wangen aus ganz natürlicher, gesunder Veranlagung heraus.

dgm054-bild-11-ot

Ohne Kenntnis dieser Naturelltypenlehre, die Weltbedeutung hat, könnte man leicht, wollte man Bild 8 und 9 als Norm für alle Menschen betrachten, glauben, hier läge ein Mangel, eine Minderwertigkeit oder gar Krankheit vor. Erst diese Naturellehre gibt uns eine Vorstellung davon, in welcher Richtung und Gesetzmäßigkeit das Leben des Einzelnen verläuft.

Dieser Mann ist sehr fleißig, er strengt sich energisch an, verbraucht viel Kraft, ist aber trotzdem der Arbeit gewachsen. Der Mund und das Auge haben noch den freundlichen Zug.

Er kann Enormes aushalten und leisten, aber immerhin ist es gut, wenn er seine Veranlagung kennt, dann ist er imstande, seine Leistungsfähigkeit durch die Beachtung der Ökonomie in Einnahme und Ausgabe der Kraft auf der Höhe zu erhalten.

Wird die Entwicklung zu sehr angetrieben, forciert, ein Volk z.B. überanstrengt, muß es Ruhe und Schlaf entbehren, dann erschöpft sich, wie die Geschichte der Portugiesen, Türken, Araber und anderer Völker lehrt, nach dem ersten erfolgreichen Ansturm bei länger dauerndem Kriege die Kraft schnell, und ein solches Volk braucht Jahrhunderte und Jahrtausende, um sich wieder zu erholen.

 

Bei diesem jungen Mann, Bild 12, ist deutlich zu sehen, daß von der linken Augenecke abwärts nach der Wange zu sich ein hohler Zug herabzieht bis zum Unterkiefer.

dgm054-bild-12-ot

Bild 12. Zu starker Verbrauch von Reservestoff und –kraft Archiv

Hier an den Wangen zeigt sich der Vorrat an Reservestoff und –kraft, an Blut- und Lymphsäften, der in diesem Falle schon zu stark in Anspruch genommen ist.

Nicht daß der junge Mann deswegen sich krank fühlen müßte. Das ist nicht der Fall. Im Gegenteil er ist noch auf der Höhe seiner Kraft und voller Arbeitstätigkeit.

Aber das Kinn ist nicht so stark wie bei Bild 11, das deutet auf ein entsprechend schwächeres motorisches Nervensystem hin, der Kraftverbrauch ist verhältnismäßig zu stark. Das wirkt ungünstig auf sein Gemüt ein, daher zeigen Mund und Auge nicht den frohen, glücklichen Ausdruck.

Wenn auch bei der immerhin vortretenden Bewegungsanlage die hageren Wangen an ich durchaus natürlich sind, macht sich doch der erwähnte hohle Wangenzug etwas stark bemerkbar.

Der körperliche und geistige Arbeitssinn ist hier stark und der Nahrungssinn, seitlich vor dem Ohr, dem gegen über schwach, daher werden durch die Ernährung und Verdauung die verbrauchten Stoffe und Kräfte nicht genügend stark ersetzt und das Gehirn nimmt die Kraft unmittelbar aus dem Reservevorrat in den Wangen, wodurch der erwähnte hohle Zug entsteht

So kann man im Gesicht die Ökonomie von Kraftausgabe und –einnahme gut beobachten, und wir lernen, daß der Bewegungstypus an sich zum starken Verbrauch seiner Kräfte neigt, ohne genügend auf den guten Ersatz derselben zu achten, wodurch auf die Dauer seine Leistungsfähigkeit oft nicht so auf der Höhe bleibt, wie es bei richtiger Einnahme und Ausgabe der Kräfte sein könnte. Mit der Zeit wird die Reserve- und Herzkraft zu einseitig beansprucht.

Daher ist es wichtig, den Lebensausdruck zu beachten, um einen Maßstab der Lebenskunst zu besitzen. –

Stirn, Augen, Nase und Kinn zeigen bei Bild 13 die vorzüglich entwickelte Verstandeskraft, Arbeitstüchtigkeit, Fleiß, Willenskraft und den starken Impuls zu körperlicher und geistiger Tätigkeit, selbst der Bart bringt dieses auch zum Ausdruck.

dgm054-bild-13-ot

Bild 13. Ein hochentwickelter Mann mit sehr eingefallenen Wangen R. Zickner

Dagegen sind die Wangen merklich hohl und eingefallen. Durch geistige Arbeit ist hier die Kraft verbraucht, das Gehirn zehrt sozusagen an den Wangen und höhlt sie aus. Auch an der Schläfe, am Ohr, an Nacken und Hals zeigt sich der zu starke Kraftverbrauch.

Es ist das Talent, das Bewegungs- und Empfindungs-Naturell. An sich sind ja die hagern schmalen Wangen hier typisch, aber sie sind doch zu stark eingefallen.

Der Nahrungssinn, siehe die Formbildung vor den Ohren, ist zu schwach, ebenso der Sinn für Ruhe und Schlaf.

Daher wird die Gehirn-, Nerven- und Körperkraft leicht überanstrengt und es erfolgt Abmagerung zuerst im Gesicht an den Wangen, dann an Hals und Nacken usw. Daß die Verdauungstätigkeit darunter leidet und am Ende die ganze Leistungsfähigkeit ist naheliegend.

Das kann aber nicht erwünscht sein. Gewiß soll der Mensch sich auf das Äußerste anstrengen, besonders wenn er Gutes tun kann. Er darf sogar, wenn er Großes tun kann, sein Leben und seine Gesundheit opfern.

Das schließt aber – von diesen Ausnahmefällen abgesehen – nicht aus, seiner Körperveranlagung Rechnung zu tragen, das Gleichmaß der Kräfte und damit Lebenskraft und Gesundheit auf der Höhe zu erhalten.

ku_1932-kp1-00a-cover-kp

Cover Krankenphysiognomik (Hinzugefügt)

Das Gesicht ist der Gradmesser aller körperlichen und geistigen Kräfte, man glaubt gar nicht, welch wunderbares Kontrollmittel man hier zur Verfügung hat, das sozusagen erst neu entdeckt ist und im Sturm und Drang des Lebens bisher so gut wie gar keine Beachtung gefunden hat.

Hier sind die ersten Hinweise in das Neuland einer überragend großen Wissenschaft. Möge man sie freundlich aufnehmen, sie nutzt jedem Menschen, bring niemandem Schaden, und der moderne Kulturmensch, der alle seine Kraft ungeheuer vielseitig anspannen muß, wird förmlich, will er sich behaupten, in diese neue Bahn gedrängt, Geist und Leben aus dem Lebensausdruck unmittelbar erkennen zu lernen.

XX

In den Formen lebt der Geist (Hinzugefügt)

 

Bei dieser Frau, Bild 14, ist der schwache Nahrungssinn charakteristisch bei gleichzeitig starkem Liebestrieb.

dgm054-bild-14-ot

Bild 14. Der schwache Nahrungssinn Huter-Museum

Im Gesicht sind die bis zum Kinn eingefallenen sehr zarten und durchsichtigen Wangen deutlich erkennbar, dort wo der Studienkopf die Darmbeschaffenheit und das Gefäßsystem verzeichnet, ferner die Magerheit unter dem Kinn und am Hals, wo die Körperfülle zum Ausdruck kommt.

Aber auch an den Schläfen, den oberen Augenlidern sind an allen Gewebsteilen, die bei guter Ernährung – siehe Bild 8 und 9, der starke Nahrungssinn – voll gefüllt sind, läßt sich die Magerheit im Gesicht leicht erkennen.

XX

Bild 8 und 9

Auch die Gewebe vor dem Ohr, wo der Nahrungssinn liegt, zeigen zwar Reinheit, aber keine plastische Fülle und Spannkraft.

Auch der Sinn dieser Frau ist entsprechend, er ist nicht auf Essen und Trinken und auf die Genuß- und Gefühlsfreude gerichtet, die sonst damit verbunden ist, sie bleibt in diesen Dingen gleichgültig und die Nasenspitze, welche den Magenzustand zeigt, erscheint schwach und klein.

Die Verdauungskraft ist nur schwach und die Gewebe an den Wangen sind demgemäß von einer gewissen Zartheit und Schlaffheit.

dgm054-bild-14-mt1

Aber ganz im Gegensatz hierzu ist doch zunächst einmal das Empfinden stark und anhaltend, denn das Gewebe seitlich der Nasenform zeigt eine ganz schöne Weichheit und Plastik.

Auch die Augen sind offen und ausdrucksvoll, die oberen und unteren Augenlider von lebhaftem Schwung, das Kinn gerundet und kräftig vorstehend, charakteristisch für den starken weiblichen Liebestrieb. Besonders tritt aber eine Spannung und Fülle der Gewebe der unteren Nasenform und Oberlippe in die Erscheinung.

Diese Gesichtsorgane und Formteile deuten auf einen starken Liebessinn mit der entsprechenden Organveranlagung, wenn auch am Mund ein leidender Ausdruck da ist. Die Frau ist leidend, wofür die eigenartige Anlage schon die Grundlage und Disposition bildet.

Diese Gegensätze in der Veranlagung treten recht deutlich in die Erscheinung und zeigen, daß die Natur alle erdenklichen Formen, Variationen und Eigenarten in der Veranlagung des Menschen hervorbringt, daß man diese erkennen sollte, um dem einzelnen gerecht zu werden und ihn in Krankheitsfällen in bester Weise helfen zu können.

 

Bild 15 bietet keine großen Schwierigkeiten in der Erkennung dieses körperlichen Zustandes, der natürlich auch auf das seelische Empfinden zurückwirkt.

dgm054-bild-15-ot

Bild 15. Darniederliegende Verdauung Huter-Museum

Wenn wir wissen, was an den Wangen hauptsächlich zum Ausdruck kommt und das Naturell, den Typus, beachten, so fällt uns die in der Gegend der Augen und zu den Ohren in der Grundform gut breite Gesichtsbildung auf, ähnlich beim Ernährungs-Naturell. Der Nahrungssinn ist stark.

Aber die Wangen darunter fallen stark ab und zeigen sehr ungünstige Formveränderungen.

Das liegt zunächst an einer Hautkrankheit, die aber wiederum in einer sehr mangelhaften Tätigkeit der Ausscheidungsorgane ihre Ursache hat, die eine chronische Selbstvergiftung nach sich zog.

Ganz entsprechend sind die Formveränderungen an den Wangen, am Mund, an Hals und Augen und der gesamte Ausdruck.

Die Formen sind unrein und schwer, verdickt, wie angeschoppt, die grau-blaue Färbung der Venen bestimmt den Farbton der Wangen, ganz typisch die träge Bluttätigkeit zeigend.

Wenn man die einzelnen Areale betrachtet, die der Studienkopf zeigt und weiß, daß sonst das gesunde arterielle Blut, die Blutstoffe und Körpersäfte die Wangen so lebhaft und rein durchbluten und ihnen die frische Farbe verleihen, dann wird einem dieser Gesichtsausdruck verständlich.

studkopf-huter

Studienkopf (Hinzugefügt)

Es stellte sich als Folge dieser Selbstvergiftung und mangelnden Tätigkeit der Ausscheidungsorgane – auch die Iris der Augen zeigt den äußeren dunklen Ring, der auf mangelhafte Hauttätigkeit deutet – die Hautkrankheit und Gicht ein mit starken Formveränderungen an Händen und Füßen.

Soweit sollte es natürlich nicht kommen, die Gesichtsformveränderung zeigte ja schon seit langem, wohin der Weg geht. Frühzeitig hätte der Rat eines Arztes und Heilers eingeholt werden können.

Die Behandlung wurde auf Abstellung der krankmachenden Ursachen begründet, dauerte natürlich etwas länger, aber sie hatte guten Erfolg.

[Comment by Medical-Manager Wolfgang Timm: Carl Huter war sehr erfolgreicher Heiler von meist sehr schwer erkrankten Menschen in seiner Funktion als Direktor seiner eigenen Heilmethode und Anstalt in Detmold vor 100 Jahren – seine bahnbrechenden Heilerfolge weckten sogar das Interesse von höchsten Kreisen in Fürstenhäusern, allerdings auch den Neid von einigen Ärzten, die alles unternahmen, um Carl Huter als Nichtakademiker und nicht approbierter Mediziner mit unfairen Mitteln gerichtlich sein wohltätiges Wirken für kranke Menschen zu untersagen]

Schon die niedersten Volksstämme, z.B. in Afrika, haben nach den Berichten von Reisenden ein natürliches Geschick, herannahende Krankheiten aus dem Gesicht zu erkennen. Daher sollte uns modernen Kulturmenschen dieses wichtigste Lebensgebiet nicht mehr länger verschlossen und in Dunkel gehüllt bleiben.

 

Sehr lehrreich ist auch Bild 16, es zeigt das unreine Blut und Gewebe. Das ist allein an den äußeren Unreinheiten der sonst bei jungen Menschen frischen, lebhaften und blühenden Haut zu erkennen.

dgm054-bild-16-ot

Bild 16. Intelligenter, junger Mann mit unreinem Blut und Gewebe Huter-Museum

Dort, wo an den inneren Augenecken seitlich verlaufend der Zustand der Nerven sich abzeichnet, zieht sich ein flacher, eingefallener Zug über die Wangen, dorthin, wo die Beschaffenheit und Fülle des arteriellen und venösen Blutes, der Reserve-Säfte und der Lymphe zum Ausdruck kommt.

Auch dort, wo seitlich des Mundes und unter der Unterlippe Galle, Leber und Milz ihre Korrespondenzen zeigen, sind ungünstige Formveränderungen vorhanden, ein Zeichen, daß diese Organe mitleidend sind.

Auch die untere Nase zeigt an der Spitze, wo infolge der anatomisch-physiologischen Korrespondenz die Magentätigkeit zum Ausdruck kommt, eine beträchtliche Verdickung und Verformung.

Die Gewebe im allgemeinen haben etwas Brüchiges und Unreines, es fehlt die Frische des Blutes, womit natürlich auch entsprechende unreine Farbtönungen verbunden sind, die man nur an farbigen Bildern zeigen könnte.

Interessant ist, daß auch das Haar eine trockene, brüchige Konstanz zeigt, ebenso, daß der bei Bild 15 erwähnte dunkle äußere Irisrand deutlich zu sehen ist.

Schuld an diesem Zustand waren ungünstige Wohnungs- Lebensverhältnisse, mangelnde Körpertätigkeit in frischer Luft und unrichtige Ernährung.

Sonst ist der junge Mann aber sehr intelligent, man bedecke nur das untere Gesicht und betrachte die großen, ausdrucksvollen Augen, die energische Formung der Augenlider und Nasenwurzel, die kraftvoll vorgebaute Stirn, um das sofort und deutlich zu erkennen.

Der Lebensausdruck ist offensichtlich doch ein Studiengebiet von so weittragender Bedeutung und praktischer Selbstverständlichkeit, das man gar nicht mehr achtlos daran vorbei gehen sollte. Bei aller Geschäftigkeit des Lebens sollten wir nicht uns selbst, das ausdrucksvolle Leben, am wenigsten kennen und beobachten.

 

Wir dürfen bei unseren Wangenstudien nicht den dritten Haupttypus des Lebens übersehen, obwohl gerade dieser Mensch am wenigsten hervortritt, sich ganz und gar nicht hervordrängt.

Und doch gibt derselbe dem Leben erst die Würze, das unsichtbare reizvolle Agens, das uns zeigt, daß es noch etwas Höheres in der Natur gibt, das wir pflegen sollten.

Es ist das Empfindungs-Naturell, das weder die vollen, fleischigen, noch die hageren und markanten Wangen hat, sondern dazwischen liegend die zarten, schmalen, blaß-gelblichen Wangenformen.

Sofort verständlich wird uns dieser Typus durch das Kunstwerk „die Psyche“ im Empfindungs-Naturell.

dgm054-bild-17-ot-psyche

Bild 17. Psyche im Empfindungs-Naturell Huter-Museum

Es ist der behende, graziöse, zarte, zierliche, kleine und feine Menschentypus, die duftige Menschenblume.

Der Körperbau ist zart, ebenso sind es die Glieder, der Hals und das Gesicht, die Wangen sind zart und fein.

Leicht übersieht man natürlich diese feinen Menschennaturen, da sie an sich so bescheiden und meist unscheinbar sind. Denn weder die Knochen und Muskeln, noch die Verdauungsorgane sind stark, alles Massige fehlt, aber Nervensystem und entsprechend die Lebens-, Liebes- und Schöpferkraft Helioda.

Den Typus brauche ich nicht genauer zu beschreiben, er is unsern Lesern bekannt, und das Bildswerk zeigt ihn in seiner ganzen zarten Pracht und Schönheit. –

Diese in ihrem Äußern – Haar, Haut, Kleidung und Lebensart – sehr gepflegte junge Dame, Bild 18, zeigt uns wiederum den dritten Haupttypus des Lebens, wenn auch mit etwas stärkerer Bewegungstönung in glücklichen äußeren Lebensverhältnissen.

dgm054-bild-18-ot

Bild 18. Ein verfeinerter moderner Kulturtypus Archiv

Der Sinn ist auch zweifellos etwas stark auf das Äußere des Lebens gerichtet, weniger auf die seelische Vertiefung. Das liegt an der modernen Zeitrichtung, die, wenn Geld und Güter da sind, alles Erdenkliche an Schönem zu bieten hat und in der das Religiöse zurücktritt, dann auch daran, daß dieser Typus leicht durch das Schöne des Lebens zu beeinflussen ist.

Das schöne Profil zeigt den fein entwickelten Kulturtypus, eine wirklich verfeinerten Menschen.

Die Stirn zeigt klassische Reinheit und Wölbung, die Nasenwurzel ist gut hervorgehoben, die Augenformen sind schön, Oberlippe, Mund und Kinn zeigen einen glücklichen Ausdruck und geadelte Formbildung.

Hals und Nacken sind zart, auch die Wangen bei aller Jugendfrische ganz charakteristisch, lebhaft durchblutet, frisch, gesund, aber nicht zu voll und auch nicht zu hart.

Es ist der Ausdruck der Lebens- und verfeinerten Genußfreude und der Gesundheit.

Damit soll gezeigt werden, daß die Wangenbildung, die Blut- und Stoffbeschaffenheit jeweils durch den Typus charakterisiert wird, die entsprechende Grundveranlagung und von da aus zu betrachten und zu bewerten ist.

Daß man also nicht glaubt, die zarten, schmalen, meist gelblich blassen Wangen seien gegenüber den sehr vollen prallen oder den hageren und festen Wangen etwa kein Zeichen der Gesundheit oder vollen Natürlichkeit. Der Mensch ist im Rahmen seines Körpertypus zu betrachten, der für ich innerhalb seiner Rasse maßgeblich ist. –

 

Ein Empfindungsnaturell zeigt uns auch Bild 19, freilich in bei weitem nicht so sonnigen, äußeren Lebensverhältnissen, sondern darauf angewiesen, sein Brot durch eigene, nicht leichte Arbeit zu verdienen.

XX

Bild 19. Zarte, weiche Wangen Archiv

Wir erkennen das kleine Gesicht, die zarten, dünnen, aber belebten und ausdrucksvollen Wangen.

Die Kraft-, Stoff- und Blutfülle ist nur gering, ebenso die Lymph- und Säftebildung und der Vorrat an Reservestoff- und –kraft, daher sind die Wangen schmal und zart und die Verdauungskraft ist nicht robust.

Der Mensch ist aber so durchaus natürlich und gesund. Die Frau ist sehr fein-empfindend, die Intelligenz, die seelische Tiefe und entsprechende Einstellung herrscht vor, die robuste Kraft tritt zurück.

Man betrachte nur die vorzügliche hohe, breite Stirn- und obere Seitenhauptbildung, die fein geformte Nasenwurzel, die aufmerksamen, empfindsamen, weichen Augen.

Das Ohr ist groß und dabei schön gebildet, daher ist sie tat- und seelenvoll und, wie der Gesamtausdruck zeigt, auch intelligent, ernst und voller Pflichteifer.

In diesem Rahmen passen die schmalen, zarten Wangen, der zarte Hals- und Körperbau durchaus natürlich sich an.

Allerdings bilden sich leichte Falten an der oberen Stirn, leichte Schatten um die Augen, die sich den Wangen zu fortpflanzen, auch sind die Nasenflügel nur zart und dünn.

Die Frau lebt in einer Industriegegend, wo die Luft nicht gut ist und sie ist angestrengt berufstätig.

Es ist daher natürlich, daß dieser zarte Typus sich da am besten entwickelt, wo er sich in verfeinerter Lebensart, Schönheit und Geisteskultur betätigen kann, dem realen, rohen und harten Leben setzt er nur wenig Widerstand entgegen.

 

Den Beweis für das zuletzt bei Bild 19 Gesagte liefert uns Bild 20.

XX

Bild 20. Starker Kraftverbrauch Archiv

Auffallend ist hier der bekümmerte Ausdruck an Augen und Mund, die Abmagerung an Wangen und Hals, die zu verstehen ist, wenn man die starke Spannkraft an Kinn und Unterkiefer betrachtet.

Der Mann hat von Jugend an eine zu schwere Berufsarbeit gehabt, die nicht mit seiner Veranlagung in Harmonie steht.

Denkt man sich eine wagerechte Linie durch die Mitte der beiden Augen verlaufend, so liegt oberhalb derselben an Formmasse mehr wie im Gesicht unterhalb. Es ist also das Empfindungs-Naturell, das mehr für eine geistige Betätigung in Verbindung mit leichter und feiner Körperarbeit, als für ausschließlich schwere Körperarbeit veranlagt ist.

Daher kann dieser Mensch aus der Harmonie zu sehr in die elektrische Energie und Disharmonie, und vor lauter Aufregung und Behauptungswillen im Lebenskampf sind die Ohren quer abstehend geworden.

Im oberen Teil sind die Ohren hängend, weil er sich auch seelisch-geistig nicht so betätigen konnte, wie es eigentlich seiner Anlage entsprochen hätte.

Das große Gehirn verbraucht schon an sich durch das starke Ideenleben im Verhältnis zum zarten Körperbau sehr viel Kraft. Es kommt die zu schwere Arbeit hinzu und daher tritt u.a. oberhalb des Bartes die tiefe Mattigkeit der Wangen in die Erscheinung, die Abmagerung unter dem Kinn an Hals und Nacken, die starke Unruhe an der Nasenwurzel und die sorgenvollen Querfalten der Stirn. Das Auge ist ja auch wie Hilfe suchend und fast verzweifelt. –

Der Gesichtsausdruck, die Wechselwirkung von Innen- und Außenwelt, läßt sich so mit wenigen Worten erklären. Der Dichter hat also recht:

„In jedes Menschen Gesichte steht seine Geschichte, –

Sein Hassen und Lieben deutlich geschrieben –

Sein innerstes Wesen, es tritt hier ans Licht,

Doch nicht jeder kann´s lesen, verstehn jeder nicht!“

 

Darum weisen wir auf diese lehrfähige Menschenkenntnis hin. 


Des Körpers Form ist

Seines Wesens Spiegel.

Enthüllst du sie, so löst

Sich dir des Rätsels Siegel. 

 

 

Bild „treu und fest“ (Hinzugefügt)

Lebensrichtung von Carl Huter (1905), 1. Strophe:

Immer den Blick nur nach vorwärts gerichtet,

Niemals verzagen, wenn Schweres uns droht,

Selbst wenn das Schicksal uns alles vernichtet,

Schaut nur ins Auge recht mutig dem Tod,

Eins bleibt uns sicher, das nimmt man uns nicht,

Es ist die Treue in Tugend und Pflicht.

 

 

 

 

Große Studienbüste (Photo Myrta Chesini, Schweiz)

Mail vom 23. September 2005 von “Myrta Chesini” mchesini@hispeed.chan Herrn Timm.

Sehr geehrter Herr Timm

Die Studienbüste hat ihr neues Zuhause gefunden. Der neue Besitzer würde

gerne mit Ihnen Kontakt aufnehmen, denn er verbreitet auch die Lehre von

Carl Huter. Wenn Sie das möchten, hier seine Mail Adresse:

info@diagnostik.de ( Hr.Michael Münch ).

Herzlichen Dank für den Kontakt mit Ihnen, wünsche Ihnen alles Gute und

herzliche Grüsse aus der Schweiz

Myrta Chesini         (Hinzugefügt)

 

Schriftleiter Amandus Kupfer, Schwaig bei Nürnberg

D.A. 4500. Druck: C. Brügel & Sohn AG. Ansbach.

dgm053-buecher

Herausgegeben von Amandus Kupfer, Schwaig bei Nürnberg

Schweizer Huterfreunde

Neuherausgeber Medical-Manager Wolfgang Timm

Copyright 2001-2009 by Carl-Huter-Zentral-Archiv

 D The Gate MK

 

DgM 053

Der gute Menschenkenner 053 von 101

MENSCHENKENNTNIS           

CARL HUTER (1861-1912)

pgs-link-wwwchzade-redm.jpg 

Der Menschenkenner und die neue Zeit

nach Carl Huters Psycho-Physiognomik

 dgm59dgm_1937.jpg

Herausgegeben von Amandus Kupfer in Schwaig bei Nürnberg

CARL-HUTER-ZENTRAL-ARCHIV

Medical-Manager Wolfgang Timm

http://www.chza.de 

 

  Form Geist

EXTRA LIFE INTELLIGENCE TRANS ENERGY 

PSYCHOLOGIE UND MEDIZIN DER ZUKUNFT 

 

 

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                         
Der gute Menschenkenner                                                                        
                       

nach Carl Huters Psycho-Physiognomik

© Juni 1937, Nr. 53

dgm053-titel-a

DIE LIEBE

ALS LEBENSKRAFT

dgm053-titel-c

PRAKTISCHE STUDIEN

nach Kunst und Leben

dgm053-titel-d

Suche den Geist in der Form,

das Leben im Ausdruck

 

Meist suchte man den Geist oder das Geistige durch Grübeln und Nachdenken zu erforschen. Oder man suchte ihn aus der Bibel und andern Religionswerken oder auf alle erdenkliche Weise zu ergründen. Nur da, wo er wirklich ist, da suchte man ihn nicht – nämlich in Form und Ausdruck.

huter-geist-formen1

In den Formen lebt der Geist (Hinzugefügt)

Doch was der Verstand der Verständigen nicht sieht – das findet in Einfalt ein kindlich Gemüt.

Man sollte erst wieder ganz einfach und natürlich beobachten, erkennen und denken, um das Leben im Ausdruck, den Geist in der lebendigen Form zu erkennen.

abduction-helen-r-von-deutsch

Bild 1. Die Entführung der Helena. National-Galerie R. von Deutsch.

Wir betrachten das obenstehende Bildwerk „Die Entführung der Helena“ – eine Begebenheit aus der griechischen Sage – und suchen neben der Schönheit und Kunst der Darstellung auch den geistigen Gehalt, der aus dem Bilde spricht, psycho-physiognomisch zu erkennen.

Paris, dem schönsten Manne, war durch die Göttin Aphrodite das schönste Weib zugesagt.

Dieses war Helena, die Gattin des griechischen Königs Menelaus, eines Mannes, der, wie ihn die Sage beschreibt, wahrscheinlich im Ernährungs-Naturell lag und daher zu der Helena, wie unser Bild sie uns zeigt, absolut nicht paßte.

Paris, der Sohn des Trojanerkönigs, kam an den Hof des Menelaus. Die beiden von der Göttin Erlesenen lernten sich lieben, und Paris entführte unter Einsatz seines Lebens die Helena.

Diese Szene ist im obigen Bilde, welches Huter treffend als „Heldenmut und treue Liebe“ bezeichnete, künstlerisch wiedergegeben.

Betrachtet man das sehr edle Profil des Paris mit der typisch griechischen Nasenform und dem plastisch markanten Stirnzug über beiden Augen – den Schönheitssinn, die schnelle Auffassung und die Freude am Beobachten der reizvollen weiblichen Lebensformen widerspiegelnd, aber auch die Willensenergie, sie zu erobern, kundgebend -, ferner den liebewonnigen Gesichts- und Augenausdruck, die Kraft und Fülle verratenden Gesichts- und Augenausdruck, die Kraft und Fülle verratenden dunklen Locken seines Hauptes, sowie die edle jugendliche Gestalt im harmonischen Bewegungs-Naturell -, sodann die Helena in der leichten, schmiegsamen Gestalt des feinsten Empfindungs-Naturells mit Harmonie, den liebesstarken und süßen Ausdruck an Mund, Augen und im ganzen Gesicht, so muß man, ob man will oder nicht, die Worte Huters „Heldenmut und treue Liebe“ als die Begebenheit richtig kennzeichnend anerkennen.

dgm053-bild-1-r-deutsch

Der junge Krieger am Bug: größte Kraftanstrengung im Dienste dessen, was er bewundert und verehrt; der alte Recke am Heck des Schiffes: gespannteste Aufmerksamkeit in den Augen mit dem Blick der Erfahrung und des reifen Alters, Aufpassen und Anstrengung; die Gestalt im Hintergrunde des zerklüfteten Felsen; besorgte Unruhe, Beobachtung und schützende Hilfe – zeigen die Gefahr, mit welcher die Handlung verbunden ist und geben dem Gemälde die dramatische, wirkungsvolle Umrahmung.

Dieses dramatisch bewegte Bild, Mut, Tatkraft und treue Liebe zeigend, hat Künstler und Kunstfreunde angeregt und lehrt, daß die treue Liebe sich über Gesetz und Norm hinwegsetzt, alles wagt, um alles zu gewinnen.

In Farben und Formen hat hier der Künstler auf die Spur des Liebesgeheimnisses gelenkt. – Er zeigt durch sein Werk, daß die Liebe eigene Wege geht, sich ihre glückliche Ergänzung auf gleicher Wertebene sucht und alle Schranken durchbricht. Folglich muß die starke Liebe ihre eigenen Gesetze haben, die wohl Künstler verehrt und dargestellt und Dichter besungen haben, die aber noch keine Wissenschaft darlegte und kein Gesetzgeber in Norm und Recht gebracht hat.

Carl Huter erst lehrte die harmonische Ergänzung nach der Naturellanlage, die in sich zwingende Kraft hat und dem Höherentwicklungsprinzip der Natur Geltung schafft.

 

Faust und Gretchen

Dieses Bild zeigt im Gretchen die reine Frauenliebe mit dem vertrauensvollen, hingebenden und guten Ausdruck in Gesicht und Körperhaltung.

dgm053-bild-2-faust-gretch

Bild 2. Faust und Gretchen. G. Siewert

Prachtvoll ist der Scheitel gewölbt mit dem vollen weichen Haar, das in zwei Flechten herabfällt, so recht das weiche und liebevolle weibliche Gemüt charakterisierend.

Dabei sind Auge und Gesicht von warmen, tiefem und seelenvollem Ausdruck.

Faust ist dargestellt als der Mannesgeist, der das Gute sucht, in dessen offenem Auge und Gesicht die schönsten Vorstellungen und die besten Gedanken und Vorsätze sich widerspiegeln.

In dem jugendlich kraftvollen Haupt- und Barthaar zeigt sich der voll erwachte, liebesstarke Mannesgeist.

Betrachtet man Faust und Gretchen so dicht aneinander geschmiegt, den ganzen glücklichen Ausdruck, so hat man das Gefühl, daß sie wie füreinander geschaffen sind und glücklich werden können.

Faust mag sich durch Ränke zeitweilig verirren, dem lockenden Reiz der Lust und des Lebens erliegen, er kehrt dennoch zum Guten zurück.

Auch das erstere hat wohl der Künstler dadurch andeuten wollen, daß er den Mund sehr weich und voll, die unteren Augenlider gegenüber den oberen Lidern sehr stark gefüllt darstellt, wodurch er die starke Lebens-Liebeslust versinnbildlicht. Dadurch zeigt sich, daß Faust, wenn er verleitet wird, durch Genußfreude und Sinneslust zeitweise vom Wege der Pflicht und des Guten wohl abirren kann.

Denn auch das Haar läßt der Künstler dem Faust in die Stirn fallen und seitlich im breiten Gesicht treten die Jochbeine hervor, wodurch die Neigung zu eigengesetzlichen Handlungen angedeutet sein soll.

Aber Gretchen hat nichts dergleichen, ihr Gesicht ist so rein und edel, der Ausdruck so weich und warm, so voll inniger Liebe, daß man sich sehr wohl denken kann, daß sie durch Untreue und Intrigen zur Verzweiflung gebracht und nur dann unter tragischen Umständen schuldig werden kann.

Der Künstler will also sagen, daß diese reine, edle Liebe das reinste edle Glück in sich trägt und nach sich zieht, daß dieses aber ohne tiefe Treue und Charakterstärke gar nicht denkbar ist, da sonst die Umwelt und tragische Umstände dieses Glück zerstören können. Wenn endlich aber alles Leid überwunden ist, dann gehören die Liebenden doch wieder einander, gereift, geklärt für ein ewiges Glück. – Niemand trübe je des anderen natürlich reines Liebesglück, nur ein menschlicher Teufel kann es zerstören.

Diesen tiefen Sinn hat wohl der Künstler nach dem großen Drama Goethes in dieses Bild hineinlegen wollen.

Man hat den Eindruck, das Glück der beiden müsse ewig sein; aber wenn ein Mephisto dahinter lauert, so ist es dennoch zeitweilig zu zerstören. Ewig aber thront am Ende die reine große Liebe über allem Dämonismus, über Tragik und Leid der Welt. –

 

Die Tragödie, Plastik von Gustav Pillig

Ob der Künstler dieses Werk, Bild 3, so ausdrucksvoll und ergreifend hätte schaffen können, wenn er nicht die Form- und Seelenlehre, die Psycho-Physiognomik [Physiognomische Psychologie], gekannt hätte, ist zu bezweifeln – denn er selbst brachte wiederholt zum Ausdruck, daß ihm dieselbe zu seinem Kunstschaffen unersetzlich sei.

dgm053-bild-3-billig-ot

Bild 3. Die Tragödie. Gustav Billig.

Carl Huter hat die Wirkung dieses Werkes bei der Betrachtung nach Lebensausdruck und Bewegung wie folgt beschrieben:

Sollte auch das Schicksal in Deinem Leben furchtbar walten, so wie es diese beiden vordem Glücklichen betroffen hat, die einstmals sich in reiner Liebe fanden und deren Glück ganz ungetrübt erschien, – wo aber das schwache Weib, von der Versuchung übermannt, von dem Tugendweg entgleiste und dem Bösen unterlag, – da rufe auch Du in Deinem tiefsten Schmerz wie jener Mann zum Himmel auf. – Alles irdische Glück ist vergänglich, der Schmerz, den die Wunde oder das Schicksal brachte, ermanne mich zum verdoppelten neuen Streben, zu der Überwindung alles Leidens, die man nur im tiefsten Glauben an das Höhere finden kann, das hier auf dieser Erde nur Abglanz, aber keine bleibende Wohnstätte haben kann!

gustav-pillig-pottery-desespoir

Den höchsten Idealen von nun an geweiht, ertrage alles stärker als zuvor und stoße nicht die Schwachen und Gefallenen liebelos von Dir, sie würden eine Beute werden des lauernden Bösen im Hintergrunde. Richte auch diese Unglücklichen wieder auf, vollbringe auch an ihnen das Werk der Liebe, des Trostes und der Verzeihung, und Du findest reiche Arbeit, ein Lebensziel, – Großes und Schönes zu tun!

Aber Menschenkenntnis, praktische Psycho-Physiognomik [Physiognomische Psychologie] studiere man von der Jugend bis ins Alter und lehre und verbreite sie allerorten in Hütten und Palästen, so wird die Wahrheit siegen, daß das Schöne und Gute, das bessere Teil ist, das sich der Mensch erwählen kann, das Gegenteil nur eitel Torheit ist und Unheil bringt. –

Wenn nun selbst die Liebe, das Heiligste und Höchste, menschlicher Unzulänglichkeit und Tragik ausgesetzt ist, so haben wir doch wohl das Recht, nach dem Geist und den Gesetzen des Lebens und der Freude zu suchen, und zwar nicht nur in oft so grauen Theorien von Büchern und ganz abseits liegenden Dogmen, sondern wir suchen das Geistige da, wo es zu finden ist, in Auge und Angesicht, Körperform, Lebensausdruck und Bewegung.

Ein großes Genie hat uns hier den richtigen Weg gebahnt und wir wollen nun an einigen Bildern aus dem Leben, die Huter, der Begründer der Psycho-Physiognomik [Physiognomische Psychologie], noch charakterisierte, die Liebes-Lebenskraft im Menschen zu erkennen suchen. –

 

Das Doppelbild, Bild 4, zeigt uns zwei gesunde, liebesstarke Menschen.

dgm053-bild-4-ot2

Bild 4. Huter-Museum

Zwei weibliche Personen mit starken Liebesanlagen

Bild 4 kann uns nur erfreuen. Es erweckt frohe Zuversicht, wenn man weiß, daß solche Menschen leben und streben.

Es sind zwei gesunde, natürlich lebensfrohe Mädchen mit starken Liebesanlagen und Triebkräften.

Schon das Auge hat den starken inneren Glanz, den die Fülle der Lebensnerven ergibt und den sympathisch zugeneigten, liebevollen Blick.

Starke, gesunde Lebensspann- und Nervenkraft liegt über allen Formen, wodurch z.B. an der Stirn, an den Geweben um beide Augen, an Nase, Mund, Wangen und Kinn ein natürlicher Schmelz der Haut, eine plastische Frische und Spannkraft erzeugt wird, eine schöne, gesunde, natürliche Lebensfarbe und nicht zuletzt ein froher und heiterer Lebenssinn und Lebensausdruck.

Es ist die Lebensstrahlkraft Helioda, die hier alle Gewebe stark durchlebt und durchstrahlt, plastisch formt und abtönt, die Materie der Gewebe lockert, spannt und lebenswarm durchhaucht.

Aber auch die Formen selbst an Mund, Nase, Augen und Kinn sind schön und kräftig, von plastischer Formkraft. Selbst die unteren Augenlider haben noch diesen plastischen, reizvollen Schwung der Lebensnervenfülle.

Die Wangen haben die frische, plastische, warme, volle Blut- und Lebensform- und Schwellkraft, der Unterkiefer ist kräftig gebaut, das Kinn gerundet und vorstehend, den lebhaften Impuls zeigend, die Anlage für Gattenliebe und Zärtlichkeit, Arbeitskraft und Tüchtigkeit.

dgm053-bild-4-mt

Die Haltung ist natürlich, leicht und doch kraftvoll. Das Haar ist voll, es zeigt Nervenspannkraft, ist von gesunder Konstanz und deutet den natürlich frohen, glücklichen Gemütszustand, die Fülle der Nervenkraft.

Beide haben die starken Nerven. Was ist ihnen Arbeit? – Sie ist ihnen leicht und macht Freude, erst so recht, wenn sie mit Spiel und Tanz, mit schönen Vergnügungen und Freude wechselt. Es sind gesunde, natürliche, liebesstarke Menschen, die Freude an dem natürlichen Genuß des Lebens haben aus Anlage und Neigung, die glücklich und froh in die schöne Welt geboren sind.

Naheliegend zu folgern, daß diese starke Liebes-Lebenskraft ausersehen ist, den schier unerschöpflichen Quell der Kraft fortzupflanzen in begabten, schönen, gesunden und glücklichen Kindern.

Deutlich spricht der starke, gesunde Lebens-Liebes-Geist aus diesen beiden Wesen, uns belehrend, das liebesstarke, edle Leben, den frohen heiteren Lebenssinn auf allen Wegen als ein kostbares Gut des Lebens überhaupt zu schützen, zu hegen und zu pflegen.

Durchaus nicht sollte der liebesschwache, oft in Dogmen erstarrte oder gealterte Mensch ein Vorrecht haben, das Liebesleben nach seinem Sinn zu gestalten, sondern vielmehr sollte es der liebesstarke, edle Mensch haben, auch in Sitte und Recht!

Man braucht nur Auge und Gesundheit dieser natürlich frohen Menschen bis in alle Einzelheiten zu studieren, um zu erkennen, wo der Geist des Lebens und der Liebe zu suchen und zu finden ist, nicht am grünen Tisch, noch in dicken Büchern und Folianten, sondern in Aug´und Angesicht, kurz im Lebensausdruck.

 

Dieses Bild 5 zeigt genau das Gegenteil von Bild 4, zwei Freundinnen, die einander sehr zugetan sind, aber einen schwachen Trieb zum andern Geschlecht haben und sich daher nur schwer entschließen können, zu heiraten.

dgm053-bild-5-ot

Bild 5. Zwei gute Freundinnen. Huter-Museum

Beide sind sehr berufstüchtig, stehen auf eigenen Füßen, sind zwar grundverschieden, aber hochintelligent, haben viel Wissen, Erfahrung und Bildung und doch stehen sie abseitig, sozusagen einsiedlerisch da und glauben, damit den Lebenspflichten Genüge zu tun.

Die Natur ist doch ein großes Rätsel, sie schafft die buntesten Lebensformen, entsprechende Anlagen und Geistesrichtungen.

Und nun betrachten wir den Lebensausdruck, er ist aber auch ganz und gar verschieden von Bild 4, und zwar besonders bezüglich der zum Ausdruck kommenden Lebens-Liebeskraft.

dgm007-1933zellneo-gelb

Geheim-Kräfte in der lebenden Zelle (Hinzugefügt)

Die Lebenskraft im Menschen trägt den Charakter der Liebe und Freude, beruht auf Strahlung und ist geistig schöpferisch. Sie hat die Eigenart, daß sie sich spalten, also teilen kann und je nach Möglichkeit die einen oder anderen Anlagen zur Entwicklung bringt.

Dadurch verursacht sie die Verschiedenheit der Menschen und die so mannigfaltig bunte Lebenswelt. Je nach ihrer Stärke und Richtung durchlebt, durchspannt und durchstrahlt sie die verschiedenen Gewebe, lockert und verfeinert dieselben, macht sie sozusagen blühend, frisch, gesund, froh, heiter, edel und schön.

Das ist bei Bild 4 deutlich beschrieben. Bei den beiden in Bild 5 dargestellten Damen dagegen ist der Überschuß an quellender Liebes-Lebenskraft und die Neigung zum anderen Geschlecht schwach, und entsprechend sind die Formen und Gewebe an der unteren Nase, an Mund und Kinn und die Umgebung dieser Gesichtsteile, die mit den inneren Leiborganen korrespondieren, wie versteift, gehärtet und eingetrocknet. Das Blühende, Prächtige, Lebens- und Liebeswarme fehlt, die Formen sind lange nicht so plastisch, sondern auf den Wege der Verarmung, als wenn sie verwelken und verhölzern möchten. Im Ausdruck der beiden Gesichter fehlt die bei Bild 4 gekennzeichnete wunderbare Frische und lebenswarm zugeneigte Plastik.

Aber Vorder- und Oberhirn haben an Kraft zugenommen, daher der Ausdruck gesteigerter Intelligenz und die entsprechende Willenstätigkeit. Sie sind streng gegen sich und andere und das natürliche Gefühl der Lebensfreude ist beengt und schwach.

Das ist das Geheimnis des Lebens, dem wir hier auf der Spur sind, die sichtbar geistige Offenbarung des inneren Lebens. Jeder kann das an den Bildern erkennen und im Leben noch viel deutlicher ständig nach jeder Richtung hin beobachten.

Weicht das Leben von den natürlichen Gesetzen ab, sind alsbald die Folgen da, machen sich immer mehr bemerkbar und treten schließlich ganz deutlich im äußeren Erscheinungsbild, besonders an Augen, Nase, Mund, Kinn, Hals, Nacken und Wangen hervor.

Wir haben dann hier zum erstenmal eine wunderbare praktische Lebens-, Seelen- und Geisteswissenschaft vor uns, die berufen erscheint, Beachtung zu finden und den größten Segen zu bringen.

Nie also weiche der Mensch vom Natürlichen ab, er degeneriert sonst, ist nicht mehr ganz und vollwertig, nur noch ein halber Mensch und noch weniger.

Herrlich ist die gesunde, edle, glückliche Liebesnatur, man suche aber ihre Gesetze zu ergründen, die allein aus dem Lebensausdruck unmittelbar, herrlich, wie kein Maler und Dichter sie schildern kann, zu erkennen sind.

 

Was glaubt man denn, welche Kraft dieses Auge, Bild 6, Gesicht und Form geschaffen hat, durchgeistigt und belebt?

dgm053-bild-6-ot

Bild 6. Der starke Liebes-Lebenssinn. Huter-Museum

Es kann nur die Lebensstrahlkraft Helioda sein, die an sich göttlicher, ewiger und schöpferischer Natur ist, die physikalischen Kräfte und chemischen Stoffe belebt, organisiert, ordnet, lagert und richtet.

Man beachte bei aller Belebtheit von Augen, Gesicht und Mund die klassische weibliche Geistesruhe, Kraft, Liebe und Schönheit, die aus diesem Gesicht und Auge spricht.

Nur die Helioda-Liebeskraft kann diese Formen so verfeinern und verschönern. Saft und Kraft, Reserveblut und edle Stoffe stehen hier wie in Bild 4 unter einem einzigen abgetönten Leitmotiv.

Kein Künstler vermag die Augenlider und die Gewebe um beide Augen schöner zu formen, dem Auge einen glücklicheren Ausdruck zu geben, wie es hier die Lebensspann- und Strahlkraft lebendig zuwege gebracht hat, dem Formenausdruck Geist, Leben, Seele und die liebesstarke Abtönung verleihend.

Man wende nun nicht ein, die Kleidung sei nicht mehr Mode, das Haar nicht abgeschnitten, die Augenbrauen nicht gemalt. – Was schadet es? – Wechselnd ist die Mode, aber ewig ist der Geist, der nach unabänderlichen Gesetzen die Form bildet und den allein wollen wir verehren, lehren und zu erfassen versuchen.

sehen-klassisch-auge-mk

Klassisches Sehen (Hinzugefügt)

Wer sehen lernen will, der suche zu zeichnen, zu formen und ein neues klassisches Beobachten zu lernen, die wunderbar gestaltende Lebenskraft zu erkennen, die Form, Geist, Seele und Ausdruck verleiht.

Es muß ein göttliche Kraft sein, jenes geistige Etwas die Lebens-Liebeskraft im Menschen, die heute mikroskopisch im anatomischen Strahlengebilde des Zentrosomas der Zelle nachzuweisen ist, die jeder experimentellen Nachprüfung standhält.

Es ist jene Kraft im Menschen, die schon das Auge bei guten Gedanken sich erhellen und bei bösem Denken sich verdunkeln läßt.

Man betrachte den glücklichen Ausdruck, der im Gewebe und an der Stirn liegt, besonders hoch oben, wo das Wohlwollen sich ausprägt, wo der Geist der Liebe die edelsten Gedanken entzündet.

mirrors-x

Mirrors / Spiegel (Hinzugefügt)

Prachtvoll legt sich um Stirn und Haupt das Haar von gesunder Farbe und Substanz, den glücklichen Gemütszustand wiederspiegelnd, den Lebensgeist, der selbst die letzten belebten Organteile bis in die Haarspitzen formt.

Auch im übrigen Gesicht, an der prachtvollen Oberlippe, im voll und lebenswarm geformten schönen Mund, der das Begehren und Erleben zeigt, ferner in der schönen Wölbung unter der Unterlippe, wo die gute Lebensart und das Benehmen zum Ausdruck kommen, bis zum gerundeten Kinn, das den zurückhaltenden weiblichen Impuls zu Liebestugenden und Zärtlichkeiten zeigt, kann die starke Liebesformkraft gar nicht sprechender gezeichnet und modelliert werden.

Es ist das glückliche, gesunde, liebesstarke Leben, das diese Form charakteristisch durchlebt, geschweißt, durchströmt, durchformt und geschaffen hat.

Man suche daher den Geist, die Seele im Ausdruck, und man wird an den Bildern 4, 6, 7 und 8 finden, daß sie wie aus einem Guß geschmiedet sind, gleichsam, als wären die Personen Geschwister, obwohl sie sich fernstehen, es ist nur dasselbe stark abgetönte liebesstarke Leben, das sie gemeinsam haben, das in diesen Formen sich widerspiegelt.

Auf diese höchste Kraft im Menschen wollen wir unsere Zuversicht gründen, wissen, daß alles Leben aus jener unendlich starken Liebe und Schöpferkraft entstanden ist und noch entsteht.

Man sage nicht, der liebe Gott allein habe den Menschen geschaffen, denn der Mensch trägt die göttliche Schöpferkraft in sich. Er soll sie aber adeln, ja stolz darauf sein, pflegen und sich glücklich entfalten lassen. Wer nun sagt, das sei kein Gebot Gottes und nicht entsprechend handelt, der verkennt sein eigenes Leben, jene Kraft, die höchste im Weltall, die ihm und allen Mitwesen durch die Schöpfung übertragen und mitgegeben ist.

dgm053-bild-7-mt

Auch dieses Bild 7 reiht sich den vorhergehenden Bildern 4 und 6 in der Formbildung und im Ausdruck als durchaus ähnlich an.

Die Augen haben den schon bezeichneten nervenstarken, glanzvollen Ausdruck. Die unteren Augenlider zeigen in der kraftvollen Bildung die wirklich starke Lebensnervenfülle.

Besonders auch die Bildung der unteren Nasenform und die kraftvolle Oberlippe lassen ebenfalls die Fülle, Gesundheit und Kraft der damit in physiologischem Zusammenhang stehenden inneren Organe erkennen.

Im kraftvollen vorstehenden Kinn aber zeigt sich der lebhafte Impuls, die große Gattenliebe, Tätigkeits- und Arbeitsdrang.

Im ganzen Gesicht liegt dieser lebensstarke, lebenswirkliche und lebensfrohe Ausdruck.

Man kann sich wohl denken, wie diese Frau mit ihrer starken Nerven- und Liebeskraft und Lebensfreudigkeit arbeiten und schaffen, als Mutter und Gattin, als Gehilfin ihres Mannes nach jeder Richtung hin ihre Aufgaben voll und ganz erfüllen kann, daß sie aber dem natürlichen Lebensgenuß und der Lebensfreude ebenso zugeneigt ist.

Man muß diesen gesunden, liebesstarken Menschen loben, seinen ganzen Wert erkennen, auch den praktischen Sinn für das natürliche Leben. Wir sehen aber auch, daß es gar nichts Glücklicheres geben kann, als die starke Lebens-Liebeskraft, die den Formen des Gesichts das glückliche, schöne, gesunde Aussehen verleiht und den Menschen so überaus wertvoll, so richtig passend in das Leben gestellt hat, voll seiner Aufgabe zu genügen.

Es lohnt sich der Mühe, so den Geist aus den Formen, der den ganzen Wert der menschlichen Persönlichkeit ausmacht, erkennen, verstehen und würdigen zu lernen.

huter-geist-formen1

In den Formen lebt der Geist (Hinzugefügt)

 

Noch ein letztes Bild gehört in diese Reihe, um unsere Lebens- und Liebeskraftstudien zu vervollständigen und in wirklicher Lebenswahrheit darzulegen.

Der Leser entnahm wohl schon aus den vorangegangenen Beschreibungen, daß hier die gesunde starke Lebens-Liebeskraft nicht als etwas Prüdes, das man nicht kennen darf oder nicht wahrhaben will oder gar als minderwertig und verächtlich betrachtet wird, sondern im Gegenteil als ein großes Glück des starken gesunden Menschseins.

Hier, bei Bild 8, liegt im Gesicht der 21 jährigen Mutter auch noch das große seelische Glück über ihren Liebling, das Kind. Die Augen verraten nichts von Schwäche, wohl aber eine milde Verklärtheit und große Lieblichkeit. Alle Formen im Gesicht sind von großer, etwas zarterer Reinheit, auch die unteren Augenlider sind plastisch gefüllt, wenn auch etwas zarter.

dgm053-bild-8-ot

Bild 8. Die glückliche Mutter, das gesunde, liebe, begabte Kind. Huter-Museum

Man betrachte auch das liebliche Spiel der Hände und die Anmut der Haltung, es spiegelt sich darin das natürliche Lebensglück.

Und nun betrachte man das 9 Monate alte Kind – diese natürliche Hilfsbedürftigkeit -, und doch ist die Ruhe in dem kleinen Gesicht und Auge zu bewundern.

Recht gut kann man schon die breite Nasenwurzel erkennen und die darüber vorgebaute Stirn, wo das Tatsachen- und Begebenheitsgedächtnis liegt.

Auch kann jeder leicht erkennen, daß das Seitenhaupt mit der wirtschaftlichen Veranlagung und dem Tätigkeitstrieb schon recht gut entwickelt ist. Wie voll ausgefüllt die Schläfen des Kindes sind – ein Zeichen der stark vererbten Lebenskraft und Gesundheit.

Was Besseres kann dem Kinde ja gar nicht mitgegeben werden als eine starke Lebenskraft durch lebens- und liebesstarke Eltern. Man sieht, wie schön anliegend das Öhrchen geformt ist, das den Seelenadel zeigt, und dazu kommt noch der glückliche Ausdruck des Mundes.

Wie wertvoll ist doch diese Psycho-Physiognomik [Physiognomische Psychologie] allein, um das kleine Kind recht zu verstehen, das noch nicht sagen kann, was es bedrückt und erfreut. Alles sollte die Mutter ihrem Kinde an Auge und Gesicht abzulesen verstehen.

pp-titel

Physiognomische Psychologie (Hinzugefügt)

Unendlich viel Liebe braucht nun wiederum zunächst das Kind zu seinem besten körperlichen, seelischen und geistigen Wachstum. Liebe ist und bleibt die Lebenskraft, und alles Leben ist aus Liebe entstanden, es ist die Kraft in uns, der wir alles verdanken.

Was ist das für eine wunderbare Entdeckung Carl Huters, daß er die Liebe als Lebensstrahlkraft, entwickelt aus der Empfindungsenergie der Materie, naturwissenschaftlich nachgewiesen hat mit ihrer Zentrale im Zentrosoma der lebenden Zelle!

Die Wertschätzung dieser Entdeckung wird wachsen, und wenn Jahrhunderte vergehen, nie wird man aufhören, den Geist zu loben, der diese große Entdeckung zuerst gemacht und ausgebaut hat.

Mag die Wissenschaft fortschreiten, die Kenntnis vom Leben und der Lebenskraft sich vertiefen, nie wird man aufhören, den Grad der Lebens-Liebeskraft aus Augen und Gesicht, Gewebe und Strahlkraft, Gestalt und Bewegung zu erkennen und zu studieren.

Hier sind die ersten Anfänge, mögen sie Aug und Sinn erhellen, um das Leben glücklicher zu gestalten, die schwache Lebenskraft des Menschen von der Wiege an zu heben und ihm entsprechende Aufgaben zu stellen, denn auch das gehört zur menschlichen Lebenskunst.

 

Kinderbildnis Nr. 9.

Um nun kurz darauf zurückzukommen, daß man auch schon beim kleinen Kind das innere seelische, körperliche und geistige Leben in Augen und Gesicht erkennen kann, was jede Mutter weiß, auch wenn es ihr noch keine Wissenschaft gelehrt hat, bringen wir ein weiteres Studienbild.

Gerade beim kleinen Kinde kommen und gehen die Gedanken und Gefühle langsamer und man ist leichter imstande, den Ablauf in Auge und Gesicht zu verfolgen.

Die Lebenskraft durchstrahlt alle Zellen, Atome und Moleküle, sie macht Empfinden, Gefühl, Seele, Geist und Leben aus. In dem Moment, wo sich die Stimmung verändert, zeigt sich das zuerst im Auge und im Blick, danach an Mund und Wangen und allen Geweben, sogar das Haar nimmt Anteil. Es ist die Formkraft der Psyche, von welcher Bild 9 uns überzeugen kann.

dgm053-bild-9-ot

Bild 9. In sehr schlechter Laune (Aufnahme mit Zeiß-Ikon-Kamera)

Das Kindchen hat eine gesunde Kraftnatur und energisch bringt es seine schlechte Stimmung im Gesicht zum Ausdruck.

Im zusammengekniffenen Auge liegt sprechend der ganze Unwille über das Mißgeschick, welches das Kindchen betroffen hat, und da es sich noch nicht verstellt, so verzieht es das Näschen und kneift die Oberlippe herunter, so daß die Unterlippe hervorquillt. Es ist bitterböse, verstimmt, und das ist sein Ausdruck dafür.

Das ist der Lebensausdruck, tausendfach verschieden, ein unablässig buntes Spiel, immer feiner und komplizierter werdend und dennoch der vollen Gesetzmäßigkeit unterliegend.

 

Die Gesetze der strahlenden Lebenskraft Helioda nachgewiesen zu haben, ist eine geistige Großtat allerersten Ranges.

Die Helioda ist positiver und negativer Natur, von außen nach innen aufnehmend und organisierend, und von innen nach außen schöpferisch gestaltend.

Bei Bild 4, 6 und 7 ist die schöpferische Helioda am stärksten, daher die plastisch blühenden Formen.

 

Bei Bild 10 ist bei allen drei Personen die positive und negative Helioda etwa gleich stark, das seelische, negative, empfindende Innenleben und die positive, nach außen tretende, schöpferische Lebensstrahlkraft.

dgm053-bild-10-ot

Bild 10. Bruder mit zwei Schwestern.      Huter-Museum

Bei allen drei Personen ist eine gute Vereinigung seelischer und sinnlicher Liebe in der Anlage vorhanden

Infolgedessen weisen die Formen bei aller Plastik und Strahlung noch eine besondere Innerlichkeit und Tiefe, Zartheit, Feinheit und Weichheit auf. Die Formen und Gewebe sind wie von innen durchleuchtet, und entsprechend ist der Farb- und Gewebston.

Das ist bei unserem Bilde wunderbar zu sehen, eine besondere Reinheit und Feinheit liegt über allen Formen, eine besondere Durchgeistigung und seelische Tiefe – bei aller plastischen Formkraft.

Es dürfte dem Leser nicht schwer fallen, das zu sehen, die Beschreibung bis in alle Einzelheiten führt zu weit.

Man betrachte den geistig gespannten Ausdruck an den Auge, dabei das gleichzeitig vorhandene warme Quellende an Nasenform und Mund, was auf das tiefste seelische Empfinden deutet, schließlich am Kinn, an den Wangen, an allen Geweben und am Haar. Ein besonderer, reiner und feiner Ausdruck, wenn man so sagen darf, eine besondere seelische Prägung, liegt über allen Formen.

dgm053-bild-10-mt

Ein einziges Bild bringt auf die richtige Spur, Carl Huter selbst, der die Lebenskraft in allen Phasen nachwies, hat dieses Bild wie oben bezeichnet, es ist daher von außerordentlichem, wissenschaftlichen Wert.

Eine ganz neue Natur- und Lebenskraftbetrachtung eröffnet sich allein aus diesem Beispiel.

Die Natur läßt sich, wie Goethe zum Ausdruck brachte, mit Hebeln und Schrauben ihre Geheimnisse nicht abzwingen. Sobald aber der Mensch anfängt, richtig den Geist aus den Formen zu sehen, gibt sie ein Geheimnis nach dem andern preis. – Aber – der Mensch muß der Natur seinen Tribut bezahlen, damit sie ihr inneres Wesen offenbaren, seine Sinne, sein Lebensgefühl verfeinern, Geist und Verstand neu schulen, sonst sind und bleiben ihm zeitlebens diese und noch viele andere Wahrheiten verschlossen.

Die Natur zwingt – sie erreicht ihr Ziel der geistigen Verfeinerung, des geistigen Wachstums und der Höherentwicklung. Diesen inneren Reichtum aber kann niemand geben, noch, wo er einmal erworben ist, nehmen. Die Natur steht felsenfest, sie gibt uns aber zu verstehen: ihr müßt den richtigen Weg einschlagen.

 

dgm053-drei-photos-titel1

Drei Photographien, welche zeigen, wie wunderbar lebendig formend und Ausdruck verleihend die Lebens-Liebeskraft ist

Diese drei Bilder sind Aufnahmen von ein und demselben jungen Herrn.

Nr. 1 zeigt ihn in hoffnungsfrohem, glücklich liebendem Zustand.

dgm053-photo-1-ot1

Bild 1. Huter-Museum

Man beachte den Ausdruck an Augen und Augenumrahmung, Nasenform, Mund und Wangen, besonders im mittleren Gesicht.

Man beachte, wie das Haar liegt, es kennzeichnet – da Leben, Empfinden, Geist und Seele auch im Haar fortwirken – ganz den oben bezeichneten Gemütszustand.

Fest, bestimmt, glücklich im Ausdruck tritt uns hier der junge Herr vor Augen. Fest gebaut ist die Form, aus einem inneren glücklicheren Zustand heraus ist das Auge offen, klar und fest, erwartungsvoll und froh.

Nichts trübt seine Seele, seinen Geist, d.h. die innere Lebens-Liebeskraft ist stark und froh, daher dieser starke, frohe, glückliche, männliche Ausdruck.

Das bis in alle Einzelheiten in Wort zu kleiden ist nicht möglich, das Auge ist der vornehmste Sinn und mit einigen Blicken läßt sich vielmehr sehen, als man in Worten beschreiben kann.

 

Bild 2 zeigt den Herrn in unglücklichem Zustand, mit enttäuschtem und betrogenem Liebesleben.

dgm053-photo-2-ot

Und nun sehe man sich die Veränderungen an Augen, Nase, Mund, Haltung, Gesicht und Haar an, es ist, als sei der Sturmwind durch alle Tiefen der Seele geweht, das Empfinden ist aufgerührt bis in alle Zellen, Atome und Moleküle.

Der gesamten Form ist der glückliche Ausdruck genommen, selbst die Spannkraft der Haltung hat merklich gelitten, als habe der Sturm den Baum geschüttelt und fast entwurzelt.

Traurig blickt das Auge, Schatten haben sich besonders in den inneren Augenecken gebildet, Schatten und feine Formveränderungen an den Geweben. Das Empfinden hat durch das Leid gelitten, aber es hat sich auch zweifellos vertieft. Direkte Formveränderungen an der unteren Nase, an Mund und Augen sind deutlich zu erkennen. Düster ist der Ausdruck geworden, als wenn ein Gewitter am Tage die helle, sonnige Natur verdunkelt. Selbst das Haar nimmt daran Anteil.

Wer will, der kann sehen, daß die Seele, die Psyche die Formkraft hat, aber im Sehen muß man konzentriert sein, sonst sieht man wohl das Bild, aber nicht den Geist, der daraus spricht, obwohl die beschriebenen Veränderungen objektiv vorhanden sind.

Wer nachdenkt, erkennt, daß die Lebenskraft in den Geweben und Formen Liebes-, Glückes- und Freudeskraft ist, die Leben, Spannung, Kraft, Ausdruck und – Gesundheit steigert.

Schreitet dieses seelische Liebesleiden fort, so folgt Verfall der Kraft, Verfall der Form, und aus seelischem Leiden kann, das ist bekannt, Siechtum und selbst der Tod hervorgehen.

Bild 2 sieht aus, als wäre es der Schatten von Bild 1, der im Hintergrunde steht und diesem gefolgt sei.

Wo die Liebe enttäuscht, verwundet, behindert ist, da folgt Leid und Nachlassen jeglicher schöpferischen Kraft. Die höchste Weisheit ist demnach, des Volkes Kraft durch Stärkung der Liebe, des guten Vertrauens, des Glückes, der Freude zu heben, das macht stark, gesund und unüberwindlich.

 

Nun Bild 3, es ist derselbe Herr einige Zeit später, mit Mißtrauen erfüllt infolge der Enttäuschung und dem erfahrenen Leid im Liebesleben.

dgm053-photo-3-ot1

Bild 3.

Man hat den Eindruck, als sei das Gesicht schmäler und härter geworden, was sich besonders in den äußeren Gesichtskonturen zeigt. Die Formen treten härter, sozusagen eckiger hervor.

Der glückliche und warme Ausdruck des Auges hat einem harten, mißtrauischen Blick Platz gemacht.

Dieser Ausdruck liegt auch an der Nasenform und am Mund, dessen Winkel den Zug nach abwärts erhalten haben.

Die Gesamtform hat unverkennbar einen strengen und harten Zug erhalten, was man, wie gesagt, besser an dem Bilde unmittelbar sehen wie beschreiben kann.

 

Aus Bild 1 sehen und lernen wir deutlich, wie Liebe und Glück die Formen sonnig, hell, freundlich, licht und lebenswarm gestalten.

Bild 2 aber zeigt, daß Liebesunglück die glückliche Lebensform in Verfall bringt, – und Bild 3, daß Mißtrauen die Gewebe fester und härter, strenger und kälter werden läßt, da hier der Magnetismus und die elektrische Energie stärker hervortreten und die Helioda übertönen.

Die Liebes-Lebenskraft sollte nicht bei Enttäuschungen dem Mißtrauen und der harten magnetischen oder gar der elektrischen Energie Platz machen und unterliegen, sondern sich durch Weisheit, Selbstüberwindung und Menschenkenntnis erst recht gereift und geläutert herauskristallisieren.

 

Was wir an diesen drei Bildern unterscheiden, zeigt uns deutlich die Formkraft der Psyche, der Seele, jener höchsten Kraft, die unser Leben ausmacht, die Lebenskraft, Liebes-, Freudes-, Lust- und Glückeskraft ist.

So wie diese die Gewebe belebt, lockert, formt, verschönert, durchstrahlt und plastisch spannt, ist sie auch in ihrer höchsten Blüte und Konzentration Geistes- und Schöpferkraft.

Bei aller Weisheit der Welt ist daher die Lehre Jesu nicht zu übertreffen, daß die Liebe am höchsten steht. An die Liebe ist alles Glück, alle Kraft und Tugend gebunden. Der gewaltigste Fortschritt liegt darin, diese höchste Kraft im Verein mit allen andern Natur- und Lebenskräften im Menschen zu erkennen, sie im Ausdruck sehen zu lernen und danach das Leben glücklich zu gestalten.

 

 

Des Körpers Form ist

Seines Wesens Spiegel.

Enthüllst du sie, so löst

Sich dir des Rätsels Siegel. 

 

 

Bild „treu und fest“ (Hinzugefügt)

Lebensrichtung von Carl Huter (1905), 1. Strophe:

Immer den Blick nur nach vorwärts gerichtet,

Niemals verzagen, wenn Schweres uns droht,

Selbst wenn das Schicksal uns alles vernichtet,

Schaut nur ins Auge recht mutig dem Tod,

Eins bleibt uns sicher, das nimmt man uns nicht,

Es ist die Treue in Tugend und Pflicht.

 

 

 

 

Große Studienbüste (Photo Myrta Chesini, Schweiz)

Mail vom 23. September 2005 von “Myrta Chesini” mchesini@hispeed.chan Herrn Timm.

Sehr geehrter Herr Timm

Die Studienbüste hat ihr neues Zuhause gefunden. Der neue Besitzer würde

gerne mit Ihnen Kontakt aufnehmen, denn er verbreitet auch die Lehre von

Carl Huter. Wenn Sie das möchten, hier seine Mail Adresse:

info@diagnostik.de ( Hr.Michael Münch ).

Herzlichen Dank für den Kontakt mit Ihnen, wünsche Ihnen alles Gute und

herzliche Grüsse aus der Schweiz

Myrta Chesini         (Hinzugefügt)

 

Schriftleiter Amandus Kupfer, Schwaig bei Nürnberg

D.A. 4500. Druck: C. Brügel & Sohn AG. Ansbach.

dgm053-buecher

Herausgegeben von Amandus Kupfer, Schwaig bei Nürnberg

Schweizer Huterfreunde

Neuherausgeber Medical-Manager Wolfgang Timm

Copyright 2001-2009 by Carl-Huter-Zentral-Archiv

 D The Gate MK

 

DgM 051

Der gute Menschenkenner 051 von 101

MENSCHENKENNTNIS           

CARL HUTER (1861-1912)

pgs-link-wwwchzade-redm.jpg 

Der Menschenkenner und die neue Zeit

nach Carl Huters Psycho-Physiognomik

 dgm59dgm_1937.jpg

Herausgegeben von Amandus Kupfer in Schwaig bei Nürnberg

CARL-HUTER-ZENTRAL-ARCHIV

Medical-Manager Wolfgang Timm

http://www.chza.de 

 

  Form Geist

EXTRA LIFE INTELLIGENCE TRANS ENERGY 

PSYCHOLOGIE UND MEDIZIN DER ZUKUNFT 

 

 

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                         
Der gute Menschenkenner                                                                        

 

nach Carl Huters Psycho-Physiognomik

© April 1937, Nr. 51

dgm051-titel_2

DIE GROSSEN

FRAUEN

dgm051-titel-b_2

An den großen, charaktervollen, idealen Frauennaturen sind die großen Männer und Völker emporgewachsen, an den charakterlosen, lieblosen, sittenlosen zugrunde gegangen.

dgm051-mellerke-ot_2

Unser Zeichner Erich Mellerke bei der Arbeit.

 

Es kann wohl keine schönere Aufgabe geben, als das Leben großer Frauen zu schildern und zu würdigen.

Wir lernen sie aber erst so recht verstehen, wenn das Bildnis vor uns liegt und die psycho-physiognomische Kunst der Menschenkenntnis dabei in Betracht gezogen wird.

Das soll hier geschehen. –

Daß es nun gerade Schweizer Frauen sind, die wir heute würdigen wollen, liegt nicht etwa daran, daß vielleicht andere Länder weniger große Frauen hatten, nein – das ist es nicht, sie sind überall vorhanden und oft gerade da, in kleinen Alltag des Lebens, wo wir sie am wenigsten vermuten.

Gerade die Schweiz, dieses schöne Land mit seinen urwüchsigen Bewohnern, und besonders die deutschsprachige Schweiz ist uns stamm- und artverwandt, und von jeher hat besonders zwischen Baden- und Würtemberg diesseits und den Schweizer Kantonen jenseits des Rheines ein reger Verkehr stattgefunden.

Wer wie ich im Laufe der letzten Jahrzehnte so viel Gutes durch die Schweiz erfahren hat und die Schweizer Gastfreundschaft kennenlernte, der kann gar nicht anders, als die Schweiz und die guten Schweizer Leute hochachten und wertschätzen.

schweiz-helioda-freunde

Vereinsgründung „Helioda“ in der Schweiz 1934  (Hinzugefügt)

 

Mit Staunen und Verwunderung haben viele Schweizer unsere Psycho-Physiognomik [Physiognomische Psychologie] kennengelernt und sind mit Feuereifer, so recht mit dem urwüchsigen Geist des Schweizer Volkes, dafür eingetreten.

Groß, klar, sonnig und licht wie die Berge und Höhen des Schweizer Landes sind diese neu erkannten ewigen Wahrheiten der Natur, welche die Psycho-Physiognomik [Physiognomische Psychologie] erschließt.

Aber ich meine, ich habe das Schweizer Volk doch erst so recht in seinem Kern verstehen können, nachdem ich seine großen, edlen Frauen würdigen und verstehen lernte. Ich glaube, hier liegt ein Kernpunkt seiner Kraft, Treue und Rechtschaffenheit, den man nie übersehen sollte.

Betrachtet man das Leben der großen Schweizer Frau und besonders auch im psycho-physiognomischen Sinne, dann ist das Band zwischen der Tradition und dem Leben und Wirken des Schweizer Volkes gefunden. – Das ist der Sinn der nun folgenden Betrachtungen.

dgm051-frauen-bi1-ot_2

Bild 1. Anna Marty.

Freilich ist ihr Name nur ein Pseudonym, sozusagen ein Gleichnis für viele andere, die unerkannt und unbeachtet ein Heldentum ihres Frauendaseins lebten.

Aber Anna Mary hat wirklich gelebt, sie war freilich nur eine ganz einfache Fabrikarbeiterin, doch nichtsdestoweniger eine edle Frau, eine Heldin in ihrem Wirkungskreis.

Ihre Heimat war an der Grenze der Hochalpen, wo die Natur bereits ihre Bergespracht entfaltet und – im Gegensatz dazu – im Tale die Fabrikschlote der großen Webereien rauchen.

Dort verbrachte Anna Marty ihr Leben. Arm – bitterarm, sah sie ihr Los voraus. Zuerst diente sie mit ganzer Kraft ihren armen Eltern, dann, obwohl sie sah, was kommen würde, nahm sie den Mann ihrer Liebe und diente nun ihm und ihren Kindern.

10-12 Stunden in der Fabrik, weite Wege in Sturm, Wind und Sonnenschein, und in ihrem Häuschen am Berge wartete nun erst recht die Arbeit auf sie.

Nimmermüde trug sie ihr schweres Los, immer gut und hilfsbereit lebte sie ein Leben nicht für sich und nur für andere.

Als dann ihr Mann in den Bergen durch einen Unfall zu Tode kam, da verzagte sie nicht, nahm weiter alle nunmehr vermehrte Arbeit und die liebe Sorge auf sich um ihre Kinder zu rechtschaffenen Menschen zu erziehen.

Obwohl ihr Körper schon ausgemergelt war, ihr die Kraft versagte, sie raffte sich immer wieder auf, um bis zur letzten Stunde zu schaffen, zu arbeiten, Gutes zu tun.

Sie war ein edler Mensch, wie eine Edeltanne auf einsamer stürmischer Höh, fest verwurzelt mit ihrer Heimat, gerade und aufrecht durch das Leben gehend.

Wir betrachten dieses wunderbare, große, willensstarke Auge – wie man es gar oft in der Schweiz findet -, das sowohl tief nach innen aufnimmt, wie auch in die Ferne sieht, charakterfest, klar und rein wie ein Bergkristall.

Man betrachte die unerschütterliche Willenskraft und Pflichterfüllung, die aus dem Auge spricht, man beachte die Charakterfestigkeit, die Selbstbeherrschung und Selbstaufopferung, die Willensfestigkeit, die in der kraftvollen Nasenform und dem Stirnansatz zum Ausdruck kommt.

dgm051-frauen-bi1-mt_2

Man vergißt dabei ganz das einfache Kattunkleid, den abgezehrten Hals, die enge Brust, das Leid und die Entbehrung, die am Mund sich spiegeln, die harte, über ihre Kräfte gehende Arbeit, die das Kinn noch deutet, – man vergißt das alles ganz und glaubt es nicht mehr zu sehen, wenn man dieses herrliche Auge und die gerade Haltung des Kopfes betrachtet.

Anna Marty ist in Wirklichkeit eine königliche Frauennatur, sie liegt im Tat- und Bewegungs-Naturell mit Harmonie und Idealität.

Das ist des Rätsels Lösung! Wir wissen nach unserer Psycho-Physiognomik, daß dieses Naturell den höchstwertigsten Menschen eigen ist. Hier sehen wir es vor uns, wie es im Leben gekämpft, gelitten und aufrecht sich durchrungen hat und alle Pflichten auf das beste, nicht für sich, sondern für andere erfüllte!

Das ist es, was wir aus diesem Bildnis lernen wollen, die königliche Natur auch unter den Ärmsten des Volkes von vornherein zu erkennen, um sie dann nach Möglichkeit in einen solchen Wirkungskreis zu bringen, wo sie nicht nur in kleinem und engem Rahmen, sondern darüber hinaus zum größten Nutzen und Segen für die Allgemeinheit vorbildlich wirken kann.

Das ist es, was diese Psycho-Physiognomik [Physiognomische Psychologie] als Weltkulturfaktor erreichen will. –

dgm051-mellerke-mt_2

Unser Zeichner, Herr Mellerke, schrieb: „Wenn man diese Frauenbilder zeichnet, dann merkt man so recht den großen Geist, der daraus spricht!“ Jawohl, wir wollen sie erkennen, die hochwertigen Edelmenschen auch unter den Frauen, und wir wollen sie schätzen als unser kostbarste Gut auf Erden!

 


Bild 2. Frau Katharina Sulzer-Neuffert.

Jetzt sehen wir im Geiste ein frisches Mädchen ihre Heimat im Schwabenland verlassen, wo ihre Eltern gestorben waren und sie nun ganz allein auf sich selbst angewiesen dastand.

Mit frischem Mut und frohem Sinn sehen wir sie über den Bodensee fahren, in die Postkutsche einsteigen in der Richtung nach Winterthur, wo sie ihre Stellung antritt.

Was hatte sie mit diesem Schritt in die Fremde für ein Leben vor sich? – Sie wußte es nicht, aber frisch und froh griff sie die Arbeit an, die sie begleitete, die sich steigerte und sie nicht mehr verließ. Wir wissen es heute, und wir wollen diese tüchtige und gute Frau ehren!

Bald hieß es in Winterthur, die Kathrine ist das sauberste Mädel, und als der Dreher Schaggi Sulzer ihre Hand begehrte, da hatte sie erst so Recht die neue Heimat dort gefunden.

In unentwegter Treue, Arbeit und Mithilfe stand sie ihrem tüchtigen Manne zur Seite, der mit aller Macht und Kraft sein Handwerk vorwärtszubringen strebte. So entstand aus den kleinsten Anfängen unter den größten Schwierigkeiten das heute weltberühmte Eisenwerk Gebr. Sulzer.

Bei aller Tüchtigkeit ihres Mannes und später ihrer Söhne, ist es doch diese hervorragende Frau und Mutter gewesen, die im stillen, immer wieder ausgleichend und versöhnend, den Grundstock für das Gedeihen des großen Werkes gegeben hat.

Wie Vertrauen erweckend, wie gut und lieb ist doch das Gesicht, das dieses Bildnis zeigt!

Es sind die treusorgenden Augen der Gattin und Mutter, die stets nach dem Rechten sehen muß, die stets und zu jeder Zeit hilfsbereit ist, die sparsam, wirtschaftlich, äußerst fleißig und umsichtig ist, die nicht ruhen und rasten darf.

Die Breite des Gesichtes in der Region des unteren Seitenhauptes zeigt die vorzüglichen wirtschaftlichen und ökonomischen Talente und die Breite der Nasenwurzel den außerordentlichen praktischen Sinn.

Dabei ist das Auge ganz warm, gut, weich und freundlich, wie auch das Mittelgesicht und die Züge um Mund und Wangen.

Das starke Kinn und der kräftige Unterkieferbogen zeigen die enorme körperliche Arbeits- und Schaffenskraft, wie auch die Tat- und Ausführungskraft.

Es ist nicht nötig, ihren wohltätigen Sinn hervorzuheben und viele andere Tugenden zu preisen, der Leser erkennt sie aus diesem wacker schaffenden, treuen und guten Angesicht.

So sieht die Frau aus, die mit beiden Füßen fest auf dem Boden des praktischen Lebens stehend, mithilft, daß ein angefangenes Werk blühen und gedeihen kann, die immer wieder im besten Sinne harmonisch ausgleicht als die stetig gute Impulskraft.

Es ist das harmonische Bewegungs- und Ernährungs-Naturell, das praktisch wirtschaftliche, man möchte fast sagen, soweit man davon bei der Frau sprechen kann, das Unternehmertalent.

Es ist im Gegensatz zu Anna Marty ein hochwertiges Naturell mit praktischen wirtschaftlichen Fähigkeiten. Es ist darüber hinaus die treusorgende und liebende Gattin und Mutter, die ihre Liebe und Hilfsbereitschaft auf alle ihre Mitmenschen überträgt.

Man sieht an diesem Bildnis zum zweiten Male, daß man den hochwertigen Menschen erkennen kann und was er nach seiner jeweiligen Naturellanlage zu leisten imstande ist, daß es darum gar kein höheres Gesetz geben kann, als solche Menschen, einerlei, ob es Männer oder Frauen sind, stets richtig zu erkennen und möglichst an einen solchen Platz zu stellen, wo sich ihre Kräfte und Anlagen voll auswirken und entfalten können.

Zum anderen erkennen wir, daß die Naturellanlage eines Menschen sozusagen sein eigenes Grundgesetz ist, in dessen Rahmen er einzig und allein gesund und glücklich sich auszuwirken imstande ist. Wenn dieses Naturgesetz einmal erkannt ist, dann wird die Zeit kommen, wo es in jeglicher Gemeinschaft nur noch gesunde, tat- und schaffensfrohe, glückliche Menschen gibt. Denn Katharina Sulzer ist das lebendige Beispiel dafür. Trotz späterer Krankheit, trotz ihres hohen Alters, sie war ein in sich harmonisch ausgeglichener, guter und glücklicher Mensch – eben, weil sie am rechten Platz stand und sich voll entfalten konnte.

 

dgm051-bild-3-morel-ot

Bild 3. Katharina Morel.

Ja, was diese Frau, ein Luzerner Kind, durchgemacht hat, das ist gar nicht zu glauben, man hat sie daher mit Recht als die tapfere Frau bezeichnet.

Es ist das Geschlechts- und Lebens-Naturell mit Harmonie.

Man betrachte die in älteren Jahren noch plastischen und vollen quellenden Formen, die von einem ungeheuren Vorrat an Kraft, Stoff und Lebensenergie zeugen.

Man betrachte die plastische Stirn, in der ein klarer Verstand wohnt, diese großen, dunklen, klugen Auge und die gerade, Willensstärke zeigende Nasenbildung, es ist die vorzügliche und angeborene praktische Menschenkenntnis, die diese Frau besaß und ohne die sie in ihrem bewegten Leben gar nicht durchgekommen wäre. Es ist die praktische Menschenkenntnis, die nunmehr lehrfähig geworden ist und die sich jeder aneignen kann und sollte.

Daher hat sie ihre Intelligenz und Klugheit so außerordentlich herausgeschult zu einer wirklichen praktischen Welt- und Lebenserkenntnis.

Sie war eine Wirtstochter, und so ist infolge ihrer Anlage gar nicht wunderzunehmen, daß sie schon mit 16 1/2 Jahren heiratete und daß sie dann ihren Manne, dem Sattler Heinrich Peyer vom 2. Schweizer Regiment, als dieser für Napoleon gegen Rußland in den Krieg zog, einfach folgte und mitzog.

Diese tapfere Frau mit ihrem starken Liebessinn konnte nicht anders, sie folgte dem Manne auf Leben und Tod.

Was der Zug nach Rußland bedeutete, braucht nicht gesagt zu werden. Nur 30 Soldaten von dem ganzen Regiment kamen mit ihr und ihrem Manne zurück, ja, ohne sie hätte ihr Mann ganz gewiß die Heimat nicht wieder gesehen.

Aber auch später, als ihren Mann im Bewegungs-Naturell die Ruhelosigkeit wieder gefaßt hatte, – das Bewegungs-Naturell haßt die Ruhe und Bequemlichkeit – ließ sie ihn nicht allein ziehen, sie begleitete ihn.

dgm051-bild-3-morel-mt

In allem bewegten Kriegsleben was sie die überlegene Menschenkennerin und gerade deswegen und aus Anlage die praktische Frau, die unverzagt eine verlorene Existenz nach der andern freudig wieder von neuem aufbaute.

Was kein Oberst des Regiments durchsetzte, das schaffte sie mit ihrer Energie, Klugheit und Menschenkenntnis.

Dabei entwickelte sie die tapfersten Eigenschaften, man betrachte die gespannte Energie an Augen, Stirn, Nase, Kinn, Mund und Haltung. Sie entfaltete Übersicht und Voraussicht.

Was ein Mensch bei solcher Anlage, wenn sie zum Harmonischen geht, dulden, ertragen, leiden und an Freude schaffen kann, darüber gibt dieses Bild Auskunft.

Sie heiratete später nochmals und war Besitzerin des „Schweizer Hofes“ in Luzern.

Im hohen Alter noch ging von ihr eine große moralische Kraft aus. Sie, die den Tod nicht gefürchtet hatte, erwartete ihn, als er sich ihr nahte, ruhig, ohne Ungeduld und ohne Angst. Das war Katharina Morel, die tapfere Frau!

 

dgm051-bild-4-dufour-ot

Bild 4. Anna Josefine Dufour.

Man kann ruhig sagen, es ist das ideale harmonische Naturell. Was das bedeutet, ist unsern Lesern bekannt. Edler Stolz, große Schweizer Vornehmheit, Tüchtigkeit und Idealität zeichneten sie aus.

Dieses Naturell ist materiell, geistig und moralisch zu Hächstleistungen befähigt – und das hat Frau Dufour bewiesen.

Über den Augen prägt sich der Sinn für Schönheit, Raum- und Ebenmaß aus, eine gewaltige geistige Kraft und Formerfassung zeigt die Nasenwurzel und die klassische Stirnform. Sie hat dabei den auserlesenen Geschmack, den großen Farben- und Ordnungssinn, die Berechnung und Übersicht, siehe die Stirnbildung seitlich und unmittelbar über den Augen, sie hat die große Tat- und Durchführungskraft und die wirtschaftlichen Talente, siehe Kinn und Unterkiefer und das starke Seitenhaupt.

Wunderbar ebenmäßig, klassisch schön und rein sind die Formen, hochgewölbt ist der Scheitel, und eine wunderbare Vornehmheit, Ruhe und Sicherheit spricht aus Haltung und Gesicht. Eitelkeit liegt ihr fern, alles an ihr ist echt und wahr.

Dieser lebhafte Geist entwickelte sich zu einem Verwaltungsgenie. Die ganze hohe Schweizer Kultur und Menschlichkeit ist in dieser Frau verkörpert.

Als ihr Mann starb, heiratete sie nicht mehr. Sie übernahm das große Geschäft, um es ihrem Sohn zu erhalten, mit einem treuen Teilhaber, Johannes Alispach, und leitete unter der Firma Dufour & Co 40 Jahre lang dieses große Unternehmen.

Man betrachte die großen, wirklichkeitsnahen – und doch fernblickenden Augen, die Feinheiten in diesen Zügen, hier offenbart sich wohl das große Geheimnis der Kulturhöhe des Schweizer Volkes, soweit das Gute zu Tat und Leben drängt.

Aber ein Kleinod hat diese Frau noch besessen, man beachte die Gespanntheit der Haltung, das geistig Rege an Augen und Gesicht, die klassische Nasenwurzel, den forschenden, ruhig beobachtenden Blick des warmen Auges, es ist die angeborene und erworbene Gabe der praktischen Menschenkenntnis, durch die sie befähigt wurde, das große Unternehmen so viele Jahre mit Erfolg zu leiten.

dgm051-bild-4-dufour-mt

Sie täuschte sich vermöge ihrer Menschenkenntnis nie in einem Menschen, sie hatte damit eine ungeheure Waffe in Aug und Hand, und wer in ihren Diensten erprobt war, dem hielt sie unentwegt ihr Vertrauen. Sie täuschte sich nicht und sah im Gesicht des Menschen, wie er dachte, handeln würde, liebte und lebte.

Was wäre diese Frau ohne ihre Menschenkenntnis? – Mit sicherer Hand konnte sie, was niemand geglaubt hätte, das Unternehmen ihres Mannes weiter- und aufwärts führen.

Das Erbe Lavaters scheint vielen Schweizern nahezuliegen. Vielleicht stellt dieses Volk bald solche ideal-harmonischen Naturen, die es tatsächlich gibt – Männer und Frauen -, an die ersten Stellen, vielleicht folgt es dieser Naturwahrheit – vielleicht aber folgt es disharmonischen Naturen -, man weiß es nicht. Ich will hier nur den echten Schweizer Geist dieser großen Frauen zeigen und erklären, wie man ihn erkennt!

Hier ist das Mittel, die hochwertigen und kernigen Naturen auszulesen.

 

dgm051-bild-5-colonna-ot

Bild 5. Herzogin Colonna.

Diese prachtvolle Büste zeigt die Dame der großen Welt, die gottbegnadete Künstlerin.

Der Anlage nach ist sie mit dem zarten, verfeinerten Körperbau, dem zarten Gesicht und der hohen, breiten Stirn ein Empfindungs-Naturell.

Sie strebte nach einem vollendeten Ideal, und in unermüdlichem Fleiß hat sie die herrlichsten Plastiken geschaffen.

Wir wissen, daß die Empfindungs-Naturelle, wenn sie ethisch, künstlerisch und wissenschaftlich durchgebildet sind, leicht in das Ideale und Geniale übergehen. Das war hier der Fall.

Das Auge hat den scharf beobachtenden Ausdruck, wie er großen bildenden Künstlern eigen ist.

In Reichtum geboren, umgeben von Kunst und Pracht, inmitten einer großen Natur, fern von allen Sorgen des Alltags, konnte sich dieses Naturell gerade so ausleben und entfalten, wie es seiner Anlage entsprach.

Sie wollte ihr Leben so gestalten, daß sie anderen damit nützlich sein könne, ganz in ihrer Art, ganz in ihrer Weise, und das hat sie auch vollbracht.

Sie stammte aus der Familie d`Affry, und als ihr Gatte, Herzog Colonna, nach drei Monaten glücklicher Ehe starb, heiratete sie nicht mehr.

Es ist immer dasselbe. Das Empfindungs-Naturell neigt zur Entsagung, auch inmitten von Reichtum und Pracht – man beachte den fein geschwungenen Mund -, in Armut opfert es sich, in Reichtum und Pracht lebt es dem Idealne und Schönen, Kunst, Religion und Wissenschaft.

Prachtvoll ist der Schwung des Halses und Nackens, edel Arm und Brust, Ohr und Wangen, den hohen Adel des Innenlebens kundgebend.

dgm051-bild-5-colonna-mt

Zur höchsten Höhe des Lebens führt uns das Empfindungs-Naturell, in die Welt des Geistes und der Kunst. Die Herzogin erstrebte das Ideal der Vollendung der Persönlichkeit – im Rahmen ihrer Naturellanlage. Sie wollte andere beglücken, erfreuen, Wohltaten erweisen. Leiden und Not lindern – und so wuchs sie selbst mit ihren Idealen zur moralischen Persönlichkeit empor.

Obwohl den Verlockungen des Reichtums und des Wohllebens preisgegeben, lebte sie doch ihrer sich selbst auferlegten Pflicht, alles in den Dienst des Idealen, Guten und Schönen zu stellen.

So finden wir sie, die hochwertigen Frauen, ob arm oder reich, ob in Not und Lebenskampf, ob ringend um die Existenz für Gatten und Kinder, sie bleiben sich selbst getreu. Ja, wir werden noch sehen, je mehr diese edlen Menschen behindert wurden, desto weiterbarmender und liebender wurden sie. Solle es angesichts dieser Tatsachen den guten Menschen nicht einleuchten, daß Menschenkenntnis nötig, gut und nützlich ist? –

 

dgm051-bild-6-calame-ot

Bild 6. Marie Anna Calame.

Meine Hand vermag das hohe Lied des Lebens dieser Frau nicht gebührend zu schildern.

Wenn man aber das Bild betrachtet, so hat man den Eindruck, als wenn sie viel Armut, Not und Elend gesehen und mitempfunden hätte. Betrachtet man das Auge so glaubt man, daß ihre Kraft zu helfen dabei immer größer geworden wäre.

Man merke sich dieses Auge, diese weichen, warmen Formen, es spricht daraus das Mitleid, der Wille zu helfen, Leid in Freude umzuwandeln. (Der Ausdruck ist ganz entgegengesetzt dem harten, kalten Auge des Menschen, der Freude in Leid und Wahrheit in Finsternis umwandelt.)

Es ist die Mutter der Armen und Waisen.

Sie schuf das erste Rappenliebeswerk. Es herrschte damals um 1800 nach den Kriegszeiten großes Elend, und ihre Hilfe kam zur rechten Zeit.

12 Bewerber schlug sie aus – und heiratete nicht, weil sie befürchtete, ein Mann könne womöglich das Werk, das sie vorhatte, hindern. Entsprechend reserviert und eigen ist auch der Mundausdruck.

Sie nahm zuerst 16 Waisen und Bettelkinder zu sich in Kost, Logis und Unterricht. Sie wollte den Ärmsten der Armen helfen.

Aber wenn man glaubt, die Behörden und Mitmenschen hätten sie dabei unterstützt, dann irrt man sich, sie wurde von den Behörden peinlich genau überwacht, alles, was sie jahrelang in unermüdlichem Fleiß geschaffen, Gutes und Liebes getan hatte, das wurde ihr übel ausgelegt und abfällig kritisiert.

Aber allmählich rang sie sich durch – sie lehrte ihren Pfleglingen den Glauben an Gott und Christus, aber doch in etwas anderem, wie üblichem Sinne, und bald begeisterte sie viele Menschen zu freudiger Mitarbeit.

Sie ließ ihre Zöglinge arbeiten, lehrte ihnen die Anfertigung von Spitzen, gründete eine Zeichenschule, fertigte und lehrte Porträtmalereien in Emaile, sie lehrte durch ihr Beispiel die Führung eines einfachen, wohlgeordneten Lebens und nahm sich des ganzen, von ihr betreuten Menschen an, um ihn zu ertüchtigen, den Kampf des Lebens führen zu können.

Wir sehen, wie praktisch sie vorging – ganz nach ihrem Naturell, Bewegung und Harmonie (Kennzeichnend ist das lange energische Gesicht und für das erzieherische Talent die lange, bestimmte, gerade Nasenform), brachte sie es fertig, tüchtige Menschen aus ihren Zöglingen zu machen. Der seitlich abfallende Augenbrauenzug zeigt, wie sie das Leid selbst miterlebte.

Das erste Kind, das sie aufnahm, lief bettelnd von Haus zu Haus und war nur in alte Lumpen gehüllt.

Der erste Knabe, der seinen Lehrzeit bei ihr beendet hatte, gab ihr sein ganzes erstes selbstverdientes Geld.

Als sie schon Weltruhm hatte, blieb sie ihrer Einfachheit treu! Das ist das Wunderbare bei diesen Naturen, sie bleiben wie sie sind, kein Reichtum und keine Ehre vermag sie zu erschüttern.

Aber noch haben wir die Hauptsache nicht gesagt, wodurch Anna Calame ihre besten Erfolge hatte.

Man beachte den forschenden, beobachtenden Ausdruck der Augen in Verbindung mit der plastischen Nasenwurzel und der langen, geraden, ausdrucksvollen Nasenform. Sie hatte die große Freude am Beobachten der Natur und menschlicher Gesichter. Sie war eine vollendete Menschenkennerin. Als sie schon 250 Zöglinge hatte, kannte sie jeden einzelnen dennoch ganz genau, kannte seinen Charakter, ging darauf ein und leitete den Schüler danach langsam vorwärts und aufwärts.

dgm051-bild-6-calame-mt

Sie besaß also auch noch die große Kunst der richtigen Menschenbehandlung.

Sie, die Mutter der Armen, starb mit den Worten: „Ich verzeih allen, die mich gekränkt haben, und bitte alle, die ich kränkte, um Vergebung.“

O, das Letztere zu sagen, hätte sie nicht nötig gehabt, wir bitten sie um Vergebung, daß heute noch, trotz ihrem Vorbild, es noch Armut, Not und Leiden in der Welt gibt!

Sie stammte aus dem Tal von Locle in der welschen Schweiz. Nicht unerwähnt soll bleiben, daß sie Vorgänge erlebte, die an das Wunderbare grenzten.

 

dgm051-bild-7-mutterli-ot

Bild 7. ´s Mutterli. (Elise Rupp).

Das ist ´s Mutterli! Man kann sie wohl auch dem Bild nach gar nicht besser benennen, denn alles, was man unter dem Wort „Mutter“ versteht, erwacht in uns beim Anblick dieses Bildes.

Wer noch nicht weiß, wie der gute Mensch aussieht, hier ist er – hier kann man ihn studieren. Wenn erst das Lob des guten Menschen ertönt – heute wohl vielfach Gutheit mit Schwäche und Dummheit noch verwechselt -, dann wird selbst die Natur, die ja nicht tot ist, an solchem Erleben teilnehmen.

´s Mutterli wollte in ihrer Jugend Erzieherin werden. Sie stammte aus Zug, lebte später im Aargau und heiratete in ein Doktorhaus.

Da gab es viel zu tun. Ein Haus voller Kranker und Hilfsbedürftiger – das war schon ein rechtes Wirkungsfeld für sie.

Als dann aber ihr Gatte starb, da nahm sie unter schwersten Umständen ihren Jugendvorsatz auf und verwirklichte ihn.

Sie wurde wie ein guter Engel, wollte immer nur helfen, Gutes tun – alles für andere und nichts für sich selbst.

Sie begründete eine vorbildliche Erziehungsanstalt ganz in den Bahnen des von ihr hochverehrten Pestalozzi, und doch wieder ganz nach ihrer Ursprünglichkeit.

dgm051-bild-7-mutterli-mt

Sie paßte die Erziehung den praktischen Bedürfnissen an, sie übte einen magischen Einfluß aus, entfachte in ihrer ganzen Umgebung einen Wetteifer im Lernen und Arbeiten, im Wohltun, im Opfern und Helfen. Man sagt, über dem Schweizer Land wehte damals die Fahne der Humanität, der Liebe und Gemeinnützigkeit.

zurich-airport-1

Schweiz-Symbol (Hinzugefügt)

Vielleicht ist das scheinbar zu viel gesagt, aber man kann sicher sein, der Einfluß einzelner guter Menschen ist oftmals viel gewaltiger und größer wie man glaubt.

Man betrachte dieses Bild, es ist die vollendete Harmonie und Gutheit. Daß man noch sagen muß, wie der gute Mensch aussieht – hier ist doch sein Bild: Warme, strahlend gute weiche Augen – ein wunderbar mildes, weiches, reines und warmes Gewebe. Das ist schon im Prinzip alles, es ist nicht viel – so wenig, wie der gute Mensch für sich selbst beansprucht. Aber es will doch gelehrt, es will gesehen und verstanden werden. Alles andere sagt das Bildnis, mehr wie Worte es vermögen – man studiere es eingehend, und wo man ähnliches wieder findet, da erinnere man sich, daß man den guten Menschen nicht bekämpfen, sondern ihm helfen soll, denn durch ihn kommt das Glück in die Welt. Auch braucht man den guten Menschen nicht zu fürchten, er tut nichts Böses. Man gebe sich einmal Mühe, den guten Menschen zu verstehen, und man wird bald finden, daß es sich reichlich lohnt.

´s Mutterli starb mit 83 Jahren, ohne Kampf, ohne Schmerz, im festen Gottvertrauen. Wir legen ihr im Geiste die schönste Rose auf das Grab.

 

dgm051-bild-8-schlatter-ot

Bild 8. Anna Schlatter.

Anna Schlatter, geboren in St. Gallen, liegt, – das zeigen ihre großen, geistreichen Augen in Verbindung mit der kräftigen deutschen Nasenform – im harmonischen Tat- und Bewegungs-Naturell.

Mag ihre Zeit vergangen sein, mag sie in ihrer Tracht uns heute nicht mehr modern erscheinen – die Erinnerung an sie, ihre Charaktergröße und Einfachheit, ihre liebe, warme Frauennatur soll ein nie versiegelnder Quell ewiger Jugendkraft sein und bleiben.

Dieses wundersame Auge mit dem weichen und sanften und doch so festen Blick trifft man gar oft im Schweizer Land, als spiegele sich darin die Heimat mit ihrer felsigen Bergwelt, ihren lieblichen Tälern und klaren Seen.

Anna Schlatter war eine ausgeprägte Persönlichkeit, ein Charakter, ein lebhafter Geist von natürlicher Frömmigkeit und großer Menschenliebe. Sie war ihrem Gatten in treuer Liebe ergeben, sie hatte einen außerordentlichen Scharfblick und eine große Gewandtheit in allem, was ihre Hände anfaßten.

dgm051-bild-8-schlatter-mt

Sie war Gattin, Mutter, Hausfrau und Geschäftsfrau, und doch bewahrte sie sich die Freiheit und Beweglichkeit des Geistes und sammelte in ihrem Kreis die Besten ihrer Zeit. Lavater war ihr Seelenfreund. Ihre ganze Wesensart prägt sich deutlich in diesem durch die großen Augen so außerordentlich belebten Gesicht mit der ausdrucksvollen Nasenform und dem charakteristischen Mund, den bewegten und lebhaften Zügen aus.

Alles in diesem Gesicht ist Offenheit und Geradheit, ist Festigkeit und Zuverlässigkeit, Regsamkeit und Fleiß, Geist und Treue.

Sie sah in der Vervollkommnung des eigenen Selbst ihr höchstes Lebensziel. Im Charakter treu wie Gold, in der Seele von feinster Empfindlichkeit, in Kraft und Tätigkeit unermüdlich, von regsamem Geist, fromm und gottesfürchtig, so steht sie vor unseren Augen: Nicht ein unerreichbares Ideal, sondern ein wirkliches Vorbild echter Frauentugend.

 

dgm051-bild-9-spyri-ot

Bild 9. Johanna Spyri.

Das Bergdorf Hirzel an der Straße von Zug nach Zürich war ihre Heimat.

Man glaubt, in eine träumerische Märchenwelt zu sehen, wenn man das beschattete, geheimnisvolle und doch so freundliche Auge betrachtet und dazu den sprechenden Mund, als würde er gerade eine ihrer schönsten Geschichten erzählen.

Es ist ein Auge, das bis in die Feinheiten alles wunderbar lieblich beobachtet. Dabei sind die Gesichtsformen schärfer und sehr markant herausgeholt, ein wenig härter – aber doch sehr durchgeistigt, und im Mittelgesicht strahlt warm das allerfeinste Empfinden aus.

Das sind gewisse Kontraste, und so sah sie die Unterschiede des sich abspielenden Lebens ganz und gar mit eignem Sinn und eigner Gefühlstiefe. Alle Geschichten krönte sie mit größter Lieblichkeit, – wie sie symbolisch schön und eigenartig das Haar über das Haupt gelegt hat.

Sie schuf die herrlichsten Kindergeschichten, sie weckte die Lust und Freude am Leben – und dieses wird ja wohl die Erziehungskunst der Zukunft sein -, sie machte das einfachste und kleinste Leben des Alltags dennoch fesselnd, lebendig und wertvoll. Sie erzählte so natürlich, wahr und echt, daß ihre jungen Leser mit den Gestalten ihrer Erzählungen alles miterlebten, mitfühlten und sich mitfreuten.

Sie selbst verbarg ihre Schriftstellerei und merkte es nicht, daß sie bereits eine berühmte Frau geworden war. Sie hatte aber auch einen starken Eigenwillen, denn im Unterton erscheinen die Gesichtsformen etwas herb, sind aber dennoch von feinsten, warmen, lichten und nervenreichen Gewebe umspannt.

dgm051-bild-9-spyri-mt

Johanna Spyri  blieb bei einer einmal gefaßten Meinung, aber bei den Armen und Kranken, das schmolz alle vorgefaßte Meinung und löste sich in großes Mitleid, Mitgefühl und Hilfsbereitschaft.

Man beachte das sehr breite Oberhaupt, wo die Ansammlungssinne für Poesie und Dichtung und der Idealsinn unter der hohen und reichen Haarkrone liegen. – Wie ganz scharf erfassend die seitliche Augenlidbildung ist – Aus der freundlichen weißen Halskrause schaut sie uns wie die echte, liebe Märchenerzählerin an.

Sie blieb auch im Alter noch jung im Gemüt, wie die Gestalten ihrer Erzählungen, das Heidi, das Gritli und viele andere jung geblieben sind.

„Und so blau ist kein Himmel,

Keine Sonne so licht,

Wie die Sonne der Heimat,

Und die laß´ich auch nicht.“

 

dgm051-bild-10-pestalozz-ot

Bild 10. Anna Pestalozzi.

Leise verklingen mit diesem Bild unsere Zeilen über die große und edle Schweizer Frau.

Sie verklingen  so leise und bescheiden, wie das Leben von Frau Anna Pestalozzi war. 50 Jahre Liebe, Treue und Aufopferung für ihren Gatten, dessen gutes Omen, dessen lichte Hand sie war, die ihn in feiner und edler Weise schützte.

Das kann nur der verstehen, der weiß, was es heißt, an der Stelle eines genialen Empfindungs-Naturells, wie es Pestalozzi, ihr Gatte war, durch Leben zu schreiten.

Wie viel sie unter den äußeren Verhältnissen gelitten hat, das zeigt dieses liebe, leidvolle, dennoch sonnig freundliche Gesicht. Ihr Leben lang übte sie die vollendetste Selbstbeherrschung, das zeigt diese lange feine Nasenform.

Sie bewahrte ihren Gatten, wenn er in schlimmer Not war, vor Verzweiflung. Wie muß diese Frau mit den weichen, eindrucksvollen Zügen mitempfunden und mitgelitten haben, und dennoch verraten noch die Augen auch den Abglanz ihres Glückes.

dgm051-bild-10-pestalozz-mt

Die übermäßige Anstrengung und das harte Leben brachen schon frühzeitig ihre Kraft, aber in ihren Idealen, in ihrer großen Liebe blieb sie unerschütterlich fest und stark. Mochte auch der Körper brechen, der Geist brach nicht.

Was wäre aus Pestalozzi ohne diese Frau geworden?! Anna Pestalozzi lebte eine ideale Liebe. Sie wollte ihren Gatten lieben, solange er der Tugend treu sein würde. Was ist das für ein Wort!! Und was sagte Huter, der dieses Geständnis der edlen Frau gewiß nicht kannte? Pestalozzi liegt im Tugend-Naturell.

Wundersame Wege sind es, die das Schicksal manchmal den Menschen gehen läßt.

Wenn alle ihren Gatten verließen und verhöhnten, wenn die Landwächter ihn für einen Bettler hielten, – nie verlor sie ihren Glauben an ihn.

Sie wurde v on ihm geliebt, geehrt, bewundert, aber allen Kummer bis zum völligen äußeren Elend mußte sie auch mit ihm tragen. In ihrer stillen Liebe hat sie engelsgleich ihren empfindsamen Gatten behütet und geschützt.


Was war das für eine Welt, die das Genie nicht erkannte und die den guten Menschen nicht zu helfen wußte?

Das alles und noch viel mehr Leid, Tragik und Unvollkommenheit wird durch die Psycho-Physiognomik [Physiognomische Psychologie] einst überwunden werden können. Möge der gute Mensch sich ihr zuwenden, denn so wie Anna Pestalozzi nie den Glauben an ihren Gatten verlor, so verliert der Mensch durch die Erkenntnis der Wahrheit in der Natur nie den Glauben an den endlichen Sieg des Wahren, Guten und Schönen in der Welt! Solange es noch solche Menschen auf der Erde gibt, wie sie hier geschildert wurden, solange verlieren wir auch nicht den Glauben, daß der gute Mensch auch einstmals seine segensreiche Hand und Tatkraft dieser Psycho-Physiognomik [Physiognomische Psychologie] zuwenden wird, und damit legen wir im Geiste all diesen großen Frauen die schönsten Blumen zu Füßen.

 

dgm051-titel-c_2

 

 

Bild „treu und fest“ (Hinzugefügt)

Lebensrichtung von Carl Huter (1905), 1. Strophe:

Immer den Blick nur nach vorwärts gerichtet,

Niemals verzagen, wenn Schweres uns droht,

Selbst wenn das Schicksal uns alles vernichtet,

Schaut nur ins Auge recht mutig dem Tod,

Eins bleibt uns sicher, das nimmt man uns nicht,

Es ist die Treue in Tugend und Pflicht.

 

 

 

 

Große Studienbüste (Photo Myrta Chesini, Schweiz)

Mail vom 23. September 2005 von “Myrta Chesini” mchesini@hispeed.chan Herrn Timm.

Sehr geehrter Herr Timm

Die Studienbüste hat ihr neues Zuhause gefunden. Der neue Besitzer würde

gerne mit Ihnen Kontakt aufnehmen, denn er verbreitet auch die Lehre von

Carl Huter. Wenn Sie das möchten, hier seine Mail Adresse:

info@diagnostik.de ( Hr.Michael Münch ).

Herzlichen Dank für den Kontakt mit Ihnen, wünsche Ihnen alles Gute und

herzliche Grüsse aus der Schweiz

Myrta Chesini         (Hinzugefügt)

 

Schriftleiter Amandus Kupfer, Schwaig bei Nürnberg

D.A. 4500. Druck: C. Brügel & Sohn AG. Ansbach.

dgm051-buecher

Herausgegeben von Amandus Kupfer, Schwaig bei Nürnberg

Schweizer Huterfreunde

Neuherausgeber Medical-Manager Wolfgang Timm

Copyright 2001-2009 by Carl-Huter-Zentral-Archiv

 D The Gate MK

 

DgM 050

Der gute Menschenkenner 050 von 101

MENSCHENKENNTNIS           

CARL HUTER (1861-1912)

pgs-link-wwwchzade-redm.jpg 

Der Menschenkenner und die neue Zeit

nach Carl Huters Psycho-Physiognomik

 dgm59dgm_1937.jpg

Herausgegeben von Amandus Kupfer in Schwaig bei Nürnberg

CARL-HUTER-ZENTRAL-ARCHIV

Medical-Manager Wolfgang Timm

http://www.chza.de 

 

  Form Geist

EXTRA LIFE INTELLIGENCE TRANS ENERGY 

PSYCHOLOGIE UND MEDIZIN DER ZUKUNFT 

 

 

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                         
Der gute Menschenkenner                                                                        

 

nach Carl Huters Psycho-Physiognomik

© März 1937, Nr. 50

XX

Mit künstlerischem

S E H E N

durch die Welt

 XX

Welches Bild

zeigt nach eigener Anschauung und Gefühl:

1. Die Ausserlichkeit

2. Die Innerlichkeit

3. Fürsorglichkeit

4. Festigkeit und Tüchtigkeit

5. Lebensnüchternheit

6. Sparsamkeit und Fleiss

7. Kälte und Härte

8. Bewegung und Beobachtung

 

Mit der vorliegenden Arbeit erscheint die Nr. 50 dieser Zeitschrift.

die erste Nummer kam im August 1932 und damit eine nach Form und Inhalt gänzlich neuartige Zeitschrift.

XXX

DgM Nr.1 (Hinzugefügt)

Ein Kleinod liegt allem darin Gebotenen zugrunde: Neue große Forschungen und Entdeckungen der Carl Huterschen Psycho-Physiognomik [Physiognomische Psychologie], die in Wort und Bild einfach und schlicht zur Darstellung gebracht sind.

In glücklicher Weise wurden durch Carl Huter Natur und Mensch in vergleichende Betrachtung gezogen, und die segensreichsten Folgerungen ergeben sich daraus für das praktische Leben. Die große Liebe zur einmal erkannten Wahrheit in der Natur, um damit allen Menschen dienen zu können, ist es, die diesen Arbeiten zugrunde liegt.

Heute soll nun eine kleine Übersicht des Dargebotenen in der Weise erfolgen, daß wir an sehr verschiedenartigen Bildern jeweils das Typische, die hauptsächlichsten physiologischen Besonderheiten hervorheben, etwa so, als wenn wir im täglichen Leben Menschen beobachten oder illustrierte Zeitschriften durchblättern und an einzelnen Bildern gerade das erkennen, was besonders in die Erscheinung tritt und sich physiognomisch deutlich ausprägt.

Dabei soll der tiefe Sinn, der in diesen vergleichenden Betrachtungen liegt, nicht verlorengehen, obwohl die naturwissenschaftliche Begründung zugunsten der praktischen Erläuterungen zurückgestellt werden muß.

XX

Bild 1. Der Urmensch. Archiv

Bild 1 zeigt den Urmenschen, wie er nach Schädel- und Skelettfunden des Neandertaler- und Aurignac-Menschen, der Cro-Magnon-Rasse, des Pithekanthropus aus Java oder des Pitdowner-Menschen aus Sussex, des Rhodesia- oder des Taungsmenschen rekonstruiert werden kann.

Der grobe und große Mund, die starken Kiefer und Kauwerkzeuge – sicherlich ist das Kinn noch stärker und vorspringender gewesen – lassen die Frage berechtigt erscheinen: Wodurch hat sich der Urmensch aus diesem noch fast tierischen Zustand erhoben und höher entwickelt?

Betrachtet man das grobknochige Gesicht, den Stiernacken mit dem starken kurzen Hals, sowie die gewaltigen seitlichen Unterkiefer, so erkennt man, daß der Urmensch im Kampf ums Dasein, getrieben durch Hunger und Liebe, im gewaltigen Kampf mit prähistorischen Tieren sich wohl durch seine außerordentliche Gewandtheit und Körperkraft behaupten konnte, aber nur in Verbindung mit seinem fabelhaft scharfen Sehen und Beobachten.

Demgemäß finden wir das Auge ganz scharf und konzentriert sehend eingestellt, es ist sicherlich noch viel klarer und schöner gewesen, wenn auch auf andere Momente gerichtet, wie bei einem Falken oder Adler.

Sprechend zeigt energische und knorrige Stirnansatz unmittelbar über den Augen und an der Nasenwurzel die fabelhafte Beobachtungsgabe.

Aus biologischer und entwicklungsgeschichtlicher Erkenntnis wissen wir heute, daß hier die Organe für die reale und objektive Beobachtung der sichtbaren Dinge in der Welt liegen.

Das scharfblickende Auge, die fabelhafte Beobachtungsgabe ist es gewesen, die den Urmenschen auszeichnete und ihn in der Folge in Verbindung mit noch weiteren Umständen zum Herrn der Erde gemacht hat.

Danach sollte man eigentlich annehmen, daß der spätere und auch der heutige Mensch sich diese scharfe Beobachtungsgabe, der er ja im Grunde genommen alles verdankt, weiterhin bewahrt hätte. Das ist leider nur in Ausnahmen der Fall gewesen.

hitler-urmenschenstirn

Adolf Hitler und Urmensch. Das Buch von 1941. (Hinzugefügt)

Hätte er es getan, dann wäre er seit langem zu einer brauchbaren Formenpsychologie gelangt. Es wäre dann z.B. nicht möglich gewesen, daß stark minderwertige Menschen wie der römische Kaiser Nero und viele andere das Los der Völker der Erde so außerordentlich hätten erschweren können.

Die hochentwickelten Tiere, wie der intelligente und wachsame Hund, beobachten vielfach schärfer, denn letzterer erkennt mit einem Blick aus dem Gesicht seines Herrn, wie derselbe gelaunt ist, und aus seinen Bewegungen, was er vorhat und richtet sich danach.

Der Zündholzkönig Ivar Kreuger führte eine ganze hohe Weltdiplomatie und Bankaristokratie irre, niemand gewann aus seinem Äußeren Einblick in sein entartetes inneres Wesen.

XX

Ivar Kreuger (Hinzugefügt)

 

Der Mörder Gorguloff erhielt von der Polizeit Einlaßkarten zu jenem verhängnisvollen Feste, auf dem er den Präsidenten der Französischen Republik erschoß. Ähnliche Beispiele mangelnder Menschenkenntnis bis in die kleinsten Verhältnisse hinein charakterisieren die Menschheitsgeschichte.

Reiche Eltern geben ihren Kindern die beste Erziehung und lassen sie alles mögliche lernen, und doch kann nachher oftmals der junge Mensch, wenn er auf sich selbst angewiesen ist, vom ersten besten getriebenen Gauner irregeführt, verführt, betrogen und um alles gebracht werden.

Man hat geglaubt, die denkbar schärfste Beobachtung des Menschen nicht mehr nötig zu haben, und ist dadurch trotz aller Kultur und allen Gesetzen vielfältig Unbilden ausgesetzt, und es will kein richtiges und dauerndes Glück aufkommen.

Die Intelligenz und Herrenmenschen, die großen Staatsmänner, Feldherrn und Unternehmer haben sich ausnahmslos aus dem natürlichen Instinkt für Menschen und Dinge die beste Beobachtungsgabe erhalten. Dadurch faßten sie die Menschen so auf, wie sie wirklich waren, verwandten sie für ihre Dienste und kamen so zu Einfluß, Ansehen, Macht, Besitz und herrschender Stellung in ihrem Bereich.

Aber der Herrscher und Adelsstand kam im Laufe der Zeit von der objektiven Menschen- und Seelenforschung ab und verlor sich in Standes-, Macht- und Herrschaftsinteressen.

Die Menschenpsychologie der Priester bestand in einer reinen Seelenanalyse, und auch sie gelangten dadurch im öffentlichen Leben zur Macht. Ihre Psychologie entwickelte sich zur Ideallehre und Theologie und verlor damit den Boden der Lebenswirklichkeit.

Die Naturforschung suchte den Menschen nach seinem körperlichen Organismus zu erforschen und kam dadurch von dem Kern der Sache, der Seele und ihrem Zusammenhang mit dem Körperlichen, ab, wodurch der praktische Blick für den Charakter und die Persönlichkeit verloren ging.

Die besten Beobachter der menschlichen Natur blieben immer noch die großen bildenden Künstler, Pädagogen, Philosophen, Dramatiker und Romanschriftsteller.

Allmählich bricht sich heute die Erkenntnis Bahn, daß der Mensch nach Körper, Kopf, Augen- und Gesichtsform und in allen Lebensäußerungen scharf und künstlerisch zu beobachten ist, daß das Leben von Leib und Seele einheitlich ineinander überfließt und entsprechend Form und Lebensausdruck bildet.

Die natürliche Wertung von Innenleben und Charakter aus dem äußeren Erscheinungsbild ist, da die Beobachtungsgabe für den Menschen selbst Jahrhunderte und Jahrtausende vernachlässigt wurde, schwer auf einmal und restlos wieder nachzuholen, um so mehr, als ja noch die Einsicht gering ist, daß überhaupt die scharfe künstlerische Beobachtung des Menschen nötig und wichtig ist. Daher darf man sich nicht wundern, daß in der Welt das Leben im großen und ganzen im alten Geleise weitergeht, obwohl sich die Menschen heraussehnen und zu einem höheren und vollkommeneren Glück kommen möchten.

Der Mensch selbst hat seine beste Waffe im Lebenskampf nicht geachtet. Je komplizierter aber die Kultur und die Lebensverhältnisse für den Menschen werden, um so mehr zwingen sie ihn, nach einem Ausweg zu suchen, zu einer neuen, scharfen, klassischen und ständigen Beobachtung des Menschen zurückzukommen.

huter-sehen-auge-m

Klassisches Sehen (Hinzugefügt)

Es liegt also der tiefste Sinn dieser sehr realen Kunst, die sich jeder aneignen kann, zugrunde. Betrachten wir nun in der geschilderten Weise Bild 2.

XX

Bild 2. Die Weltdame.

 

Naturwissenschaft, Philosophie und moderne Weltdame.

Bild 2 zeigt die moderne Weltdame, die äußerlich glanzvoll in die Erscheinung tritt. Das Haar ist künstlich gewellt, das Gesicht, die Hand, die Fingernägel sind außerordentlich gepflegt, die Augenwimpern und die Brauen sind hervorgeholt, Mund und Gesicht sind geschminkt und gepudert.

Kostbarer Schmuck und eine ebensolche Kleidung erfreuen das Gemüt. Entsprechend ist die Bewegung und der gesamte Lebensausdruck dieser reizvollen Dame.

Vom rein naturwissenschaftlichen Standpunkt und objektiv künstlerischen Sehen aus betrachtet fällt sofort das ganz objektiv und real gegenständlich blickende, Lebensfreude verratende Auge auf. Das Auge blickt scharf und ist auf äußere Schönheit eingestellt.

Also ohne scharfe Beobachtung der für diese Weltdame in Betracht kommenden Dinge geht es auch hier nicht.

Dann fällt aber weiterhin auch die breit und schön abgerundete Bildung der Nasenwurzel zwischen beiden Augen auf. Hier liegt der Sinn für Schönheit, Formen, Gestalt und die Beobachtung der Bewegungen.

Wir sehen auch die sehr gut und hoch gebildete Wölbung zwischen Augenlidern und Augenbrauen, besonders etwas seitlich oberhalb des Augensternes.

Hier liegt der Farben- und Lichtsinn, der Sinn für Takt, Ton und Rhathmus, auch für Übersicht, Ordnung und Berechnung.

Das alles herrscht, wie auch die Kopfhaltung und der Augenausdruck offensichtlich zeigen, vor, und damit kann man feststellen, daß diese Weltdam ganz unter dem Zeichen des Formen- und Farbensinnes, der Äußerlichkeit steht.

Verstärkt werden diese Anlagen auch noch durch den stark entwickelten, real-praktischen Sinn, denn ungefährt über die Mitte der Stirn, die durch die Haarlocke abgegrenzt ist, zieht sich eine starke Plastik nach dem gut entwickelten Seitenhaupt hin, wo die praktischen und ökonomischen Sinne liegen.

Das Kinn ist gut breit und lebhaft vorspringend, es kennzeichnet den lebhaften körperlichen Impuls. Der schwungvolle Hals und Nacken und die Hand zeigen den Körperadel und die Körperpflege.

Der obige, schwächere Teil der Nasenform zeigt den geistigen Fleiß und die Tätigkeit und tritt gegenüber dem unteren, viel stärker geformten Teil der Nasenbildung, der anatomisch-physikalisch mit der inneren Leiborgan- und Gefühlstätigkeit korrespondiert, stark zurück. Das Genußleben steht demgemäß im Vordergrund.

Auch die vollen, lebhaften Lippen deuten auf die Empfänglichkeit für Genüsse, wobei aber die schärfer hervortretende Oberlippenpartie die reservierte, sark persönliche, auf das „Ich“ konzentrierte Einstellung deutlich hervorhebt.

Das sind einige wesentliche, ganz objektiv in die Augen springende Beobachtungsmerkmale, die bei allem äußeren Zauber dennoch charakteristisch sind und eine innere Kühle hervortreten lassen.

Der Blick zeigt die Entwertung für alles, was nicht diesem äußeren Zauber entspricht.

Wir sehen, die Natur arbeitet auch heute noch in Verbindung mit der modernen äußeren Kultur an der Entwicklung des Formen-, Gestalt- und Farbensinnes.

huter-geist-formen

In den Formen lebt der Geist (Hinzugefügt)

 

Es fragt sich nur, ob die Tätigkeit dieser Sinne auch in Zukunft einzig und allein auf reine Äußerlichkeiten gerichtet bleiben wird. Sicherlich nicht, es wird die Zeit nahen, daß man die scharfe Beobachtung noch viel mehr steigert und auf die lebendigen Formen und ihren Zusammenhang mit dem inneren Geist-, Organ- und Seelenleben richtet.

Dann erst wird der Formen-, Farben- und Gestaltsinn allmählich den Zweck voll erfüllen, für den die Natur ihn geschaffen hat und zu dessen Entwicklung sie Jahrhunderttausende benötigte.

Dann wird der Formen- und Farben-, Licht- und Gestaltsinn in den Dienst einer harmonischen, allseitig guten Entwicklung und Betätigung aller Anlagen gestellt.

Damit wird der große, kosmopolitische Zukunftsmensch langsam die Herrschaft über das Erdreich übernehmen, zu welcher der Urmensch die ersten Anfänge machte.

Aber alles in allem, berechtigt ist und bleibt die Pflege aller äußeren Schönheit und Lebenskultur, nur darf sie nicht Selbstzweck bleiben und alle anderen Anlagen, so wie es bei unserem Bilde der Fall ist, übertönen.

Wie soll das rechte Maß nun erkannt werden? – Es bleibt nur die lebendige Lebensformenbeobachtung bis in alle Feinheiten übrig, um daraus unmittelbar die greifbare Erkenntnis, die zu einem noch höheren Lebensaufstieg führt, zu entnehmen.

Dann wird manche einfache Dame, die wohl das Äußerliche, aber ebenso das Innerliche pflegte und besitzt, von manchem Manne richtig und rechtzeitig erkannt werden und den Vorrang erhalten.

 

Die Welt der Verinnerlichung.

Bild 3 zeigt eine Madonna des Carlo Dolci und führt uns in eine entgegengesetzte Welt, die engelsrein und gut ist.

XX

Bild 3. Madonna del dito. Von Carlo Dolci, Galerie Borghese, Rom.

Sie ist da, sie ist ebenso wirklich, wie die Welt der Veräußerlichung und des Körperadels.

Wie aber sollen wir uns objektiv über diese entgegengesetzten Welten orientieren, wenn nicht durch die lebendige Sprache der Formen, die greifbaren Gestaltungen des körperlichen, seelischen und geistigen Lebens?

Die Madonna hat das Haupt gesenkt und die Formen sind sehr edel, das Gesicht ist nur schmal, die Wangen sind weich, mild und zart durchhaucht, fast wie zerbrechlich. Und doch liegt ein tiefes inneres Glück und Erleben in diesem Angesicht.

Die großen, sanft über den Augapfel fallenden Augenlider sind in Verbindung mit dem weichen Auge, das ganz in Gedanken der Liebe aufgeht, das typische Merkmal der Frömmigkeit, Entsagung und Ergebenheit.

Das Auge beobachtet überhaupt kaum mehr die realen äußeren Dinge der Welt, es ist nach innen gewandt in Heiligung und Gottergebenheit.

Auch das ist durchaus wirklich. Welcher Welt sollen wir uns nun zuwenden? Wo ist die ganze Wahrheit, was sollen wir tun und was sollen wir lassen?

Zweifellos gibt es diese innere Welt der Vertiefung, der Heiligung und Entsagung, der Duldsamkeit und unendlichen Liebe. Daher sollen wir beide Welten, die der Innerlichkeit und der Äußerlichkeit, miteinander verbinden, gleich stark pflegen und ausleben. Das ist der goldene harmonische Mittelweg. Wir sollen den Blick gleich stark nach innen wie nah außen in die reale Welt der Wirklichkeit richten!

Wunderbar edel ist bei der Madonna diese klassische Stirn in ihrem Übergang zu der langen und äußerst fein gebildeten Nase.

Aus dieser Form spricht die vollendete Charakter- und Selbstbeherrschung aller Anlagen, Neigungen und Triebe, die Abkehrung von allen irdischen Genüssen.

Wir können nicht die Augen verschließen für diese innere Welt und nur der Äußerlichkeit leben und ihre Vorteile wahrnehmen.

Der Mund der Madonna mit der kurzen, weichen, schön geformten Oberlippenpartie ist wunderbar weich, schön, mild und freundlich. Das Kinn ist edel gerundet und vorspringend, es zeigt den edlen körperlichen Impuls zu allen Tugenden und guten Taten in Verbindung mit dem starken geistigen Impuls, auf den die klassische Nasenform deutet.

Je mehr Schlimmes auf solche Naturen eindringt, desto weltverachtender, welterbarmender und gottseliger werden sie.

Alle Formen und Gewebe sind hochverfeinert und von einer verborgenen Kraft, Lieblichkeit und Heiligkeit.

Es ist der heilige Mensch. Wer will sagen, daß es ähnliche edle Menschennaturen nicht auch heute noch gibt? Man beobachte nur und öffne die Augen für die lebendige Formenwelt und man wird sie finden und meist dort, wo man sie am wenigsten vermutet. Sie sind ganz unauffällig, einfach und unscheinbar, sie bleiben meist unerkannt und erst die restlose Sichselbstaufopferung im Dienste der Nächstenliebe läßt manchmal auf sie aufmerksam werden.

Diese Menschen erschließen uns eine höhere Welt der Innerlichkeit und seelischen Tiefe.

huter-innere-erschliesung

Innere Erschließung (Hinzugefügt)

Und doch möchten wir so sehr auch diesen edlen Menschen mehr Lebensfreude und äußeres Glück wünschen und geben, diese seltenen Naturen auf Händen tragen und in die richtige Wirksamkeit bringen, denn sie sind kostbar wie Edelsteine, gleich den wertvollsten Menschengütern.

Die Nasenflügel bei der Madonna sind schwach und zart, als wage sie kaum kräftig ein- und auszuatmen. In einer Welt, wo ähnliche Menschen durch den Lebensformenausdruck erkannt werden, da werden sie sich auch nach außenhin glücklich entfalten können und die oftmals harte, rauhe und brutale Lebenswirklichkeit wie durch Sonnenschein mildern und verschönern.

Aber Menschenkenntnis ist dabei nötig!

 

Das Gemälde, Bild 4, von Guinard macht einen ernsten, ruhigen und hoheitsvollen Eindruck. Man fühlt sich in eine teils liebliche und teils ernste Welt versetzt. Ein besonderer Adel und die Schönheit der Linienführung wirkt behutsam und beglückend.

XX

Bild 4. Die Beschützerin. Gemälde von Robert Guinard.

Aber trotzdem zeigt das Bild einen strengen Zug. Mag die Umwelt sonnig und schön sein, – hier ist dennoch tiefer Lebensernst.

Mütterlichkeit spricht aus dem betreuenden, fürsorglichen Ausdruck der Beschützerin. In ihrer Hut sind diese lieben kleinen Menschenkinder wohlgeborgen. Wieder sehen wir bei der Mutterstelle vertretenden Schwester die großen, auf Frömmigkeit deutenden oberen Augenlider, aber in Verbindung damit ein langes Gesicht mit starken Jochbeinen, mit kräftigem Kinn und Unterkiefer, also Formen, wie sie dem Tat- und Bewegungs-Naturell eigen sind.

Die lange, gerade Nase zeigt die erzieherische Veranlagung, die Willens- und Charakterstärke, in Verbindung mit dem sehr ruhigen festen Ausdruck die Strenge im Grundsatz bei viel Gemüt und tiefer Lebenserfahrung.

Wie verwundert schaut das liebliche, wohlgepflegte Kind mit seinen weichen Locken und dem eindrucksvollen Gemüt in die Welt, als würde ihm durch die ernste und strenge Erziehung doch manches versagt. Das Kind will sich oft ausleben, übermütig sein, aber hier ist alles freundlicher Ernst, Gemessenheit, Vornehmheit, die sprühende Lebenslust gedämpft, gemäßigt, abgetönt, fast könnte man sagen, in ein System gebracht. –

Der Künstler hat gewiß viel Kinderleid in den großen Städten gesehen, er widmete sein Bild der Tuberkulosefürsorge, und durch die Hoheit, Reinheit und Schönheit der Kindergestalten will er das Herz bewegen: Helft und sorgt mit für die Kinder der Großstädte!

Der Künstler sagt: Licht, Luft und Sonne braucht der Mensch, das zarte Kind zu seiner gesunden und glücklichen Entfaltung. Dumpf sind die Wohnungen der Fabrikstädte, sonnenarm.

Herrlich sind die Körpergestalten der Kinder, von wunderbarem Ebenmaß, wie glücklich und froh können sie sich hier inmitten der Natur entfalten.

Wir sehen in diesem Bild: Die Kunst ist nicht nur um ihrer selbst willen da, sie soll belehren, sie soll beglücken, sie soll alle Tugenden im Menschen erwecken. 

Gewiß, wir wünschen dem Kinde vielleicht noch mehr Freiheit, ungehemmte Fröhlichkeit; aber unglücklich sind diese Kinder nicht, sie befinden sich in guter Obhut, ihnen wird Liebe und Wohlwollen zuteil, wie der freundliche Zug am Munde der Beschützerin zeigt. Diese beglückende Liebe ist gleichbedeutend mit Lebenskraft, wie Huter nachgewiesen hat, ohne diese kann der junge Mensch nicht gedeihen.

Das alles hat der Künstler zum Ausdruck gebracht, den Ernst, die Pflicht des Lebens und die hilfsreiche Nächstenliebe. Wir sehen den Kontrast gegenüber der allzu einseitig eingestellten Dame der großen Welt und gegenüber der tiefen Verinnerlichung der Madonna von Dolci, die lebensabgewandt ist.

 

Wiederum in eine ganz andere Welt führt uns Bild 5. Hier ist die rauschende Höhe des Lebens dahin, brutal tritt der harte Daseinskampf mit diesem Bild vor unsere Augen.

XX

Bild 5. Lebens-Nüchternheit. Archiv

Rauh hat das Leben diese Frau angefaßt, sie hatte keine Zeit und Mittel, weder für die Verinnerlichung, noch für allen äußeren Glanz des Lebens, sie hatte auch nicht die Anlage zur Selbsterziehung.

Wenn auch der Ausdruck ungepflegt ist, so blickt doch das Auge scharf und gegenständlich, und in den breiten Jochbeinen und Kiefern zeigt sich die enorme Widerstandskraft.

Daher ist auch die Kopfhaltung gerade, eine zähe Energie und starker Lebenswille kommt in dem Gesicht zum Ausdruck, gepaart mit starker sinnlicher Liebe, wie die seitlich hängenden oberen Augenlider zeigen.

Gewiß, die nach innen stark eingebogene Nasenform und die breite Oberlippenpartie zeigen auch nicht im Entferntesten jene Charakterbildung, Selbstbeherrschung und Selbsterziehung, wie wir sie an den vorhergehenden beiden Bildern kennenlernten.

Wohl verrät die hochgehende Stirnbildung in der Anlage viel Wohlwollen, Sinn für Höheres und Okkultes und Verehrung, jedoch ist der Ausdruck allzu lebenshart geworden, wobei aber doch noch im Unterton eine verborgene Gutheit liegt, eine gewisse Weichheit am Mund mit dem herben Zug der Mundwinkel.

Die eingefallenen Schläfen zeigen, daß sie viel Kummer und Ärger gehabt hat und harten Daseinskampf.

Wenn auch die Nase, der breite Oberkiefer und das breite Gesicht Disharmonien zeigen, – wer will sagen, was Schuld und Sünde ist? – Der Mensch, dem die äußeren Lebensumstände alles Wünschenswerte geben, und der die beste Veranlagung hat, für den ist es leicht, gut zu sein, aber wenn diese Frau sich im harten Lebenskampf behauptete und doch noch, wenn auch in eine rauhen Schale das Gefühl bewahrte, wie der Mund immerhin noch zeigt, so hat sie viel mehr getan. –

 

Bei Bild 6 ist alles Bewegung und Beobachtung, Stirn und Gesicht zeigen starke Unruhe und man hat den Eindruck, daß die Umwelt wie im Fluge durcheilt wird und alles nur so vorbei rast.

XX

Bild 6. Piet van Kempen, Holländischer Radrennfahrer, Weltbild.

Wir wollen hier nur den auffallenden Zug der Stirn, der von der Nasenwurzel nach beiden Augenbrauen verläuft, kennzeichnen, weil er so deutlich wie nur möglich praktisch das zeigt, was die Psycho-Physiognomik [Physiognomische Psychologie] theoretisch lehrt. Es ist die Konzentration, der Überblick, die Beobachtung, die so stark hervorspringt. In der seitlichen Wölbung unmittelbar über den Augenlidern sieht man die Beobachtungshöcker stark hervortreten. Alle Form- und Gewebsteile von der Nasenwurzel bis zum seitlichen Verlauf der Augenbrauen sind auf das Höchste angespannt. Auf die hier liegenden Sinne, wie Beobachtung von Form, Gestalt, Richtung im Raum, Gewicht der Dinge, Licht, Tiefe, Ordnung und Übersicht, ist die Kraft des Denkens ausschließlich konzentriert.

Seitlich beider Augenbrauen verläuft nach oben bis zur Haargrenze ein angespannter plastischer Stirnzug, der sprechend zeigt, daß alle Sinne, Gefühl und Verstand die Beobachtung auf das Äußerste unterstützen.

Deutlicher und lebendiger kann die Natur die bevorzugte Betätigung bestimmter Hirnorgane nicht zum Ausdruck bringen. Es ist handgreiflich und bildet in Verbindung mit der Zähigkeit und Ausdauer, die in dem langen Gesichtstypus und dem breiten, kräftigen Kinn sich ausprägt, die Grundlage seiner außerordentlichen sportlichen Erfolge.

Was die Natur hier in Formen zum Ausdruck bringt, ist allemal der Beobachtung und Erforschung wert. Daher ist auch zu folgern, daß diese Wissenschaft vom Formenausdruck, die Psycho-Physiognomik [Physiognomische Psychologie], auf die Dauer gar nicht mehr unbeachtet bleiben kann.

 

Bild 7 zeigt einen Mann, der auch den Sport sehr gut kennt. Im Beruf verrichtet er Qualitätsarbeit.

XX

Bild 7. Ruhe, Kraft, Festigkeit, Gleichmaß. Archiv.

So natürlich gerade und fest die Kopf- und Körperhaltung ist, so fest und gerade ist sein Charakter. Man kann sich stets auf ihn verlassen.

So klar und fest wie das hell blickende Auge, so bestimmt ist auch die Nasenform, ist das Ohr angesetzt und verraten alle Formen den gleichen ruhigen Charakter, Sicherheit und gutes Streben. Gewissenhaftigkeit, Genauigkeit und Fleiß, Natur- und Kunstliebe zeichnen ihn aus. Bei noch so gefahrenvollen Felsenbesteigungen überwand er alle Schwierigkeiten. Für ihn ist der Sport gleich einer Naturverehrung, ein Verbundensein mit der Natur, ein Erproben der Kraft.

Daneben besitzt dieser vortreffliche Mann die Kunst der praktischen Lebensbelehrung und Erziehung. Es ist ein Mustermensch in seiner Art. Man beachte die freie, gut vorgebaute Stirn, den weiten Blick des Auges, den natürlich guten und frischen Ausdruck. Er kam aus sich selbst dazu, die Wahrheit dieser Psycho-Physiognomik [Physiognomische Psychologie] durch Erfahrung und Beobachtung zu erkennen. –

Personenwerte stehen höher wie Sachwerte. Sie erkennen zu lernen, fordert der Zug der Zeit. –

 

Übungsaufgabe: Welches Bild zeigt den religiösen, arbeitsamen, sparsamen und gewissenhaften Menschen, – und welches Bild den aus Anlage, Neigung und Selbstsuggestion zu verbrecherischen Handlungen disponierten Menschen?

Bevor der Leser die Beschreibungen zu diesen Bildern durchliest, unterziehe er zunächst die Bilder in allen Einzelteilen und in der Gesamtformbildung einer vergleichenden Betrachtung und beantworte sich zuerst die oben gestellte Übungsfrage.

XX

Bild 8. Huter-Museum.              Bild 9. Archiv.

 

Bild 8 stellt einen von Epilepsie geheilten Mann dar.

1. Derselbe zeichnet sich durch einen religiösen Sinn aus. Das ist zu erkennen an dem tief warmen Blick der Augen und an den sanft über beiden Augen liegenden verhältnismäßig großen Augenlidern, an den hochliegenden Augenbrauen und den weichen Formteilen zwischen denselben bis zum oberen Augenlid, wobei das seitliche untere Augenlid eine Zug nach oben hat. Ferner ist dieser Zug zum Religiösen zu ersehen aus dem in der Tiefe der Gewebe liegenden reinen Ton des Gesichts, an dem feinen dünnen Haar, das sich licht über das breit ausgewölbte Oberhaupt legt, wo die Organe der Religiosität liegen. Auch zeigt die Stirn in der seitlichen obersten Region eine schöne plastische Breite und lichte Auswölbung, dort liegt der Sinn für Herzensgüte, und zum Oberhaupt zu für Ansammlung höchster religiöser Lebensgüter.

2. Er hat nur eine schwache Geschlechtskraft, was an der schwachen Schwell- und geringen plastischen Formkraft der Gewebe zum Mund, Wangen und Nasenpartie zu erkennen ist, ferner an den sehr dünnen unteren Augenlidern, wo die physische Lebensnervenfülle zum Ausdruck kommt, und an der dünnen Form- und Gewebsbildung der inneren und unteren Nasenspitze, wo die Korrespondenz und Polarität mit den Geschlechtsorganen liegt.

3. Ihn zeichnet ein starkes Gewissen aus. Die Anlage erkennt man an der starken seitlichen Breite des hinteren Oberhauptes, wo die Organe für die Gewissenhaftigkeit u.a. liegen. Daß diese Anlage auch geübt und gegenständlich ist, erkennt man u.a. an der guten, ruhigen, sicheren Gleichmäßigkeit des Gesichtsausdrucks in Verbindung mit dem warmen, aufrichtigen Ausdruck der Augen und der weichen Partie im Mittelgesicht.

4. Ihn zeichnet ferner Arbeitsamkeit aus. Das erkennt man an dem starken, langen, breiten Kinn und Unterkiefer. (Das Kinn zeigt im Gewebe lebhaften Impuls), ferner an dem entschlossenen Zug des Mundes, an den starken breiten Schultern und Oberarmen und an der gut gespannten Breite des Seitenhauptes vor und über den Ohren, wo die Arbeitsliebe und der Anspannungstrieb liegen.

5. Ihn zeichnet Sparsamkeit aus. Das erkennt man an dem straffen plastischen Zug zu beiden Seiten des mittleren Seitenhauptes, wo die Organe des Erwerbs liegen. Die Spannung, die sich hier zeigt, teilt sich selbst dem Haar mit, das lebhaft in Form und Ausdruck ist. Das ganze Gesicht, die Haltung und Kleidung zeigt, daß er auf eine einfache Lebenshaltung und Arbeit eingestellt ist. Man beachte auch zu allem die reine Form und Zeichnung des Ohres.

Was wäre dieser Mann ohne seine starke inner religiöse Einstellung, die gleichsam zum Leitprinzip für alle seine Handlungen geworden ist? – Die Religiosität ist es, die den Menschen auf dem geradesten Wege am ehesten veredeln und zu den besten Tugenden veranlassen kann. Ursprünglich stand dieser gute Mensch unter dem Zeichen einer gewissen Schwere, Starre und Hemmung, die besonders der starke Unterkiefer zeigt, vielleicht gab in Verbindung damit Überarbeitung und zu große Sorglichkeit den Anstoß zu seiner durch Huter geheilten Krankheit.

Wird die Formbetrachtung analytisch und synthetisch zusammengefaßt, dann können wir den Menschen würdigen und gerecht beurteilen.

 

1. Bei Bild 9 fällt sofort neben einer gläsernen Starrheit in den Formen des Gesichts und der Stirn der starre Blick der Augen auf, der auf Belastung des inneren Nervensystems und starke Selbstsuggestion hindeutet.

Die Starrheit, die im Blick liegt, pflanzt sich auf das Mittelgesicht und auf die Haltung fort, wodurch erkenntlich wird, daß er sich in eine abnorme Idee bis zur Tatausführung versteifen kann.

2. Betrachtet man noch den glasharten und kalten Ausdruck der Gewebe im Gesicht, wo bei normalem Zustand die feinen warmen Weichteile quellen, und dazu das wild, wie in lodernden Flammen liegende Haar, so wird die oben ausgesprochene Befürchtung zu Gewißheit, daß hier schon abnorme Taten vorliegen.

Die Phantasie dieses Mannes geht leicht wilde, abnorme Wege.

3. Aus dem Ohr ist auf das Seelenleben zu schließen. Da hier das linke Ohr häßlich und hartförmig absteht, so erkennen wir, daß hier schlimme, von der guten Norm abweichende Neigungen bestehen. In Verbindung mit der Form steht die starke Spannung des Ohres, aus welcher man schließen darf, daß auch die Organe hinter dem Ohr, die Gewalt- und Vernichtungssinne, in starker Anlage und Spannung sich befinden.

4. Im Gesicht finden wir, von den Hochbeinen an sich nach unten ziehend, einen eisenharten Zug, der bis zum Unterkiefer verläuft. Dieser Zug deutet auf ein erkaltetes, wie verhärtetes Mittelhirn -, d.h. inneres Gefühlsleben. Das Empfinden ist wie ausgelöscht. Da auch das Kinn schwer, lang und hart ist, wird der Eigenwille und die kalte Tatdurchführung dieses Mannes verständlich. Er hat einen schweren Raubüberfall begangen.

5. Die Nasenform ist bis zur Spitze eingebogen und die Nasenlöcher werden sichtbar. Man erkennt daraus die ungenügende Beherrschung des Charakters, der Triebe und Anlagen. Der Mund mit den hängenden Winkeln aber zeigt eigenwillige Entschlossenheit und er empfindet Freude, wenn er andere durch Gewaltausübung in Not bringen kann. Er sucht sein Fortkommen nicht durch ehrliche Arbeit und Gewissenhaftigkeit. Auch der Hals zeigt Abnormes in Form und Gewebe.


Der Vergleich dieser beiden Bilder ist sehr überzeugend und für den objektiv und scharf beobachtenden Menschen auch von wirklich praktischer Bedeutung.

Der Leser erkennt, daß tatsächlich der Ausdruck so grundverschieden wie die Charakterveranlagung, die Ideen- und Gedankenwelt und der Wille dieser beiden Personen ist. Kennt man nun die anatomisch-physiologische Wechselbeziehung der einzelnen Gesichtsteile mit dem Körperinnern und verbindet damit ein scharfes künstlerisches Sehen, so erscheint der Zusammenhang von Leib und Seele keineswegs mehr verborgen, sondern ganz offensichtlich.

Des Körpers Form ist

Seines Wesens Spiegel.

Enthüllst du sie, so löst

Sich dir des Rätsels Siegel.

 

Ein  Bildnis des Schönheitsphilosophen

Carl Huter,

des Begründers der Psycho-Physiognomik

[Physiognomische Psychologie], ist in der

Größe von 18×24 cm für den Preis von

RM. 5,- zu liefern.

(Scharfe Vergrößerung einer Photographie

nach dem Leben.)


Bild „treu und fest“ (Hinzugefügt)

Lebensrichtung von Carl Huter (1905), 1. Strophe:

Immer den Blick nur nach vorwärts gerichtet,

Niemals verzagen, wenn Schweres uns droht,

Selbst wenn das Schicksal uns alles vernichtet,

Schaut nur ins Auge recht mutig dem Tod,

Eins bleibt uns sicher, das nimmt man uns nicht,

Es ist die Treue in Tugend und Pflicht.

 

 

 

 

Große Studienbüste (Photo Myrta Chesini, Schweiz)

Mail vom 23. September 2005 von “Myrta Chesini” mchesini@hispeed.chan Herrn Timm.

Sehr geehrter Herr Timm

Die Studienbüste hat ihr neues Zuhause gefunden. Der neue Besitzer würde

gerne mit Ihnen Kontakt aufnehmen, denn er verbreitet auch die Lehre von

Carl Huter. Wenn Sie das möchten, hier seine Mail Adresse:

info@diagnostik.de ( Hr.Michael Münch ).

Herzlichen Dank für den Kontakt mit Ihnen, wünsche Ihnen alles Gute und

herzliche Grüsse aus der Schweiz

Myrta Chesini         (Hinzugefügt)

 

Schriftleiter Amandus Kupfer, Schwaig bei Nürnberg

D.A. 4500. Druck: C. Brügel & Sohn AG. Ansbach.

dgm049-bucher-49

Herausgegeben von Amandus Kupfer, Schwaig bei Nürnberg

Schweizer Huterfreunde

Neuherausgeber Medical-Manager Wolfgang Timm

Copyright 2001-2008 by Carl-Huter-Zentral-Archiv

 D The Gate MK

DgM 048

Der gute Menschenkenner 048 von 101

MENSCHENKENNTNIS           

CARL HUTER (1861-1912)

pgs-link-wwwchzade-redm.jpg 

Der Menschenkenner und die neue Zeit

nach Carl Huters Psycho-Physiognomik

 dgm59dgm_1937.jpg

Herausgegeben von Amandus Kupfer in Schwaig bei Nürnberg

CARL-HUTER-ZENTRAL-ARCHIV

Medical-Manager Wolfgang Timm

http://www.chza.de 

 

  Form Geist

EXTRA LIFE INTELLIGENCE TRANS ENERGY 

PSYCHOLOGIE UND MEDIZIN DER ZUKUNFT 

 

 

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                         Der gute Menschenkenner                      

nach Carl Huters Psycho-Physiognomik

© Januar 1937, Nr. 48

dgm048-titel-a

Ernährungs-

Bewegungs- und

Empfindungs-

KRÄFTE

dgm048-titel-b

Die aufbauende gute und

die abbauende böse Kraft

 

Ernährungs-, Bewegungs- und Empfindungskräfte liegen den drei Organsystemen des Körperbaues für die Ernährung, Bewegung und Empfindung zugrunde.

Sie bauen und formen den menschlichen Körper, organisieren, beleben und bewegen ihn.

Die von Huter entdeckten drei Haupttypen des Lebens, – Bild 1, 2 und 4 – ferner die polaren, sekundären und Mischformtypen in der Pflanzen-, Tier- und Menschenwelt sind weit über die Grenzen unseres Landes bekannt geworden und – da auf Schritt und Tritt nachweisbar – auch als richtig erkannt.

dgm006-1933kretx1

Kretschmer vs. Huter (Hinzugefügt)

Die Ursache des so verschiedenartigen Körperbaues liegt zunächst in dem wechselreichen Spiel der Vererbung und den vielseitigen Einflüssen einer bunten, stets sich verändernden Umwelt.

Damit sind aber die inneren und letzten Ursachen von Form und Gestalt noch nicht erklärt!

Schon die Samen- und Eizelle, aus welcher der Mensch entsteht, sind winzig kleine Lebensgebilde, die dennoch bereits alle Stoffe und Kräfte, den ganzen Grundplan des werdenden Menschen in sich tragen.

Infolgedessen sind die bauenden, formenden und organisierenden Natur- und Lebenskräfte im Menschen unsichtbar, aber dennoch von urgewaltiger Energie.

Diese kleinsten Lebensgebilde bestehen wiederum aus ungezählten Billionen von Atomen und Molekülen, die ihrerseits, nur unendlich konzentrierter, die Energien in sich tragen, aus denen die Samenzelle entstehen konnte.

Wir sind also unversehens mit diesen Betrachtungen in eine Welt des Kleinen hineingeraten, welche einer früheren Zeit noch vollständig verschlossen war und daher herrschten auch bisher die dunkelsten Vorstellungen über die Energien, die Leben hervorbringen und organische Formen bilden.

Die Größenverhältnisse in einem einzigen Atom sind trotz der Kleinheit ganz unvorstellbar.

Um den Atomkern kreisen Elektronen und Jonen in solchen Abständen, daß die Größenunterschiede, Bewegungen und Entfernungen nur zu vergleichen sind mit denen der Himmelskörper unseres Sonnensystems.

Das klingt zwar phantastisch, aber es sind Forschungsergebnisse der modernen, sehr realen Physik und Biologie.

Der moderne Mensch ist aber schon auf dem Wege, sich an die Vorstellung dieser neu entdeckten Welt des Kleinen zu gewöhnen, die so unendlich nach der Kleinheit und Innerlichkeit des Raumes ist, wie der Kosmos in seiner unendlichen Größe.

Und aus dieser Welt des Kleinen steigen die Stoffe und Kräfte auf, die unser Leben, die Formen und Gestalten bilden. Ja, in dieser Welt des Kleinen, der Innerlichkeit, wurzelt schon bei Lebzeiten unser eigenes körperliches, seelisches und geistiges Sein.

Damit erklärt es sich auch, daß wir unausgesetzt, unser ganzes Leben lang Tag für Tag neue Eindrücke aufnehmen und festhalten können, ohne daß ein ausgewachsenes Gehirn auch nur um ein Geringes größer wird.

Die Innerlichkeit in uns weitet sich bis in eine unbekannte Tiefe und Unendlichkeit.

Es ist klar, daß damit nicht nur die Anschauungen vom Leben, sondern auch vom Tod, von Geist und Seele, von Kraft und Stoff aus einer dunklen Vorstellung in ein helleres Licht der wissenschaftlichen Erkenntnis gerückt werden.

Die Energien, welche die Samenzelle bilden, die Körperform und Gestalt zum Wachsen, Reifen und Sterben bringen, sind unendlich fein, sie liegen in der Feinheit weit, weit hinter dem Atom, das ja noch eine stoffliche Beschaffenheit hat, und keine Macht, nichts in der Welt vermag sie zu zerstören.

Verfällt der Körper, ereilt ihn der Tod, oder werden Teile durch Operationen z.B. entfernt, die Lebensenergien bleiben, sie sind unzerstörbar und ziehen sich nur in die Welt der unendlichen Kleinheit zurück, aus der sie zur Lebens- und Formbildung aufstiegen.

Das sind die aller einfachsten Folgerungen aus den modernen, gesicherten Lehren der Physik und Biologie, die sich seit Huters Tode ganz in dem Rahmen bewegte, wie er sie vorgezeichnet hat.

Damit änderte sich unser altes Weltbild grundsätzlich und es ist nur eine Frage der Zeit, daß man die Folgerungen aus den neuen Erkenntnissen ziehen wird.

Die Wissenschaft wird dann vergeistigt, die Religion auf naturwissenschaftliche Grundlagen gestellt, und damit kündet der Großhirnkulturmensch sein erstes Nahen an.

[Comment by Medical-Manager W. Timm: Carl Huter selbst als Mensch ist sozusagen der Prototyp des nahenden Großhirnkulturmenschen – seiner Zeit ca. 200 Jahre voraus.]

Anstelle einer dunklen Mystik in den Vorstellungen über Leben und Tod tritt sonnenhelle und lichte, naturwissenschaftliche Erkenntnis.

Das sei vorausgeschickt, und nun können wir, auf dem Boden der modernsten Physik und Biologie fußend, uns die Frage nach den Kräften und Energien stellen, die Leben, Form und Gestalt bilden.

Dabei lassen wir die alte kindliche Vorstellung, daß der Körper des Menschen dort, wo die Haut ihn abschließt, sein absolutes Ende hat, gänzlich fallen.

Der lebendige Körper besteht aus Zellen, Atomen und Molekülen, in denen der Magnetismus, die Wärme und andere Kräfte spielen, deren Wirksamkeit über die Grenzen des Gebildes hinausreicht. Die Atmosphäre, welche die Körper umgibt, besteht ebenso aus Atomen und Molekülen, und folglich stehen die Kräfte und Stoffe der Innenwelt und Außenwelt in einem Austausch ihrer Energien.

Bis zu einem gewissen Grade vermögen wir diese Energien sinnessinnlich zu erfassen oder durch Instrumente nachzuweisen, ganz abgesehen davon, daß wir sie in der lebendigen Formbildung in ihrer Auswirkung zu erkennen vermögen.

Der Leser betrachte Bild 1.

dgm048-bild-01-ot

Bild 1. Schematische Darstellung des typischen Ernährungs-Naturells mit der dieser Körperform besonders stark anhaftenden Energie.

Es ist natürlich nur eine primitive bildliche Darstellung der Energie, die diesem Körperbau zugrunde liegt.

Huter forschte der Ursache der Form- und Lebensbildung nach, und als er erkannte, mit den alten Forschungsmethoden nicht weiterzukommen, schlug er neue Wege ein.

Er stellte zunächst fest, daß der menschliche Körper von einer emanierenden Substanz durchdrungen ist, die besonders den Leiborganen und übrigen Weichteilen stark anhaftet.

Diese Substanz durchdringt nicht nur die inneren Organe, sondern sie umgibt den Körper in bestimmter Weise – siehe Bild 1 – noch auf nahe Entfernung, etwa 1/2 bis 1 m mit einem odischen, wolken- oder lohenartigen Hauch.

Diese Energie ist im Dunkeln unter günstigen Umständen als schwach leuchtende Substanz sichtbar.

Es ist das von Freiherrn Karl von Reichenbach zu Anfang des vorigen Jahrhunderts [19. Jahrhundert] entdeckte Od.

(Reichenbach errichtete die ersten Holzverkohlungsöfen, ferner große Eisenwerke, entdeckte das Kreosot und Parafin.)

Huter stellte bald fest, daß das Od die Substanz ist, welche die Ernährung und Verdauung vermittelt, die ferner besonders die inneren Organe, die weichen und vollen, sowie die konkaven Hohlformen bildet.

Damit hatte er die Energie gefunden, welche besonders stark dem typischen Ernährungs-Naturell mit seinen vollen, korpulenten, weichen und breitfleischigen Körperformen eigen ist.

Das Od durchdringt die aufgenommenen Speisen und Getränke, löst die Stoffe, welche im Magen und Darm auf uns bekanntem chemischem Wege schon zersetzt sind, weiter auf bis unter die Grenze des Atoms, so daß ein Neuaufbau, die Neubildung anderer Stoffe möglich wird. Den Beweis gibt u.a. die Tatsache, daß in unserem Körper Elemente nachweisbar sind, welche die aufgenommene Nahrung nicht enthält.

Menschen, die mager und hager sind, haben im Verhältnis zum Ernährungs- und Verdauungsmenschen nur ein schwaches Od und ein geringes Vermögen, die Nahrung dem Neuaufbau des Organismus dienstbar zu machen.

Das Od tritt nach Quantität und Qualität sehr verschiedenartig auf. Es unterscheidet sich streng von den Dunst-, Duft- und Stoffwechselemanationen. Reichenbach erkannte es bereits am Menschen und auch an Kristallen. Letzteres nannte Huter Hart-Od oder Medioma. Diese ist der Mutterstoff der chemischen Materie, der, dem Körperleben dienstbar gemacht, vornehmlich die festeren, derbfleischigen Formteile bildet, z.B. am Rücken und an der Außenseite der Glieder gelagert ist.

torsal-02

Rücken eines Mannes (Hinzugefügt)

An der besonderen härteren oder weicheren Beschaffenheit der Gewebe ist das Od, sowie die Medioma deutlich zu erkennen und damit ein gut Teil der Veranlagung eines Menschen.

Menschen mit starker Medioma und grobem Od können die schwersten Speisen und Getränke noch gut verdauen. Das weiche Od hat als physiologisch abgewandelte Energie und Substanz den Charakter einer gewissen Gutmütigkeit und Gemütlichkeit.

Das Od durchdringt die Kleider, die Atmosphäre, Gegenstände und Einrichtungen, und daher haben alle Räume, in denen volle, wohlbeleibte, weichfleischige Menschen wohnen und verkehren, wo noch möglichst gegessen und getrunken wird, die anheimelnde, warme, gemütliche und teils gutmütige Atmosphäre.

Daher haben Menschen oft Kleider, Gegenstände und ihre Wohnräume so gern, als seien sie gewissermaßen ein Stück ihres eigenen Selbst, sie sind ja auch tatsächlich mit ihrem Lebensod durchdrungen, das sich nur schwach polarisiert. Daher haben durch Vermittelung des Odes viele Menschen, meist schwach oder halb unbewußt, in der Nähe eine andern Menschen zuerst einen bestimmten Eindruck, der sich erfahrungsgemäß oft als richtig erweist.

Man glaube nicht, daß diese und noch viele andere Dinge, die durch das Od zu erklären sind, von selbst oder von ungefähr kommen, das ist nicht der Fall.

Bei den Pflanzen ist die Medioma in den Holzteilen am stärksten, an den Blättern und Blüten das Od, es bildet die zartesten Formen, Knospen usw.

Bei noch jungen Tieren ist das Od sehr stark, besonders an der Brust des säugenden Tieres, es bildet die zartesten flaumigen, odisch durchhauchten Gewebe, die zartesten Haare und das sehr feine, flaumige Gefieder.

Da das Od eine emanierende Substanz ist, so haben ganz besonders stark odische Menschen in besonderen Fällen einen nicht zu unterschätzenden, stark heilenden und das Wohlbefinden steigernden Einfluß auf andere Menschen.

Umgekehrt, wenn sich ein Mensch in Gegenwart bestimmter anderer Menschen wiederholt geschwächt fühlt, so spielt der Austausch bzw. die Entziehung des Odes dabei oftmals eine Rolle.

Da das Od leicht aus den Geweben erkannt werden kann, so unterliegt es der Berechnung.

Das kleine Kindchen an der Brust oder im Schoße der Mutter liegt sozusagen in einer nährenden, wohltuenden und wärmenden Odhülle oder Atmosphäre, die es zu seinem Wohlbefinden fast nicht entbehren kann.

Nun kommen wir zur Beschreibung der zweiten großen Energie des Lebens, dem Magnetismus, siehe Bild 2.

dgm048-bild-02-ot

Bild 2. Schematische Darstellung des Tat- und Bewegungs-Naturells mit dem ihm besonders stark eigenen Magnetismus und den magnetischen Kraftspannungslinien.

Kein Atom und Molekül ist ohne Magnetismus denkbar. Also schon in der Welt der fast unvorstellbar kleinsten Teile der Materie wurzelt die magnetische Energie.

Daß dieselbe unsichtbar ist, liegt auf der Hand, denn wir sehen z.B. auch den Magnetismus des Magneten nicht (wohl seine Wirkung) und haben uns längst seit Entdeckung des Radiums und anderer strahlender Elemente, mehr noch seit Bekanntwerden der Radiowellen usw. an die Vorstellung der unsichtbaren Energien gewöhnt.

Der Magnetismus im lebenden Körper ist ähnlicher Natur wie der Magnetismus der Materie, nur ist derselbe physiologisch abgewandelt.

Der Magnetismus hält alle Atome, Moleküle und Zellen unseres Körpers zusammen, ist also Eigenkraft der Materie. Darüber hinaus stärkt derselbe unausgesetzt das eigene Ich, die Selbsterhaltung und Machtentfaltung, er ist die egoistische Kraft im Leben.

Im einheitlichen Zug durchströmt der Magnetismus alle Atome und Moleküle des lebenden Körpers, bildet aber vorzugsweise das harte Knochengerüst und findet in den Beinknochen, der Wirbelsäule und dem harten Schädelknochen die magnetische Richtachse. Durch den Magnetismus wird die Spannkraft des Körpers bestimmt, die Höhen- und Längsrichtung. Derselbe strahlt am Kopf-, Strahl- oder Nordpol aus, umgibt den Körper mit Kraftspannungslinien und wird vom Fuß-, Süd- oder Saugpol stets wieder aufgenommen, wodurch das eigene Ich gestärkt wird.

Das ist die Hauptsache das Wesen des Magnetismus, maßgeblich für alle aus der Natur gewordenen belebten und unbelebten Formen.

Ohne den Schutz der magnetischen Kraftspannungslinien, welche die Erde umgeben, könnte sie nicht bestehen, und kein ruhiges Leben auf ihrer Oberfläche wäre möglich. Erst dort, wo die magnetischen Kraftspannungslinien aufhören, beginnt der freie Weltenraum mit seinen Einflüssen.

Mit den saugenden magnetischen Wurzeln hält die Pflanze, der Baum, sich in der Erde fest, der harte Stamm bildet die magnetische Richtachse, die Krone den Strahl- oder Nordpol. Dazwischen liegen die magnetischen Kraftspannungslinien und Kraftfelder.

Daher gibt der Wald mit seinen starken Bäumen dem Wanderer die Ruhe und Erholung und stärkt dessen eigene magnetische Lebensenergie. Daher stärken weite Wege und Märsche die Bein- und Knochenkraft, den Magnetismus, die Energie, Ausdauer und Willenskraft, wodurch nachher, in der Ruhe um so stärker das Empfinden wach wird.

Daher haben auch Menschen, die auf Fels- und Granitboden mit dem stärksten Magnetismus leben, eine stärkere Urwüchsigkeit, Festigkeit, Knochen- und magnetische Spannkraft wie Menschen, die auf Sumpf-, Sand-, Ton- oder Lehmboden wohnen.

Durch den vorherrschenden Magnetismus erklärt sich der typische Körperbau des Tat- und Bewegungsmenschen, siehe Bild 2. Er hat die starke Willensenergie, Bewegungs- und Tatkraft.

Aber nicht nur die Körperform und Gestalt zeigt den starken Magnetismus, sondern auch schon das straffe, feste, gespannte und harte Gewebe, die gestrafften Züge des Gesichts, das klar und real blickende Auge lassen die vorzugsweise stark entwickelte magnetische Energie eindeutig und klar erkennen.

Mit Vorliebe unternehmen diese Menschen weite Wege. Anstrengender Sport, energische Arbeit, Wind und Wetter, ja selbst Strapazen werden mit Lust und Wohlbefinden ertragen, es ist ihr Lebenselement.

Ihr Sinn richtet sich in die Weite, auf das Äußerliche, sie wollen hinaus aus den vier Wänden, die sie bedrücken, sie wollen Taten vollbringen, es ruft sie die Freiheit, und sie streben nach harter Herrschaft über andere.

dgm048-bild-02-mt

Schon die Haltung und Spannkraft des Körpers verrät die vorherrschende oder zur Geltung drängende magnetische Energie. Nichts kann diesem Einfluß widerstehen. Der Magnetismus beeinflußt die Atome und Ätherilionen, er wirkt bannend, zwingend, herrschend, suggestiv beeinflussend, Ja, selbst den Menschen mit schwachem Magnetismus überträgt sich unter Umständen die magnetische Energie der starken Naturen, so daß sie z.B. in Marschkolonnen Strapazen ertragen und Leistungen vollbringen, die sie sonst wohl kaum durchführen könnten.

Die magnetischen Kraftspannungslinien wirken bis auf einige Meter Entfernung vom Körper und verursachen indirekt eine gewisse Ätherspannung.

Wer also in der Nähe eines magnetische starken Menschen tritt, steht in dessen magnetischem Kraftspannungskreis, der unter Umständen sehr zwingend und bannend wirken kann. Darauf beruht z.B. auch die gewaltige Kraftübertragung, die große Menschenansammlungen auslösen können.

Auch die Sympathie zwischen dem Bewegungs-Naturell und der schwach magnetischen Empfindungs-Natur ist dadurch zu erklären, die Antipathie gegen das disharmonische Naturell und die sonst fast unmögliche Beeinflussung des Ernährungs-Naturells.

Das alte Wort „In das innere Wesen der Natur dringt kein erschaffener Geist“ verliert mit den Fortschritten der modernen Biologie und Physik allmählich bis zu einem gewissen Grade seine Gültigkeit.

Der Magnetismus als Heilkraft ist bekannte, und durch die neueren Erkenntnisse der Physik ist das Wie und Warum verständlich.

Durch die magnetisch starke Energie eines Menschen kann die magnetisch schwache Kraft eines kranken Menschen gestärkt werden, wodurch die Lebens- und Heilkraft günstig beeinflußt wird.

Allerdings sollte der Heiler in solchen Fällen außer einem wirklich starken Lebensmagnetismus auch noch ein starkes Od besitzen, denn sonst kann er z.B. bei einem odisch schwachen Menschen diese Substanz bannend und lähmend beeinflussen, wodurch keine Stärkung der Lebenskraft und auch keine Besserung entsteht. Also auch hier ist die Kenntnis der Natur- und Lebenskräfte Voraussetzung.

Wenn der Magnetismus eines Menschen gebrochen ist, dann sieht es um seine Lebensfähigkeit schlecht aus. Die Haltung des Menschen, die Spannung des Körpers, aller Gewebe und inneren Organe ist dann wie gebrochen. Das Aussehen ist in solchen Fällen typisch, siehe Bild 3.

 

Gebrochene Lebenskraft
Gebrochene Lebenskraft

 

Bild 3. Briand, französischer Staatsmann. Die gebrochene Lebenskraft. Photo Vogel-Sandau

Das Bild zeigt diesen Staatsmann, als er 1931 zur Konferenz in Berlin weilte. Er starb einige Monate später im Alter von 70 Jahren infolge eines Herzleidens.

An der stark eingesunkenen Haltung des Körpers, an den hängenden Wangen und Gesichtszügen, an den unsicheren Händen, sowie an vielen anderen Merkmalen, die schwerer zu sehen sind, ist zu erkennen, daß die magnetische Spann- und Lebensenergie gebrochen ist.

Wenn der geistige Wille auch noch so stark ist, der Zustand selbst wird dadurch nicht geändert.

Bereits bei Erscheinen des Bildes erkannten wir: Es ist die gebrochene Lebenskraft, die nur noch Monate vorhält, und ich bewahrte deshalb das Bild zu Studienzwecken auf.

Solange der Magnetismus noch ungebrochen ist, vermag der Körper selbst inneren Leiden gegenüber noch vielfach standzuhalten. –

Ein einfaches Beispiel von der Wirkung des Magnetismus liegt in folgendem: Wenn der Mensch spricht und dabei aufrecht und gespannt steht, so ist der Einfluß auf andere Menschen stärker, als wenn er in einem Stuhl sitzt und spricht, wobei der Magnetismus entspannt ist.

Der Magnetismus der Lebewesen unterscheidet sich selbstverständlich von der mechanischen Energie der Materie. Auch bezüglich der letzteren schreitet die Erkenntnis mächtig fort. Ungeahnte Möglichkeiten eröffnen sich, wenn es gelingt, die Atom-Energien frei und nutzbar zu machen, die in den Bergen von Granit aufgespeichert sind, dann braucht kein Bergmann mehr Kohle aus der Tiefe der Erde zu fördern.

Hier wie dort, – die Kenntnis von der Natur- und Lebenskräften macht den Menschen geistig frei und gibt ihm die Herrschaft über die Natur.

 

Nun kommen wir zur höchsten Kraft, die es im Weltall gibt.

huter-memory1

Es ist die von Huter entwicklungsgeschichtlich und experimentell nachgewiesene Lebenslichtstrahlkraft im Zentrosoma der lebenden Zelle, die er Helioda nannte.

dgm048-bild-04-ot

Bild 4. Das Empfindungs-Naturell mit der verfeinerten Form und der ihm besonders stark eigenen schöpferischen Liebes-Lebensstrahlkraft Helioda.

In Bild 4 sehen wir die verfeinerte, zarte Lebensform, den empfindungsreichen und oft auch schöpferischen Geistmenschen. Der Magnetismus und die Medioma treten in dieser Gestalt stark zurück, aber die Nerven- und Lebenskraft Helioda tritt hervor und das feine Weichod, das mit derselben sympathisiert.

Die Helioda ist heute mikroskopisch, biologisch und experimentell erforscht, sie ist gleichbedeutend mit jener Liebeskraft, die Jesus einst als das Höchste lehrte, die er selbst so stark in sich trug, daß er sie heilend übertragen konnte.

Diese Liebes-Lebenskraft wurzelt in der Empfindungsenergie der nur scheinbar toten Materie. Dieses Urempfinden konzentriert sich mit der fortschreitenden Umbildung und Entwicklung so stark, daß es in der Zelle zu Leben erwacht.

Aus den Einzellern entwickeln sich mehrzellige Organismen. Es bilden sich mit Hilfe und auf den Bahnen der Strahlung fein Fibern, dann Nerven, Ganglionen, bei fortschreitender Höherbildung das Rückenmark, die Sinnesorgane und das Gehirn.

Die empfindende Strahlkraft ist im Spiel der Kräfte die oberste Leit- und Richtkraft, die mehr oder weniger die untergeordneten Kräfte beherrscht, die selbst die starke magnetische Richtachse biegt und den Magnetismus zur Formung des harten Schädelknochens benutzt.

Im Gehirn sammelt sie sich so stark, daß sie aus dem bloßen Reizempfinden und Unterbewußtsein zum Geist und Tagesbewußtsein erwacht und die Triebe mit Bewußtsein leitet.

Sie wurzelt in jedem Ätherkleinstteilchen, – in der jetzt von der Physik uns enthüllten und bisher unbekannten inneren Raumwelt, in der Zelle, in den Atomen, Molekülen, Elektronen und Jonen als die bisher unbekannte Impulskraft zu allem Werden und Entwickeln in der Welt.

Sie ist die schöpferische Liebeskraft, die man früher aus Unkenntnis einem unbekannten Gott zusprach, durch die alles Leben entsteht. Nun ist bewiesen, daß auch der Mensch die Schöpferkraft in sich selbst trägt. –

Die Zelle, die sich ohne genügende Mitwirkung der im Strahlengebilde des Zentrosomas liegenden Schöpferkraft teilt, ist stets dem Tode geweiht, – wie es alle Zellforscher und Histologen übereinstimmend beobachtet haben.

Die Helioda schwingt zwischen den Stoffen und Kräften des lebendigen Körpers als eine wunderbar milde und angenehme Strahlung, die nah- und fernwirkend ist, das sie durch die Empfindungsenergie der Atome und Moleküle und des Äthers geleitet wird. Daher sind auch Gedanken Kräfte, ganz besonders, wenn sie stark von Liebe getragen sind, nicht nur innerhalb des Körpers, sondern auch über diesen hinaus wirkend.

Haß und böse Gedanken verkürzen die Strahlung und heben die Fernwirkung mehr und mehr auf, das Wohlwollen und der gute Gedanke verstärkt sie.

Huter mußte sieben Jahre über diese seine größte Entdeckung schweigen, da er sich der Verhöhnung aussetzte, wenn er nur erwähnte, daß das Leben auf Strahlung beruhe. Erst als das strahlende Radium entdeckt wurde, durfte er es eher wagen, diese seine Entdeckung darzulegen und experimentell zu beweisen.

Heute gibt es über die biogenetischen, das sind diese Lebensstrahlen, schon eine Literatur und man schreibt die Entdeckung derselben dem Russen Gurwitsch zu, der sie zuerst nach Huters Tode bei Zwiebelwurzeln feststellte.

Aber das änderte nichts an der Sache, denn die Helioda ist ewig und die mit ihrer Entdeckung verbundenen weiteren Forschungen Huters werden mit der Zeit die richtige Quelle finden lassen, – wir haben Zeit, wir säen nur, ohne schon die Ernte zu erwarten.

[Comment by Medical-Manager Wolfgang Timm: In der Tat ist die richtige Quelle Carl Huters Helioda, seine Kraftrichtungsordnung. Alle diesbezüglichen Forschungen Gurwitsch mit seinen Zwiebelwurzeln, oder heute unter dem Begriff „Biophotonen“, beispielsweise Forschungen von Popp, beginnen mit dem Vater dieser „Lichtstrahlungsforschungen“ in Lebewesen – nämlich Carl Huter (1861-1912). Carl Huter war Nichtakademiker und Privatgelehrter, der nie eine staatlich beschützte Einrichtung besucht hatte, da einem Universalgenie, wie Carl Huter, solche staatlich beschränkten und beschützten Einrichtungen mit mehr oder weniger konformistischen Gruppendruck für seine freie Forschungen eher hinderlich gewesen wären. LINK: http://www.chza.de%5D

Die Helioda, die Liebeskraft, ist unser höchstes Gut, sie trägt unser Leben und Sein, sie trägt es in diesem Leben, sie trägt es nach dem Tode weiter.

Wenn mit dem Tode die Zellen und Gewebe in ihre Urbestandteile, in Atome und Moleküle verfallen, also Erde zu Erde und Asche zu Asche wird, wie man so schön sagt, so ist daran die Helioda gar nicht mehr beteiligt.

Sie spaltet sich individuell ab und geht dorthin, woher sie kam, in jene Welt der unendlichen Tiefe und Kleinheit, die uns jetzt erst die Physik nach Huters vorangegangenen Lehren erschlossen hat, – um sich ewig fortzuentwickeln bis zur höchsten Kleinheit, Feinheit, Vollkommenheit, Macht und Schönheit.

atlas_naturell_red

(Hinzugefügt)

Die innere Helioda ist negativ aufnehmend und gestaltend, die nach außen wirkende Helioda ist positiv schöpferisch und strahlend. Damit ist nicht nur das Leben selbst, sondern auch jedwede Organ-, Form- und Gestaltbildung zu erklären, die Sprache der Natur und des Lebens in den lebendigen Formen.

dreitypenlehre-ad

(Hinzugefügt)

Die Helioda durchleuchtet, belebt und durchstrahlt die Gewebe, sie ist Schwell- und plastisch schöpferische Formkraft, in ihrer negativen und positiven Wirkung neben allen andern Stoffen und Kräften in der lebendigen Körperform leicht zu erkennen und nach allen erdenklichen Graden zu bewerten. Wie, – das lehrt die Psycho-Physiognomik [Physiognomische Psychologie].

pp-link-wwwchzade1

PGS Link www.chza.de

Heute ist die Erklärung leider nur noch meist theoretisch zu geben. Wie Huter durch Experimente diese Strahlung bewies, ist nur noch durch Erklärungen seiner Schüler zu überliefern, daran wird die Nachwelt anknüpfen müssen. Alles ist Entwicklung und Erkenntnisentwicklung, aber ewig strahlt die Helioda aus allen lebenden Formen.

Wenn das Kind sich gestoßen hat, streicht die Mutter aus ihrem natürlichen Gefühl heraus die wehe Stelle, man würde das nach Huter „heliodisieren“ nennen.

Wenn alle Heilmittel versagen, hat die Heliodabehandlung oder Lebenskraftübertragung auf einzelne Organe oft noch helfen können.

Wenn das erst erkannt wird und wenn man weiß, daß die höchste Heilkraft im Menschen selbst liegt, wenn die Gesetze der strahlenden Lebenskraft bekannt sind, dann kommt eine Zeit, die man eine neue Götterdämmerung im modernden Völkerleben nennen kann, die kein Fürst, kein Krieger und Theologe herbeiführt, sondern welche die moderne wissenschaftliche Forschung in ihrer Entwicklung langsam erschließt. „Suche daher die Wissenschaft, als würdest Du ewig hier sein – und die Tugend, als hielte der Tod Dich schon am sträubenden Haar.“ –

Alles hat der Mensch selbst in der Hand. Am Ende wird man die heliodisch-starken Naturen erkennen und sie am höchsten bewerten.

helioda-biophotonen-durer

(Hinzugefügt)

Aus dem Empfinden steigt das Leben empor, aus Traum und Tiefe der Geist in den Formen, der sich mit keinem Instrument messen, wohl aber mit dem Wunderbau des Auges sehen und erkennen läßt. Aber auch das erfordert Übung, Kenntnis, Wissen und einen liebenden Sinn, denn das Leben ist gleich einem großen Kunstwerk. –

sehen-klassisch-auge-mk

Klassisches Sehen (Hinzugefügt)

 

Zwischen den magnetischen Kraftspannungslinien und der Oberfläche des Körpers entsteht ein Ätherdruck, der Oberflächenspannung oder Elektrizität erzeugt.

Atome und Moleküle werden in den Körper hineingetrieben und durch die Attraktions- und Konzentrationsenergie dem Kreislauf der Stoffe und Kräfte dienstbar gemacht.

Die elektrische Energie richtet sich stets quer zur magnetischen Richtachse, – das ist Gesetz. Sie entladet sich an irgendeiner Stelle und ihre Strahlen kehren nicht zum Körper zurück.

Die elektrische Energie ist Entäußerungs-, Flieh-, Trennungs-, Zerstreuungs-, Verneinungs- und Zerstörungskraft, entsprechend ist ihr Charakter.

Sie strömt nach einer Stelle hin und treibt und bildet somit die Breitformen, die Breiten-Gliederung der Lebewesen, beim Fisch die Seitenflossen, bei der Pflanze die Äste und Zweige.

dgm048-bild-05-ot

Bild 5. Das disharmonische Naturell mit der ihm eigenen starken elektrischen Energie.

Wir sehen in Bild 5 das disharmonische Naturell. Hier übertönt die elektrische Energie die übrigen Kräfte und entsprechend ihrem Charakter wirkt sie sich schon in der Körperform aus. Von einem Adel der Gestalt wird man hier wenig mehr finden, sondern breite, teils harte, grobe und eckige Formen treten hervor.

Der Hals ist z.B. sehr kurz und breit, der Kopf geht in die Breite, die Ohren stehen im Winkel von 45° ab.

Man kann aber auch schon aus dem Gewebe selbst die zu starke elektrische Energie durch eine kühle, zerfahrene, harte Spannung und Unruhe erkennen. Es wetterleuchtet sozusagen in dem Gewebe des Gesichts wie von verhaltener Zerstreuung und Entäußerung.

Wenn die elektrische Spannung sich auslöst in Aufregung und Erregung, in Zersplitterung und Bewegung, in Zorn und Wut, in zu starke ungerechte Kritik und Opposition, dann hat die Helioda und damit die ruhige Vernunft die Herrschaft über diese Energie verloren und man kann kein ruhiges und liebevolles Handeln erwarten, sondern muß harte elektrische Spannungen und Entladungen, Streit und Kampf gegenwärtigen.

Die elektrische Hochspannung verpufft sich zum Glück mehr oder weniger schnell wieder, aber stets bleibt eine Störung im friedlichen und harmonischen Ablauf des Lebens zurück.

In allen zu stark von der guten Proportion abweichenden Breitformen wirkt vornehmlich die elektrische Energie.

Wenn mehrere stark elektrische Menschen beisammen sind und es kommt noch ein Tat-Naturell hinzu, dann ist der Friede vorbei, die Disharmonie treibt und bald ist ein Streit oder ein böses Komplott fertig. Aber die elektrische Energie ist nicht nutzlos, sie erfüllt auch ihren Naturzweck. Die Disharmonie rüttelt den guten Menschen wach und zwingt ihn, nach Mitteln und Wegen zu suchen, um die Harmonie und das Gute zu erhalten. Wo rohe Kräfte sinnlos walten, da herrscht statt der Liebe und Weisheit das Spielt der Naturgewalten.

Der Magnetismus festigt, das Od und die Helioda lockern, verfeinern und veredeln die Formen und Gewebe, die zu starke elektrische Energie durchbricht die Harmonie des Lebens.

Im ewigen Spiel der formenden und gestaltenden Natur- und Lebenskräfte soll die höchste Leit- und Richtkraft, die Lebens-Liebeskraft, allein führend sein. Wenn auch ungewollt trägt letzten Endes auch die elektrische Energie zur Erreichung dieses Zieles bei.

Wer aber weiß, wie die Kräfte im Menschen auf das Äußere gestaltend wirken, der lernt sie mit der Zeit auch auf Schritt und Tritt aus den Formen erkennen. Die Frage nach dem Woher und Wohin dieser Kräfte, nach ihrer Wirkung im allgemeinen und im Formbau der Natur, wird man auf die Dauer nicht abweisen können, denn ewiges Gesetz ist die Kraftrichtungs- und –entwicklungsordnung.

dgm048-bild-06-ot-warme

Die Wärmem veranschaulicht durch Bild 6, welche dem Körper mehr oder weniger stark anhaftet, ist wohl im Spiel und Austausch der Energien am sinnfälligsten.

Die strahlende Wärme, die sich stärker veräußert, ist bei unserem Bilde durch die kleinen Flammengebilde an der Körperperipherie dargestellt. Die Körperwärme ist auf nahe Entfernung wahrzunehmen.

Die gebundene Wärme, die stärker den inneren Organen anhaftet, ist bei unserer Figur durch die Flockengebilde am Körper versinnbildlicht.

Wenn bei einem Menschen die strahlende Wärme stärker in den Vordergrund tritt, dann ist die Haut und das Gewebe lebhafter durchblutet, wärmer durchstrahlt und offener, gut reaktionsfähig für Temperaturwechsel. Oft hat dabei die Haut den warmen Ton, die Ausdünstung und der gasförmige Stoffwechsel ist lebhafter.

Daher entlastet sich der Körper bei Menschen mit starker strahlender Wärme leichter und nur selten treten ernstere Erkrankungen auf.

Ist dagegen die gebundene Wärme stärker, dann ist die Haut und das Gewebe weniger offen, weniger locker und porös, sondern in sich fester und geschlossener. Es kommt leichter zu Ansammlungen von Fremdstoffen und ernstere Erkrankungen können eher auftreten.

Auch diese Zustände sehen zu lernen, ist bei einem Anschauungsunterricht an lebenden Personen nicht schwer.

Die Wärme ist ebensowenig als die Lebenskraft anzusprechen wie das Od, die Elektrizitiät oder der Magnetismus.

 

Das Bild am Kopfe dieser Zeitschrift

dgm048-bild-00-ot

stellt das harmonische Naturell dar, das alle Natur- und Lebenskräfte voll, stark und in harmonischem Gesamtfluß entwickelt hat. Die elektrische Energie ist stark gebunden und großartig sind alle anderen Stoffe und Kräfte von der obersten Leit- und Richtkraft Helioda beherrscht, gelagert und gerichtet, daher die starke, schöne und edle Körperform und die vorbildliche, ausgleichende und edle Wesensart dieser glücklichen Menschen. –

Durch diese sinnfälligen Darstellungen gewinnt der Leser eine gute Übersicht über die verschiedenen Kräfte, ihren Charakter und ihre das Leben begleitende Wirkungsweise, und so sind die Grund- und Haupttypen des Lebens, die Naturelle, in natürlicher Weise zu erklären.

Aber zugleich eröffnet sich ein Verständnis, warum alle Menschen so sehr verschiedenfach in Sympathie und Antipathie zueinander stehen.

Ja, es läßt sich nunmehr nach Körperform und Gesicht berechnen, wie die Sympathien und Antipathien zwischen zwei oder auch mehreren Personen sind.

Das aber ist von unendlich großer Bedeutung, denn das größte Glück auf Erden liegt im Zusammenschluß von Menschen, die voll und ganz harmonieren.

Wo das nicht der Fall ist, das bleiben, mögen die äußeren Verhältnisse noch so gut sein, Leid und Bitterkeit, oft unglückliche und tragische Folgen nicht aus.

Es ist also ein großes neues Wissensgebiet, das hier in den Grundzügen gestreift werden konnte, denn so wichtig wie die Menschenkenntnis ist, – so wichtig ist es zu berechnen, wie die Sympathieverhältnisse und die Beeinflußbarkeit der Menschen sind.

Dieses neue Gebiet ist außerordentlich bedeutungsvoll, die Freude und die Genugtuung, die dasselbe bereiten kann, ist große, es ist wohl das interessanteste und schönste Studiengebiet.

Ohne viel Mühe, Liebe und Geduld ist in das inner Wesen der Natur, der Gestalten, der Formen und Farben nicht einzudringen. In großen Zügen wird uns der Zusammenhang von Leib und Seele, von Körperform und innerer Wesensart durch die hier gegebenen Unterlagen verständlich.

Der Kopf des Menschen wächst aus dem Körper hervor und hat daher das innere und äußere Gepräge dieses Körpers.

Unter den Darstellungen der Kräfte zeigt das große Bild 1 das Ernährungs-, Bild 2 das Bewegungs-, Bild 4 das Empfindungs-Naturell.

Es sind die Haupt- und Grundtypen des Lebens.

dgm048-bild-00-mt

Das Bild am Kopfe dieser Zeitschrift zeigt das harmonische und Bild 5 das disharmonische Naturell, die beiden polaren Lebenstypen.

dgm048-bild-05-mt

 

dgm048-bild-naturelle-zeile

Die kleine hier wiedergegebene Bildreihe zeigt nochmals den genauen und typischen Kopfbau dieser Naturelle, sowie die drei sekundären Zwischentypen.

Es ist unmöglich, sich den Kopf des einen Naturells auf dem Körperbau eines anderen Naturells zu denken, weil der Körperbau die Grundlage für den Kopfbau ist und die hier dargestellten Kräfte nicht nur äußerlich, sondern vornehmlich innerlich im ganzen Körperbau wirken.

Der Körper sendet seine Lebenssäfte zu Kopf und Gehirn empor, spannt, richtet und formt diese entsprechend.

huterbust02

Danach ergibt sich kurz folgendes:

1. Das Ernährungs-Naturell hat das viele Od und die starke Medioma, daher die vollen, weichen Leiborgane und die breitfleischigen Körperformen.

Entsprechend ist der Kopf- und Gehirnbau und auch das Denkleben, d.h. dieser Mensch sinnt vorzugsweise nach, wie er am besten für Ruhe, Ernährung, Gleichmaß, Bequemlichkeit, Annehmlichkeit und für die praktischen und wirtschaftlichen Bedürfnisse des Lebens sorgt, also das zu tun, was die Ernährungsorgane wollen.

Die Helioda und die körperliche Spannkraft, der Magnetismus, sind bei diesem Typus schwächer.

2. Das Bewegungs-Naturell hat den sehr starken Magnetismus im bevorzugten Knochen- und Muskelsystem.

Daher sind auch die Züge des Gesichts lang, knochig, hart, fest, gespannt und voller robuster Energie.

Daher ist das Denkleben real und nüchtern und vorzugsweise auf das eingestellt, was die Bewegungsorgane des Körpers wollen, die Arme und Beine, die Knochen und Muskeln. Sport, Arbeit, Spiel, Anstrengung, Strapazen zu ertragen, große Taten zu vollbringen und ähnliches wird hier erstrebt.

Das Empfinden und die Ernährung mit ihren Energien und Stoffen stehen zurück.

3. Das Empfindungs-Naturell hat den zarten Körperbau, die starke Helioda, die vorzugsweise Nerven, Gehirn und Sinnesorgane bildet.

Daher ist das Gesicht zart, durchgeistigt, die Augen sind groß und, wenn das Interesse wach ist, leuchtend und seelenvoll, der Schädelbau ist begünstigt.

Daher richtet sich das Gedankenleben vorzugsweise auf das, was die Empfindungsorgane wollen. Daher die Liebe zu schönen Ideen und Gefühlen, zu Poesie, Musik, Kunst, Dichtung, die Neigung in religiösen und ethischen Dingen sich auszuleben, eine verfeinerte Kultur und Lebensart zu pflegen.

Die Ernährung und die energievolle Spannkraft des Körpers stehen demgegenüber zurück, da das Od, die Medioma, der Magnetismus und die elektrische Energie schwach sind.

4. Das harmonische Naturell hat alle Kräfte, Energien und Stoffe gut entwickelt, daher die volle harmonische Gestalt, Kopf-, Gesichts- und Augenbildung.

Entsprechend ist die harmonische Denk-, Gefühls- und Lebensweise, die Leistungsfähigkeit nach jeder Richtung, die stete Wahrung der Harmonie des Lebens, da der goldene Mittelweg eingehalten wird.

5. Das disharmonische Naturell hat die Stoffe und Kräfte nicht harmonisch vereinigt, vornehmlich ist es die starke elektrische Energie, welche die Harmonie der Kräfte durchbricht.

Daher zeigt der Kopf- und Körperbau nicht das ruhige Ebenmaß, ist zu hart oder zu weich, wobei einzelne Formen mehr oder weniger aus der Harmonie des Ganzen treten.

Je runder und feiner, je edler; je eckiger, je disharmonischer kann als Regel gelten.

Daher ist dieses Naturell wohl oft im einzelnen leistungsfähig, durchbricht aber stark wieder die ruhig und heiter dahin fließende Harmonie des Lebens durch Disharmonien, wodurch es vielerlei Leid verursacht, letzten Endes aber zur Entwicklung energisch antreibt.

Zwischen den geschilderten Typen liegen alle erdenklichen Mischformen, bedingt durch Spiel und Kreislauf der Stoffe und Kräfte und durch die Entwicklung.

Neuland ist immer von stark eigenartigen Naturen, die originale Wege gingen, erschlossen worden.

 huter-dgm-100

Wir stehen in Hochachtung vor der wissenschaftlichen Forschung, aber Erfahrung und Geschichte lehren, daß gute Anregungen und bahnbrechende Erkenntnisse gar oft aus dem Volke gekommen sind. Unsere bescheidene Bitte an die wissenschaftlichen Zweifler und Kritiker ist daher, bezüglich dieser Neulehren, die für das praktische Leben nur Segen bringen können, auch das Naturtalent zu Worte kommen zu lassen. 

 

Bild „treu und fest“ (Hinzugefügt)

Lebensrichtung von Carl Huter (1905), 1. Strophe:

Immer den Blick nur nach vorwärts gerichtet,

Niemals verzagen, wenn Schweres uns droht,

Selbst wenn das Schicksal uns alles vernichtet,

Schaut nur ins Auge recht mutig dem Tod,

Eins bleibt uns sicher, das nimmt man uns nicht,

Es ist die Treue in Tugend und Pflicht.

 

 

 

 

Große Studienbüste (Photo Myrta Chesini, Schweiz)

Mail vom 23. September 2005 von “Myrta Chesini” mchesini@hispeed.chan Herrn Timm.

Sehr geehrter Herr Timm

Die Studienbüste hat ihr neues Zuhause gefunden. Der neue Besitzer würde

gerne mit Ihnen Kontakt aufnehmen, denn er verbreitet auch die Lehre von

Carl Huter. Wenn Sie das möchten, hier seine Mail Adresse:

info@diagnostik.de ( Hr.Michael Münch ).

Herzlichen Dank für den Kontakt mit Ihnen, wünsche Ihnen alles Gute und

herzliche Grüsse aus der Schweiz

Myrta Chesini         (Hinzugefügt)

 

Schriftleiter Amandus Kupfer, Schwaig bei Nürnberg

D.A. 4500. Druck: C. Brügel & Sohn AG. Ansbach.

Herausgegeben von Amandus Kupfer, Schwaig bei Nürnberg

Schweizer Huterfreunde

Neuherausgeber Medical-Manager Wolfgang Timm

Copyright 2001-2008 by Carl-Huter-Zentral-Archiv

 D The Gate MK

 

 

DgM 037

Der gute Menschenkenner 037 von 101

Deutschland Wappen Red S

MENSCHENKENNTNIS           

CARL HUTER (1861-1912)

pgs-link-wwwchzade-redm.jpg 

Der Menschenkenner und die neue Zeit

nach Carl Huters Psycho-Physiognomik

 dgm59dgm_1937.jpg

Herausgegeben von Amandus Kupfer in Schwaig bei Nürnberg

 CARL-HUTER-ZENTRAL-ARCHIV

Medical-Manager Wolfgang Timm

www.chza.de 

 

  Form Geist

EXTRA LIFE INTELLIGENCE TRANS ENERGY 

PSYCHOLOGIE UND MEDIZIN DER ZUKUNFT 

 

 

                                       

Der gute Menschenkenner

nach Carl Huters Psycho-Physiognomik

© Februar 1936, Nr. 37

 

Menschen mit bösem

und mit

Gutem Sinn

in Wort und Bild

Überwindung allen Leides

durch

MENSCHENKENNTNIS

 

Carl Huter

Begründer der Psycho-Physiognomik [Physiognomische Psychologie]

Ein hier zum erstenmal veröffentlichtes Bild, das Huter in gereiftem Alter darstellt, aus jener Zeit, da er mit seinen Gegnern abrechnete und gegen ihre Angriffe seine Entdeckungen und Forschungen im Dienste des Wahren, Guten und Schönen ins Feld führte.

Daher ist auch die Körperhaltung in großer Spannung, der Gesichtsausdruck ist außerordentlich fest und bestimmt.

Die Augen sind durchgeistigt, unerschütterlich gleichsam wie auf eine sichere Naturerkenntnis gestützt -, ganz gerade, offen, groß und frei auf ein bestimmtes geistiges Ziel gerichtet.

Der Leser wolle einmal im Leben nachprüfen: die Haltung und Bewegung eines Menschen, der Ausdruck gibt die inneren Motive kund, aus denen heraus der Mensch handelt! –

Daß die Stirn außerordentlich hoch, breit und ganz fein ausgewölbt ist, kann wohl jeder sofort erkennen, ebenso, daß ein leichtes und freier,

heller und warmer Ton

über dem ganzen Gesicht, dem Haar und allen Formen liegt.

Die Stirn, das Oberhaupt, wie überhaupt der ganze Schädelbau zeigt auch nich die allerkleinste Unausgeglichenheit, sondern eine vollendete Plastik, verbunden mit größtmöglichster Feinheit und Schönheit.

Man betrachte die Breite und Höhe der Stirn, dazu die Höhe und Wölbung des Oberhauptes im Verhältnis zu Form und Länge des Nasenbaues, zu Form und Wölbung der Augen, die Ohren, wie überhaupt das ganze Gesicht, die Würde und Schönheit aller einzelnen Teile und diese in ihrem Verhältnis zur Gesamtbildung des Kopfes, so wird man feststellen müssen, daß der anatomische und architektonische Bau hinsichtlich seiner Vollendung wohl kaum noch übertroffen werden kann. Auch die Würde und Schönheit des Ausdrucks, dieses allerfeinste, empfindungsreiche Gewebe steht damit in Gleichklang.

Man beachte auch die Freundlichkeit am Mund, die Milde im mittleren Gesicht bei aller sonstigen Festigkeit des Augenausdrucks und des Formbaues. Männliche Schönheit und Klarheit liegt über dem Ganzen. Das Bild überrascht und stimmt feierlich.

Daher ist es auch wohl berechtigt, dasselbe zu veröffentlichen und damit gewissermaßen auch zu erhalten.

Aber das allein ist es nicht, was hier mit der Veröffentlichung des Bildes bezweckt werden soll, sondern es ist vielmehr der Gedanke,

xx das Bild selbst als einen Maßstab

xx ein Vorbild hinzunehmen, um darnach andere Bilder

xx einer vergleichenden Betrachtung

xxerziehen zu können xx

Das ist zweifellos berechtigt, denn viele Menschen betrachten den Augen-, Schädel-, Kopf- und Gesichtsbau eines anderen Menschen und wissen nicht recht, wie sie die Formen bewerten sollen, wo es fehlt, wo sie überentwickelt, stark oder schwach, mehr oder weniger vollendet sind.

Mit einem Wort, es fehlt der Maßstab, der Ruhepunkt in aller Erscheinungen Flucht, das Vorbild, die sichere Grundlage, nach der man sich in jedem Fall richten kann.

Prägt man sich nun dieses Bild im Geiste fest ein, so daß man es geistig stets gegenwärtig und im Sinn hat, dann kann man die Formen eines beliebigen Menschen damit vergleichen und zu sicheren Beobachtungs- und Schlußergebnissen kommen.

Was Huter geleistet hat, braucht hier nicht hervorgehoben zu werden, es ist zum Teil bekannt, und davon zeugen seine Werke, ebenso die Tatsache, daß die Forschungen an sich ohne Huters Namen zum Teil in das Geistesleben der Gegenwart übergegangen sind.

Die Leistungen stehen vollauf im Gleichlauf zu dieser Formbildung und dem Ausdruck dieses menschlichen Hauptes.

Jeder Personenkultus liegt dabei absolut fern, lag Huter selbst fern, denn er war ein einfacher Mann aus dem Volk und ist es zeitlebens geblieben. Er opferte alles für seine Forschungen und Entdeckungen.

Das zeigt ja auch der ganze Ausdruck: alles Materielle des Lebens ist sozusagen überwunden, und es herrscht an erster Stelle der Wille, das als wahr, echt, gut und schön Erkannte unbedingt zu verfechten und zu verwirklichen. Mehr kann ein Mensch nicht.

Also lediglich die reale, objektive Wirklichkeit ist es, die das Bild zu dem Vergleich mit anderen – um daraus zu lernen, einen Maßstab für Beurteilungen und vergleichende Betrachtungen zu haben – bestens geeignet erscheinen läßt.

Bild Nr. 2.

Betrachten wir nun das Bild 2, so wird es auf einmal leicht, die Abweichungen, sagen wir von einer Ideal- oder besten Normalform des Menschen, festzustellen.

Denn irgendeinen Maßstab, nach welchem man sich  richtet, muß man zweifellos haben.

Zunächst fällt auf, daß hier bei Bild 2 unterhalb der Augen ganz schwere, grobfleischige, harte Gesichtsmassen liegen.

So grob, schwer und gefühlsarm diese Gesichtsmassen sind, so ist die Wesensart dieses Menschen. – Man betrachte dazu den sehr groben, rohen und übergroßen Mund, ferner den breiten, schweren Oberkiefer, die gewaltigen Kauwerkzeuge, die dahinterliegend zu denken sind, so hat man sofort nach dem hier mit Bild 1 gegebenen Maßstab die Abweichung vom besten Normaltypus.

Man darf also von vornherein bei Bild 2 kein Feinempfinden, kein tieferes moralisches Gefühl voraussetzen, sondern Roheit, Grobheit, Gefühlskälte und Härte. Das bestätigt auch sofort der stahlharte und kalte Blick der Augen, deren Lider seitlich in scharfen, spitzen Winkeln verlaufen.

Gegenüber den groben Schwermassen des Gesichts kommen im Verhältnis die schwachen oberen Gehirnmassen fast nicht mehr in Betracht. Nur über den Augen, wo die Beobachtung und Auffassung liegt, und an den Schläfen, wo das technische Geschick liegt, herrscht Spannung.

Der in das Gesicht gezogene Hut zeigt schon symbolisch an, bei Berücksichtigung dieser sonstigen Gesamtanlage, daß die oberen Gehirnmassen herabgedrückt sind und daß die Schwermassen der Kiefer, wo die Tat- und Gewaltenergie liegt, vorherrschen.

(Es läßt sich die Tatsache nicht ableugnen, daß die Tracht und Mode Einfluß auf die Psyche hat, und unbewußt vollführen dabei die Hände, welche den Hut aufsetzen, das, was die Seele wohl denkt und empfindet, insofern hat auch die Kleidung zweifellos mehr oder weniger eine individuelle Note und Bedeutung.)

Betrachtet man nun neben diesem kalten, harten, rohen Blick der Augen auch noch die Kopfhaltung, so fällt sofort auf, daß der Hals fast verschwindet. Derselbe ist eingezogen, die Schultern sind hochgezogen, der Kopf ist geduckt, ähnlich wie bei einer Katze, die zum Sprung auf ein Opfer bereit ist.

Diese Gesamtunterschiede werden durch einen Vergleich der Bilder sofort ganz objektiv und real offensichtlich. Ebenso weicht dieser Mensch in seinem ganzen Denkleben und in seinen Handlungen vom sehr guten Normaltypus ab, er ist der Gegenpol zu Bild 1.

Er ist ein Bandit,

ein Spezialist für Einbrüche, ein Straßenräuber und noch einiges mehr.

Jedenfalls muß auch der ungeübte Beobachter auf diese Weise zu ganz guten selbsteigenen Betrachtungen kommen, die natürlich tausendfach verschieden sein können, ebenso verschieden, wie es die Menschen sind.

Niemandem geschieht damit ein Unrecht, im Gegenteil, man lernt den Menschen nach seinen Augen, Schädel- und Gesichtsformen und nach dem Ausdruck genauer betrachten und bewerten.

Man hat für alle möglichen Dinge Maße, Gewichte und Wertungen, daß solches auf die Dauer auch für den Menschen nicht mehr zu vermeiden ist, lehrt offensichtlich die ganze gegenwärtige Entwicklung.

Damit kommen wir zu einem gänzlich neuen Faktor im menschlichen Gesellschaftsleben, zu einer Lehre, die bis in das Ungeahnte durch Huter bereits ausgebaut ist und die in Wissenschaft, Kunst und Leben immer mehr Eingang findet.

Nun zu anderen Vergleichen

Bild 3.

Ein Einbrecher, den man den „Maulwurf“ nennt.

Bild 3 zeigt einen schweren Geldschrankknacker, der, um zu diesen zu gelangen, unterirdische Stollengänge anlegt.

In der Tat, das kleine, sehr unebene Gesicht dieses Menschen ist so eingetrocknet, erdfarbig und grau, daß man sich recht gut vorstellen kann, daß er wie ein Maulwurf in der Erde gräbt und ein darauf gerichtetes Denkleben hat.

Die stumpfe, aber feste Nasenform, die vorspringenden Augenwülste, welche die starke Beobachtung zeigen, und das linksseitige starke Jochbein, das die Überwindungskraft zeigt und wie ein Hammerkeil wirkt, illustrieren noch diesen Vergleich.

Dabei sind die Augen ganz klein und liegen trübe lauernd in dicken, schlitzartigen Lidern, sie zeigen, daß er nur einen sehr beschränkten Gesichtskreis hat, aber Einzeldinge sehr scharf erspäht. Man könnte auch glauben, die engen Lider schützen vor dem hellen Tageslicht, er vermag aber im Dunkeln oder bei sehr trübem Licht noch scharf zu sehen.

Die Augen liegen auch ganz tief und geschützt, ähnlich wie bei manchen Hunden, die den Kopf voraus durch Strauchwerk und Gestrüpp jagen. Auch die Nasenwurzel ist tief eingedrückt, ein Merkmal, daß er ganz bedachtsam und mit großer Vorsicht zuwege geht.

Dabei ist die Kopfhaltung wie lauschend, das Ohr steht ganz frei, es ist so geformt, daß er die kleinsten Geräusche wahrnimmt und, wie der gespannte Gesichtsausdruck zeigt, auch noch vermeidet.

Man überzeuge sich auch, wie abgekanzelt der Hut aufgesetzt ist, der Kragen und Schlips ungebunden, wie genau er nur noch etwas vom Bart stehen läßt, wie er diese Dinge genau beachtet, sich also in Grenzen hält.

Dabei sind aber die Augenbrauen dicht, stark und buschig, die Unterlippe ist abnorm breit und fleischig, auch die Oberlippe wirkt schwer, das sind Gegensätze zu den zuerst gekennzeichneten Formen und Anlagen und deuten auf schwere und stark hervortretende Leidenschaften und momentane Zähigkeit und Ausdauer.

Selbst die Nasenflügel zeigen bei dem eingetrockneten Gewebe eine starke Spannung, er vermag noch in schlechtester Luft lange auszuhalten und zu arbeiten.

Von hohem, lichtem Geist ist im Gewebe keine Spur, man blicke auf Bild 1, um das sofort zu erkennen.

 

Bild 4 zeigt ein ziemlich dickes Gesicht mit sehr festem und hartem Gewebe, ausgefüllt mit harten elementaren Stoffen und Kräften bei kurzem Hals.

 

Bild 4. Spezialist, der schwere Schränke erbricht und andere Spezialarbeiten verrichtet.

 

In der Gedrungenheit liegt viel harte Spannkraft, das zeigt auch die Kopfhaltung und der Ausdruck.

Der Mund ist verkniffen bei sehr dünnen, scharfen Lippen und abnorm starkem Ober- und schwerem Unterkiefer, dabei ist die Nase kurz und plump, das sind Merkmale abnormer Tattriebe.

Wer solche Dinge nicht zu sehen und zu beobachten gewohnt ist, der könnte wohl den Mann im Moment für einen guten Onkel halten, der aber, wenn man näher hinsieht, die „schönsten“ Henkel- und Verbrecherohren hat.

Interessant ist, was man besonders bei dem mittleren Bild beobachten kann, daß die Spannkraft des Kopfes und des Gesichts in den seitlichen Partien liegt, als dort, wo die harte elektrische Energie wirkt.

In der Mitte des Gesichtes, wo die feinste Weichheit und Schönheit liegen sollte, ist Formverhärtung, Disharmonie und Unschönheit vorhanden. Das sind gefährliche Merkmale.

Das Auge mit den harten Lidern und spitzen Winkeln hat den verstellten, halbstarren Ausdruck, der Mund läßt sich gleichzeitig nicht verstellen und spricht durch seinen fast idiotenhaften Ausdruck die Wahrheit.

Man kann auch sehen, daß der Schädel im vorderen Teil oben flach ist, und bei dem Seitenbild, daß das hintere Oberhaupt, wo die „Icheinstellung“ liegt, gegenüber dem unteren Hinterhaupt aus der Proportion fällt.

Der zweite Ring unterm Kinn zeigt bei dieser Anlage das zu starke Vorherrschen chemischer Schwerstoffe.

Man vergleiche mit Bild 1, und die gewaltigen Abweichungen von der besten Normalform werden sofort offensichtlich.

 

Bild 5 zeigt einen ganzen Schlauberger xx Disharmonie.

Bild 5. Der eigentliche Organisator der Bande von Bild 2, 3 und 4.

Man könnte glauben, er hätte mehrere Brillen auf, obwohl er keine trägt, um das wahre Wesen zu verstecken.

Die Stirn ist frei und deutet auf Intelligenz und Organisation, sie soll auch Offenheit und Wohlwollen vortäuschen, was aber sofort als Täuschung offenbar wird, wenn man das Gesicht betrachtet, das ja bekanntlich den Ausschlag gibt.

Die Nase ist auch lang und ziemlich gerade und deutet auf Intelligenz und Vorberechnung.

Es ist der Anführer und Organisator – aber was für einer? –

Das erfährt man sofort, wenn man die Augen betrachtet, die lose und glasig im Kopfe hängen und von verformtem, unreinem Gewebe umgeben sind.

Das Gewebe um den Mund und an den Wangen ist pergamentartig, es ist wenig Gefühl und Lebensgeist darin, die Oberlippe ist lappig und zu groß, der Mund hat dünne, seitlich scharf und breit verlaufende Lippen.

Die Jochbeine treten seitlich tief und breit aus der Norm, der Kiefer holt breit aus, und die Ohren sind groß und abnorm häßlich.

Das sind in Verbindung mit diesem frechen verstellten Augenausdruck und dem zerknitterten Gewebe schwere abnorme Tatmerkmale.

Dabei hat er das Auge und den Mund mit dem Ausdruck des Sprechers, er kann Wunder war für schöne Dinge vorschmusen und Pläne darlegen, dabei ist alles nur eitel Dunst und endet im Verbrechen.

Es ist eine moderne, bewegte Gaunerphysiognomie. Den ganzen gegenständlichen realen Ernst, die Gefährlichkeit dieser Natur, erkennt man sofort, wenn man den Blick auf Bild 1, dem Gegenpol, ruhen läßt.

XX

Bild 1 und Bild 5

 

Bild 6 zeichnet ein schwammiges, teigiges, unreines und mattes Gewebe aus, stark verschleierte finstere Augen mit dem trüben Blick der moralischen Verblödung, mit einer unwilligen und böswilligen Mimik.

Bild 6. Ein Verbrecher und Ladendieb.                           Bild 1-12 Archiv.

 

Das ist gerade der Unterschied vom hellen, lichten, reinen, durchstrahlten und empfindungsreichen, offenen und edlen Gewebe des besten Normalmenschen.

Der Geist liegt im Gewebe, in den Peripherieorganen, und muß daraus erkannt werden, das ist erste Bedingung zur Menschenkenntnis.

Das Gewebe muß eine milde Leuchtkraft haben, diese fehlt bei Bild 2, 3, 4, 5 und 6 gänzlich.

Diese milde geistige Leuchtkraft der Gewebe ist aber nicht zu verwechseln mit der magnetischen, elektrischen und mediomischen Strahl- und Spannkraft derselben und dem Fettglanz der Haut.

Das ist der Kernpunkt aller physiognomischen Menschenkenntnis, daher muß ein neues klassisches Sehen gelehrt werden, für welches die Psycho-Physiognomik [Physiognomische Psychologie] die wissenschaftliche Unterlage gibt.

Betrachtet man das Seitenbild, so fällt der flache und schwache Hinterkopf auf, der Menschen eigen ist, die keine Lust und Liebe zur Arbeit haben.

Nichtsdestoweniger ist das Hinterhaupt oben hoch, dort, wo die Selbsttriebe liegen, und das Kinn ist unwillig ein- und breit gezogen.

Arbeiten will der Mensch nicht, aber auftreten und leben wie ein Gentleman, das letztere deutet der Hut an, die großspurige Kleidung und Kopfhaltung.

Dabei hat er weiche, sinnliche Gefühle, das zeigen die dicken vollen Lippen, der vorgeschobene Mund; daß diese bösartig sind zeigen die im rechten Bilde scharf herabgezogenen spitzen Mundwinkel.

Das Gewebe um beide Augen, seitlich der Nase, unter der Nase und an den Wangen ist verformt und unrein, das deutet auf Vergiftung und Entartung des Blutes, der Lymphe und der Säfte.

Man betrachte die Stirn des mittleren Bildes, diese ist dort, wo der Erwerbs- und Diebessinn liegt und weiter nach oben hin, wo der Sinn für den Besitz schöner Sachen liegt, erheblich ausgebuchtet und in Spannung.

Dabei ist er geschmeidig, gewandt im Auftreten, und er läßt in Läden geschickt die Sachen mitgehen.

Ein Blick auf das Ohr zeit die starke Disharmonie.

Das Ohr ist auch im oberen Teil hängend, wie es typisch bei dieser sittlichen Entartung ist.

Die Naturellanlage ist Bewegung und Empfindung mit Disharmonie. Die Erfahrung lehrt, daß Entartung eintritt, sobald die Naturellanlage nicht richtig betätigt wird.

Das ist Naturgesetz und zwingt jeden Menschen in eine bestimmte Bahn der normalen Tätigkeit, die er willkürlich ohne Schaden nicht einmal abändern darf.

 

Leitspruch

Zähme deine Leidenschaften,

Hebe deine Schwächen,

Pflege und vewende deine guten Anlagen und Talente!

Dann kannst du glücklich leben und nützlich wirken.

Carl Huter

 

 

Wir haben mit der vorhergehenden Bildnisreihe die Nachtseite und den Tiefstand des Lebens kennengelernt und wenden uns nun der Lichtseite desselben zu. – Das Bildnis Huters, das nicht nur die großartigsten Porportionsmaße zeigt, sondern auch im Gesicht die sehr xx Quellkraft der Gewebe, die feine lebenswarme PlaXX und Durchstrahlung der Stirn, selbst das Ohr und xx Haar, das ja auch am Leben teilnimmt, zeigt einen warmen, milden und schönen Ton xx

In dieser milden und starken Spannung, Strahlung, Feinplastik und Durchleuchtung der Gewebe zeigt sich

der geniale Lebensgeist.

In jeder Zelle ist der Lebensgeist lebendig wirksam und tätig und läßt sich auf diese Weise direkt sehen und erkennen.

Diese Feinheiten sieht und erkennt wohl nicht jeder sofort – es bedarf einiger Übung, vergleichender Studien am lebenden Menschen, eines neuen klassischen verfeinerten Sehens, das Huter lehrte und naturwissenschaftliche begründete.

Ohne dieses verfeinerte Sehen, läßt sich die praktische Menschenkenntnis einwandfrei nicht lehren.

Das ist der Kernpunkt.

Alle Formdeutung an sich versagt mehr oder weniger, wenn man nicht aus der Qualität und der Feinheit des Gewebes das Geistige direkt sehen lernt.

Denn der Geist lebt ja in der Form, ist allen Geweben, gegenüber dem Inhalt der Form kann diese selbst an Bedeutung zurücktreten, da ja die Form zunächst bleibt, wenn sich auch der Inhalt günstig oder ungünstig verändert.

Hier aber stimmt mit der hervorragenden Proportion, dem Ebenmaß und der Schönheit der Form auch der Inhalt, die geistige Qualität überein, das zeigen die Augen und der Gesichtsausdruck, das zeigt ferner die sehr feine, lichte und warme Spannung.

Das ist es, was an diesem Bilde gezeigt werden soll.

Am besten lassen sich diese Unterschiede natürlich am lebenden Menschen sehr deutlich zeigen und erklären, wozu mir aber die Möglichkeit fehlt, und daher müssen wir uns mit den Bildern behelfen.

Denn diese hier erwähnte Qualität im Gewebe findet man natürlich auch mehr oder weniger bei anderen Menschen wieder, und von ihrer richtigen Bewertung hängt die ganze feinere Beurteilungskunst ab.

Diese feingeistige Gewebsstrahlung ist grundverschieden von dem lebhaften Glanz und dem Farbton mancher Gewebe, ebenso von der elektrischen, magnetischen und mediomischen Spannung und Strahlung und noch von einigen anderen Dingen.

Ohne Kenntnis dieser Unterschiede und das darnach geschulte Sehen gibt es keine auch nur halbwegs vollendete Menschenkenntnis. Erst dergestalt wird der Lebensgeist direkt aus den Formen erkannt und jede Täuschung bis in alle Feinheiten hinein vermieden.

Erst auf diese Weise ist die größte und fast einzige Wahrheit in der Natur, die sie unmittelbar offenbart, zu erkennen.

Darüber hinaus gibt es hier auf Erden eine höhere Wahrheit wohl kaum mehr.

So unglaublich es auch klingen mag, ist es doch Tatsache, daß diese Erkenntnis und ihre naturwissenschaftliche Begründung vor Huter gänzlich fehlte.

 

Bild 8 [Walter Alispach (1908-1998), bedeutsamster Schweizer Huter-Referent]

 

In Bild 8 sehen wir eine breite und hohe Vorderstirn, die plastisch gut in Spannung und Strahlung ist. Das übrige Gesicht zeigt einen sehr warmen und gut durchstrahlten Gewebston.

Da nun in der oberen Vorderstirn das Wohlwollen und die Menschenliebe liegt, der psychologische Lebenserkenntnissinn und die innere Herzensgüte, so ist dieser Mann aus Liebe zur Wahrheit, zum Guten und Schönen rastlos in diesem Sinne tätig.

Wie energisch er sich bei seiner Arbeit anspannt, das zeigt die große Anspannung der Gewebe and den Schläfen.

Das sehr warme innere Gefühlsleben liegt auch im übrigen Gesicht.

Jede Schwierigkeit und Enttäuschung sucht er aus dieser inneren Liebe und Wärme heraus zu überwinden. Die Arbeit für das Rechte und Wahre löst neue Begeisterung aus und stärkt die innere Lebensfreudigkeit. Diese strahlt nach allen Seiten aus, teilt sich mit, ermuntert, erfreut, belebt, begeistert, hilft durch Humor die Sorgen überwinden, schwere Arbeit wird leicht, und der Erfolg bleibt nicht aus, selbst wenn er nur in der inneren Befriedigung und Freude liegen sollte, der Freude und dem Glück. Gutes getan und dem Fortschritt und der Wahrheitserkenntnis gedient zu haben. – Das ist das Geheimnis dieser Natur.

 

Bild 9 [Amandus Kupfer (1879-1952) bedeutsamster Huter-Schüler und Herausgeber von „Der gute Menschenkenner“ Nr. 1 bis 101, 1932 bis 1941].

Dieses Bild zu beurteilen fällt mir schwer, vielleicht weil ich den Abgebildeten genau kenne, und es geschieht auch nur, um daran etwas zu zeigen, damit andere daraus lernen.

Hier finden wir wieder die plastische, breite, offene und lichte hohe Vorderstirn. Das Gewebe im Gesicht ist leicht, empfindungsreich, gut durchstrahlt und durchleuchtet, von innerer Wärme und Festigkeit wie die Formen und von einer gewissen Abgeklärtheit.

So durchstrahlt, hell und licht wie das Gewebe ist, so licht und hell ist auch das Geistesleben in Verbindung mit einem Feingefühl im Sehen und Erkennen – man beachte die Anspannung am Auge und an der Nasenwurzel -, einer guten Voraussicht und Vorausberechnung.

Aus dieser Anlage heraus konnte der Abgebildete sich fast 30 Jahre Tag für Tag [Stand Jahr 1936] in den Dienst des Wahren, Guten und Schönen stellen. Gewiß haben die Stürme der Zeit das Gewebe durchfurcht, aber die Lebensfreude, der Glaube an das gute Kommende ist geblieben, weil die Kraft wiederum aus der guten Arbeit selbst gezogen wird. Daher war trotz allem Kampf, wenn auch der Erfolg noch nicht kommen konnte, da neue Erkenntnisse sich nur langsam Bahn brechen, – die Arbeit nicht umsonst –

 

Bild 10. Edle jugendliche, noch schlummernde Kraft, die aber aus sich selbst heraus dem Guten zu folgen vermag.

Reines, frisches, gesundes, unverdorbenes Blut – man beachte die reine natürliche Zeichnung der Form – , daher auch Reinheit und Heiligkeit in der Aufnahme und im Denken.

Die Formen wirken frisch und jugendlich natürlich, da jede Versteifung fehlt.

Offen, natürlich und frei sieht er in die schöne Welt. – Starker, aber nicht übereilter Drang, Wissen, Kenntnisse und Fertigkeiten anzusammeln, siehe die breite Stirn, das lichte Gewebe, die Spannung in der Kopfhaltung. Das Denken beherrscht das Gefühl.

Ist in voller Entwicklung. – So sollte jedes Kind erst die Natur beobachten lernen, Pflanzen und Tiere, um sich natürlich und xx zu entfalten, sonst kann man leicht das Gegenteil von dem xx, was man wünscht.

Bild 11. Homer, der große griechische Schriftsteller und Dichter, der die Iliade und Odysee geschrieben hat.

Hier prägt sich in der machtvollen Stirn, im langen vergeistigten Gesichtstypus die hohe Geisteskrft aus, bei welcher die körperliche Kraft zugleich stark geschwächt zurücktritt.

Der Körper mußte alles bis zur letzten Kraft im Dienste des Geistigen hergeben. Dieses Gesicht zeigt uns zum Unterschied von den Bildern auf Seite 2 nach Form und Ausdruck den hohen Geistesadel.

Einige tausend Jahre sind seit Homers Zeiten vergangen und man vergleiche damit das Bildnis Huters, um zu erkennen, was die Entwicklung in dieser Zeit zustande gebracht hat.

[Carl Huter (1861-1912) Begründer der wissenschaftlichen Menschenkenntnis].

 

Hier ist ein ganz gewaltiger Unterschied in den Proportionen von Gesicht, Stirn und Schädelbau, eine unendlich vergrößerte Umspannung aller nah- und fernliegenden Dinge.

Greifbar tritt der Unterschied zutage, sowohl in der Formbildung und Proportion, wie auch in der Feinheit und der umfassenden Fülle des Geistes bis in alle Tiefen und Schönheiten.

 

XX

Bild 12. Man beachte das Gewebe und die Formbildung genau, das Bild ist unretuschiert.

Die Formen und Umrisse sind sehr bestimmt gezeichnet, so bestimmt und aufrecht ist auch die Denk- und Handlungsweise.

Dabei ist die Kopfhaltung und sind die Formen elastisch, leicht und elegant, jede körperliche und geistige Anstrengung wird leicht und mit Sicherheit überwunden.

Man beachte, wie das Auge scharf und bestimmt den Gegenstand ins Auge faßt, ebenso scharf und bestimmt ist das Denken. Die gespannte Plastik der Schläfe zeigt die sehr gute technische Befähigung.

Alle Formen sind gut abgerundet, das ganze Gewebe ist nicht nur leicht, sondern auch von feiner Qualität, Spannung und milden, warmen Durchstrahlung, daher der Sinn und Eifer für den guten Fortschritt auf allen Gebieten, die enorme vielseitige Arbeitskraft im Dienste des Wahren, Guten und Schönen bei frohem, natürlichem, heiterem Lebenssinn und gewaltiger Abneigung gegen alles Unnatürliche in Wissenschaft, Leben, Kunst und Religion.

Die Verstoßung Hagars. Gemälde von van der Werff.

Ein ergreifendes Gemälde und zugleich eine Tragödie von meisterhafter Darstellung, welche erst durch die wissenschaftliche Menschenkenntnis voll verstanden werden kann.

Eine junge Mutter von großer Reinheit und  Schönheit wird mit ihrem lieblichen edlen Kinde aus dem Hause in die Nacht und in die größten Gefahren hinein verstoßen.

Man sollte eine solche Grausamkeit nicht  für möglich halten, und doch liegt in dem Bild selbst die Lösung für dieses Rätsel.

Die verstoßene Mutter mit ihrem Kind hat weiche, lichte, helle und reine, schöne Formen.

Der alte Mann empfindet wohl Mitleid und segnet die Verstoßung, – aber er läßt auch das Unrecht geschehen. Er rafft sich nicht auf, die Schmach und das Unrecht energisch zu verhindern.

In der Haltung des Körpers hat ihn der Künstler als alten Schwächling gezeichnet und mit verdicktem, schwerem Hals, kraftlosen Händen, überdicken Lippen und einem Zug an Mund und Bart ähnlich dem des Judas von Holbein.

Aber die eigentliche Triebkraft dieser Tragödie der Verstoßung einer offensichtlich guten Mutter mit ihrem edlen Kind ist die Frau, die schadenfroh in der Türe des Hauses lehnt.

Von ihr geht der geheime Impuls zu dieser bösen Tat aus. Sie hat ein hartes, langes, böses und kaltes Gesicht, ohne Gefühl, ohne Mitleid, ohne Erbarmen.

Die Nase der Frau, die den Charakter zeigt, ist steinhart, tief nach unten und auswärts gebogen.

Der Mund hat den teuflischen, schadenfrohen, aufgeworfenen Zug. Am Oberkiefer, nach dem Zug des Herzens hin, liegt grausame Härte, Kinn und Oberkiefer ist wie von Stein, die Brust hart.

Man muß schon die wissenschaftliche Menschenkenntnis beherrschen, um den Künstler recht zu verstehen, der hier meisterhaft die Wahrheit in den Formen, Farben und Bewegungen lebendig und lebenswahr schilderte.

Die verstoßene Mutter mit ihrem Kind hat den hellen reinen Typus der edlen Rasse. (Dem biblischen Bericht nach war Hagar eine Ägypterin.) Der Mann und die Frau im Hintergrund sind unverkennbar Semiten.

Das Gemälde ist in Farben von großartiger Wirkung, die leider ja hier nicht wiedergegeben werden können, das Original befindet sich in der Dresdner Gemäldegalerie, wo man es bei Gelegenheit studieren wolle.

Das Gewand der Mutter ist hell, von goldig schimmernder Farbe, das des alten Mannes von einem neutralen, kalten und harten Blau, das der Frau von schmutziger unangenehmer Farbtönung.

Das Kind der verstoßenen Mutter hat einen unschuldigen, sehr edlen Ausdruck mit goldigem, lockigem Haar, – das zurückbleibende Kind zeigt harte Formen mit breitem Gesicht, dickem Mund und sehr kurzem Hals.

Zwischen der verstoßenen Mutter und ihrem Kind und zwischen dem alten Manne, der Frau und ihrem Kind ist keine Harmonie möglich, es sind entgegengesetzte Pole von Gut und Böse, daher geht die junge Mutter auch lieber in Nacht und Finsternis und Ungewißheit hinaus.

Der Künstler war ein vollendeter Beobachter des Lebens und der menschlichen Natur, er hat die Wahrheit – wenn auch nur für den Kenner voll ersichtlich – wunderbar dargelegt, daher ist das Gemälde heute noch von großem wissenschaftlichen Wert.

Der Künstler ist nicht nur ein Maler, sondern auch im vollsten Sinne des Wortes ein großer Natur- und Lebensforscher gewesen, der wissenschaftliche Wahrheiten, lange bevor sie bekannt waren und gelehrt wurden, bereits gesehen, lebendig wahr und richtig geschildert hat, so richtig, daß die Formen und Farben und die Bewegungen, durch die er den Sinn des Bildes deutlich machte, mit unserer heutigen wissenschaftlichen Erkenntnis noch übereinstimmen.

Die großen Meisterwerke der Kunst erhalten erst durch die Psycho-Physiognomik [Physiognomische Psychologie] Carl Huters ganz neue und lebendige Werte, die klar und deutlich lehren: Der gute Mensch soll nicht verstoßen werden und in Elend umkommen, sondern er soll den bösen Menschen erkennen und sich zum gemeinsamen Schutz und zu einer Macht des Guten mit gleichgesinnten Menschen in dem Geist der wissenschaftlichen Menschenkenntnis zusammenschließen und die Welt von allem Übel und Leid erlösen.

Einen anderen Weg der Lösung gibt es nicht, das lehrt die ganze menschliche Erfahrung und Geschichte, Kunst und Leben von Anbeginn der Zeit bis auf den heutigen Tag.

Machen Sie Ihre Freunde und Bekannten auf die

Zeitschrift „Der Menschenkenner“ aufmerksam,

dann fördern Sie echte deutsche Volksforschung!

 

 

 

 

 

Carl Huter:

„Der Wahrheit und der Schönheit

das ganze Sein“

 

 

                                                       

„Der Menschenkenner“ ist zu beziehen durch alle Vertreter der Huterlehren, Buchhandlungen oder direkt vom Verlag Amandus Kupfer, Schwaig bei Nürnberg, Postcheckkonto Nürnberg 18330.

Bei Voreinsendung von R.M. 1.- und 30 Pfg. für Porto erfolgt jedesmalige Zusendung der nächsten 5 Nummern sofort nach Erscheinen.

Schriftleiter Amandus Kupfer, Schwaig bei Nürnberg

D.A. 4300. Druck: C. Brügel & Sohn AG. Ansbach.

Herausgegeben von Amandus Kupfer, Schwaig bei Nürnberg

Schweizer Huterfreunde

Neuherausgeber Medical-Manager Wolfgang Timm

Copyright 2001-2008 by Carl-Huter-Zentral-Archiv

 D The Gate MK

 

DgM 034

Der gute Menschenkenner 034 von 101

Deutschland Wappen Red S

MENSCHENKENNTNIS           

CARL HUTER (1861-1912)

pgs-link-wwwchzade-redm.jpg 

Der Menschenkenner und die neue Zeit

nach Carl Huters Psycho-Physiognomik

 dgm59dgm_1937.jpg

Herausgegeben von Amandus Kupfer in Schwaig bei Nürnberg

 CARL-HUTER-ZENTRAL-ARCHIV

Medical-Manager Wolfgang Timm

www.chza.de 

 BRD de jure erloschen

The “German Empire”

The documents of capitulation of the German War Might of the 7th of May in 1945 and of the 9th of May in 1945 finished indeed the struggles, but not the existence of the German Empire. The government of the empire became arrested on the 23rd of May in 1945. A peace treaty was not signed, neither with the FRG nor with the former GDR, and is lacking until today.

The Federal Constitution Court in Karlsruhe (President Prof. Dr. Jutta Limbach) decided on 31st of July in 1973 [BVerfGE Bd. 36, 1-37 (LT1-9) BGBl I 1973, 1058] and on the 21st of October in 1987 [Bd.77, S.137,150,154,160,167] unanimous and how intended, that the German Empire in 1945 not perished but continued.

Page 15 to 16: … The Grundgesetz (Basic Law)  not only a thesis of the International Law and of the State Law sees that the German Empire outlasted the breakdown of 1945 and neither perished by the capitulation nor by the exertion of foreign state power in Germany by the allied occupation mights nor perished later; this is to recognize from the preamble, from article 16,article 23article 116 and article 146 of the Basic Law. This corresponds to the jurisdiction of the Federal Constitution Court in which the senat persists. …

The German Empire (see e.g. BVerfG, 1956-08-17, 1 BvB 2/51, BVerfGE 2, 266 (277); 3,288 (319f); 5,85 (126); 6,309, 336, 363) owns still competence in law, but is as whole state not able to act by itself because of lacking organization, especially because of lacking institutionalized organs … the responsibility for „Germany as whole thing” (= German Empire) have — even — the four mights. The Federal Republic of Germany is in this way not “successor in law” of the German Empire, but identical as state with the state of the “German Empire”, — under reference to its territorial expanse only “partially identical”, so that insofar the identity demands no exclusivity. The Federal Republic of Germany includes in this way, concerning its state people and its state territory, not the whole Germany regardless of that it recognizes a consistent state people of the subject of the International Law “Germany” (German Empire) … and a consistent state territory „Germany” (German Empire) … It (= Federal Republic of Germany) limits its sovereignty in legal terms of state to the field of application of the Basic Law.

“The Federal Republic of Germany agrees the statement of the four mights and emphasizes that the in this statement mentioned incidents and circumstances will not occure, what means, that a peace treaty or a peace regulation is not intended“. Protocol of the Bureau of the Federal Chancellor in negotiations of the 17th of July on 1990 in Paris, appendix No. 354 B.

(furthermore dissertation of Dr. Michael Rensmann, occupation law in the re-united Germany)

  Form Geist

EXTRA LIFE INTELLIGENCE TRANS ENERGY 

PSYCHOLOGIE UND MEDIZIN DER ZUKUNFT 

 


 

Der gute Menschenkenner

nach Carl Huters Psycho-Physiognomik

© November 1935, Nr. 34

Der Kampf um die

AUGENDIAGNOSE

 

 

Eine Antwort an

Peter Johannes Thiel

 

Zum Schutze der Wahrheit über den

Deutschen Forscher CARL HUTER und

Die Originalität in der Augenirisforschung

 

Dieses Monument stellt die Zeit dar, die wie mit Flügeln enteilt und doch ewig ist. Hervorragend ist im Gesicht des alten Mannes die Unzerstörbarkeit und Strenge ausgeprägt. Das Haupt und der Körper ist durch die Schwere der Verantwortung nicht gerade gehalten, sondern gesenkt. Die sehr breite, vollendete Stirn angespannt geistig alles „Nah- und Fernliegende“. Der Künstler will zum Ausdruck bringen, daß man in allem Wandel des Geschehens stets die Folgen bedenken soll, die Zeit gleicht nicht nur alles aus, sondern sie richtet auch gerecht.

 

Peter Johannes Thiel, der seit 33 Jahren [Stand 1935] in Deutschland über Augendiagnose schreibt, hat soeben eine Spezialschrift über Antlitz-Diagnose herausgegeben.

In dieser Schrift von 56 Seiten, der anschließende folgen sollen, sind fünfeinhalb Seiten nicht dem Thema Gesichtsdiagnosegewidmet, sondern einer Auseinandersetzung über Thiel und Huter bezüglich der

Augendiagnose.

 

Das Resultat jedoch ist, der Leser erhält nicht die wünschenswerte, sachliche Klarheit über die Ursache eines 33-36 Jahre zurückliegenden

Kampfes um die Augendiagnose,

wohl aber ein sehr entstelltes Bild über den deutschen Forscher Huter, das Ehre und Ansehen schädigt.

 

Alle Personen, die Zeugen jener Ereignisse vor 33 bis 36 Jahren [Stand 1935] waren, sind tot, – nur Thiel lebt noch. – Da also Huter sich nicht mehr zur Wehr setzen kann, nehme der Leser vorlieb, wenn ich heute

für Huter, für Wahrheit, Recht

und echte deutsche Volksforschung

In die Schranken trete. –

 

Wer ist Thiel? Zu dieser Frage sind sicher einige markante Sätze seiner Schrift Antlitz-Diagnose“ 1935 bemerkenswert.

 

a) Thiel schreibt daselbst Seite 9: Von Aristoteles an (300 v. Chr.) bis zu den jüngsten Werken der Psychologen, soweit sie aufzutreiben waren, suchte er alles auf Goldkörner zu durchschürfen, – aber leider fast ergebnislos. Er fand in sämtlichen einschlägigen Schriften so gut wie nichts Brauchbares.

 

Das ist in der Tat eine erstaunliche Behauptung! 2000 Jahre medizinische Literatur – und fast nichts an Goldkörnern und Brauchbarem über Gesichts-Diagnose! Ganz davon zu schweigen, daß in Huters Werken die Gesichtsdiagnose wissenschaftliche begründet, dargelegt und ausgebaut ist!

 

b) Seite 17 schreibt Thiel: „Heute wäre es fast unmöglich, daß ein wissenschaftlich geschulter Mediziner eine Kranken-Physiognomik schreiben würde.“

 

Einige Wochen vor Thiels SchriftAntlitz-Diagnoseerschien aber bereits in dem medizinischen Verlag von J. F. Lehmann, München,

Der Ausdruck des Kranken“,

von dem wissenschaftlich gebildeten Mediziner Dr. Karl Fervers, das tatsächlich sehr beachtenswert neue ärztliche Beiträge zur Krankenphysiognomik enthält.

 

Was also „fast unmöglich“ nach Thiel ist, war zur selben Zeit schon Wirklichkeit.

 

Daß meine bescheidene Schrift über Das Gesicht des Kranken1932 erschien und gleichlaufende  Arbeiten im Volksarzt1931-32 mit über 100 Bildern, erwähnen beide Autoren nicht.

 

c) Vor mir liegt ein Brief von Thiel aus dem Jahre 1926, der an mich gerichtet ist. Derselbe ist eigenhändig  unterschrieben

mit Dr. Joh. Thiel.

Der Briefkopf lautet: Dr. Pet. Joh. Thiel, im Ausl. Prom., Bad Schandau, Villa Thiel.

In der vorliegenden Schrift Thiels Antlitz-Diagnose“, sowie in neueren Briefen seines Verlegers, steht nichts mehr von dem Doktortitel.

 

Im Anschluß an diese Abhandlung ist die Frage wohl berechtigt: Ist Thiel nun Dr., im Ausl. Prom., oder nicht?

Was bringt nun Thiel gegen den vor 23 Jahren gestorbenen Carl Huter vor? 

 

Punkt I 

Thiel schreibt Seite 11: „Neben diesem Vorwurf eines „Plagiates“ des Wortes AntlitzDiagnose (dieses bezieht sich nicht auf Huter) wird in letzter Zeit von materiell Interessierten mir die Verdächtigung wiederholt hinter meinem Rücken verbreitet, die bereits vor zweiundreißig Jahren Carl Huter sen. (Carl Huter, gest. 1912) in seiner ZeitschriftHochwart gegen  mich erhoben hat: daß ich meinen Augen-Diagnose-Schlüssel mit den von mir zum ersten Male veröffentlichten Radienfeldern ihm nachgeahmt hätte.

 

a) Der Leser  fragt: Wen meint Thiel mit den materielle  Interessierten“, die er treffen will?

Es sei nur so viel gesagt, daß im guten deutschen Schrifttum Bemerkungen, die unbestimmt aber anzüglich viele beleidigen und verdächtigen, nicht üblich sind. – Man soll auch nicht in ähnlicher Weise das tun, was man anderen gleichzeitig vorwirft.

 

b) Huter erklärte vor 32 Jahren, er habe Thiel persönlich mit seinen Forschungen über Augendiagnose bekannt gemacht, eine einzige seiner Entdeckungen habe genügt, die bester Erklärung für die Irismerkmale zu geben, die 1902 bei Thiel als – „Od=Lebenskraft“ – und als ein „Speichensystem in der Iris“, also abgeändert, wiederzufinden war (siehe Schlußausführung).

 

Da bezüglich der „Historik der Augendiagnose ein allgemeines Interesse vorliegt, so muß klar festgestellt werden, um was es sich handelt.

 

 

Punkt II

 

Thiel schreibt anschließend weiter:

„Ich bin darum leider genötigt, zum ersten Male nach dreißig Jahren öffentlich diesen „Fall Huter“ aufzuklären, nachdem ich damals die Angelegenheit begraben glaubte.“

 

a) Verzeihung, Herr Thiel, das stimmt nicht, ich muß Ihrem Gedächtnis über diesen hier für Sie so wichtigen „Fall Huter“ etwas nachhelfen, denn Sie haben schon 1929 in Ihrem WerkDer Krankeitsbefund aus den Augendie Sache Huter ausführlich behandelt! Sollten Sie das nicht mehr wissen?

 

Nun dann will ich weiter nachhelfen: Sie haben sogar zu Ihren Ausführungen über Huter damals geschrieben:

„Ich erkannte daraus die Spuren seines (Huters) Größenwahns und Verfolgungswahns, die sich dann später so tragisch bei diesem hochbegabten Forscher entwickeln sollten!“

 

Das ist eine furchtbare Anklage für einen deutschen Forscher, der tot ist und sich nicht mehr wehren kann, und Sie erwecken bei den Lesern den Eindruck, als habe sich Ihre Voraussicht sogar bestätigt, als hätte sich später dieses bei Huter tragisch entwickelt! Und wie bewerten Sie den gleichen Fall heute, 1935? „Nur“ noch pathologisch“. (Siehe Punkt XII.)

 

Also Sie haben sich schon zu einer gewissen Milderung Ihres Urteils entschieden, – wenn auch noch in beleidigender Form – Ihre Voraussicht selbst revidiert!

 

Und was war die Ursache? Ich kündigte Ihnen 1922 ein Vorgehen durch das Gericht an, wenn Sie diese maßlose  Beleidigung gegen den verstorbenen Huter nicht sofort entfernen würden.

Sie suchten daraufhin die Sache zu beschönigen, erklärten, daß das fragliche Buch von vor mehreren Jahren längst vergriffen sei, – in Neuauflagen würden Sie alle Hinweise auf Huter streichen!

Damit gab ich mich schweren Herzens zufrieden – und ließ eine Anklage gegen Sie fallen. –

 

Aber schon 1925 nahm Thiel von neuem auf Huter Bezug und beleidigte ihn in anderer Weise auf unwahrer Grundlage abermals.

Das alles hat Thiel scheinbar vergessen – oder? – Als ich dem Verleger Thiels diese Unwahrheit („zum erstemal nach dreißig Jahren“) beanstandete, gab er sie als einen Druckfehler an. Das geht meiner Überzeugung nach nicht an, denn es heißt ausdrücklich, alles in Worten ausgeschrieben, zum ersten Male nach dreißig Jahren“, auf Seite 15 wird die Zahl 30 nochmals genannt, und diese Angabe liegt auch ganz im Sinn der weiteren Ausführungen.

 

Solche Druckfehler sind doch kaum möglich.

 

 

Punkt III

 

Thiel schreibt anschließend weiter: „Ein sehr intimer Freund von mir, namens Bethmann (in Remscheid), der ein ausgezeichnetes Reformschriftchen geschrieben hatte, verkehrte viel in meiner Familie und machte mich eines Tages auf Huter aufmerksam: ob ich diesen nicht kennenlernen wollte. Bethmann  wußte, daß ich bereits eine damals noch unbescheidene Schrift: Der Krankheitsbefund aus den Augen (später Die Augendiagnose“) für den Druck in Vorbereitung hatte. Auch kannte er meinen Schlüssel, den ich kurz vorher bei meinem ersten öffentlichen Vortrage mit vielen selbstgemalten Augen-Wandbildern in meinem Eberfelder Naturheilverein zum ersten Male der Öffentlichkeit übergeben hatte.“

 

a) Wenn diese hier zuletzt gemachten Angaben auf Wahrheit beruhen würden, so hätte Thiel ja schon 1903 Huter damit entgegentreten können. Die Zeugen wären alle am Leben gewesen.

 

Aber Thiel hat auf Huters erste öffentliche Beanstandung seinerAugendiagnose eine Berichtigung eingeschrieben an Huter gesandt, bestimmt zur Veröffentlichung in HutersHochwart“. Darin ist genau das Gegenteil von seinen jetzigen diesbezüglichen Behauptungen enthalten. In diesem handschriftlichen Original vom 7.1.1903  schreibt Thiel wörtlich mit Bezug auf den Besuch Huters, der im Juli 1899 stattgefunden hat: „Zudem hatte ich damals noch gar keine Absicht, ein Werk darüber (Augendiagnose) zu veröffentlichen, und ist die Veröffentlichung von Huter nicht im geringsten, auch nicht indirekt angeregt worden.“

 

Das ist doch ein offenbarer Widerspruch. Fraglos hatte Thiel damals die diesbezüglichen Tatsachen noch besser im Gedächtnis als jetzt nach 36 Jahren.

Es kommt bei diesem Kampf alles auf die Zuverlässigkeit der Angaben an, um danach die Glaubwürdigkeit zu entscheiden.

 

Noch 1925 schrieb Thiel: „Mein Buch (sein erstes über Augendiagnose) ist Januar 1902 erschienen, 1901 verfaßt“, – danach wäre das Buch frühestens eineinhalb Jahre nach der Unterredung Huter-Thiel verfaßt. Wenn das Werk 1901 verfaßt, also geschrieben wäre, wenn Thiel bis Juli 1899 noch gar keine Absicht hatte, ein Werk über Augendiagnose zu veröffentlichen, dann konnte Bethmann vor Juli 1899 doch unmöglich wissen, daß das Werk für den Druck in Vorbereitung war.

 

Punkt IV

Thiel schreibt dann einiges über seine damaligen Vorträge, Wohltaten, die er übte, und betont nochmals, seine Augendiagnose und sein dazugehörender Schlüssel sei bei ihm fertig gewesen, bevor er Huter kennenlernte.

 

Daß Thiel die Augendiagnose nach Peczelly und Liljequist damals vielleicht kannte, daß er Krankheiten aus den Iriszeichen feststellte, ist wohl möglich, ist ihm auch von Huter nirgends bestritten.

 

Es handelt sich lediglich um die Erklärung über das Zustandekommen der Augenzeichen und der Augenachsen. Schon 1898 hat Huter in seinem WerkDie neueste Heilwissenschaft [vollständige Digital-Neuherausgabe von Herrn Medical-Manager Wolfgang Timm unter www.chza.deHeilwissen] die Iris der Augen in 42 Areale eingeteilt, aber keinen gezeichneten Plan der Iris veröffentlicht, er hat daran 20 Jahre gearbeitet und wollte denselben erst in seinem Hauptwerk bekannt geben [vollständige Digital-Neuherausgabe von Herrn Medical-Manager Wolfgang Timm unter www.chza.deHauptwerk“]. Aber eingehende Erklärungen über Lebens-Magnetismus, Od und Heliodastrahlen, über die Polaritäten und formbildende Kraft dieser Energien, womit er seine Peripherie-Diagnosen begründete, sind in diesem Werk von 1898 durch Huter niedergelegt.

 

Hierzu veröffentliche ich hier ein wichtiges Zeugnis und Beweisstück, zu welchem der Aussteller am 17. Juni 1904, an dem Tage, da der Prozeß Huter-Thiel  in Eberfeld zu Ende ging, noch den Zusatz abgab, daß Huter diese Erklärung nach Belieben veröffentlichen könne.

 

 

Dieses Dokument bezeugt, daß Thiel Anfang Januar 1902 äußerte, daß er den Vortrag Huters gerne angehört habe, daß er Huters Buch gelesen habe und daß dieses viele wichtige Entdeckungen enthalte. Diese Kenntnis Thiels fällt also in die Zeit, da sein Buch über Augendiagnose erschien.

Der Leser wolle hier etwas Geduld üben, denn diese Angaben sind alle sehr wichtig. Ich weise damit die Angriffe gegen Huter ab und kennzeichne das ganze Verhalten Thiels, ohne ein Urteil zu fällen, denn das muß sich am Schluß jeder Leser selbst bilden.

 

Punkt V

Thiel schreibt anschließend weiter: „Bei den paar Kaffeestunden an einem Nachmittag waren anwesend außer mir und Bethmann und Huter: meine Frau und deren Freundin, Lehrerin Frl. Mügge, die alle heute tot sind außer mir.“

 

a) Also die beteiligten Personen außer Thiel sind alle tot. Bevor ich nun das wichtigste Dokument und Zeugnisabgabe über diesen Besuch folgen lasse, beachte der Leser noch:

Die Zeitdauer des Besuches gibt Thiel 1935 mit ein paar Kaffeestunden an.

 

Huter gab eine Zeitdauer von zirka 5 Stunden an, etwa 3 Uhr nachmittags bis 8 Uhr abends.

 

1903 schreibt Thiel wörtlich: Der Besuch Huters und Bethmanns in meiner Wohnung war ganz kurz.

Man beachte, daß aber Thiel heute zu der Zeitangabe von „ein paar Kaffeestunden“ gekommen ist.

 

Nun vorerst das Dokument:

Wichtiges Beweisdokument, daß Carl Huter den Peter Johannes Thiel in seine Irisforschungen durch mehrstündige Belehrungen eingeführt hat. (Die Überschrift stammt noch von Carl Huter aus einem Druckwerk 1911.)

 

Der Zeuge Bethmann hat hier die Zeitdauer des Besuches auf 4-5 Stunden festgesetzt.

In dem Dokument bekundet Bethmann die besonders ausführliche Einführung Thiels in Huters neue Entdeckungen auf dem Gebiete der Körper-, Gesichts- und Augenausdruckskunde.

 

Punkt VI

Thiel schreibt anschließend weiter:

„Ich hatte Huter als ganz selbstverständlich wie auch Bethmann und jedemandern die Grundzüge meiner Augendiagnose dargelegt, meine Radienfelder an den Augen meiner Frau gezeigt und dabei eine merkwürdige Entdeckung gemacht. (Da diese intime Fragen ganz kurz behandelt, so lassen wir sie fort.) Ich bat nun Huter, mir auch seine Ansicht über die Augendiagnose mitzuteilen, da er mir so auffallend schwieg, was ich anfangs als Schüchternheit deutete, weil er überhaupt sehr wenig sprach und fast nur uns andere reden ließ. Auf meine direkte Aufforderung hin gab er so verlegene ausweichende Antwort, daß ich den Wunsch nicht mehr wiederholte.“

 

a) Also hier hat sich 1935 das Blatt gewendet. Thiel will Huter über seine Augendiagnose unterrichtet haben – und Huter habe auffällig geschwiegen.

Maßgebend bleibt uns die Erklärung Bethmanns.

 

 

Punkt VII

Thiel schreibt anschließend weiter: „Die ganze Aufklärung über dieses mir unbegreifliche Verhalten sollte ich erst später erhalten. Kaum war einige Zeit später mein „Krankheitsbefund“ endlich gedruckt …“

 

a) Auch das muß, damit der Leser die Tatsachen richtig erfassen kann, genauer ausgedrückt werden, denn die Unterredung Huters mit Thiel war im Juli 1899, das Buch ThielsKrankheitsbefunderschien 1902, dazwischen liegt also ein Zeitraum von etwa zweieinhalb Jahren, was sicher unter der Angabe Thiels „kaum war einige Zeit später“ nicht zu verstehen ist.

 

Punkt VIII

Thiel schildert dann kurz, welche Freude sein Buch bei andern Personen erregte, und führt fort: „Aber was bekam ich zu meinem großen Erstaunen von Huter?

Eine Nummer des Hochwarts“, worin er mich des geistigen Diebstahls bezichtigte! Als Beweis dafür hatte er sich von meinem lieben und unvergeßlichen Freunde Bethmann einen Schein unterschreiben lassen, worin es hieß, daß Huter in meiner Wohnung mir einen Vortrag gehalten, und zwar auch über Augendiagnose, und daß ich ihm ehrenwörtlich versichert hätte, niemals etwas darüber irgendeinem Menschen mitzuteilen!!“

 

a) Die Erklärung Bethmanns ist nicht nur von ihm unterschrieben, sondern eigenhändig von Anfang bis zu Ende geschrieben.

 

b) Es ist nicht nichts von einer ehrenwörtlichen Versicherung usw. darin enthalten, sondern der Inhalt ist, wie sich der Leser überzeugen kann, noch anders.

c) Das sind zwei Angaben Thiels über dieses Dokument, die nicht zutreffen.

 

Punkt IX

Thiel schreibt anschließend weiter:

„Ich war völlig sprachlos über diese unerhörte Unwahrheit und über die Dreistigkeit, zu behaupten, daß Huter von mir ein ehrenwörtliches Versprechen des Schweigens über die Augendiagnose verlangt hätte, als meine Schrift darüber bereits druckfertig war!! So etwas tun doch bloß Erfinder aus Angst, daß andere ihrer Erfindung zuvorkommen!! Aber ein Forscher, ein freier Erforscher der Naturgesetze, will sich ehrenwörtlich versprechen lassen, nie darüber andern etwas zu verraten?“

 

a) Ja, ich glaube, der Leser dürfte hier sprachlos sein, denn das Dokument des Bethmann enthält ja dergleichen überhaupt nicht, es ist darin kein Wort zu finden, das Thiel Anlaß zu dieser Empörung gegen Huter geben kann.

 

b) Bezüglich der angeblich druckfertigen Schrift wurde hier bereits unter Punkt III dargelegt, daß Thiel im Jahre 1903 und 1925 ganz andere Erklärungen darüber machte.

 

Punkt X

Thiel schreibt anschließend weiter: „Als ich darüber meinen Freund Bethmann bei seinem nächsten Besuch in meiner Familie zur Rede stellte, war er sehr verlegen und meinte, er hätte keine Ahnung gehabt, daß „sein Freund“ Huter das Schriftstück so gegen seinen (Bethmanns) Freund Thiel mißbrauchen, diesem die Ehre abschneiden und ihn als Plagiator verdächtigen wolle. Er habe geglaubt, damit seinem Freunde Huter einen harmlosen Freundschaftsdienst zu leisten.

 

a) Hier versucht Thiel, das Dokument des Zeugen Bethmann  zu entwerten, das wird ihm aber nicht gelingen, denn das genaue Gegenteil von dem, was Thiel diesbezüglich behauptet, wird wie folgt bewiesen:

 

b) Diesen Zusatz zu seiner Erklärung hat Bethmann 1 Jahr und 4 Monate später derselben angefügt – zum Glück ist die Erklärung erhalten geblieben!

 

Dieser Zusatz befindet sich mit Tintenschrift geschrieben auf demselben Bogen – und bekundet, daß Bethmann sich der Tragweite seiner Erklärung voll bewußt war, indem er gestattete, daß Huter sie erforderlichenfalls veröffentliche.

 

Ja, der Zusatz zu der Erklärung ist an dem Tage in Eberfeld abgegeben, als der Beleidigungsprozeß Huter-Thiel daselbst beendet wurde.

Auch das spricht dafür, daß Bethmann seine Erklärung voll und ganz als zu Recht abgegeben nochmals durch den Zusatz bestätigen wollte.

 

Daher ist es zweifellos gerechtfertigt, wenn hier hervorgehoben wird: Niemals wird es Thiel gelingen, die Erklärung Bethmanns, das wichtigste Dokument in dieser Angriffssache Thiels, zu entwerten!

 

Aber der Leser soll sich hier noch selbst durch ein Bild des Bethmann überzeugen, ob er diesem Manne das zutraut, was Thiel heute nach 30 Jahren über ihn schreibt, oder ob er nicht volles Vertrauen in das setzen kann, was dieser Mann selbst geschrieben und unterschrieben hat und behördlich beglaubigen ließ!

Fruchtesser August Bethmann

Huter beschrieb das Bild wie folgt: „Er lebte geschlechtlich enthaltsam und pflegte einfache Lebensweise und ideale Gesinnung. Sündlos, heiter, fleißig sparsam, human war sein Wesen.“

 

Punkt XI

Thiel schreibt anschließend weiter:

„Auf diese Erklärung hin habe ich Bethmann zu keinem Widerruf verpflichtet, sondern die Sache als gekränkten Ehrgeiz eines wissenschaftlichen Geheimniskrämers aufgefaßt.“

Diese Beleidigung des Forschers Huter als „wissenschaftlichen Geheimniskrämer“ noch 23 Jahre nach dessen Tode ist angesichts der vorliegenden Tatsachen

Offensichtlich schweres Unrecht.

 

Punkt XII

Jetzt beginnt Thiel damit, Dinge über Huter vorzubringen, die zu der Sache „Augendiagnose“ selbst nicht gehören, aber so konstruiert sind, daß der Leser über den deutschen Forscher Carl Huter, der tot ist und sich nicht mehr wehren kann, ein sehr ungünstiges Bild erhält.

 

Thiel fährt anschließend fort: „Ich erfuhr nämlich bei meinen vielen Vortragsreisen von vielen anderen, denen Huter sen. es genau so gemacht hatte. (Das ist doch wohl schon an sich unmöglich, denn ein solcher Fall, wie er hier geschildert wurde, ist schließlich nur einmalig.) Wer dem Huterbunde“ beitreten wollte, mußte nämlich einen Revers unterschreiben, worin er sich ehrenwörtlich verpflichtete, die von Huter teuer gekauften Bücher (so teuer wie Thiels Bücher waren sie im Verhältnis sicher nicht) nie einen Menschen zum Lesen zu geben und auch selber niemals etwas darüber zu veröffentlichen, bei einer sehr großen Konventionalstrafe. Da hatte ich den Schlüssel zu dem unbegreiflichen Verhalten Huters, womit er sich außerhalb der Reihe aller gewissenhaften und selbstlosen Forscher stellte, um seine Forschungsergebnisse nur für sich allein und für teures Geld auch für seine Schüler auszunutzen, nicht aber der breiten Öffentlichkeit preiszugeben. Da war ich mir auch klar, daß er nun öffentlich so großen Wert darauf legte, daß alles, was über Menschenkenntnis von irgend jemandem geforscht und geschrieben wurde, nur von ihm allein herstammen könnte! Ich faßte also die Sache pathologisch auf. Mir ist kein weiteres Beispiel von irgendeinem freien Forscher bekannt, der so wie Huter eifersüchtig über seine Ergebnisse wachte, damit nur ja niemand außerhalb des Huterbundes, nicht einmal für Geld, etwas davon erfahren sollte!“

 

Diese Angaben von Thiels über Huter klingen wie eine Schauermär. Aber der Leser soll hier ganz objektiv über die wahren Tatsachen und Verhältnisse unterrichtet werden.

 

Es gab zwei Reversscheine Huters, der erste lautete wörtlich:

 

Ehren-Vertrag.

 

Zur Wahrung der Reinheit der Huterschen Schule und zum Schutz des geistigen Urheberrechts verspreche ich, von den Lehren, wie sie Carl Huter in einer 20 jährigen Lebensarbeit begründet hat und lehrt, keiner anderen Person Instruktion bzw. Mitteilung, die über den Rahmen der Empfehlung hinausgeht, zu machen, und bei erlaubten Besprechungen und Veröffentlichungen stets die richtige Quelle anzugeben. Ich verpflichte mich in jedem Übertretungsfalle zur Zahlung von hundert Mark an den Huterischen Bund, zu Händen des Schatzmeisters des Präsidial-Vorstandes des Huterischen Bundes.

 

a) Der Schein bringt klar und deutlich zum Ausdruck, daß Huter erlaubte Besprechungen und Veröffentlichungen bei richtiger Quellenangabe nicht nur gestattete, sondern sogar wünschte.

Mithin widerlegt dieser Schein selbst die ganze Schauermär, die Thiel darüber noch nach 30 Jahren berichtet.

 

b) Huter verbreitete von 1884 bis zu seinem Tode seine Forschungen und Lehren durch Bücher, öffentliche Vorträge und Lehrkurse, darüber haben weit über

 

300 deutsche Zeitungen und Zeitschriften

 

empfehlend und teils sehr ausführlich berichtet.

 

Huter gab seine vielen neuen Entdeckungen in den Vorträgen und Lehrkursen bekannt, bevor er sie noch in Druckwerken niederlegen konnte. Er mußte sich das Geld für seine Bücher erst verdienen – und das war sehr, sehr schwer, oft fast unmöglich.

 

Seine Forschungen weckten aber lebhaftes Interesse, wurden mitgeteilt und weitergesagt, oft nur halb richtig, oft entstellt, teilweise mit und teils ohne Quellenangabe.

 

Damit kam Huter, wenn er oftmals erst nach Jahren seine Entdeckungen in Druckwerken niederlegen konnte, leicht in eine heikle Lage, denn sie waren schon durch Abhandlungen, Broschüren usw., stückweise verflochten mit anderen Dingen, oft entstellt und ohne Quellenangabe – Huter war nur ein einfacher Mann des deutschen Volkes ohne jeden Titel – veröffentlicht.

Es handelt sich also in diesem Fall um eine einfache und selbstverständliche, durchaus erlaubte und rechtmäßige Schutzmaßnahmen.

 

Vor 1904 wurden alle Bücher Huters so verkauft und empfohlen, wie es im Buchhandel gang und gäbe ist, und waren bis 1904 schon zum Teil gänzlich vergriffen, also ausverkauft.

 

c) Nun in wörtlicher Wiedergabe der zweite Schein:

Lehr-Reservat-Recht-Schein.

 

Ich verpflichte mich Herrn Carl Huter, seine Körper-, Gesichts- und Augen-Ausdruckslehre, eine neue Lebens-, Seelen- und ethische Schönheitslehre (Psycho-Physiognomik und Kallisophie), niemandem ohne seine schriftliche Einwilligung mitzuteilen und ihn für jede Person, der ich seine psycho-physiognomische Lehre ganz oder teilweise mitteile, mit einhundert Mark zu entschädigen.

 

d) Von 1904-06 gab Huter sein großes Lehrwerk, Atlasformat, in fünf aufeinanderfolgenden Druckwerken als Manuskript heraus.

Besonders der fünfte Brief enthält sehr viele neue wichtige Entdeckungen, die aber ausnahmslos mit den Darlegungen in den vorangegangenen Werken  in Zusammenhang stehen.

 

Der Revers wurde dem Lehrwerk-Bestellschein beigelegt, unterschrieben, und der Verkauf ging glatt vonstatten.

 

Ich habe heute noch etwa 100 solche Reverse, die anstandslos von hohen Gerichtspersonen, akademisch gebildeten Beziehern, Fabrikanten, Handwerkern, Lehrern und sonstigen ehrbaren Personen unterschrieben sind.

 

So liegt z.B. auch noch eine Karte vor von Pastor Felke, der damals als Augendiagnostiker sehr bekannt war, der für eine dritte Person unter sehr anerkennenden Worten für Huter ein Lehrwerk bestellte mit der ganz einfachen Anmerkung, den ihm bekannten Revers mitzusenden. Sie die Abschrift der Karte:

 

 

Also auch Pastor Felke nahm an dem Revers keinen Anstoß. Er schrieb sogar über Huters Werk:Es ist das Wertvollste, was auf diesem Gebiet erschienen ist.“

 

Jeder Leser kann sich überzeugen, Huter wünschte, daß Mitteilungen über seine Lehren nur gemacht wurden mit seiner schriftlichen Einwilligung. Bevor er diese gab, konnte er sich überzeugen, daß die Person auch etwas von seiner Lehre verstand und nichts veröffentlichte, was zu Mißverständnissen über neue, bisher unbekannte Dinge führen konnte, und er behielt Einfluß auf die Art der Veröffentlichungen. Deswegen war aber Huter

1. nicht pathologisch veranlagt, war

2. nicht der Beitritt zum Huterbund unterbunden,

3. nicht geschah diese Maßnahme, um die Schüler auszunutzen,

4. nicht um die Forschungen nicht der Öffentlichkeit preiszugeben,

5. nicht war damit verbunden, daß alles, was über Menschenkenntnis von irgend jemandem geforscht und geschrieben wurde, nur von ihm stammen könnte. (Huter beruft sich in seinem Hauptwerk auf über 500 Forscher, Erfinder, Entdecker usw. auf deren Lehren er teilweise aufbaut.)

6. Nicht war damit verbunden, daß die teuer gekauften Bücher nie einem Menschen zum Lesen gegeben werden sollten – es war nur Huters schriftliche Einwilligung nötig – und die lag in seinem ureigenen Interesse, wenn kein Mißbrauch in Aussicht stand.

7. Nicht war damit verbunden, daß niemand jemals selber darüber etwas veröffentlichen durfte, – er brauchte nur Huters schriftliche Einwilligung.

8. Nicht war das Verhalten Huters unbegreiflich, sondern sehr naheliegend und gut begreiflich. (Es war ja 1904 der Prozeß Huter-Thiel noch im Gange.)

9. Nicht stellte er sich damit außerhalb der Reihe aller gewissenhaften und selbstlosen Forscher, sondern er stellte sich sogar damit erst recht – da er den Mißbrauch und die Mißdeutung guter Entdeckungen verhindern wollte – innerhalb deren Reihen.

10. Nicht war damit gesagt, geschrieben oder verbunden, daß er seine Forschungen nur für sich allein ausnutzen wollte und niemand, nicht einmal für Geld, davon erfahren sollte.

 

Es ist nicht anders, es ist eine Schauermär, die Thiel noch nach bald 30 Jahren berichtet.

Ich selbst habe 1907 das Werk von Huter bereits ohne Revers gekauft, wurde ohne demselben Mitglied des Huter-Bundes, was für alle andern neu eintretenden Mitglieder auch der Fall war. Ich kannte den Revers damals nur vom Hörensagen.

 

f) Nachdem das Hauptwerk Huters im Druck vollendet vorlag, fiel gegen Ende 1907 der Revers fort, und ich und alle mit bekannten Schüler Huters haben das Werk und alle anderen Bücher bis zum Tode Huters so verkauft, wie es üblich ist.

 

Huter war Mitglied des Börsenvereins Deutscher Buchhändler in Leipzig.

Und wie steht es heute mit dem Schutze der Lehren Huters?

 

Ich erwähne nur einen Punkt: die Dreitypenlehre Huters ist im Prinzip weltbekannt geworden, aber nicht unter Huters Namen und Benennung, sondern unter anderer Nomenklatur. [Carl Huter = Original; Ernst Kretschmer = Plagiat! Näheres diesbezüglich unter www.chza.deOriginal“]

 

Ist das nicht noch heute eine Illustration für die Notwendigkeit, seine Lehren zu schützen, wie es Huter mit dem Revers anstrebte? –

 

Aber was bezweckt Thiel mit seiner Schauermär?

Will er vielleicht damit nachdrücklich kundtun, daß er darum keine Werke Huters erhalten und von dessen Forschungen auch keine Kenntnis nehmen konnte? –

 

Thiel hebt auch besonders hervor, daß die Werke Huters für teures Geld gekauft wurden.

Dabei hatte z.B. der fünfte Brief des Hauptwerkes von Huter eine Preis von RM 5.- , Textseiten 240, Größe 22 X 29 cm, Gewicht 700 g. Worte über 100.000, Illustrationen 474 mit 60 Tafeln.

 

Die neue Schrift Thiels kostet ebenfalls RM 5.- , Textseiten 56, Größe 17 X 24 cm, Gewicht 160 g. Worte über 14.000, Illustrationen 52 mit 2-3 Farbdrucken auf 3 Seiten.

 

Der Unterschied ist also ganz enorm, Thiels Schrift ist im Verhältnis gut viermal so teuer – auch das ist eine Illustration zu den Angriffen Thiels 23 Jahre nach Huters Tode!

 

 

Punkt XII

Nun kommt Thiel wieder auf die Augendiagnose zurück.

Es heißt anschließend weiter: „Wie Herr D. Gerpheide (Volksarzt, 15.3.1932) berichtet, hat ihm Huter bei der ersten Begegnung i.J. 1900 erklärt, er (Huter) verstände von einer Diagnose aus den Augen noch nichts, sondern nur von einer Augen-Ausdruckskunde zur Charakterbeurteilung. Die Augendiagnose habe Huter erst später bei Pastor Felke gelernt. Sein Besuch bei mir war aber im Juli 1899, wie konnte er da mir einen Vortrag über seine Augen-Diagnose halten?“

 

Der Leser wird gebeten, diesem Punkte besondere Aufmerksamkeit zu schenken, denn blitzartig und charakteristisch wird hier die Situation erleuchtet.

 

Im August d. J. erhielt ich eine ganz kurze Anfrage von einem mir unbekannten Buchhändler und Verleger in Dresden. Derselbe erbat ein Angebot über Huters Werke und fragte, in welchen Werken Huter auf Thiel Bezug nehme.

Da ich nicht wußte, daß es sich um den Verleger eines neuen Werkes von Thiel handelte, gab ich die gewünschte Auskunft und sagte mir, der Mann kann sich am besten durch die obige Nummer des Volksarztes orientieren, welche eine Arbeit über Historische Tatsachen zur Augendiagnose von mir enthält. In gleicher Nummer hatte Gerpheide eine Erwiderung gebracht. Ebenso enthielt diese Nummer unter der Rubrik Fachfortbildung die siebente Fortsetzung einer von mir veröffentlichten Arbeit über Krankenphysiognomik“.

 

b) Thiel übernimmt hier den obigen Satz aus dem Bericht des Gerpheideaber die von ihm fett gedruckte Jahreszahl 1900 ist bei Gerpheide nicht zu finden, sondern Gerpheide gibt zweimal deutlich das Jahr 1903 an. Soll das bei Thiel etwa auch ein Druckfehler sein?

 

Aber mit der Jahreszahl 1903 hätte Thiel den Satz nicht gebrauchen können. Die Sache wäre zu durchsichtig geworden, da doch bereits 1902 Huter einen öffentlichen Angriff gegen Thiel wegen seines Buches „Augendiagnose“ gerichtet hatte.

 

Aber setzt man schlauerweise statt 1903 die Zahl 1900, so kann man sich stolz in die Brust werfen und fragen: Wie konnte mir Huter 1899 einen Vortrag über seine Augendiagnose halten, – wenn er laut Gerpheides Zeugnis im Jahre 1900 noch nichts davon verstand? –

 

Aber die Sache hat für Thiel noch einen Haken, denn in dem schon erwähnten Handschreiben vom 7.1.1903 an Huter schreibt Thiel, daß er dessen Werk habe, und er führt selbst wörtlich folgende Stelle aus dem Werk Seite 85 an, worin Huer auf die Augendiagnose Bezug nimmt: „Wie in den verschiedenen Gesichtsflächen Veränderungen auftreten, wenn im inneren Körper Erkrankungen sich einstellen, so auch in den Augen und besonders im Augenstern. (Vorangehend gibt Huter eine Einteilung des Augensternes in 42 Areale an.) Wie dieser Vorgang zu erklären ist, und daß derselbe tatsächlich stattfindet, darüber mehr in meinem Werk „Der neue Mensch und die neue Welt.“

d) Thiel weiß also ganz genau, daß Huter bereits 1898 seine besondere Augendiagnose und eine Erklärung für den Zusammenhang der Iriszeichen mit den Körperorganen haben mußte.

Trotzdem setzt er seinen Lesern diese von Gerpheide teils übernommene, im Hauptpunkt aber geänderte Bemerkung vor mit der Huter verhöhenden Frage:“

 

e) Gerpheide schreibt in gleicher Abhandlung des Volksarztes über Thiel selbst noch folgendes:Fest steht auch, daß Herr Peter Johannes Thiel von der Augendiagnose erst nach dem Jahre 1900 durch Pastor Felke erfuhr und sie anfänglich sogar als eine Irrlehre bekämpfte, bis er sich dann von ihrer Richtigkeit überzeugte und im Jahre 1902 seine erste Broschüre über den „Krankheitsbefund aus den Augen“ herausgab. (Tatsächlich schreibt Thiel in seinem Werk 1925: „Für mich war dieselbe [Augendiagnose] natürlich lange Zeit eitel Humbug und Schwindel.“)

 

Diesen Satz des Gerpheide veröffentlicht Thiel wohlweislich nicht, da er ja ausdrücklich betont, daß seine Augendiagnose vor dem Besuch Huters Juli 1899 bereits bei ihm fertig war. Soweit sie sich auf ihn selbst bezieht, kann er Gerpheides Aussage nicht gebrauchen. Soweit sie sich auf Carl Huter bezieht, weiß er, wie wir nachwiesen, daß Gerpheide sich irrt.

Aber trotzdem veröffentlicht er sie mit besonderer Abänderung.

Man weiß nicht, was man dazu sagen soll, aber diese Episode ist charakteristisch. –

 

Wie in Wirklichkeit der berühmte Augendiagnostiker Pastor Felke schon 1899 glänzend über Huter urteilte, darüber gibt folgende Postkarte von ihm einen Beweis, die an einen Felke befreundeten Arzt gerichtet ist.

 

h) 1894 schrieben bereits die Nordhäuser und Bokenemer Zeitung über einen Vortrag Huters: Thema Leib und Seele im Lichte der modernen Forschung, die neue Augendiagnose und Gesichtsausdruckskunde.

 

Aus dem Wortlaut des Berichts: „ … ermittelte der Herr (Vortragende) in kurzer Zeit aus der Augen-, Gesichts- und Kopfbildung die Talente, Anlagen, Krankheiten oder Schwächen der Betreffenden, und zwar häufig sehr genau.“

 

Daraus geht hervor, daß Huter bereits 1894 öffentlich auf der Bühne Erkrankungen durch die Augendiagnose feststellte.

 

 

Der Plan der Augeniris.

Wer weiter nichts von der Augendiagnose kennt und das Vorstehende gelesen hat, wird mit Recht sagen: Nun verstehe ich aber immer noch nicht, wie die Iriszeichen zustande kommen und wie die Augenachsen zu erklären sind, und wie man das anderen, mit Bezug auf die Sache Huter-Thiel, erklären soll. Daher in Kürze die folgenden Erklärung:

 

1898 gab Huter das Schema für seine Iriseinteilung mit 42 Arealen bekannt, es lautet:

 

1. Areal für Herznerven; 2. für Herzmuskelkraft, 3. Kehlkopf und Luftröhre, 4. Lungenspitzen, 5. mittlere Lungengruppen, 6. die unteren Lungenorgane, 7. die Rachenhöhle und den Schlund, 8. Areal für den Magen, 9. für Galle und Leber, 10. den Zwölffingerdarm, 11. den langen Darm, 12. den Dünndarm, 13. den Dickdarm, 14. den Mastdarm, 15. die Nieren, 16. die Blase, 17. die äußeren Geschlechtsorgane, 18. die inneren Geschlechtsorgane, 19. die Milz, 20. den Gaumen und die Zunge, 21. den Kiefer und die Zähne, 22. den Beckenbau, 23. den Rückenwirbel, 24. das Rückenmark, 25. den Brustkorb, 26. die Schultern, 27. die Oberarme, 28. die Unterarme, Hände und Finger, 29. die Oberbeine, 30. die Unterbeine, 31. die Füße und Zehen, 32. die äußeren Sinnesorgane, 33. die inneren Sinnesorgane, 34. die Hirnhäute, 35. die Großhirnzentralen, 36. das Kleinhirn, 37. das Mittelhirn, 38. den Hals, 39. den Nacken, 40. den Schädelknochen, 41. die Haut und 42. die Haare.

 

Es brauchte nur noch einige Erklärungen und Skizzen über die Kraftrichtungs- und Entwicklungsordnung Huters, über seine bereits in derNeuesten Heilwissenschaftdargelegte Entdeckung der Helioda in Verbindung mit dem, was von Peczelly, Schlegel und Liljequist vorhanden war, und es war leicht, danach ein Schema auszuführen.

 

In dem Buch ThielsDer Krankenbefund aus den Augen1902 und „Deutsche Heilodung statt schwedischer Heil-Massage“ 1903, befindet sich folgende Einteilung der Augeniris, die her nach dem Original zum Abdruck gebracht ist (die Thielsche Einteilung nach Farben ist hier fortgelassen).

 

Aus Thiel „Krankenbefund aus den Augen“ 1902.

 

Die Einteilung der Iris bei Thiel ist etwa folgende:

1. Großes Gehirn, 2. Stirn, 3. Auge, 4. Nase, 5. Oberkiefer, 6. Mund, 7. Unterkiefer, 8. Kehlkopf, Luftröhre, 9. Ober-, 10. mittlerer Rücken, 11. Nabelgegend, 12. Blase, 13. Gebärmutter, 14. Hoden, 15. Nieren, 16. Magen, 17. Mast- und Dünndarm, 18. Kleinhirn, 19. Ohr, 20. Hals, 21. Schulter, 22. obere Lunge, 23. untere Lunge, 24. Brustkorb, 25., 26., 27., 28., 29. Arm und seine Teile, 30. Milz, 31. oberer Bauch, 32. mittlerer Bauch, 33. unterer Bauch, 34. Leiste, 35., 36., 37., 38., 39., 40. Bein und Einzelteile, dann folgen noch einige weitere Zahlen.

 

Für die Entwicklung und Bedeutung der verschiedenen Richtachsen im menschlichen Körper, im Gesicht und Schädelbau und in der Augeniris gibt Huter in seiner Kraftrichtungsordnung etwa folgende Grundlagen:

 

1. Jede naturgewachsene Form, jedes Atom, Molekül und jede lebende Zelle hat eine magnetische Richt-, Längs– oder Festigkeitsachse (Wirbelsäule der höheren Lebensformen) mit dem positiven Nord-, Strahl– oder Kopfpol und dem negativen Süd-, Saug– oder Fußpol.

 

2. Die elektrische Achse richtet sich stets quer zur magnetischen Achse und entfaltet ihre Hauptkraft da, wo der Magnetismus am schwächsten ist, wodurch die Breite des Körpers entsteht. Das Symbol des Kreuzes versinnbildlicht das Verhältnis dieser beiden Kräfte.

 

3. Nach dem Innern des entstehenden Formgebildes wirkt stärker die Konzentration, außen die Attraktion, die Neigungsachsen folgen den Hauptrichtkräften in ganz bestimmter Ordnung.

 

Dazwischen liegt die Medioma, der Mutterstoff der chemischen Materie und das Od, ein vermittelnder Feinstoff. Medioma und Od polarisieren sich schwächer, denn ihr Charakter ist ja gerade zu vermitteln und Gegesätze auszugleichen. Daher bilden sie auch keine Richtachsen. Aber die Medioma wirkt rechtsseitig positiv, und linksseitig negativ, das Od umgekehrt.

 

4. Außerdem hat jedes Atom und Molekül eine Empfindungsenergie, die in der lebenden Zelle in dem anatomischen Strahlengebilde des Zentrosomas stark gesammelt in Erscheinung tritt. Diese stark gesammelte Empfindungsenergie ist die Lebenskraft der Zelle, die strahlende Bewußtseins- und Geisteskraft, oberste Leit-, Formund Richtkraft, von Carl Huter als solche entdeckt und Helioda benannt. Das Empfinden in der Zelle ist der Grundsinn, welcher die übrigen Sinne mit ihren Organen erst geschaffen hat, auch das Auge als negatives Aufnahmeorgan von Lichtreizen der Außenwelt und positives Strahlorgan der inneren Lebensvorgänge.

 

a) Durch die Pupille der Iris fallen die Lichtreize mit den Bildern der Außenwelt ein und werden durch die negative Helioda, das ist das Reizempfinden der Zellen, die sich in der Netzhaut der Augen das feinste Aufnahmeorgan geschaffen haben, aufgesaugt und zu den Sehzentralen usw. weitergeleitet. Der Lichtreiz pflanzt sich durch das Nervensystem und die Zentrosomastrahlung zu sämtlichen Körperzellen fort, daher nimmt nicht nur das Auge, sondern der ganze Körper Anteil an dem Sehen.

 

b) Die Empfindungszentralen der Zellen reagieren auf die empfangenen Reize, nehmen sie auf, verarbeiten sie; diese werden umgewandelt und dem lebenden Organismus dienstbar gemacht. Dadurch wird die eigene Lebensenergie gestärkt, und es tritt eine Spaltung der Kraft auf, wodurch die positive Lebensstrahlkraft entsteht. Diese strahlt nach allen Seiten, ernährt und belebt die Zelle und strahlt auch rückwirkend von Zentrosoma zu Zentrosoma, von Nerv zu Nerv usw., an den Nervenbahen entlang zu den Sehzentralen und Bewußtseinszentren und zurück bis zum Auge. Durch diesen Rückstrahlungsvorgang ist das Sehen erst vollendet, und wir sehen in der Tat und nicht nur scheinbar die Bilder außer uns und aufrecht stehend.

 

Da die Pupille der aufsaugende Einfallspol aller Lichtreize ist (also negativer Heliodapol), kann sie nicht zugleich Ausfallspol der positiven, rückstrahlenden Reize sein. Diese Heliodarückstrahlungspole sind vielmehr konzentrisch um die Pupille gruppiert in der Augeniris.

 

Dadurch ist in Verbindung mit den vor Huter bereits bekannten Tatsachen über Bau und Funktion des Auges der Vorgang des Sehens zum ersten mal restlos erklärt, ebenso der zweckmäßige anatomische Bau des Auges, vor allem die Bedeutung der Iris.

 

 

c) Die mit der empfindenden Helioda aufgesogenen und weitergeleiteten Lichtreize der Außenwelt, die allen Zellen übermittelt werden, verursachen in Verbindung mit der chemischen Beschaffenheit der Organe mit die verschiedene Färbung von Lunge, Magen, Leber usw.

 

Die Lichtreize spalten chemische Stoffe, besonders kranke, und allerfeinste Abspaltungsprodukte (Svante Arrhenius lehrt z.B., daß mit dem Licht der Sonne Lebenssporen übertragen werden, das sind chemisch und materiell fast unvorstellbare Kleinstteilchen; – die moderne Atomphysik rechnet schon mit der Zusammensetzung der Atome aus Millionen von Kleinstteilchen, – noch weitgehender ist die Kleinheit und Feinheit materieller Vorgänge, die mit der Heliodastrahlung verbunden sind. Wenn man sich nicht daran gewöhnt, mit dieser bis in die unendliche Feinheit sich fortsetzenden Kleinheit zu rechnen, so kann man nicht in die Geheimnisse der Materie, des Lebens und noch viel weniger der unsterblichen geistigen Welt und Gottheit eindringen, die Huterlehre nicht verstehen, – sondern nur verhöhnen) werden mit der Heliodastrahlung an den Nerven entlang zur Iris getragen, lagern sich hier ab und verursachen feine Form- und Farbzeichen, – dunkle und helle Zeichen, aus denen der Gesundheitszustand, aber auch Erkrankungen der inneren Organe zu erkennen sind. In der Augeniris endigen unbekannt Millionen von Nerven.

 

d) Nach dem hier unter 1-4 skizzierten Plan, der allen Lebensformen ideel zugrunde liegt, lagern und richten sich ordnungsmäßig die Nervenfasern, Stoffe und Kräfte in der Iris.

 

e) Die Körperachsen kehren in der Iris ideel wieder, und mit Hilfe derselben finden wir die Korrespondenz der verschiedenen Irisareale mit bestimmten Körperorganen.

 

f) In der magnetischen Achse (Längsrichtung) liegen am Kopfpol derselben die Areale für das Gehirn in seinen verschiedenen Teilen, am entgegengesetzten Fußpol die Areale für Beine, Füße und Zehen.

 

g) In der Breitenachse des Auges gruppieren sich die Areale der Organe, die in der größten Breite des Körpers liegen, Schulter, Brustkorb, Lunge, Arme usw. Zwischen diesen Hauptachsen lagern und richten sich die Areale für die weiteren Organe in planmäßiger Ordnung.

 

h) In der Mitte des Körpers liegen die Bauchorgane mit ihren Nervengeflechten. Hier wirkt im Bereich der Konzentrationsenergie der Magen als Aufnahme- und Saugorgan.

Im innersten Ring der Iris finden wir die Organfelder hierfür um die Pupille, den negativen Saugpol der Helioda, gruppiert. Rund herum schließen sich um dieses Irisfeld die Korrepondenzen mit den übrigen Verdauungsorganen und dem inneren und äußeren Nervensystem.

 

i) Die positiven Helioda-Strahlpole im äußeren Ring der Iris korrespondieren mit den Peripherieorganen und der Haut.

 

Damit hat der Leser natürlich hier nur skizzenhaft ein ziemlich klares Bild über die wunderbarsten körperlichen, seelischen und geistigen Vorgänge in der Iris der Augen und den zugrund liegenden Plan. Wenn der Leser sich nun darum bemüht, und er hat gute anatomische und einige physikalische und mathematische Kenntnisse, dann kann er danach einen Plan der Iris ziemlich klar und richtig ohne jede sonstige Vorkenntnis skizzenhaft entwerfen und konstruieren.

 

Huter aber hat über 30 Jahre lang rastlos geforscht und praktisch geprüft, um diesen Kanon der Iris aufzustellen. Dieser Plan hat nicht nur medizinischen und physikalischen Wert. Es ist der vollendetste architektonische Plan über das Geheimnis der Lebensoffenbarung. Huter hauptwerk V. Brief Seite 232.

 

So wie das Auge der Kulminationspunkt aller Organbildung ist, so ist der Plan der Iris das Schlußstück der Huterschen Welt- und Lebensforschung. –

 

Jetzt bringt Thiel wieder etwas vor, was mit der Augendiagnose gar nichts zu tun hat.

 

Punkt XIII

 Anschließend heißt es bei Thiel Seite 14 und 14 weiter: „Darum schrieb ich eine Verteidigung voller Humor als letztes Kapitel meines gerade zum weiteren Druck fertigen Werkes: „Deutsche Heilodung statt schwedischer Heilmassage“, worin ich Huter wegen seiner Schrift: Die Landeshuter von Hilgenahaine  satirisch darstellte, weil er sich darin als direkten Abkömmling von Hermann dem Cherusker, dem „Huter des Hilgenhaines“ beweihräucherte. Dafür verklagte er mich wegen Beleidigung, und ich erhob Gegenklage.“

 

a) Hier muß ich nun im Interesse unseres Deutschtums, unserer Rassen-, Heimat- und Familienforschung dem Leser Aufklärung geben.

 

b) Laut Gerichtsurteil vom 17. Juni 1904 mußte Thiel aus dieser seiner Schrift das Vorwort und den zehnten Brief, worin diese Beleidigungen enthalten waren, entfernen.

 

c) Obwohl nun über 30 Jahre darüber vergangen sind, wiederholt Thiel diese Beleidigung Huters im Prinzip auf neue. Das ist doch allerhand.

 

d) Es ist unwahr, daß Huter sich in dieser Schrift als direkten Abkömmling von Hermann dem Cherusker beweihräucherte.

Aber wenn ein deutsche Mensch vor 30 Jahren sich erlaubte, über das alte Germanentum, über die große Vergangenheit seiner Heimat, über Rassen- und Familienforschung zu schreiben und diese zu verherrlichen, dann konnte er gewiß sein, von allen politisch links gerichteten Kreisen mit Hohn und Spott überzogen zu werden.

 

Aber, daß Thiel, heute nach 30 Jahren, nachdem der nationalsozialistische Umsturz erfolgte, Huter mit derselben Sache aufs neue beleidigt, daß er sich noch damit brüstet, gegen diese Schrift Huters voller Humor und Satirik geschrieben zu haben, das hätte man doch nicht erwartet.

 

e) Der Titel dieser 1898 erschienenen Schrift lautet:

Die Landes-Huter von Hilgen-Haine.

Eine Studie

Über das alte Cheruskerland mit seiner urdeutschen Staats- und Ständeverfassung und die Notwendigkeit einer germanischen Religion

 

Eine Studie über die Völkerverbrüderung nebst einer Friedens- und Schwesterpolitik der germanischen mit den romanischen Völkern

Von dem

Nachkommen eines alten vergessenen

Königsgeschlechts

 

f) In der Schrift selbst ist Huter nicht einmal als Verfasser genannt und nichts angegeben, daß er sich als direkten Abkömmling von Hermann dem Cherusker bezeichnet, ja, diese Darstellung Thiels ist sogar sinnwidrig, denn die Landeshuter waren Friedensfürsten, die im Kriege die Führung an den Herzog (der vor dem Heere herzog, wie Hermann der Cherusker) abgaben, um sie nach dem Kriege wieder zu übernehmen. Huter schildert, wie das alte Cheruskervolk eine vorbildliche Staats- und Ständeverfassung hatte, daß sie, wie geschichtlich nachweisbar, eine Musternation an Tapferkeit und Tugend waren, daß sie als unsere Vorfahren und Stammeseltern uns Vorbild bleiben sollten, von denen der damalige Neudeutsche unter allen Umständen noch viel, sehr viel lernen sollte.

Huter schildert die große Vergangenheit der alten Mühlen, Vesten, Dörfer und Städte seiner Heimat und ihrer Bewohner, ihrer Rasse, Sprache, Sitten usw.

 

Bei dem Dorf Heinde bei Hildesheim [heute, 2008, ist Heinde eingemeindet in Stadt Bad-Salzdetfurth] (Geburtsort Huters), stand auf dem Kirchberg einst eine herrliche Veste. Es war der Sitz der Landes-Huter des Cheruskervolkes, der Sitz der Cheruskerfürsten, der Friedenskönige, die heilige Landeshut im heiligen Haine.

 

Die Huter von Heinde, die alten Landeshuter, waren die Könige der alten Cherusker, welche vom Harze bis zur Weser und vom Eichsfeld bis zur Heide in Friedenszeiten das Land regierten. Heinde heißt ursprünglich Haine, der geheiligte Wald.

 

Huter bedauert, daß die Bewohner von Heinde ihre große historische Vergangenheit nicht mehr kennen. Die alten Römer, welche Wundertaten vollbrachten und alle erreichbaren Vesten und Länder eroberten, Völker und auch die deutschen Stämme unterwarfen, waren gezwungen, vor diesem einzigen tapferen Völkchen haltzumachen, sie wurden schließlich geschlagen und zurückgedrängt.

 

Unter dem Deckmantel des Christentums wurde später die alte germanische Kultur vernichtet, die ehernen Tafeln, die Vesten und Haine usw. zerstört. Hätten die Cherusker nie das Pfaffentum kennengelernt, dann hätten wir in Deutschland noch eine reinere Rasse, eine höhere Kultur und mehr Urwüchsigkeit und Kraft, Gastfreiheit, Biederkeit und Ehrbarkeit im Volksleben.

 

Den alten Cheruskern war Schachern und Handeln fremd. Die Schrift klingt aus: Wir brauchen keinen jüdischen Geschäftsgeist. Die semitischen und ostasiatischen Völkermassen sind ungeeignet, der Menschheit in Zukunft die Wege zu zeigen. Germanen einet, einet Euch. Den Anfang bilde ein germanisches Religionsideal. Gemanen und Romanen, erobert die Welt!

 

g) Man sollte doch meinen, eine solche Schrift, die schon vor 37 Jahren erschien, sollte heute vor Humor, Satirik, Hohn und Spott geschützt sein. Eine Schrift, die jedes deutsche Herz entzücken muß, noch heute zu verhöhnen, das ist allerhand.

Herr Thiel, ich will Ihnen etwas sagen: Das Herz tut einem weh, der deutsche Sinn empört sich, wenn man heute so etwas von Ihnen lesen muß.

 

 

Punkt XIV

 

Es heißt anschließend bei Thiel weiter: „In der Verhandlung des Amtsgerichtes Elberfeld wollte er immer wieder den Beweis meines „Plagiates“ versuchen, wurde aber vom Richter stets abgewiesen, der uns schließlich erklärte, daß wir beide wegen Beleidigung bestraft werden würden, wenn wir uns nicht einigten und gegenseitig vor Gericht die feste Zusicherung abgeben, die beleidigenden Schriftstücke zu vernichten. So kam dieser Vergleich ohne jedes weitere Zeugenverhör zustande, aber keine Verurteilung meinerseits (auch nicht von Huter), obwohl Huter unbegreiflicherweise schon in der nächsten Nummer des Hochwart behauptete, ich sei wegen des „Plagiates“ bestraft worden! Das kann ja noch heute aus den Akten nachgewiesen werden, wenn jemand das Gegenteil der Wahrheit behaupten wollte. Ich wurde von vielen Freunden aufgefordert, unbedingt neue Klage wegen Beleidigung und wegen öffentlicher Fälschung eines Gerichtsurteils zu erheben.“

 

a) Herr Thiel, ich will Ihnen antworten, daß man das, was sich nach dem Prozeß abspielte, nicht mehr aus den Gerichtsakten beweisen kann, denn das Verfahren war abgeschlossen.

 

Aber ich kann Ihnen folgende Unwahrheit beweisen:

 

1. In der nach Beendigung des Prozesses erschienenen Hochwart, Juli 1904, stand überhaupt nur eine Hinweis, daß aus drucktechnischen Gründen die Veröffentlichung des Gerichtsbeschlusses erst in der nächsten Nummer erfolgen könne.

 

2. In der Oktober-Nummer 1904 stand erst der Schlußartikel Huters gegen Thiel.

Hier hat Huter den Gerichtsbeschluß

Wortwörtlich zum Abdruck gebracht.

 

Damit allein ist bewiesen, daß Huter jedem Leser die Möglichkeit gab, sich durch das Gerichtsurteil genau zu überzeugen, wie die Sache war.

Das ist doch allerhand, nach 30 Jahren solche Unwahrheiten in die Welt zu setzen! Und was will Thiel, wie er weiterhin schreibt, noch auf seinen Eid nehmen!

 

Huter hat das Gerichtsurteil wortwörlich zum Abdruck gebracht und sich keiner Fälschung eines Gerichtsurteils öffentlich schuldig gemacht! Was Thiel sich hier leistet, übersteigt jedes Maß!

 

 

Punkt XV

Thiel fährt dann fort: „Aber ich war wahrhaftig des Prozesses müde und habe wie Pastor Felke über all die Verleumdungen nur gelacht!“

 

a) Da könnte man ja gerade denken, Huter hätte mit Felke auch einen ähnlichen Kampf gehabt, das ist nicht der Fall, sondern das Gegenteil: Felke hat Huter hochgeehrt.

 

b) Wie die beiden hier veröffentlichten Postkarten von Pastor Felke bezeugen, hat derselbe das persönliche Können Huters in vollständiger Diagnose, wozu er doch die Augendiagnose in erster Linie rechnete, und eine noch auszubauende Therapie außerordentlich hoch eingeschätzt.

Ebenso hat er Huters Werk als das „Wertvollste auf diesem Gebiet“ bezeichnet.

In Pastor Felkes Augendiagnose1907, S. 118, 124 und 187 ist Huter ehrenvoll zu Wort gekommen. Das ist die heute noch beweisbare Wahrheit!

 

1913 habe ich im Felke-Kalender einen illustrierten Aufsatz überKrankenphysiognomikveröffentlicht. Als 1910 das Buch des Juden Dr. S. Seligmann überAugendiagnose und Kurpfuschertumerschien, habe ich in Verbindung mit Herrn W. Uhlmann in der Felke-Zeitung einen längeren Artikel veröffentlicht:Augendiagnose, freie Heilkunst, und Dr. S. Seligmann“. Hier wurde Seligmann dermaßen widerlegt, daß sein Buch über ein Jahrzehnt sozusagen vom Büchermarkt verschwand und seinen Zweck, ein Verbot der Augendiagnose herbeizuführen, nicht erreichte. Seligmann hatte für die Augendiagnose, um sie zu brandmarken, die unangenehmsten Bezeichnungen – und Thiel nennt ihn 1925 einen „ehrlichen“ Gegner.

 

Als um 1911 die Augendiagnose in allerschwerster Gefahr war, habe ich auf meine Kosten in Tageszeitungen Anzeigen veröffentlicht und Tausende von Postkarten verbreitet, in denen die Wissenschaftlichkeit der Augendiagnose bewiesen ist. Hier gebrauchte ich das Wort: der berühmte Anthropologe und vergleichende Anatom Univ.-Prof. Klaatsch, Breslau, sagt, von der Augeniris, „es ist weiter nichts als ein Stück des allerfeinsten Gehirns, das offen zutage liegt“.

 

Heute, 1935, steht bei Thiel, Seite 24, daß die Iris „ein Stück Gehirn ist“.

Es sind alte vergangene Kämpfe, – aber sie sind bezeichnend!

 

Erwähnt sei auch noch, daß der „volkstümliche Arzt Süddeutschlands“, Emil Schlegel, der 1887 die Entdeckungen Peczellys über die Augendiagnose veröffentlichte, der Vorkämpfer der deutschen Volksheilkunde, gest. 1934, der einen großartigen Nachruf in der Deutschen Volksgesundheit erhielt, in langen Briefen, die noch heute vorliegen, Huters Forschungen anerkannte. Er schrieb u.a.: „ … so bleibt doch Ihr Werk eine große geistige Tat, edel und vorbildlich an Gehalt und Darstellung. Dies also war mir ein Bedürfnis, Ihnen mit dem Ausdruck meiner ergebenen Gesinnung zu sagen.“ –

 

 

Punkt XVI

Es heißt anschließend bei Thiel weiter: „Hätte ich freilich damals geahnt, daß noch 30 Jahre danach materiell Interessierte zu ihren Gunsten das von meinem Freunde Bethmann ahnungslos unterzeichnete Schriftstück nach dem Tode aller Beteiligten (außer mir) ausnutzen würden, dann hätte ich damals klare Bahn durch einen neuen Prozeß geschaffen. Leider siedelte damals kurz darauf mein Freund Bethmann nach einer Südseeinsel des Sonnenordens über und ist bald danach gestorben.

 

a) Das Schriftstück Bethmanns ist von Bethmann eigenhändig geschrieben und unterschrieben, er hat es persönlich bei der Behörde beglaubigen lassen, da es ein Dokument von bleibendem Wert sein sollte. Huter selbst hatte ihn (Bethmann), laut seinen Briefen von 1903 davon unterrichtet, daß sein wahrheitsgemäßes Zeugnis dazu dienen sollte, das, was geschehen war, vor der Mitwelt und Nachwelt im Interesse der Wissenschaft, der Ehre und Wahrheit festzuhalten.

 

b) Das Schriftstück Bethmanns ist von „materiell Interessierten“ nicht ausgenutzt worden, sondern es ist von mir als wichtiges Beweisstück zum Schutze der Wahrheit verwendet worden, um rein sachlich festzustellen, daß im Juli 1899 die Unterredung Huter-Thiel tatsächlich stattgefunden hat, – da das Schriftstück selbst und die Tatsachen an sich so gut wie unbekannt waren.

 

Punkt XVIII

 Thiel fährt fort: „Da er (Huter) immer wieder gegen mich wie gegen viele andere die Verdächtigung des „Wortbruchs“ und des „Plagiats“ erhob, -„

 

a) “Mit vielen gegen einen“, – aber – dem Hauptgegner Huters wurde am 1. März 1911 vom Gericht geboten, bei Vermeidung einer Geldstrafe bis zu 1500 Mark oder einer Haftstrafe bis zu 6 Monaten die Beleidigungen gegen Huter zu unterlassen.

Das allein erhellt die Situation wahrlich in einem ganz anderen Sinn, wie der Eindruck ist, den Thiel bei seinen Lesern über Huter erweckt.

 

b) Huter hat besonders in seinen letzten Lebensjahren den teilweise entsetzlichen Terror in sozialdemokratisch-anarchistischen Führerkreisen angegriffen, den moralzerstörenden, extremen Materialismus, den schädlichen Unfug, der mit den von Amerika kommenden Hypnose- und Suggestionsmethoden betrieben wurde, gebrandmarkt.

 

Ob dadurch die von Huter Angegriffenen sich verdächtigt und in ihrer Forscherehre gekränkt sahen – mag dahingestellt sein -, hat aber einen ganz anderen und für Huter ehrenvollen Sinn. Er kämpfte gegen Auswüchse seiner Zeit das ist aber durch Thiel hier dem Sinn nach ganz anders, und zwar im ungünstigen Sinn für Huter, gewertet. Auch das mag festgehalten werden.

 

 

Punkt XX

Thiel fährt fort: „Wir wollen gerade mit einer gemeinsamen Schrift an die Öffentlichkeit treten und unsere Verteidigung gemeinsam vor Gericht erzwingen, als unerwartet die Nachricht kam, daß Huter plötzlich gestorben sei.“

 

a) In voller Schaffenskraft gab Huter nach Beendigung seines großen Lehrwerkes 1906 noch folgende Werke heraus:  

 

1907 Die Naturellehre.

1907 Die neue Ethik.

1907 Die größte Entdeckung des 19. Jahrhunderts.

1907 Die Lösung der Lebensrätsel.

1908 Liebe, Ehe, Familie und Gesellschaft der Zukunft.

1908 Die neue Weltanschauung.

1908 Die Mitgliedschaft des Huterischen Weltbundes.

1909 Das Empfindungsvermögen der Materie.

1909 Leitfaden zu meinem System der wissenschaftlichen Psycho-Physiognomik.

1909 Katechismus der Huterschen Wissenschaft.

1910 Liebes-, Ehe- und Sitten-Reformen.

1910 Huter und Häckel, der Kampf zwischen zwei neuen Weltanschauungen.

1910 Grundlegende Entdeckungen für die wissenschaftliche Psycho-Physiognomik und ethische Schönheitsreligion und mein Kampf um die Wahrheit und um die höchsten Menschheitsideale.

1910 Das illustrierte Handbuch, Körper-, Kopf-, Gesichts- und Augenausdruckskunde.

1910 Führer durch das Carl-Huter-Museum.

1910 Die Zeitschrift Hochwart.

1910 Die Zeitschrift Freiwohl.

1910 Die Rundschau.

1910 Illustrierte Blätter für praktische Menschenkenntnis.

1911 Aus eigener Kraft. Von Pinsel und Palette zur Naturwissenschaft und Philosophie, Psycho-Physiognomik und Kallisophie (von Huter unter schwersten materiellen Opfern im Kampf gegen unlautere Machenschaften seiner Gegener herausgegeben).

Nicht mehr auffindbar sind die gleichfalls fertiggestellten Manuskripte:

1.Nachtragsband zum großen Huterwerk mit dem vollständigen Schema seiner praktischen Beurteilungskunst.

2.Mein System der Augensprache und Augendiagnose.

3.Das große kallisophische Werk.

 

 

Die Tragik der letzten Lebensjahre Huters ist kurz folgende:

Die vereinten Machenschaften seiner Gegner brachten es fertig, ihm allen Kredit zu untergraben, seine letzte Lebensarbeit, Museum und Forschungsinstitut, sowie Volkshochschule für freie Wissenschaft, die vielen Druckwerke 1911 unter den Hammer zu bringen.

 

Durch Krankheit und Kummer geschwächt, mit der Niederschrift seiner letzten religiösen Erkenntnisse beschäftigt, ist es Huter nicht mehr gelungen, von neuem aufzubauen. Er starb infolge dieser Leiden. Dezember 1912. Damit teilte er das Los der größten Erfinder, Forscher, Entdecker und Ethiker der Welt. Warum sollte er auch ein Vorrecht haben? Er litt mehr wie andere vor ihm.

 

Sein letztes Druckwerk „Aus eigner Kraft“ aber gibt ein Bild seiner Lebensarbeit und der großen Liebe, Verehrung und Begeisterung, welche seine Lehren und seine persönliche Wirksamkeit bei guten Menschen hervorriefen.

 

 

Punkt XXI

Thiel fährt fort: „Damit glaubte ich für immer den „Fall Huter“ begraben.“

 

a) Der Geist der Wahrheit läßt sich aber leider nicht begraben, Herr Thiel!

 

b) Die wissenschaftliche Forschung und die Nachwelt wird, wie es schon teils heute geschehen ist, über die vielen Entdeckungen Huters, darunter solche allerersten Ranges, das Endurteil sprechen. –

 

 

Punkt XXII

Thiel fährt fort: „Aber es sollte anders kommen! Huter hinterließ eine Familie mit Kindern …“

 

a) Wie schaurig das nur klingt, – zu sterben und eine Familie mit Kindern zu hinterlassen!

 

b) Auch das kennzeichnet, in der Art wie es gebracht ist, den Geist Thiels.

 

 

Punkt XXIII

Thiel fährt fort: „ … viele Beleidigungsprozesse und etwas fünftausend Mark Schulden.“

 

a) Thiel erweist sich 23 Jahre nach Huters Tode [Stand 1935] scheinbar bis in Einzelheiten über Huters Privatverhältnisse genau orientiert und stellt ihn so hin, daß der Leser zum mindesten einen schlechten Eindruck von Huter erhält.

Thiel berichtet aber falsch, denn viele Beleidigungsprozesse lagen überhaupt nicht vor. Es ist aber möglich, daß ein solcher Prozeß bei Huters Tode noch nicht abgeschlossen war.

 

b) Auch über nachgelassene Schulden Huters ist Thiel scheinbar genau orientiert und berichtet darüber noch 23 Jahre nach Huters Tode.

Was sagt der Leser zu diesem Charakterzug Thiels?

Gehört das auch zum Thema „Augendiagnose“?

 

Wir wollen aber zu diesem Punkt Schulden gleich noch den nächsten Satz Thiels lesen:

 

 

Punkt XXIV

„Da die Kinder nicht dafür aufkommen konnten, so wurden diese Schulden von gewisser Seite bezahlt gegen die Verpflichtung der ganzen Familie Huter, für immer auf ein Honorar aus den Werken Huters zugunsten der Schuldenzahler zu verzichten.

 

a) Was Thiel mit diesem Satz seinen Lesern auftischt, ist von A bis Z frei erfunden. Da er hier bezüglich Bezahlung dieser Schulden so genau berichtet, als wäre er dabei gewesen und ist doch kein wahres Wort daran, so können wir fest darauf bauen: Über die Höhe der Schulden ist Thiel genau so wenig orientiert wie über die Bezahlung derselben von „gewisser Seite“.

 

Aber wen meint Thiel mit der gewissen Seite? Sein anschließender Satz schon drückt es aus: „Die Werke wurden nun im Verlag Kupfer weiter herausgegeben.“

 

b) So muß der Leser schlußfolgern: Wer die Schulden bezahlt und die Familie verpflichtet, auf Honorare aus Huters Werken zu verzichten, das kann doch nur der sein, der diese Werke auch herausgibt.

 

c) Das macht den Eindruck, als sei Kupfer bezüglich des Schuldenbezahlens, des Verlagsrechtes und der Entrechtung der ganze Familie Huter ein „Geschäftsmann“.

 

d) Thiel berichtet aber unwahr, denn schon 1913 verzichtete Frau Huter, die von ihrem Manne getrennt und in Ehescheidung lebte, für sich und als Vormünderin ihrer Kinder rechtsgültig auf die Erbschaft Huters.

 

e) Es kam danach also auch keine Schuldenbezahlung der Familie Huters mehr in Betracht und auch kein damit verbundener Verzicht auf ein Honorar aus den Werken Huters.

 

Was ist es aber für eine Art von Thiel hier intime Vermögens- und rechtliche Verhältnisse der Familie Huters unwahr darzustellen und am Schluß (siehe weiter unten) noch anzugeben, diese seine ganze „Aufklärung“ vor Gericht beschwören zu wollen?!

 

f) Erst 7 Jahre nach Huters Tode regelte auf Grund des Testamentes Huters das Vormundschaftsgericht in Dresden die Erbschaftsfolge und 1920 übernahmen Herr Kurt Wagner und ich [Amandus Kupfer] das Verlagsrecht Huters, nachdem es unrechtmäßig vorher einem Juden angeblich gehörte, der die Lehren Huters selbst kaum kannte.

Nicht leicht überwand ich alle materiellen Bedenken und nahm diese und die schwere moralische Pflicht des Verlagsrechtes auf mich.

 

g) Und in welchem Lichte erscheint die mir heilige Pflicht durch Thiel hier, für die ich mit meinen Angehörigen jedes Opfer gebracht und jede Arbeit auf mich genommen habe? – Ich weise seine anzüglichen Bemerkungen als unwahr zurück!

 

 

Punkt XXV

Thiel fährt fort: „Nun wird man verstehen, warum noch heute, ein Menschenalter nach dem Tode Carl Huters, gewisse Kreise die Sache Huter-Thiel-Bethmann nicht schlafen lassen wollen, sondern noch heute die Verdächtigung hinter dem Rücken weiter verbreiten, nachdem ich wiederholte Drohungen dieser Kreise mit einem Prozeß mit Zusendung der sehr vervielfältigten Beweisunterschrift von Bethmann abgewiesen habe.“

 

a) Der Leser lasse sich durch diese Rechtsauffassung Thiels nicht irreführen. – Mit der Übernahme eines Verlagsrechtes ist die moralische Pflicht verbunden, die Forschungen und Rechte des verstorbenen Autors zu schützen.

 

b) Daher habe ich Thiel 1922 einen Prozeß angekündigt, wenn er die schwersten Beleidigungen gegen den deutschen Forscher Huter nicht entfernen würde. (Siehe Punkt 11.)

 

c) Und wie hat Thiel „die Drohungen mit einem Prozeß“ abgewiesen? Er suchte seine öffentliche schwere Beleidigung gegen Huter zu mildern, erklärte, sein diesbezügliches buch sei längst vergriffen, und er würde auf Huter keinen Bezug mehr nehmen.

 

d) Die Zusendung der Erklärung Bethmann an Thiel war berechtigt, damit er sich der wahren Tatsachen erinnere. Ebenso ist es berechtigt, diese Erklärung zur Feststellung historischer Tatsachen über die Augendiagnose mit Bezugnahme auf die zugrundeliegenden Forschungen bei voller Namensnennung offen und frei zu gebrauchen.

 

Das ist doch eine offenkundige klare Rechtsauffassung, – was Thiel aber hier daraus macht, das sind tatsächlich Verdächtigungen.

 

Ich habe die Beweisschrift Bethmanns bisher nicht vervielfältigt, aber hier ist sei nun, um das Recht zu wahren, im Faksimiledruck (Punkt V) wiedergegeben!

 

Punkt XXVI

Thiel fährt fort: „So suchen diese Kreise noch heute bei Schriftleitern von Zeitschriften, worin Aufsätze von mir erscheinen, mit Hilfe dieses Schriftstücks meine Ehre und Mitarbeiterschaft zu untergraben!“

 

Ein Schriftstück, das in voller Erkenntnis der Sachlage eigenhändig geschrieben, unterschrieben und beglaubigt worden ist, das nachträglich als zur Veröffentlichung geeignet gekennzeichnet ist, das objektive Tatsachen feststellt, beleidigt nicht und schneidet auch nicht die Ehre eines anderen Menschen ab.

 

 

Die wahren Tatsachen!

In der Zeitschrift Deutsche Volksgesundheit“, Herausgeber Dr. H. Will, April 1934, stand ein Artikel:

 

Wer hat die Augendiagnose entdeckt?

 

Als der historische Entdecker war der Budapester Arzt Peczelly bezeichnet, als wissenschaftlicher Ausbauer: Schlegel, der Schwede Liljequist, Adershou, Ottinger, Thiel, Surya, Frau Madus usw.

 

Der wirkliche wissenschaftliche Begründer der Augendiagnose Carl Huter

war nicht genannt.

Huter gibt über seine Forschungen zur Begründung der Augendiagnose folgendes an: In einer 22 jährigen Lebens- und Forscherarbeit von 1871-1893 habe er unabhängig von Peczelly die Areale und Hauptrichtachsen (Höhen- und Breitenachsen) der Augeniris gefunden. (Hier bei Punkt XII.)

 

(1897 war durch Schlegel die Entdeckung Peczellys in deutscher Sprache in ihrem einfachen Tatbestand bekanntgegeben, wovon Huter 1891 Kenntnis erhielt.) Von 1889-1899 gibt Huter an, haber er durch 10jährige Arbeit die Lagen der Tiefenachsen gefunden und er unterschied sie von den Höhen-, Breiten- und Neigungsachsen. Von 1899-1906 wies er die Zusammenhänge der Gehirnregionen mit allen Höhen-, Tiefen- und Breitenachsen nach.

 

Der im Hauptwerk [vollständige Digital-Ausgabe von Herrn Medical-Manager Wolfgang Timm unter www.chza.deMenschenkenner inklusive Huters Augendiagnose: architektonische Plan über den Zusammenhang der Iris mit dem Körperinnern] veröffentlichte architektonische Plan über den Zusammenhang der Iris mit dem Körperinnern, über das Geheimnis der Lebensoffenbarung, ist das Resultat einer 33jährigen Lebensarbeit.

Huter ist in seinen Forschungen über die den Körper bauenden Kräfte vollständig original, ging ganz eigene Wege von Jugend an.

Als Kind schon hatte er diese wunderbare Strahlkraft beobachtet, die das Auge bei Liebe, Freude und guten Gedanken sichtlich erhellt. Er beobachtete die Verfinsterung des Blickes bei bösen Gedanken und fand so nach und nach als bildender Künstler die mannigfachsten typischen Augenausdrucksformen. Bei seiner in alle Feinheiten gehenden Beobachtungen entging ihm nicht die Veränderung des Auges bei Krankheiten und er brachte dies alles sofort mit der beobachteten Strahlkraft in Verbindung. So kam er zu gänzlich neuen eigenen Forschungsresultaten. In seiner „Neuesten Heilwissenschaft“ von 1898 [vollständige Digital-Ausgabe unter www.chza.deHeilwissen“] machte er bereits die eingehendsten Erklärungen über Od, Magnetismus und die Lebensstrahlkraft Helioda und die Polarität der inneren und äußeren Lebensvorgänge, und begründete damit seine damals schon weit bekannten und anerkannten Peripheriediagnosen. (In diesem Werk ist auf die „Diagnose aus den Augen“ mehr wie ein dutzendmal Bezug genommen.)

 

Die Auffindung ganz bestimmter Areale in der Iris spricht Huter Peczelly zu.

 

Die Krankheitszeichen im Gesamtausdruck der Augen und der Iris nebst den bestimmten Achsenlagen entdeckt zu haben, bleibt Huters unantastbares geistiges Eigentum.

 

 

Herrn Dr. Will übersandte ich eine Arbeit über „historische Tatsachen zur Begründung der Augendiagnose“ – und bat um der historischen Treue willen um Aufnahme derselben.

 

Daraufhin bat Dr. Will um einige Abzüge der Erklärung Bethmanns, die ich ihm übermittelte. Er teilte mir noch mit, das Thiel ihm eine eidesstattliche Erklärung überreicht habe, daß er seinen Irisschlüssel nicht von Huter bekommen habe und daß bei dem erwähnten Besuch Huters nicht davon gesprochen wurde.

 

Damit war die Sache abgetan

und meine Arbeit erhielt ich zurück.

 

Das sind die wahren Tatsachen und nun überzeuge der Leser sich selbst, was Thiel daraus konstruiert hat.

 

 

Schlußpunkt

Thiel fährt fort: „Wer heute noch nach dieser meiner Aufklärung, die ich jederzeit vor Gericht beschwören werde, mich als Wortbrecher und Plagiator an Huter verleumdet, wird von mir verklagt und an den Pranger gestellt.

Peter Johannes Thiel

Volksheilschriftsteller

Lehrer i.R.

 

a) Also Thiel will diese seine „Aufklärung“ jederzeit vor Gericht beschwören, – und der Leser muß sich sagen: ein Mann, der das kann, der muß Recht haben und alle seine Angaben müssen der Wahrheit entsprechen. –

 

Ich aber glaube, kein deutscher Richter wird, wenn er von dieser Abwehr gegen Thiel Kenntnis genommen hat und alle Beweise prüfte, daraufhin Thiel

einen Eid

in dieser Sache abnehmen,

denn hier ist

unter Beweis gestellt,

daß die wirklichen Tatsachen objektiv und auch subjektiv nicht mit der „Aufklärung“ Thiels zu vereinbaren sind.

 

b) Thiel will jeden, der ihn nun noch als Wortbrecher und Plagiator an Huter verleumdet,

verklagen und an den Pranger stellen.

 

Mit dieser Ankündigung sind aber folgende Tatsachen nicht aus der Welt geschafft:

 

1. Daß der Besuch Huters bei Thiel stattfand und die Erklärung Bethmanns darüber vorliegt.

2. Daß Huter vor dieser Zeit Magnetismus, Od und Helioda, letztere ist die von ihm entdeckte Lebensstrahlkraft, – für die damals schon wissenschaftliche Grundlagen vorhanden waren, – streng unterschied.

 

Daß Huter sein eigenes System der Augen-, Gesichts- und Peripheriediagnose hatte und diese auf Grund der von ihm entdeckten Ordnung und Polarität der Kräfte, einem Achsensystem, erklärte.

 

3.  Thiel ein Speichensystem in der Iris anführt. Ein Speichensystem gibt es in der Iris nicht und kann es nicht geben, es ist ohne jede naturwissenschaftliche Grundlage.

 

4. Daß Thiel die Iris- und heute auch die Gesichtsdiagnose durch das Od als Lebenskraft erklärt (das war 1902 ein grober Fehler, heute ist es, – da die Gesamtforschungen Huters seit 1912 vorliegen und über die biogenetischen oder Lebensstrahlen eine medizinische Literatur besteht, gänzlich abwegig und überhaupt nicht mehr in Frage kommend).

 

1925 schrieb Thiel beispielsweise noch in seinem WerkAugendiagnose“, große historisch kritische Ausgabe: „die 4 Naturelle Huters (Huter unterscheidet aber 3 Grund- und 2 polare Naturell) sind den 4 uralten Temperamenten nachgeahmt.“

 

Das war damals und ist heute erst recht angesichts der denkbar gründlichsten Forschungen der Medizin auf diesem Gebiet – geradezu paradox.

 

Diese Schriften Huters und Thiels inhaltlich in Vergleich zu setzen, wäre jetzt noch durchzuführen und zwar die vor 1903 und die später von 1904-1935 erschienen, dann wäre das Bild vollständig.

 

Wenn es sein muß, soll auch diese Arbeit noch vollzogen werden.

 

Alle lieben Leser werden gebeten, auch im Kampf treu und fest zu stehen, denn ohne Kampf ist kein Sieg des Besseren in der Welt.

 

 

Huter

Als Entdecker im Ausland geehrt.

 

Diese Nummer war schon im Druck, als ich einen Artikel derZüricher Zeitung von Sonntag, dem 20. Oktober 1935 erhielt.

Hier ist Huter als Forscher geehrt. – Also zur selben Zeit, da Thiel ihn verhöhnt – ist dort mit Sachkenntnis festgestellt, daß die Körperbautypen, eine von den vielen Entdeckungen, die Huter machte, mit denen Kretschmers identisch sind, – und daß Smolik, dem schon die Reichsstelle zur Förderung deutschen Schrifttums das Plagiat nachwies – sie von Huter übernommen hat. Mit Ehrerbietung müsse man den Namen Huter nennen und die Unermüdlichkeit anerkennen, mit der andere für ihn eintreten.

 

Schon kurz vorher brachten zwei andere Zeitungen in der Schweiz beste Arbeiten über Huters Entdeckungen und je ein Verein für die Forschungen Huters wurde in Zürich und Frauenfeld neu begründet, die wir hiermit herzlichst begrüßen.

 

 

Machen Sie Ihre Freunde und Bekannten auf die

Zeitschrift „Der Menschenkenner“ aufmerksam,

dann fördern Sie echte deutsche Volksforschung!

Carl Huter:

„Der Wahrheit und der Schönheit

das ganze Sein“

 

                                                       

„Der Menschenkenner“ ist zu beziehen durch alle Vertreter der Huterlehren, Buchhandlungen oder direkt vom Verlag Amandus Kupfer, Schwaig bei Nürnberg, Postcheckkonto Nürnberg 18330.

Bei Voreinsendung von R.M. 1.- und 20 Pfg. für Porto erfolgt jedesmalige Zusendung der nächsten 5 Nummern sofort nach Erscheinen.

Herausgegeben von Amandus Kupfer, Schwaig bei Nürnberg

Für den Inhalt verantwortlich: B. v. Thurn, Schwaig bei Nürnberg

Druck: Graphische Kunstanstalt Zerreiss & Co., Nürnberg

Alleinauslieferung für die Tschechoslowakei: M. Geissler, Bodenbach a.d.E.

Auflage 5000

 

 Schweizer Huterfreunde

Neuherausgeber Medical-Manager Wolfgang Timm

Copyright 2001-2008 by Carl-Huter-Zentral-Archiv

 D The Gate MK

DgM 005

Der gute Menschenkenner 005 von 101 

Deutschland Crash Red S 

SEELENKENNTNIS

Carl Huter (1861-1912)

 dgm59dgm_1937.jpg

durch Körper-, Kopf- und Gesichtsausdruckskunde

  pgs-link-wwwchzade-redm.jpg

CARL-HUTER-ZENTRAL-ARCHIV

Medical-Manager Wolfgang Timm

http://www.chza.de

 Form Geist

 EXTRA LIFE INTELLIGENCE TRANS ENERGY

PSYCHOLOGIE UND MEDIZIN DER ZUKUNFT 

 Der Menschenkenner und die neue Zeit

nach Carl Huters Psycho-Physiognomik

© Dezember 1932 Nr. 5

Gesicht und Charakter

Der Weltflieger Wolfgang v. Gronau.

Dort wo unsere obige Studienbüste am Stirn-Nasenübergang den Konzentrationssinn zeigt, Beobachtung und Orientierung, den Sinn für Raum, Gestalt, Form, Richtung und Tiefe im Raum, den Gewichts- und Lichtsinn, beobachten wir bei unserem Flieger Gronau gewaltige Formkraft und in der Faltenbildung die allerhöchste Anspannung des Gewebes.

Die ausgesprochene Plastik und Eckenkraft dieser stark und unmittelbar in die Stirn übergehenden Nasenwurzel zeigt die große Geistesruhe und Uebersicht, bei aller Schnelligkeit der Erfassung der Bewegung im Raum, der Schnelligkeit im Ueberlegen, Erfassen und Handeln.

Das Auge liegt zwischen den Lidern gedeckt und geschützt und doch äußerst lebhaft, klar, beweglich, fest und geistesgegenwärtig eingestellt, um im schnellsten Flug alles zu beachten, schnellstens innerlich zu verarbeiten und zu meistern.

Die wie Eisen so feste Nasenlinie zeigt die unbedingte Willensfestigkeit, Selbstbeherrschung und Durchführung.

Der gespannte Zug, – seitlich vom Nasendach über die Wangen bis zum Unterkiefer, wo das Mittelhirn sich spiegelt, das Empfinden und die Ausdauer, wo der Zug des Herzens und der Kraft liegt (vergl. obige Studienbüste), – zeigt, wie kraftvoll und ungehemmt diese Tätigkeiten hier das Auge unterstützen.

Die Wucht im Kinn und Unterkieferbogen, die Frische im gespannten Ohr zeigen die gesamte motorische und seelische Kraft in einheitlicher Leistung und Anspannung.

Dabei ist die Haut gespannt und erscheint wie gehärtet, an Hitze und Kälte gewöhnt, alles Empfinden nach innen auf die angeführten Punkte der Körper- und Geistestätigkeit konzentrierend. Das Wenige hier Gedeutete kann jeder erkennen. Wie klar spricht doch der Geist aus den Formen, in denen er lebt!

Die Schöne „Unbekannte“ aus der Seine.

Man könnte dem Bild auch die Bezeichnung geben:

„In seligem Todesschlummer“.

Die Geschichte ist kurz folgende: Eines Tages wurde die Unbekannte bei Paris tot aus dem Flusse gezogen. Seltsam ist, daß gleichzeitig – man spricht bei solchen Geschehnissen von Zufall– ein hervorragender bildender Künstler hinzukam. Von der Schönheit der Frau, von dem seligen Glück, das noch im Todesschlummer auf ihrem Gesichte lag, – der Leser betrachte das oben rechtsbefindliche Bildnis, – aufs Höchste überrascht, bat er um die Erlaubnis und erhielt dieselbe, einen Abguß machen zu dürfen und die Tote zu modellieren.

Das Bildnis ist meisterhaft ausgeführt und dank des Entgegenkommens des Verlags können wir die schöne Unbekannte hier wiedergeben.

Hals, Gesicht und Kopf ist von großer Schönheit. Um Augen, Mittelgesicht, Stirn, Wangen und Kinn liegt ein lieblicher, seliger Ausdruck.

Man fragt sich, wie ist das möglich, wie können die Formen noch im Tode eine so wunderbar edle, plastische Schönheit annehmen?

Es ist dies eine große Seltenheit, daß es wohl lohnt, die Erklärung dafür zu suchen und zu geben.

Wenn wir die edlen Linien des Halses betrachten, die Gesichtsbildung von der Nasenlinie bis zum Kinn, im Verhältnis hierzu das mittlere Gesicht, ferner die schöne Stirnform mit der hohen Scheitelwölbung, wo die Menschenliebe, die Herzensgüte, der Glaubens- und Idealsinn liegen, (man betrachte und vergleiche hiermit die Inschriften der Studienbüste am Kopfe dieser Zeitung) dann erkennen wir, daß diese „Unbekannte“ im

idealen Naturell liegt.

Sie gehört also zu den höchstwertigsten Menschennaturen, zu den kostbarsten Gütern, die es auf der Erde gibt.

Ist es nicht eine Tragik sondergleichen, daß dieser edle Mensch in der Jugendblüte den Tod in der Seine fand und wahrscheinlich selbst gesucht hat?

Was ist das für eine Welt, in welcher wir leben? Warum läßt man so edle Menschen, welche den Himmel der Liebe und Güte, des Glückes und der Schönheit in sich tragen, tragisch zugrunde gehen? – Man erkennt sie nicht und man wertet sie nicht!

Betrachten wir den Mund der „Unbekannten“. Er ist verformt und die Oberlippen- und Oberkieferpartie wie belastet. Etwas wie eine Vergiftung der Leiborgane spiegelt sich hier. Das ganze Leid, das dieses schöne Wesen erlebt hat, spricht aus dieser Mundregion.

Nun muß man bedenken, daß ein so edler Mensch allen Kummer viel, viel tiefer fühlt und empfindet wie der Durchschnittsmensch. Er leidet unsagbar darunter, für ihn kommt eher die Stunde, daß er das Leid einfach nicht mehr zu ertragen vermag – und dieser Fall scheint hier eingetreten zu sein.

Diese edle Frau im idealen Typus hatte die stärkste

Lebens-, Seelen- und Formkraft,

den stärksten Glauben an das Gute und an ein Weiterleben nach dem Tode.

Diese Lebenskraft, die gleichzeitig Beglückungs- und Liebeskraft ist und als geistige Strahlkraft alle Gewebe durchlebt, gibt diese Spannung, Plastik und edle Schönheit. Sie hält den Auflösungsprozeß auf und gibt selbst nach eingetretenem Tod noch das verklärte Aussehen.

So erklärt sich der glückselige Ausdruck im Gesicht. Sie ist ohne Schuldbewußtsein. Sie hat das Leid überwunden und im letzten Augenblick des Todes, bevor die feinstoffliche Seele und der Geist den Körper verließ, hat sie gefühlt und geahnt, nein – direkt wahrgenommen und empfunden, daß sie nun glücklicher wird, daß das Leid von ihr abfällt, daß ihr ein besseres Leben in anderer Form bevorsteht.

So lehrt dieses Bild, daß die Psyche

plastische Formkraft

besitzt, chemische und physikalische Wirkungen auslöst.

Die Natur ist viel großartiger, weit gerechter und weiser, wie wir ahnen. – Auch das lehrt uns dieses Bild, denn die glücklichsten Vorstellungen und Ahnungen eines neuen und besseren Lebens, das ihrer wartet, haben im letzten Augenblick diese Unbekannte erfüllt. Sonst wäre der glückselige Ausdruck im Gesicht undenkbar. Hier spricht die Form die letzte Wahrheit.

Sie symbolisiert in gewissem Sinne den Weihnachtsgedanken: „Durch hohe Liebe wird das Leid verklärt. – Die Liebe ist die stärkste Macht.“ Lerne man endlich die Symbolik der lebenden Formen richtig verstehen, damit

„Gerechtigkeit werde und Frieden auf Erden –

und den Menschen ein Wohlgefallen! -„

Huß vor dem Konstanzer Konzil 1414

nach dem Gemälde von K. Fr. Lessing 1842

Wie man mit Hilfe der Psycho-Physiognomik die Meisterwerke der bildenden Kunst versteht.

In der Mitte des Bildes, mit Nr.1 bezeichnet, sehen wir den böhmischen Reformator Johann Huß. Er hat sich freiwillig dem Konzil zu Konstanz 1414 gestellt, um sich wegen seiner angeblich ketzerischen Lehren zu verantworten. Er hat vorher die Zusicherung gegeben, daß er seine Lehren widerrufen wolle. sofern ihm das Konzil an Hand der Schrift nachweisen würde, daß er im Irrtum sei.

den Teilnehmern an diesem Konzil war es aber noch um etwas ganz anderes zu tun, nämlich um die Erhaltung ihrer Macht – und Huß überkommt es, wie das Gemälde mit zum Ausdruck bringt, wie eine innere Erleuchtung, daß er die hohen Herren ja gar nicht überzeugen kann. Sein guter Wille war verfehlt, er wurde mitsamt seinem Freunde, der ihm zu Hilfe geeilt war, zum Feuertod verurteilt und auf dem Schaffot verbrannt.

Unwillkürlich fragt man sich:

Wie ist das nur möglich?

Wie kann man nur einen Menschen, wenn er eine andere Überzeugung von der Wahrheit hat, darum verurteilen?

Sehen wir uns aber um, wie die großen Erfinder und Entdecker meist einen Leidensweg gingen und nicht verstanden wurden; – wie zur Jetztzeit viele rechtliche Menschen um ihrer politischen Überzeugung willen den Tod erlitten haben, – dann finden wir die Parallele.

Wir erkennen, daß die Wahrheit oder die Überzeugung von der Wahrheit und des besseren Weges sich nicht durch solche grausamen Mittel aus der Welt schaffen lassen, – denn der Kampf um dieselbe hat bis heute nicht aufgehört.

Wir erkennen, daß nur auf geistigem Wege, durch Aufklärung und Belehrung der Wahrheit und dem Guten in Wirklichkeit zum Siege verholfen wird.

Mit Hilfe der Menschenkenntnis wird man es in Zukunft vermeiden, daß Bringer neuer Wahrheiten um ihrer Überzeugung willen grausam leiden, Gut und Leben verlieren. Man wird von vornherein den richtigen Maßstab anlegen, den wir in folgendem zu finden suchen:

Bild 1. Huß steht ganz vergeistigt da, eine hohe, schlanke Gestalt. Wunderbar fein ist die edle Hand gezeichnet, die so viel Gutes schaffen wollte und niedergeschrieben hat.

Das Oberhaupt, wo der Sinn für die höchsten Ideale liegt, ist hoch und schön gewölbt, die Nase ist feinstens modelliert. Dieser edle Kopf erinnert an andere große Helden des Geistes. Huß beteuert, daß er aus Wahrheitsdrang, aus Liebe zum Guten und Besseren seine Lehren, die gut und nicht ketzerisch seien, zum Wohle aller Menschen aufgestellt habe.

Aber er dringt damit nicht durch. Warum?

Bild 2, dieser hohe Würdenträger, der zweifellos eine maßgebende Stimme in dieser Versammlung besitzt, hat grobe Gesichtsformen, eine grobe Nase, einen fetten Hals, die linke Hand liegt da, wo der Magen sitzt und deutet symbolisch, daß hier bei ihm der Sitz der Gefühle und Interessen in der Hauptsache zu suchen ist. Er ist mit seinem Urteil fertig und nimmt keinen Anteil mehr an den Vorgängen.

Bild 3 zeigt ein feineres, wenn auch im Kern hartes Gesicht. Das Auge geht ideal nach oben. Er möchte wohl einesteils dem Huß recht geben, aber die innere Wärme durchdringt nicht den strengen Zug des Mundes.

Bild 4, ist der Würdenträger, der sich zwischen den beiden Personen herniederbeugt. Er stützt mit der Hand das Kinn, wo die Tat und der Wille liegen, sodaß die Kraft mehr der Stirn und dem Oberhaupt zuströmt und er besser denken kann. Er ist ganz Ohr, ganz entspannt und daher sinkt auch das Haupt tief herab. Er denkt im guten menschlichen Sinne nach, er ist auf dem Wege der besseren Überzeugung. Sicher und gewiß, Huß würde nicht auf das Schaffot kommen, wenn auch seine anderen Richter die Fähigkeit der Wahrheitserkenntnis im gleichen Maße besäßen.

Bild 5. Dieser alte Mann dahinter, ein würdiges, freundliches Haupt, ein edler, guter Mann, würde Huß ganz gewiß auch nicht verurteilen. Und es ist, wie man genau hinsehend wahrnimmt, als wenn Huß selbst ganz gebannt wäre und nur noch zu diesen drei Personen, Bild 5, 4 und 3, spräche.

Bild 6. Der Patriarch mit dem langen Bart verfolgt aufmerksam den Huß. Aber die Gesichtszüge, die steife Kopfhaltung, die ganze Gestalt zeigen unerbittliche Strenge. Hier ist keine Milde zu erwarten, sondern ein Urteil nach vorgefaßter Meinung.

Bild 7. Dieser Mann wendet sich dem Patriarchen Bild 6 zu. Aus den dunklen Augen mit dem bezwingenden Blick spricht die Leidenschaft der Überzeugung. Er stimmt dem zu, dem er sich zuwendet.

Bild 8. Dieser Kopf betrachtet Huß kritisch, aber hart, etwas mitleidig und mit entwertenden Blicken, als wolle er sagen: Was will denn der Mann! Wer nicht für uns ist, der ist gegen uns.

Bild 9. Dieser Mann mit dem Bart und der niederen Stirn sieht finster drein. Er begreift den tiefen Sinn der Bemühungen und den Eifer des Huß nicht. Er verurteilt.

Bild 10. Dieser Würdenträger, der uns und auch dem Huß den Rücken zuwendet, scheint der dritte im Bunde der Letztgenannten zu sein. Und dahinter die hohe Gestalt.

Bild 11, sieht wie ein Krieger aus, knochig und bestimmt, als könne er den Huß schon mit seinen Blicken und mit seinem Denken vernichten, das hinter der harten Stirn wirkt und das tiefe, milde Denken des Huß nicht erfaßt.

 

Nun zu der anderen Seite.

Der hohe Würdenträger mit den weißen Gewand, Bild 12, liegt im Ernährungs-Naturell. Alle Körperformen gehen in die Breite. Verstand und Gefühl dringt nicht in die Tiefe, ganz entgegengesetzt wie bei der schmalen, feinen Gestalt und der hohen Stirn des Huß, den er darum nicht verstehen und dem er nicht folgen kann. Er nimmt keinen Anteil mehr. Vielleicht enthält die mit dem großen Siegel versehene Pergamentrolle schon das Urteil über Huß. Er wendet sich um zu dem Manne, Bild 13, mit dem breiten Gesicht, der niederen Stirn und dem flachen Oberhaupt, den er besser versteht. Schon die Kutte, die dieser trägt, wirkt unheimlich wie das kalte Gesicht, – er erhält seine Weisung.

Der greise Würdenträger, der in dem Lehnstuhl sitzt, die Füße auf einem Kissen, Bild 14, zeigt harte Formen. Die Gestalt ist groß und hager, ganz anders wie die des Huß, der zierlich und fein ist. Er urteilt nach äußerlichem Recht und der Macht.

Dahinter die drei Gestalten, die ebenfalls sitzen, Bild 15, 16 und 17, haben harte, grobe Gesichter, große Nasen, den starken Unterkiefer, wo die Tatkraft liegt, die strengen Züge. Es sind Äußerlichkeitsmenschen und kein dem Innerlichkeitsmenschen gerecht werdendes Urteil ist zu erwarten.

Diese Äußerlichkeitsmenschen verstehen es wohl, Pracht und Glanz zu entfalten, die Macht auszuüben und rücksichtslos zu herrschen, aber auf den Platz, den sie hier ausfüllen, gehören sie nicht. In geistigen und religiösen Fragen soll der Innerlichkeits- und Edelmensch die Entscheidung haben, sonst triumphiert die Gewalt und das Edle und Hohe, der wahre Fortschritt und Forschergeist leidet Not und wird geknebelt.

Die beiden Gestalten an der Säule stehend, Bild 18 und 19, haben den finsteren und drohenden Ausdruck. Das Auge ist tief gestellt, die Mundwinkel sind herabgezogen und alle Energie liegt im Untergesicht. Die beiden sind furchtbar und schrecklich, sie sollten nie über gute Menschen richten. Sie verurteilen womöglich die arme Seele des Huß noch über den Tod hinaus, – wenn es ginge.

Bild 20 verfolgt aufmerksam die Verteidigung des Huß, wagt aber nicht eine eigene Meinung zu bilden oder gar zu äußern. Er hat gelernt zu lauschen, zu gehorchen und – zu schweigen.

Und das vorletzte Bild 21, der Mann mit der runden Kappe auf, stiert hervor, er macht Augen, Nase, Ohren und Mund auf, er staunt über den Mut des Huß, obwohl er kaum etwas recht begreifen kann und er weiß nicht, was er sagen und denken soll.

Der letzte, Bild 22, schaut aus seiner Kopfumhüllung finster heraus, wie das dunkle Mittelalter mit seiner Verirrung.

(Hinzugefügt)

Hier vor dieser Versammlung ist Huß rettungslos verloren. Huß starb für seine Idee, standhaft ertrug er den schrecklichen Feuertod. Wie anders hätte man diesen edlen Mann würdigen müssen!

Wäre Huß in ein anderes Land gegangen, vielleicht zu den Naturvölkern, er hätte mehr Verständnis finden können wie unter diesen Männern.

Aber dieser Geistesheld opferte sich.

So lernen wir dieses Kunstwerk auf Grund der Menschenkenntnis verstehen. Wir lernen weiter daraus, wie notwendig es ist, den guten und edlen Menschen mit aller Kraft energisch und unter allen Umständen zu unterstützen, ihm mit Tatkraft beizustehen, denn durch ihn allein kommt aller Fortschritt und alles Gute in die Welt.

Welche Bewandtnis hat es mit dieser

lebensgroßen Studienbüste zur Menschenkenntnis?

Die hier abgebildete Studienbüste wurde genau nach den Vorlagen und Zeichnungen aus Huters Werken, erstmalig vor mehr als 10 Jahren, von uns hergestellt und vervielfältigt.