Schlagwort: Kallisophie

DgM 054

Der gute Menschenkenner 054 von 101

MENSCHENKENNTNIS           

CARL HUTER (1861-1912)

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Der Menschenkenner und die neue Zeit

nach Carl Huters Psycho-Physiognomik

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Herausgegeben von Amandus Kupfer in Schwaig bei Nürnberg

CARL-HUTER-ZENTRAL-ARCHIV

Medical-Manager Wolfgang Timm

http://www.chza.de 

 

  Form Geist

EXTRA LIFE INTELLIGENCE TRANS ENERGY 

PSYCHOLOGIE UND MEDIZIN DER ZUKUNFT 

 

 

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                         
Der gute Menschenkenner                                                                        
                                                          

nach Carl Huters Psycho-Physiognomik

© Juli 1937, Nr. 54

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LEBENSAUSDRUCK

DER WANGEN

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Gesunde Stoffe und Kräfte, Blut- und

Reserve-Säfte, Verdauung und Stoffwechsel

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PHYSIOGNOMISCHE STUDIEN AN 20 PHOTOS

 

Ach  wie bald

Schwindet Schönheit und Gestalt!

Tust du stolz mit deinen Wangen,

Die wie Milch und Purpur prangen?

Ach, die Rosen welken all!

(Aus „Reiters Morgengesang aus Hauff.)

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Über den Lebensausdruck der Wangen würde am besten ein großer Dichter schreiben und ein großer Kunstmaler und Naturarzt dazu die farbigen Illustrationen geben. –

Hier kann nur von den wissenschaftlichen Feststellungen eines Genies ausgegangen werde. Carl Huter legte in seiner Psycho-Physiognomik [Physiognomische Psychologie] im Rahmen seiner Gesamtforschungen Grundsätzliches über die Beziehung der Wangen zu inneren Körpervorgängen und die seelische Bedeutung dar.

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Zeichnung E. Mellerke

Rechts oben die große Zeichnung gibt durch schematische Inschriften an den Wangen zu verstehen, was hier zum Ausdruck kommt.

Es ist das gesunde Blut und die Lymphe, es sind die Säfte, die Reservestoffe und –kräfte, die aus dem Körper zu Hals, Gesicht, Sinnesorganen und Gehirn emporsteigen, um Leben, Arbeit und Tätigkeit auszulösen, und im weiteren ist es die gesunde Verdauung, der rege Stoffwechsel, der den Wangen Form und Farbe, plastische Spannkraft und Frische, den gesunden Ausdruck verleiht.

Wenn die Wangen rosig, warm und frisch, von blühender Kraft sind, dann pflegt man zu sagen, der Mensch sieht gut aus. Sind aber die Wangen abgehärmt und bleich, – fließt die Träne über die Wangen, – dann weiß man, daß körperliches und seelisches Leid die Ursache ist.

Folglich muß hier eine alte Erfahrung zugrunde liegen, die in der Tat durch die Wissenschaft genügend bestätigt wird. –

Wir wollen zunächst an den vier obigen kleinen Bildchen eine praktische Vorstudie machen.

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Das ist insofern sehr gut möglich, als die dargestellte Dame sich bei den Bildaufnahmen in einem besonderen, durch sympathisch-hypnotische Beeinflussung herbeigeführten Traumzustand befindet, in welchem sie außerordentlich fein und natürlich auf äußere Einflüsse, Suggestionen, Dichtungen, Erzählungen, Musik usw. reagiert.

Es ist die berühmte Traumtänzerin Madeleine.

Was sie innerlich erlebt, spiegelt sich lebhaft an Augen, Wangen und Gesicht, in Gebärden, Mimik und Bewegungen wieder.

Nicht besser und einwandfreier kann der formende und gestaltende Einfluß der Seele auf Körper und Gesicht gezeigt werden wie durch die naturgetreuen Bilder dieser großen Darstellerin in den verschiedenen Gemütszuständen.

Das erste Bild, von links nach rechts betrachtet, zeigt die Madeleine etwas ermüdet, aber beglückt nach einem fröhlichen Tanz. Wohlig und freudig innerlich erregt sind die Gefühle, die sich im Gesicht kundgeben.

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Die Wangen sind ganz warm, voll und plastisch geformt, das Blut fließt lebhaft durch die Adern, glücklich ist der Stoffwechsel angeregt und das Leben ist erhöht.

Dieser glückliche innere Zustand gibt sich deutlich an Gesicht, Hals, Wangen, Haar, Brust und Haltung kund. Voll, weich, locker, rosig und schön ist der Ausdruck der Wangen und des Gesichts.

Wer will, kann daraus lernen, daß der edle Tanz und die Musik, Freude, Leben und Gesundheit stärken.

Das zweite Bildchen aber ist ganz anders. Hier sehen wir die Madeleine in zorniger Erregung und abwehrender Haltung: „Nein, sie will nicht. –„ sie ist erzürnt und gekränkt.

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Die Augenbrauen sind zusammengezogen, die Augen drängen seitlich hervor, die Nase härtet und die Nasenflügel spanne sich, das Kinn strafft sich, die Mundwinkel ziehen sich herab, steif wird die Haltung.

Die Wangen und alle Gewebe härten und straffen sich, alles warme Gefühl ist zurückgedrängt, die harte Spannung überträgt sich auf Ohren und Haar.

Würde dieser Zustand anhalten oder sich öfters wiederholen, dann müßte sie hart und gefühllos werden.

Wer will, kann daraus lernen, daß die Lebens- und Seelenkraft durch reine Freude glücklich angeregt wird, daß aber harte Gefühle bewirken, daß das warm empfindende Leben sich zurückzieht zugunsten der harten magnetischen und elektrischen Energien, – die aus sich keine Leben und Glück bilden können.

Das dritte Bildchen zeigt die Madeleine in furchtsamer, unglücklicher Erregung und Erwartung, in Angst und Sorge.

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Die Stirn und das Haar, die in der Freude wie glücklich gehoben erschienen, sind wie eingefallen und gedrückt, die Stirn liegt in kummervollen Falten. Das Auge tritt nach unten liegend angstvoll hervor, die Körperhaltung ist zusammengekauert, alle Gewebe fallen ein und haben gänzlich die glückliche Spannung verloren.

Wie tief eingefallen sind die eben noch so lächelnden Wangen, knochig treten die Jochbeine heraus und abwärts davon, wo Reservestoff und –kraft zum Ausdruck kommen, fallen die Wangen tief und wie abgehärmt ein.

Das Haar hat alle glückliche Spannkraft verloren und selbst die Haut schrumpft ein. Dieser Zustand ist nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich, – man beachte die Nasenflügel, selbst die Atmung stockt, – alle Organe sind betroffen und das Leben ist sichtlich im Verfall.

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Neue deutsche psycho-physiologische Heilweise (Hinzugefügt)

Wer will, kann daraus lernen, im täglichen Leben möglichst so zu handeln, daß die Lebensfreude und die Lebenslust aller Mitwesen erhöht wird, Es könnte danach eine neue deutsche psycho-physiologische Heilweise begründet werden,  wie sie Huter bereits ausgeübt hat.

Das vierte Bildchen zeigt die Madeleine, wie sie aus dem Zustand tiefer Trauer durch freundliche Musik in glückliche Erinnerung versetzt wird.

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Wohlgemerkt, diese Darstellungen zeigen bloße seelische imaginäre Zustände, – wieviel nachhaltiger müssen diese erst im wirklichen Leben sich auswirken!

Das ganze Gesicht ist von freudiger Erinnerung belebt, Augen, Mund und Wangen haben den frohen Ausdruck.

Das glückliche Gefühl steigt von innen auf und bringt die Wangen und alle Gewebe in lebenswarme, volle plastische Spannung. Das Haar nimmt an diesem glücklichen Gemütszustand teil, es ist gehoben, weich gelockert

Die zugrunde liegende Wahrheit ist, daß die Lebenskraft in glücklichem Zustand aus allen Atomen und Molekülen neue Nahrung saugt, wodurch der gesamte Lebensprozeß erhöht, das Leben gestärkt wird.

Der Ernst und der Kampf des Lebens sollen also stetig, wie die Natur durch die Sonnenstrahlen beglückt und belebt wird, durch die Wunderkraft der Freude, der Liebe verschönt und durchsonnt werden. Nie soll die Trauer überhandnehmen, denn sonst saugt die lebendige und scheinbar tote Umgebung noch die Lebenskraft auf.

So könnte an über 1000 Bildern der Madeleine diese Darlegungen erweitert werden, eine ganz neue Lebenskunst aus dem Lebensausdruck erlernt werden, jedoch bleibt dieses einer späteren Zeit vorbehalten. –

An den vier Bildern sieht man deutlich, wie das angeregte Gefühlsleben sich bis in alle Körperteile fortpflanzt und gesetzmäßig offenbart. Was ist dageben alle Theorie? –Form und Ausdruck sind der Born der Wahrheit

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Form und Geist (Hinzugefügt)

 

Man braucht nur die anatomischen Abbildungen 5 und 6 zu betrachten, um inne zu werden, wie reich der aus den inneren Leiborganen kommende verschiedenartige Blut- und Schlagadernverlauf der linken und rechten Gesichtshälfte ist und daß diesbezüglich ein Zusammenhang mit den äußeren Wangenformen bestehen muß.

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Fig. 5. Rechte Hals-, Kopf- und Gesichtsseite mit vorherrschendem schwerem Saug-Blut in den venösen Adernverzweigungen. Nach Prof. Östreicher

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Fig. 6. Linke Hals-, Kopf- und Gesichtshälfte mit vorherrschendem hellrotem Schlagaderblut in den arteriellen Adergefäßen

Die rechte Gesichtshälfte ist mehr mit dickeren, die linke mit dünneren Blutadern durchzogen, daher zeigen die Wangen nicht nur den gesunden Vorrat und die Beschaffenheit der Blutstoffe, Kräfte und Körpersäfte, sondern die Verschiedenheit und Bedeutung dieser körperlichen Zustände spiegelt sich demgemäß auch in einer geringen oder stärkeren Verschiedenheit beider Wangen.

Aber auch mit Lymphgefäßen sind die Wangen reich durchzogen, daher zeigt sich hier die mehr oder weniger gesunde Beschaffenheit der Lymphe und Säfte und deren Fülle, wie uns Fig. 7 leicht zu belehren imstande ist.

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Fig. 7. Die Lymphgefäße des Gesichts und des Halses. Nach Prof. Dr. med. Weber

Die Gesundheit von Blut und Lymphe, Stoff und Kraft, gründet sich auf den regen Stoffwechsel und die gute Verdauung, daher ist es verständlich, daß die Darmbeschaffenheit des Leibes an den Wangen sich gleichzeitig mit widerspiegeln muß.

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Spiegeln, Mirrors (Hinzugefügt)

Das ist alles so selbstverständlich und so einleuchtend, daß man sich nur wundern muß, daß diese Zusammenhänge so wenig Beachtung gefunden haben. Man übersah das Naheliegende, die wunderbare Einheit des lebendigen inneren Körperlebens und des äußeren Lebensausdrucks.

Es ist nicht nötig, auf die Kraftrichtungs- und Entwicklungsordnung einzugehen, die Huter in der Natur gefunden und nachgewiesen hat, um weitere wissenschaftliche Belege für den Zusammenhang der Wangen mit den inneren Körperorganen darzulegen, denn das Angeführte ist genügend stichhaltig und einleuchtend.

Im weiteren müssen wir in Betracht ziehen, daß die Wangen auch außerordentlich reich mit Nerven durchzogen sind, die teils aus den Leiborganen, teils aus dem Gehirn kommen.

Daher zeigt sich an Wangen und Gesicht nicht nur das Unbewußt-Inner-Körperliche, sondern auch das Bewußt-Körperliche, schließlich sogar der Eindruck der objektiven äußeren Welt, der Außer-Körperlichen, das dem Bewußtsein durch das Auge und die weiteren Sinnesorgane vermittelt und zum Gesicht übertragen wird.

Somit haben wir für den Lebensausdruck der Wangen die so nötige real-wissenschaftliche Unterlage und wollen an Bildern aus dem Leben unsere Studien fortsetzen.

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Bild 8. Die vollen, weichen Wangen Archiv

Figur 5, 6 und 7 zeigen deutlich, wie die Blut- und Lymphsäfte und mit ihnen die Lebens- und Seelenkräfte, die aus den Leiborganen aufsteigen, sich über Hals, Wangen und Gesicht verteilen.

Wenn nun die Ernährungs- und Verdauungs-, also die Leiborgane stark betont sind, dann zeigt sich das folgerichtig klar und deutlich an den vollen, fleischigen, weichen Wangen und am Hals wie bei Bild 8.

Diese vollen und weichen Wangen und Halsformen deuten also auf eine reiche Stoffülle, Blut-, Lymph- und Säftebildung, auf einen großen Vorrat von Stoff und Kraft.

Man kann sich diesen würdigen Mann im reifen Alter sehr gut als den tüchtigen Wirt eines gemütlichen Gasthauses alten Stils, als Besitzer und Hausvater denken.

Die weichen, vollen Wangen sind ausdrucksvoll belebt, der Mund zeigt den prüfenden Zug und den Feingeschmack, Augen und Gesichtszüge sind ernst und nachdenklich, die Nasenform bestimmt und fest, kraftvoll das Seitenhaupt, es ist das wirtschaftliche Talent.

Mit dieser Stoffülle, der reichlichen Produktion an Blut- und Lymphsäften, der zu diesen vollen Wangen- und Halsformen gehörenden beleibten Gestalt ist auch eine entsprechende seelische und geistige Einstellung und Veranlagung verbunden. Alles was mit der Lebensmittelproduktion und der entsprechenden Wirtschaftlichkeit zusammenhängt, findet hier reichliches Interesse und Verständnis.

Es ist das von Carl Huter entdeckte Ruh- und Ernährungs-Naturell, ein Lebensgrundformtypus.

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Chemisches Ruh- und Ernährungs-Naturell (Hinzugefügt)

Die Veranlagung ist durchaus normal und gesund, es ist der bevorzugte Stoffumsatz, der rege, gesunde Stoffwechsel, der diese angenehm und ausdrucksvoll geformten Wangen kennzeichnet.

Der Mann ißt reichlich und gut, er liebt eine leicht verdauliche, gut zubereitete Kost, – dagegen ist nichts einzuwenden, er ißt durchaus nicht übermäßig. Die Nahrung wird aber gut umgesetzt und verdaut. Die Körperfülle verursacht keine Beschwerden, er ist lebensfroh und munter und kann ein hohes Alter erreichen.

Daraus ist die Bedeutung dieser vollen, weichen, säftereichen Wangen deutlich zu erkennen.

Auch diese Frau, Bild 9, hat die vollen fleischigen Wangen, den vollen Hals, die gesunde, glatt und frisch gespannte Haut, ein klares Auge und einen natürlich guten, wenn auch etwas besorgt unruhigen Ausdruck.

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Bild 9. Voll geformte Wangen, kurzer voller Hals, reiche Stoffülle und Ernährungsanlage

Sie ist im Moment des Photographierens etwas mißlich gestimmt, was sich mimisch im Ausdruck von Augen, Mund und mittlerem Gesicht zeigt, sonst ist sie aber, wie die Formen an sich kundgeben, lebensfroh, sehr praktisch, wirtschaftlich und gutmütig.

Diese vollen Wangen deuten also auf reichliche Stoffülle, auf eine sehr gute Verdauung und Ernährung, auf einen gesunden Stoffwechsel und im Rahmen der Allgemeinveranlagung, da aus dem Leiblichen das Seelische hervorwächst, aus einen klugen, praktischen, wirtschaftlichen und ökonomischen Sinn.

Der etwas gröbere Mund zeigt, daß sie in der Nahrungsaufnahme durchaus nicht wählerisch ist, einfach, leicht verdaulich und gut zubereitet muß die Kost sein.

Wer also glaubt, diese Menschen müßten schlemmen und prassen, der irrt sich. Die natürliche Fülle ist die gesunde, normale Veranlagung des Ernährungs-Naturells mit den vorzugsweise betonten Leib- und Verdauungsorganen. Es sind lebensfrohe, tüchtige Menschen, die das Bestehende zu erhalten suchen, wenn sie in die reale Lebenswirklichkeit gestellt sind, in welche sie hineinpassen. –

Dieses antike Bildwerk Nr. 10 zeigt die Ruine eines Menschen, einen alten reichen Römer, der durch Übergenuß und Ausschweifungen bald am Ende angelangt ist.

Hier hat die gesunde Natürlichkeit längst aufgehört. Der Mann hat dem Guten zu viel zugesprochen, was allein schon aus dem häßlichen Mund ersichtlich wird, der auf Übergenuß und Entartung deutet.

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Bild 10. Ein häßlicher alter Römer Glyptothek, München

Bei den alten Römern war Schlemmen und Prassen eine sehr üble Sitte der reichen Stände. Hier sehen wir das Endresultat.

Überall am Gesicht und am Hals zeigen sich häßliche Formveränderungen, die Wangen sind faltig und filzig geworden, der tiefe, scharfe Einschnitt der Wangen seitlich vom Auge abwärts bis zum Unterkiefer, der wie mit dem Messer gemacht erscheint, deutet auf Gefühlsverhärtung.

Der Übergenuß und die Ausschweifung ersticken das unbewußte normale Gefühl in den die Lebenssäfte und Kräfte produzierenden Leiborganen, erzeugen kein Wohlbefinden, sondern Ekel und Überdruß, daher die Rückwirkung in den häßlichen Formveränderungen an Wangen, Hals, Kinn, Nase und Mund. Entsprechend ungünstig verändert sind Seele und Charakter.

Auch das Obergehirn, das Schädeldach, das sich nach links zu abflacht und nicht mehr gerade sitzt, steht unter einem Überdruck, wodurch die edelsten Organe, die hier liegen, verkümmert sind, was wiederum auf das Gesicht ungünstig zurückwirkt.

Die Moral ist: lebe einfach und schlicht je nach der Veranlagung, vermeide jeden Übergenuß, dann bleibt das gesunde, natürliche Lebensgefühl erhalten und spiegelt sich im reinen und schönen Körperbau, in Augen und Gesichtsausdruck wieder.

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Naturell-Schema von und nach Carl Huter (Hinzugefügt)

 

Die folgenden Bilder 11, 12 und 13 zeigen uns nun etwas typisch anderes.

In Bild 11 sehen wir das Bewegungs-Naturell, den zweiten Haupttypus des Lebens.

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Bild 11.         Archiv

Hagere Wangen und natürlich gesunde Veranlagung

Hier sind die Wangen hager, mager, markant, muskulös und fest. Bewegungsfleißige Menschen haben oft die mageren Gesichter.

Man betrachte nun das lange Gesicht, das feste, sehr starke Kinn, den starken Unterkiefer, die starken Jochbeine. Ein enorm starkes Knochengerüst bildet hier die Unterlage für den Gesichtsbau, daneben ein straffes und festes Muskelsystem.

Das ist hier natürliche Veranlagung und gleichbedeutend mit Gesundheit.

Demgemäß steht aber die Fülle und der Reichtum in der Ernährung, der Blut- und Nervenstoffe und –kräfte, der Lymphe und Säfte zurück. Die Knochen- und Muskelkraft herrscht vor. So erklären sich die straffen, mageren und hagern Wangen aus ganz natürlicher, gesunder Veranlagung heraus.

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Ohne Kenntnis dieser Naturelltypenlehre, die Weltbedeutung hat, könnte man leicht, wollte man Bild 8 und 9 als Norm für alle Menschen betrachten, glauben, hier läge ein Mangel, eine Minderwertigkeit oder gar Krankheit vor. Erst diese Naturellehre gibt uns eine Vorstellung davon, in welcher Richtung und Gesetzmäßigkeit das Leben des Einzelnen verläuft.

Dieser Mann ist sehr fleißig, er strengt sich energisch an, verbraucht viel Kraft, ist aber trotzdem der Arbeit gewachsen. Der Mund und das Auge haben noch den freundlichen Zug.

Er kann Enormes aushalten und leisten, aber immerhin ist es gut, wenn er seine Veranlagung kennt, dann ist er imstande, seine Leistungsfähigkeit durch die Beachtung der Ökonomie in Einnahme und Ausgabe der Kraft auf der Höhe zu erhalten.

Wird die Entwicklung zu sehr angetrieben, forciert, ein Volk z.B. überanstrengt, muß es Ruhe und Schlaf entbehren, dann erschöpft sich, wie die Geschichte der Portugiesen, Türken, Araber und anderer Völker lehrt, nach dem ersten erfolgreichen Ansturm bei länger dauerndem Kriege die Kraft schnell, und ein solches Volk braucht Jahrhunderte und Jahrtausende, um sich wieder zu erholen.

 

Bei diesem jungen Mann, Bild 12, ist deutlich zu sehen, daß von der linken Augenecke abwärts nach der Wange zu sich ein hohler Zug herabzieht bis zum Unterkiefer.

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Bild 12. Zu starker Verbrauch von Reservestoff und –kraft Archiv

Hier an den Wangen zeigt sich der Vorrat an Reservestoff und –kraft, an Blut- und Lymphsäften, der in diesem Falle schon zu stark in Anspruch genommen ist.

Nicht daß der junge Mann deswegen sich krank fühlen müßte. Das ist nicht der Fall. Im Gegenteil er ist noch auf der Höhe seiner Kraft und voller Arbeitstätigkeit.

Aber das Kinn ist nicht so stark wie bei Bild 11, das deutet auf ein entsprechend schwächeres motorisches Nervensystem hin, der Kraftverbrauch ist verhältnismäßig zu stark. Das wirkt ungünstig auf sein Gemüt ein, daher zeigen Mund und Auge nicht den frohen, glücklichen Ausdruck.

Wenn auch bei der immerhin vortretenden Bewegungsanlage die hageren Wangen an ich durchaus natürlich sind, macht sich doch der erwähnte hohle Wangenzug etwas stark bemerkbar.

Der körperliche und geistige Arbeitssinn ist hier stark und der Nahrungssinn, seitlich vor dem Ohr, dem gegen über schwach, daher werden durch die Ernährung und Verdauung die verbrauchten Stoffe und Kräfte nicht genügend stark ersetzt und das Gehirn nimmt die Kraft unmittelbar aus dem Reservevorrat in den Wangen, wodurch der erwähnte hohle Zug entsteht

So kann man im Gesicht die Ökonomie von Kraftausgabe und –einnahme gut beobachten, und wir lernen, daß der Bewegungstypus an sich zum starken Verbrauch seiner Kräfte neigt, ohne genügend auf den guten Ersatz derselben zu achten, wodurch auf die Dauer seine Leistungsfähigkeit oft nicht so auf der Höhe bleibt, wie es bei richtiger Einnahme und Ausgabe der Kräfte sein könnte. Mit der Zeit wird die Reserve- und Herzkraft zu einseitig beansprucht.

Daher ist es wichtig, den Lebensausdruck zu beachten, um einen Maßstab der Lebenskunst zu besitzen. –

Stirn, Augen, Nase und Kinn zeigen bei Bild 13 die vorzüglich entwickelte Verstandeskraft, Arbeitstüchtigkeit, Fleiß, Willenskraft und den starken Impuls zu körperlicher und geistiger Tätigkeit, selbst der Bart bringt dieses auch zum Ausdruck.

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Bild 13. Ein hochentwickelter Mann mit sehr eingefallenen Wangen R. Zickner

Dagegen sind die Wangen merklich hohl und eingefallen. Durch geistige Arbeit ist hier die Kraft verbraucht, das Gehirn zehrt sozusagen an den Wangen und höhlt sie aus. Auch an der Schläfe, am Ohr, an Nacken und Hals zeigt sich der zu starke Kraftverbrauch.

Es ist das Talent, das Bewegungs- und Empfindungs-Naturell. An sich sind ja die hagern schmalen Wangen hier typisch, aber sie sind doch zu stark eingefallen.

Der Nahrungssinn, siehe die Formbildung vor den Ohren, ist zu schwach, ebenso der Sinn für Ruhe und Schlaf.

Daher wird die Gehirn-, Nerven- und Körperkraft leicht überanstrengt und es erfolgt Abmagerung zuerst im Gesicht an den Wangen, dann an Hals und Nacken usw. Daß die Verdauungstätigkeit darunter leidet und am Ende die ganze Leistungsfähigkeit ist naheliegend.

Das kann aber nicht erwünscht sein. Gewiß soll der Mensch sich auf das Äußerste anstrengen, besonders wenn er Gutes tun kann. Er darf sogar, wenn er Großes tun kann, sein Leben und seine Gesundheit opfern.

Das schließt aber – von diesen Ausnahmefällen abgesehen – nicht aus, seiner Körperveranlagung Rechnung zu tragen, das Gleichmaß der Kräfte und damit Lebenskraft und Gesundheit auf der Höhe zu erhalten.

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Cover Krankenphysiognomik (Hinzugefügt)

Das Gesicht ist der Gradmesser aller körperlichen und geistigen Kräfte, man glaubt gar nicht, welch wunderbares Kontrollmittel man hier zur Verfügung hat, das sozusagen erst neu entdeckt ist und im Sturm und Drang des Lebens bisher so gut wie gar keine Beachtung gefunden hat.

Hier sind die ersten Hinweise in das Neuland einer überragend großen Wissenschaft. Möge man sie freundlich aufnehmen, sie nutzt jedem Menschen, bring niemandem Schaden, und der moderne Kulturmensch, der alle seine Kraft ungeheuer vielseitig anspannen muß, wird förmlich, will er sich behaupten, in diese neue Bahn gedrängt, Geist und Leben aus dem Lebensausdruck unmittelbar erkennen zu lernen.

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In den Formen lebt der Geist (Hinzugefügt)

 

Bei dieser Frau, Bild 14, ist der schwache Nahrungssinn charakteristisch bei gleichzeitig starkem Liebestrieb.

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Bild 14. Der schwache Nahrungssinn Huter-Museum

Im Gesicht sind die bis zum Kinn eingefallenen sehr zarten und durchsichtigen Wangen deutlich erkennbar, dort wo der Studienkopf die Darmbeschaffenheit und das Gefäßsystem verzeichnet, ferner die Magerheit unter dem Kinn und am Hals, wo die Körperfülle zum Ausdruck kommt.

Aber auch an den Schläfen, den oberen Augenlidern sind an allen Gewebsteilen, die bei guter Ernährung – siehe Bild 8 und 9, der starke Nahrungssinn – voll gefüllt sind, läßt sich die Magerheit im Gesicht leicht erkennen.

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Bild 8 und 9

Auch die Gewebe vor dem Ohr, wo der Nahrungssinn liegt, zeigen zwar Reinheit, aber keine plastische Fülle und Spannkraft.

Auch der Sinn dieser Frau ist entsprechend, er ist nicht auf Essen und Trinken und auf die Genuß- und Gefühlsfreude gerichtet, die sonst damit verbunden ist, sie bleibt in diesen Dingen gleichgültig und die Nasenspitze, welche den Magenzustand zeigt, erscheint schwach und klein.

Die Verdauungskraft ist nur schwach und die Gewebe an den Wangen sind demgemäß von einer gewissen Zartheit und Schlaffheit.

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Aber ganz im Gegensatz hierzu ist doch zunächst einmal das Empfinden stark und anhaltend, denn das Gewebe seitlich der Nasenform zeigt eine ganz schöne Weichheit und Plastik.

Auch die Augen sind offen und ausdrucksvoll, die oberen und unteren Augenlider von lebhaftem Schwung, das Kinn gerundet und kräftig vorstehend, charakteristisch für den starken weiblichen Liebestrieb. Besonders tritt aber eine Spannung und Fülle der Gewebe der unteren Nasenform und Oberlippe in die Erscheinung.

Diese Gesichtsorgane und Formteile deuten auf einen starken Liebessinn mit der entsprechenden Organveranlagung, wenn auch am Mund ein leidender Ausdruck da ist. Die Frau ist leidend, wofür die eigenartige Anlage schon die Grundlage und Disposition bildet.

Diese Gegensätze in der Veranlagung treten recht deutlich in die Erscheinung und zeigen, daß die Natur alle erdenklichen Formen, Variationen und Eigenarten in der Veranlagung des Menschen hervorbringt, daß man diese erkennen sollte, um dem einzelnen gerecht zu werden und ihn in Krankheitsfällen in bester Weise helfen zu können.

 

Bild 15 bietet keine großen Schwierigkeiten in der Erkennung dieses körperlichen Zustandes, der natürlich auch auf das seelische Empfinden zurückwirkt.

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Bild 15. Darniederliegende Verdauung Huter-Museum

Wenn wir wissen, was an den Wangen hauptsächlich zum Ausdruck kommt und das Naturell, den Typus, beachten, so fällt uns die in der Gegend der Augen und zu den Ohren in der Grundform gut breite Gesichtsbildung auf, ähnlich beim Ernährungs-Naturell. Der Nahrungssinn ist stark.

Aber die Wangen darunter fallen stark ab und zeigen sehr ungünstige Formveränderungen.

Das liegt zunächst an einer Hautkrankheit, die aber wiederum in einer sehr mangelhaften Tätigkeit der Ausscheidungsorgane ihre Ursache hat, die eine chronische Selbstvergiftung nach sich zog.

Ganz entsprechend sind die Formveränderungen an den Wangen, am Mund, an Hals und Augen und der gesamte Ausdruck.

Die Formen sind unrein und schwer, verdickt, wie angeschoppt, die grau-blaue Färbung der Venen bestimmt den Farbton der Wangen, ganz typisch die träge Bluttätigkeit zeigend.

Wenn man die einzelnen Areale betrachtet, die der Studienkopf zeigt und weiß, daß sonst das gesunde arterielle Blut, die Blutstoffe und Körpersäfte die Wangen so lebhaft und rein durchbluten und ihnen die frische Farbe verleihen, dann wird einem dieser Gesichtsausdruck verständlich.

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Studienkopf (Hinzugefügt)

Es stellte sich als Folge dieser Selbstvergiftung und mangelnden Tätigkeit der Ausscheidungsorgane – auch die Iris der Augen zeigt den äußeren dunklen Ring, der auf mangelhafte Hauttätigkeit deutet – die Hautkrankheit und Gicht ein mit starken Formveränderungen an Händen und Füßen.

Soweit sollte es natürlich nicht kommen, die Gesichtsformveränderung zeigte ja schon seit langem, wohin der Weg geht. Frühzeitig hätte der Rat eines Arztes und Heilers eingeholt werden können.

Die Behandlung wurde auf Abstellung der krankmachenden Ursachen begründet, dauerte natürlich etwas länger, aber sie hatte guten Erfolg.

[Comment by Medical-Manager Wolfgang Timm: Carl Huter war sehr erfolgreicher Heiler von meist sehr schwer erkrankten Menschen in seiner Funktion als Direktor seiner eigenen Heilmethode und Anstalt in Detmold vor 100 Jahren – seine bahnbrechenden Heilerfolge weckten sogar das Interesse von höchsten Kreisen in Fürstenhäusern, allerdings auch den Neid von einigen Ärzten, die alles unternahmen, um Carl Huter als Nichtakademiker und nicht approbierter Mediziner mit unfairen Mitteln gerichtlich sein wohltätiges Wirken für kranke Menschen zu untersagen]

Schon die niedersten Volksstämme, z.B. in Afrika, haben nach den Berichten von Reisenden ein natürliches Geschick, herannahende Krankheiten aus dem Gesicht zu erkennen. Daher sollte uns modernen Kulturmenschen dieses wichtigste Lebensgebiet nicht mehr länger verschlossen und in Dunkel gehüllt bleiben.

 

Sehr lehrreich ist auch Bild 16, es zeigt das unreine Blut und Gewebe. Das ist allein an den äußeren Unreinheiten der sonst bei jungen Menschen frischen, lebhaften und blühenden Haut zu erkennen.

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Bild 16. Intelligenter, junger Mann mit unreinem Blut und Gewebe Huter-Museum

Dort, wo an den inneren Augenecken seitlich verlaufend der Zustand der Nerven sich abzeichnet, zieht sich ein flacher, eingefallener Zug über die Wangen, dorthin, wo die Beschaffenheit und Fülle des arteriellen und venösen Blutes, der Reserve-Säfte und der Lymphe zum Ausdruck kommt.

Auch dort, wo seitlich des Mundes und unter der Unterlippe Galle, Leber und Milz ihre Korrespondenzen zeigen, sind ungünstige Formveränderungen vorhanden, ein Zeichen, daß diese Organe mitleidend sind.

Auch die untere Nase zeigt an der Spitze, wo infolge der anatomisch-physiologischen Korrespondenz die Magentätigkeit zum Ausdruck kommt, eine beträchtliche Verdickung und Verformung.

Die Gewebe im allgemeinen haben etwas Brüchiges und Unreines, es fehlt die Frische des Blutes, womit natürlich auch entsprechende unreine Farbtönungen verbunden sind, die man nur an farbigen Bildern zeigen könnte.

Interessant ist, daß auch das Haar eine trockene, brüchige Konstanz zeigt, ebenso, daß der bei Bild 15 erwähnte dunkle äußere Irisrand deutlich zu sehen ist.

Schuld an diesem Zustand waren ungünstige Wohnungs- Lebensverhältnisse, mangelnde Körpertätigkeit in frischer Luft und unrichtige Ernährung.

Sonst ist der junge Mann aber sehr intelligent, man bedecke nur das untere Gesicht und betrachte die großen, ausdrucksvollen Augen, die energische Formung der Augenlider und Nasenwurzel, die kraftvoll vorgebaute Stirn, um das sofort und deutlich zu erkennen.

Der Lebensausdruck ist offensichtlich doch ein Studiengebiet von so weittragender Bedeutung und praktischer Selbstverständlichkeit, das man gar nicht mehr achtlos daran vorbei gehen sollte. Bei aller Geschäftigkeit des Lebens sollten wir nicht uns selbst, das ausdrucksvolle Leben, am wenigsten kennen und beobachten.

 

Wir dürfen bei unseren Wangenstudien nicht den dritten Haupttypus des Lebens übersehen, obwohl gerade dieser Mensch am wenigsten hervortritt, sich ganz und gar nicht hervordrängt.

Und doch gibt derselbe dem Leben erst die Würze, das unsichtbare reizvolle Agens, das uns zeigt, daß es noch etwas Höheres in der Natur gibt, das wir pflegen sollten.

Es ist das Empfindungs-Naturell, das weder die vollen, fleischigen, noch die hageren und markanten Wangen hat, sondern dazwischen liegend die zarten, schmalen, blaß-gelblichen Wangenformen.

Sofort verständlich wird uns dieser Typus durch das Kunstwerk „die Psyche“ im Empfindungs-Naturell.

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Bild 17. Psyche im Empfindungs-Naturell Huter-Museum

Es ist der behende, graziöse, zarte, zierliche, kleine und feine Menschentypus, die duftige Menschenblume.

Der Körperbau ist zart, ebenso sind es die Glieder, der Hals und das Gesicht, die Wangen sind zart und fein.

Leicht übersieht man natürlich diese feinen Menschennaturen, da sie an sich so bescheiden und meist unscheinbar sind. Denn weder die Knochen und Muskeln, noch die Verdauungsorgane sind stark, alles Massige fehlt, aber Nervensystem und entsprechend die Lebens-, Liebes- und Schöpferkraft Helioda.

Den Typus brauche ich nicht genauer zu beschreiben, er is unsern Lesern bekannt, und das Bildswerk zeigt ihn in seiner ganzen zarten Pracht und Schönheit. –

Diese in ihrem Äußern – Haar, Haut, Kleidung und Lebensart – sehr gepflegte junge Dame, Bild 18, zeigt uns wiederum den dritten Haupttypus des Lebens, wenn auch mit etwas stärkerer Bewegungstönung in glücklichen äußeren Lebensverhältnissen.

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Bild 18. Ein verfeinerter moderner Kulturtypus Archiv

Der Sinn ist auch zweifellos etwas stark auf das Äußere des Lebens gerichtet, weniger auf die seelische Vertiefung. Das liegt an der modernen Zeitrichtung, die, wenn Geld und Güter da sind, alles Erdenkliche an Schönem zu bieten hat und in der das Religiöse zurücktritt, dann auch daran, daß dieser Typus leicht durch das Schöne des Lebens zu beeinflussen ist.

Das schöne Profil zeigt den fein entwickelten Kulturtypus, eine wirklich verfeinerten Menschen.

Die Stirn zeigt klassische Reinheit und Wölbung, die Nasenwurzel ist gut hervorgehoben, die Augenformen sind schön, Oberlippe, Mund und Kinn zeigen einen glücklichen Ausdruck und geadelte Formbildung.

Hals und Nacken sind zart, auch die Wangen bei aller Jugendfrische ganz charakteristisch, lebhaft durchblutet, frisch, gesund, aber nicht zu voll und auch nicht zu hart.

Es ist der Ausdruck der Lebens- und verfeinerten Genußfreude und der Gesundheit.

Damit soll gezeigt werden, daß die Wangenbildung, die Blut- und Stoffbeschaffenheit jeweils durch den Typus charakterisiert wird, die entsprechende Grundveranlagung und von da aus zu betrachten und zu bewerten ist.

Daß man also nicht glaubt, die zarten, schmalen, meist gelblich blassen Wangen seien gegenüber den sehr vollen prallen oder den hageren und festen Wangen etwa kein Zeichen der Gesundheit oder vollen Natürlichkeit. Der Mensch ist im Rahmen seines Körpertypus zu betrachten, der für ich innerhalb seiner Rasse maßgeblich ist. –

 

Ein Empfindungsnaturell zeigt uns auch Bild 19, freilich in bei weitem nicht so sonnigen, äußeren Lebensverhältnissen, sondern darauf angewiesen, sein Brot durch eigene, nicht leichte Arbeit zu verdienen.

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Bild 19. Zarte, weiche Wangen Archiv

Wir erkennen das kleine Gesicht, die zarten, dünnen, aber belebten und ausdrucksvollen Wangen.

Die Kraft-, Stoff- und Blutfülle ist nur gering, ebenso die Lymph- und Säftebildung und der Vorrat an Reservestoff- und –kraft, daher sind die Wangen schmal und zart und die Verdauungskraft ist nicht robust.

Der Mensch ist aber so durchaus natürlich und gesund. Die Frau ist sehr fein-empfindend, die Intelligenz, die seelische Tiefe und entsprechende Einstellung herrscht vor, die robuste Kraft tritt zurück.

Man betrachte nur die vorzügliche hohe, breite Stirn- und obere Seitenhauptbildung, die fein geformte Nasenwurzel, die aufmerksamen, empfindsamen, weichen Augen.

Das Ohr ist groß und dabei schön gebildet, daher ist sie tat- und seelenvoll und, wie der Gesamtausdruck zeigt, auch intelligent, ernst und voller Pflichteifer.

In diesem Rahmen passen die schmalen, zarten Wangen, der zarte Hals- und Körperbau durchaus natürlich sich an.

Allerdings bilden sich leichte Falten an der oberen Stirn, leichte Schatten um die Augen, die sich den Wangen zu fortpflanzen, auch sind die Nasenflügel nur zart und dünn.

Die Frau lebt in einer Industriegegend, wo die Luft nicht gut ist und sie ist angestrengt berufstätig.

Es ist daher natürlich, daß dieser zarte Typus sich da am besten entwickelt, wo er sich in verfeinerter Lebensart, Schönheit und Geisteskultur betätigen kann, dem realen, rohen und harten Leben setzt er nur wenig Widerstand entgegen.

 

Den Beweis für das zuletzt bei Bild 19 Gesagte liefert uns Bild 20.

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Bild 20. Starker Kraftverbrauch Archiv

Auffallend ist hier der bekümmerte Ausdruck an Augen und Mund, die Abmagerung an Wangen und Hals, die zu verstehen ist, wenn man die starke Spannkraft an Kinn und Unterkiefer betrachtet.

Der Mann hat von Jugend an eine zu schwere Berufsarbeit gehabt, die nicht mit seiner Veranlagung in Harmonie steht.

Denkt man sich eine wagerechte Linie durch die Mitte der beiden Augen verlaufend, so liegt oberhalb derselben an Formmasse mehr wie im Gesicht unterhalb. Es ist also das Empfindungs-Naturell, das mehr für eine geistige Betätigung in Verbindung mit leichter und feiner Körperarbeit, als für ausschließlich schwere Körperarbeit veranlagt ist.

Daher kann dieser Mensch aus der Harmonie zu sehr in die elektrische Energie und Disharmonie, und vor lauter Aufregung und Behauptungswillen im Lebenskampf sind die Ohren quer abstehend geworden.

Im oberen Teil sind die Ohren hängend, weil er sich auch seelisch-geistig nicht so betätigen konnte, wie es eigentlich seiner Anlage entsprochen hätte.

Das große Gehirn verbraucht schon an sich durch das starke Ideenleben im Verhältnis zum zarten Körperbau sehr viel Kraft. Es kommt die zu schwere Arbeit hinzu und daher tritt u.a. oberhalb des Bartes die tiefe Mattigkeit der Wangen in die Erscheinung, die Abmagerung unter dem Kinn an Hals und Nacken, die starke Unruhe an der Nasenwurzel und die sorgenvollen Querfalten der Stirn. Das Auge ist ja auch wie Hilfe suchend und fast verzweifelt. –

Der Gesichtsausdruck, die Wechselwirkung von Innen- und Außenwelt, läßt sich so mit wenigen Worten erklären. Der Dichter hat also recht:

„In jedes Menschen Gesichte steht seine Geschichte, –

Sein Hassen und Lieben deutlich geschrieben –

Sein innerstes Wesen, es tritt hier ans Licht,

Doch nicht jeder kann´s lesen, verstehn jeder nicht!“

 

Darum weisen wir auf diese lehrfähige Menschenkenntnis hin. 


Des Körpers Form ist

Seines Wesens Spiegel.

Enthüllst du sie, so löst

Sich dir des Rätsels Siegel. 

 

 

Bild „treu und fest“ (Hinzugefügt)

Lebensrichtung von Carl Huter (1905), 1. Strophe:

Immer den Blick nur nach vorwärts gerichtet,

Niemals verzagen, wenn Schweres uns droht,

Selbst wenn das Schicksal uns alles vernichtet,

Schaut nur ins Auge recht mutig dem Tod,

Eins bleibt uns sicher, das nimmt man uns nicht,

Es ist die Treue in Tugend und Pflicht.

 

 

 

 

Große Studienbüste (Photo Myrta Chesini, Schweiz)

Mail vom 23. September 2005 von “Myrta Chesini” mchesini@hispeed.chan Herrn Timm.

Sehr geehrter Herr Timm

Die Studienbüste hat ihr neues Zuhause gefunden. Der neue Besitzer würde

gerne mit Ihnen Kontakt aufnehmen, denn er verbreitet auch die Lehre von

Carl Huter. Wenn Sie das möchten, hier seine Mail Adresse:

info@diagnostik.de ( Hr.Michael Münch ).

Herzlichen Dank für den Kontakt mit Ihnen, wünsche Ihnen alles Gute und

herzliche Grüsse aus der Schweiz

Myrta Chesini         (Hinzugefügt)

 

Schriftleiter Amandus Kupfer, Schwaig bei Nürnberg

D.A. 4500. Druck: C. Brügel & Sohn AG. Ansbach.

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Herausgegeben von Amandus Kupfer, Schwaig bei Nürnberg

Schweizer Huterfreunde

Neuherausgeber Medical-Manager Wolfgang Timm

Copyright 2001-2009 by Carl-Huter-Zentral-Archiv

 D The Gate MK

 

DgM 053

Der gute Menschenkenner 053 von 101

MENSCHENKENNTNIS           

CARL HUTER (1861-1912)

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Der Menschenkenner und die neue Zeit

nach Carl Huters Psycho-Physiognomik

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Herausgegeben von Amandus Kupfer in Schwaig bei Nürnberg

CARL-HUTER-ZENTRAL-ARCHIV

Medical-Manager Wolfgang Timm

http://www.chza.de 

 

  Form Geist

EXTRA LIFE INTELLIGENCE TRANS ENERGY 

PSYCHOLOGIE UND MEDIZIN DER ZUKUNFT 

 

 

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                         
Der gute Menschenkenner                                                                        
                       

nach Carl Huters Psycho-Physiognomik

© Juni 1937, Nr. 53

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DIE LIEBE

ALS LEBENSKRAFT

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PRAKTISCHE STUDIEN

nach Kunst und Leben

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Suche den Geist in der Form,

das Leben im Ausdruck

 

Meist suchte man den Geist oder das Geistige durch Grübeln und Nachdenken zu erforschen. Oder man suchte ihn aus der Bibel und andern Religionswerken oder auf alle erdenkliche Weise zu ergründen. Nur da, wo er wirklich ist, da suchte man ihn nicht – nämlich in Form und Ausdruck.

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In den Formen lebt der Geist (Hinzugefügt)

Doch was der Verstand der Verständigen nicht sieht – das findet in Einfalt ein kindlich Gemüt.

Man sollte erst wieder ganz einfach und natürlich beobachten, erkennen und denken, um das Leben im Ausdruck, den Geist in der lebendigen Form zu erkennen.

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Bild 1. Die Entführung der Helena. National-Galerie R. von Deutsch.

Wir betrachten das obenstehende Bildwerk „Die Entführung der Helena“ – eine Begebenheit aus der griechischen Sage – und suchen neben der Schönheit und Kunst der Darstellung auch den geistigen Gehalt, der aus dem Bilde spricht, psycho-physiognomisch zu erkennen.

Paris, dem schönsten Manne, war durch die Göttin Aphrodite das schönste Weib zugesagt.

Dieses war Helena, die Gattin des griechischen Königs Menelaus, eines Mannes, der, wie ihn die Sage beschreibt, wahrscheinlich im Ernährungs-Naturell lag und daher zu der Helena, wie unser Bild sie uns zeigt, absolut nicht paßte.

Paris, der Sohn des Trojanerkönigs, kam an den Hof des Menelaus. Die beiden von der Göttin Erlesenen lernten sich lieben, und Paris entführte unter Einsatz seines Lebens die Helena.

Diese Szene ist im obigen Bilde, welches Huter treffend als „Heldenmut und treue Liebe“ bezeichnete, künstlerisch wiedergegeben.

Betrachtet man das sehr edle Profil des Paris mit der typisch griechischen Nasenform und dem plastisch markanten Stirnzug über beiden Augen – den Schönheitssinn, die schnelle Auffassung und die Freude am Beobachten der reizvollen weiblichen Lebensformen widerspiegelnd, aber auch die Willensenergie, sie zu erobern, kundgebend -, ferner den liebewonnigen Gesichts- und Augenausdruck, die Kraft und Fülle verratenden Gesichts- und Augenausdruck, die Kraft und Fülle verratenden dunklen Locken seines Hauptes, sowie die edle jugendliche Gestalt im harmonischen Bewegungs-Naturell -, sodann die Helena in der leichten, schmiegsamen Gestalt des feinsten Empfindungs-Naturells mit Harmonie, den liebesstarken und süßen Ausdruck an Mund, Augen und im ganzen Gesicht, so muß man, ob man will oder nicht, die Worte Huters „Heldenmut und treue Liebe“ als die Begebenheit richtig kennzeichnend anerkennen.

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Der junge Krieger am Bug: größte Kraftanstrengung im Dienste dessen, was er bewundert und verehrt; der alte Recke am Heck des Schiffes: gespannteste Aufmerksamkeit in den Augen mit dem Blick der Erfahrung und des reifen Alters, Aufpassen und Anstrengung; die Gestalt im Hintergrunde des zerklüfteten Felsen; besorgte Unruhe, Beobachtung und schützende Hilfe – zeigen die Gefahr, mit welcher die Handlung verbunden ist und geben dem Gemälde die dramatische, wirkungsvolle Umrahmung.

Dieses dramatisch bewegte Bild, Mut, Tatkraft und treue Liebe zeigend, hat Künstler und Kunstfreunde angeregt und lehrt, daß die treue Liebe sich über Gesetz und Norm hinwegsetzt, alles wagt, um alles zu gewinnen.

In Farben und Formen hat hier der Künstler auf die Spur des Liebesgeheimnisses gelenkt. – Er zeigt durch sein Werk, daß die Liebe eigene Wege geht, sich ihre glückliche Ergänzung auf gleicher Wertebene sucht und alle Schranken durchbricht. Folglich muß die starke Liebe ihre eigenen Gesetze haben, die wohl Künstler verehrt und dargestellt und Dichter besungen haben, die aber noch keine Wissenschaft darlegte und kein Gesetzgeber in Norm und Recht gebracht hat.

Carl Huter erst lehrte die harmonische Ergänzung nach der Naturellanlage, die in sich zwingende Kraft hat und dem Höherentwicklungsprinzip der Natur Geltung schafft.

 

Faust und Gretchen

Dieses Bild zeigt im Gretchen die reine Frauenliebe mit dem vertrauensvollen, hingebenden und guten Ausdruck in Gesicht und Körperhaltung.

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Bild 2. Faust und Gretchen. G. Siewert

Prachtvoll ist der Scheitel gewölbt mit dem vollen weichen Haar, das in zwei Flechten herabfällt, so recht das weiche und liebevolle weibliche Gemüt charakterisierend.

Dabei sind Auge und Gesicht von warmen, tiefem und seelenvollem Ausdruck.

Faust ist dargestellt als der Mannesgeist, der das Gute sucht, in dessen offenem Auge und Gesicht die schönsten Vorstellungen und die besten Gedanken und Vorsätze sich widerspiegeln.

In dem jugendlich kraftvollen Haupt- und Barthaar zeigt sich der voll erwachte, liebesstarke Mannesgeist.

Betrachtet man Faust und Gretchen so dicht aneinander geschmiegt, den ganzen glücklichen Ausdruck, so hat man das Gefühl, daß sie wie füreinander geschaffen sind und glücklich werden können.

Faust mag sich durch Ränke zeitweilig verirren, dem lockenden Reiz der Lust und des Lebens erliegen, er kehrt dennoch zum Guten zurück.

Auch das erstere hat wohl der Künstler dadurch andeuten wollen, daß er den Mund sehr weich und voll, die unteren Augenlider gegenüber den oberen Lidern sehr stark gefüllt darstellt, wodurch er die starke Lebens-Liebeslust versinnbildlicht. Dadurch zeigt sich, daß Faust, wenn er verleitet wird, durch Genußfreude und Sinneslust zeitweise vom Wege der Pflicht und des Guten wohl abirren kann.

Denn auch das Haar läßt der Künstler dem Faust in die Stirn fallen und seitlich im breiten Gesicht treten die Jochbeine hervor, wodurch die Neigung zu eigengesetzlichen Handlungen angedeutet sein soll.

Aber Gretchen hat nichts dergleichen, ihr Gesicht ist so rein und edel, der Ausdruck so weich und warm, so voll inniger Liebe, daß man sich sehr wohl denken kann, daß sie durch Untreue und Intrigen zur Verzweiflung gebracht und nur dann unter tragischen Umständen schuldig werden kann.

Der Künstler will also sagen, daß diese reine, edle Liebe das reinste edle Glück in sich trägt und nach sich zieht, daß dieses aber ohne tiefe Treue und Charakterstärke gar nicht denkbar ist, da sonst die Umwelt und tragische Umstände dieses Glück zerstören können. Wenn endlich aber alles Leid überwunden ist, dann gehören die Liebenden doch wieder einander, gereift, geklärt für ein ewiges Glück. – Niemand trübe je des anderen natürlich reines Liebesglück, nur ein menschlicher Teufel kann es zerstören.

Diesen tiefen Sinn hat wohl der Künstler nach dem großen Drama Goethes in dieses Bild hineinlegen wollen.

Man hat den Eindruck, das Glück der beiden müsse ewig sein; aber wenn ein Mephisto dahinter lauert, so ist es dennoch zeitweilig zu zerstören. Ewig aber thront am Ende die reine große Liebe über allem Dämonismus, über Tragik und Leid der Welt. –

 

Die Tragödie, Plastik von Gustav Pillig

Ob der Künstler dieses Werk, Bild 3, so ausdrucksvoll und ergreifend hätte schaffen können, wenn er nicht die Form- und Seelenlehre, die Psycho-Physiognomik [Physiognomische Psychologie], gekannt hätte, ist zu bezweifeln – denn er selbst brachte wiederholt zum Ausdruck, daß ihm dieselbe zu seinem Kunstschaffen unersetzlich sei.

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Bild 3. Die Tragödie. Gustav Billig.

Carl Huter hat die Wirkung dieses Werkes bei der Betrachtung nach Lebensausdruck und Bewegung wie folgt beschrieben:

Sollte auch das Schicksal in Deinem Leben furchtbar walten, so wie es diese beiden vordem Glücklichen betroffen hat, die einstmals sich in reiner Liebe fanden und deren Glück ganz ungetrübt erschien, – wo aber das schwache Weib, von der Versuchung übermannt, von dem Tugendweg entgleiste und dem Bösen unterlag, – da rufe auch Du in Deinem tiefsten Schmerz wie jener Mann zum Himmel auf. – Alles irdische Glück ist vergänglich, der Schmerz, den die Wunde oder das Schicksal brachte, ermanne mich zum verdoppelten neuen Streben, zu der Überwindung alles Leidens, die man nur im tiefsten Glauben an das Höhere finden kann, das hier auf dieser Erde nur Abglanz, aber keine bleibende Wohnstätte haben kann!

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Den höchsten Idealen von nun an geweiht, ertrage alles stärker als zuvor und stoße nicht die Schwachen und Gefallenen liebelos von Dir, sie würden eine Beute werden des lauernden Bösen im Hintergrunde. Richte auch diese Unglücklichen wieder auf, vollbringe auch an ihnen das Werk der Liebe, des Trostes und der Verzeihung, und Du findest reiche Arbeit, ein Lebensziel, – Großes und Schönes zu tun!

Aber Menschenkenntnis, praktische Psycho-Physiognomik [Physiognomische Psychologie] studiere man von der Jugend bis ins Alter und lehre und verbreite sie allerorten in Hütten und Palästen, so wird die Wahrheit siegen, daß das Schöne und Gute, das bessere Teil ist, das sich der Mensch erwählen kann, das Gegenteil nur eitel Torheit ist und Unheil bringt. –

Wenn nun selbst die Liebe, das Heiligste und Höchste, menschlicher Unzulänglichkeit und Tragik ausgesetzt ist, so haben wir doch wohl das Recht, nach dem Geist und den Gesetzen des Lebens und der Freude zu suchen, und zwar nicht nur in oft so grauen Theorien von Büchern und ganz abseits liegenden Dogmen, sondern wir suchen das Geistige da, wo es zu finden ist, in Auge und Angesicht, Körperform, Lebensausdruck und Bewegung.

Ein großes Genie hat uns hier den richtigen Weg gebahnt und wir wollen nun an einigen Bildern aus dem Leben, die Huter, der Begründer der Psycho-Physiognomik [Physiognomische Psychologie], noch charakterisierte, die Liebes-Lebenskraft im Menschen zu erkennen suchen. –

 

Das Doppelbild, Bild 4, zeigt uns zwei gesunde, liebesstarke Menschen.

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Bild 4. Huter-Museum

Zwei weibliche Personen mit starken Liebesanlagen

Bild 4 kann uns nur erfreuen. Es erweckt frohe Zuversicht, wenn man weiß, daß solche Menschen leben und streben.

Es sind zwei gesunde, natürlich lebensfrohe Mädchen mit starken Liebesanlagen und Triebkräften.

Schon das Auge hat den starken inneren Glanz, den die Fülle der Lebensnerven ergibt und den sympathisch zugeneigten, liebevollen Blick.

Starke, gesunde Lebensspann- und Nervenkraft liegt über allen Formen, wodurch z.B. an der Stirn, an den Geweben um beide Augen, an Nase, Mund, Wangen und Kinn ein natürlicher Schmelz der Haut, eine plastische Frische und Spannkraft erzeugt wird, eine schöne, gesunde, natürliche Lebensfarbe und nicht zuletzt ein froher und heiterer Lebenssinn und Lebensausdruck.

Es ist die Lebensstrahlkraft Helioda, die hier alle Gewebe stark durchlebt und durchstrahlt, plastisch formt und abtönt, die Materie der Gewebe lockert, spannt und lebenswarm durchhaucht.

Aber auch die Formen selbst an Mund, Nase, Augen und Kinn sind schön und kräftig, von plastischer Formkraft. Selbst die unteren Augenlider haben noch diesen plastischen, reizvollen Schwung der Lebensnervenfülle.

Die Wangen haben die frische, plastische, warme, volle Blut- und Lebensform- und Schwellkraft, der Unterkiefer ist kräftig gebaut, das Kinn gerundet und vorstehend, den lebhaften Impuls zeigend, die Anlage für Gattenliebe und Zärtlichkeit, Arbeitskraft und Tüchtigkeit.

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Die Haltung ist natürlich, leicht und doch kraftvoll. Das Haar ist voll, es zeigt Nervenspannkraft, ist von gesunder Konstanz und deutet den natürlich frohen, glücklichen Gemütszustand, die Fülle der Nervenkraft.

Beide haben die starken Nerven. Was ist ihnen Arbeit? – Sie ist ihnen leicht und macht Freude, erst so recht, wenn sie mit Spiel und Tanz, mit schönen Vergnügungen und Freude wechselt. Es sind gesunde, natürliche, liebesstarke Menschen, die Freude an dem natürlichen Genuß des Lebens haben aus Anlage und Neigung, die glücklich und froh in die schöne Welt geboren sind.

Naheliegend zu folgern, daß diese starke Liebes-Lebenskraft ausersehen ist, den schier unerschöpflichen Quell der Kraft fortzupflanzen in begabten, schönen, gesunden und glücklichen Kindern.

Deutlich spricht der starke, gesunde Lebens-Liebes-Geist aus diesen beiden Wesen, uns belehrend, das liebesstarke, edle Leben, den frohen heiteren Lebenssinn auf allen Wegen als ein kostbares Gut des Lebens überhaupt zu schützen, zu hegen und zu pflegen.

Durchaus nicht sollte der liebesschwache, oft in Dogmen erstarrte oder gealterte Mensch ein Vorrecht haben, das Liebesleben nach seinem Sinn zu gestalten, sondern vielmehr sollte es der liebesstarke, edle Mensch haben, auch in Sitte und Recht!

Man braucht nur Auge und Gesundheit dieser natürlich frohen Menschen bis in alle Einzelheiten zu studieren, um zu erkennen, wo der Geist des Lebens und der Liebe zu suchen und zu finden ist, nicht am grünen Tisch, noch in dicken Büchern und Folianten, sondern in Aug´und Angesicht, kurz im Lebensausdruck.

 

Dieses Bild 5 zeigt genau das Gegenteil von Bild 4, zwei Freundinnen, die einander sehr zugetan sind, aber einen schwachen Trieb zum andern Geschlecht haben und sich daher nur schwer entschließen können, zu heiraten.

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Bild 5. Zwei gute Freundinnen. Huter-Museum

Beide sind sehr berufstüchtig, stehen auf eigenen Füßen, sind zwar grundverschieden, aber hochintelligent, haben viel Wissen, Erfahrung und Bildung und doch stehen sie abseitig, sozusagen einsiedlerisch da und glauben, damit den Lebenspflichten Genüge zu tun.

Die Natur ist doch ein großes Rätsel, sie schafft die buntesten Lebensformen, entsprechende Anlagen und Geistesrichtungen.

Und nun betrachten wir den Lebensausdruck, er ist aber auch ganz und gar verschieden von Bild 4, und zwar besonders bezüglich der zum Ausdruck kommenden Lebens-Liebeskraft.

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Geheim-Kräfte in der lebenden Zelle (Hinzugefügt)

Die Lebenskraft im Menschen trägt den Charakter der Liebe und Freude, beruht auf Strahlung und ist geistig schöpferisch. Sie hat die Eigenart, daß sie sich spalten, also teilen kann und je nach Möglichkeit die einen oder anderen Anlagen zur Entwicklung bringt.

Dadurch verursacht sie die Verschiedenheit der Menschen und die so mannigfaltig bunte Lebenswelt. Je nach ihrer Stärke und Richtung durchlebt, durchspannt und durchstrahlt sie die verschiedenen Gewebe, lockert und verfeinert dieselben, macht sie sozusagen blühend, frisch, gesund, froh, heiter, edel und schön.

Das ist bei Bild 4 deutlich beschrieben. Bei den beiden in Bild 5 dargestellten Damen dagegen ist der Überschuß an quellender Liebes-Lebenskraft und die Neigung zum anderen Geschlecht schwach, und entsprechend sind die Formen und Gewebe an der unteren Nase, an Mund und Kinn und die Umgebung dieser Gesichtsteile, die mit den inneren Leiborganen korrespondieren, wie versteift, gehärtet und eingetrocknet. Das Blühende, Prächtige, Lebens- und Liebeswarme fehlt, die Formen sind lange nicht so plastisch, sondern auf den Wege der Verarmung, als wenn sie verwelken und verhölzern möchten. Im Ausdruck der beiden Gesichter fehlt die bei Bild 4 gekennzeichnete wunderbare Frische und lebenswarm zugeneigte Plastik.

Aber Vorder- und Oberhirn haben an Kraft zugenommen, daher der Ausdruck gesteigerter Intelligenz und die entsprechende Willenstätigkeit. Sie sind streng gegen sich und andere und das natürliche Gefühl der Lebensfreude ist beengt und schwach.

Das ist das Geheimnis des Lebens, dem wir hier auf der Spur sind, die sichtbar geistige Offenbarung des inneren Lebens. Jeder kann das an den Bildern erkennen und im Leben noch viel deutlicher ständig nach jeder Richtung hin beobachten.

Weicht das Leben von den natürlichen Gesetzen ab, sind alsbald die Folgen da, machen sich immer mehr bemerkbar und treten schließlich ganz deutlich im äußeren Erscheinungsbild, besonders an Augen, Nase, Mund, Kinn, Hals, Nacken und Wangen hervor.

Wir haben dann hier zum erstenmal eine wunderbare praktische Lebens-, Seelen- und Geisteswissenschaft vor uns, die berufen erscheint, Beachtung zu finden und den größten Segen zu bringen.

Nie also weiche der Mensch vom Natürlichen ab, er degeneriert sonst, ist nicht mehr ganz und vollwertig, nur noch ein halber Mensch und noch weniger.

Herrlich ist die gesunde, edle, glückliche Liebesnatur, man suche aber ihre Gesetze zu ergründen, die allein aus dem Lebensausdruck unmittelbar, herrlich, wie kein Maler und Dichter sie schildern kann, zu erkennen sind.

 

Was glaubt man denn, welche Kraft dieses Auge, Bild 6, Gesicht und Form geschaffen hat, durchgeistigt und belebt?

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Bild 6. Der starke Liebes-Lebenssinn. Huter-Museum

Es kann nur die Lebensstrahlkraft Helioda sein, die an sich göttlicher, ewiger und schöpferischer Natur ist, die physikalischen Kräfte und chemischen Stoffe belebt, organisiert, ordnet, lagert und richtet.

Man beachte bei aller Belebtheit von Augen, Gesicht und Mund die klassische weibliche Geistesruhe, Kraft, Liebe und Schönheit, die aus diesem Gesicht und Auge spricht.

Nur die Helioda-Liebeskraft kann diese Formen so verfeinern und verschönern. Saft und Kraft, Reserveblut und edle Stoffe stehen hier wie in Bild 4 unter einem einzigen abgetönten Leitmotiv.

Kein Künstler vermag die Augenlider und die Gewebe um beide Augen schöner zu formen, dem Auge einen glücklicheren Ausdruck zu geben, wie es hier die Lebensspann- und Strahlkraft lebendig zuwege gebracht hat, dem Formenausdruck Geist, Leben, Seele und die liebesstarke Abtönung verleihend.

Man wende nun nicht ein, die Kleidung sei nicht mehr Mode, das Haar nicht abgeschnitten, die Augenbrauen nicht gemalt. – Was schadet es? – Wechselnd ist die Mode, aber ewig ist der Geist, der nach unabänderlichen Gesetzen die Form bildet und den allein wollen wir verehren, lehren und zu erfassen versuchen.

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Klassisches Sehen (Hinzugefügt)

Wer sehen lernen will, der suche zu zeichnen, zu formen und ein neues klassisches Beobachten zu lernen, die wunderbar gestaltende Lebenskraft zu erkennen, die Form, Geist, Seele und Ausdruck verleiht.

Es muß ein göttliche Kraft sein, jenes geistige Etwas die Lebens-Liebeskraft im Menschen, die heute mikroskopisch im anatomischen Strahlengebilde des Zentrosomas der Zelle nachzuweisen ist, die jeder experimentellen Nachprüfung standhält.

Es ist jene Kraft im Menschen, die schon das Auge bei guten Gedanken sich erhellen und bei bösem Denken sich verdunkeln läßt.

Man betrachte den glücklichen Ausdruck, der im Gewebe und an der Stirn liegt, besonders hoch oben, wo das Wohlwollen sich ausprägt, wo der Geist der Liebe die edelsten Gedanken entzündet.

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Mirrors / Spiegel (Hinzugefügt)

Prachtvoll legt sich um Stirn und Haupt das Haar von gesunder Farbe und Substanz, den glücklichen Gemütszustand wiederspiegelnd, den Lebensgeist, der selbst die letzten belebten Organteile bis in die Haarspitzen formt.

Auch im übrigen Gesicht, an der prachtvollen Oberlippe, im voll und lebenswarm geformten schönen Mund, der das Begehren und Erleben zeigt, ferner in der schönen Wölbung unter der Unterlippe, wo die gute Lebensart und das Benehmen zum Ausdruck kommen, bis zum gerundeten Kinn, das den zurückhaltenden weiblichen Impuls zu Liebestugenden und Zärtlichkeiten zeigt, kann die starke Liebesformkraft gar nicht sprechender gezeichnet und modelliert werden.

Es ist das glückliche, gesunde, liebesstarke Leben, das diese Form charakteristisch durchlebt, geschweißt, durchströmt, durchformt und geschaffen hat.

Man suche daher den Geist, die Seele im Ausdruck, und man wird an den Bildern 4, 6, 7 und 8 finden, daß sie wie aus einem Guß geschmiedet sind, gleichsam, als wären die Personen Geschwister, obwohl sie sich fernstehen, es ist nur dasselbe stark abgetönte liebesstarke Leben, das sie gemeinsam haben, das in diesen Formen sich widerspiegelt.

Auf diese höchste Kraft im Menschen wollen wir unsere Zuversicht gründen, wissen, daß alles Leben aus jener unendlich starken Liebe und Schöpferkraft entstanden ist und noch entsteht.

Man sage nicht, der liebe Gott allein habe den Menschen geschaffen, denn der Mensch trägt die göttliche Schöpferkraft in sich. Er soll sie aber adeln, ja stolz darauf sein, pflegen und sich glücklich entfalten lassen. Wer nun sagt, das sei kein Gebot Gottes und nicht entsprechend handelt, der verkennt sein eigenes Leben, jene Kraft, die höchste im Weltall, die ihm und allen Mitwesen durch die Schöpfung übertragen und mitgegeben ist.

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Auch dieses Bild 7 reiht sich den vorhergehenden Bildern 4 und 6 in der Formbildung und im Ausdruck als durchaus ähnlich an.

Die Augen haben den schon bezeichneten nervenstarken, glanzvollen Ausdruck. Die unteren Augenlider zeigen in der kraftvollen Bildung die wirklich starke Lebensnervenfülle.

Besonders auch die Bildung der unteren Nasenform und die kraftvolle Oberlippe lassen ebenfalls die Fülle, Gesundheit und Kraft der damit in physiologischem Zusammenhang stehenden inneren Organe erkennen.

Im kraftvollen vorstehenden Kinn aber zeigt sich der lebhafte Impuls, die große Gattenliebe, Tätigkeits- und Arbeitsdrang.

Im ganzen Gesicht liegt dieser lebensstarke, lebenswirkliche und lebensfrohe Ausdruck.

Man kann sich wohl denken, wie diese Frau mit ihrer starken Nerven- und Liebeskraft und Lebensfreudigkeit arbeiten und schaffen, als Mutter und Gattin, als Gehilfin ihres Mannes nach jeder Richtung hin ihre Aufgaben voll und ganz erfüllen kann, daß sie aber dem natürlichen Lebensgenuß und der Lebensfreude ebenso zugeneigt ist.

Man muß diesen gesunden, liebesstarken Menschen loben, seinen ganzen Wert erkennen, auch den praktischen Sinn für das natürliche Leben. Wir sehen aber auch, daß es gar nichts Glücklicheres geben kann, als die starke Lebens-Liebeskraft, die den Formen des Gesichts das glückliche, schöne, gesunde Aussehen verleiht und den Menschen so überaus wertvoll, so richtig passend in das Leben gestellt hat, voll seiner Aufgabe zu genügen.

Es lohnt sich der Mühe, so den Geist aus den Formen, der den ganzen Wert der menschlichen Persönlichkeit ausmacht, erkennen, verstehen und würdigen zu lernen.

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In den Formen lebt der Geist (Hinzugefügt)

 

Noch ein letztes Bild gehört in diese Reihe, um unsere Lebens- und Liebeskraftstudien zu vervollständigen und in wirklicher Lebenswahrheit darzulegen.

Der Leser entnahm wohl schon aus den vorangegangenen Beschreibungen, daß hier die gesunde starke Lebens-Liebeskraft nicht als etwas Prüdes, das man nicht kennen darf oder nicht wahrhaben will oder gar als minderwertig und verächtlich betrachtet wird, sondern im Gegenteil als ein großes Glück des starken gesunden Menschseins.

Hier, bei Bild 8, liegt im Gesicht der 21 jährigen Mutter auch noch das große seelische Glück über ihren Liebling, das Kind. Die Augen verraten nichts von Schwäche, wohl aber eine milde Verklärtheit und große Lieblichkeit. Alle Formen im Gesicht sind von großer, etwas zarterer Reinheit, auch die unteren Augenlider sind plastisch gefüllt, wenn auch etwas zarter.

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Bild 8. Die glückliche Mutter, das gesunde, liebe, begabte Kind. Huter-Museum

Man betrachte auch das liebliche Spiel der Hände und die Anmut der Haltung, es spiegelt sich darin das natürliche Lebensglück.

Und nun betrachte man das 9 Monate alte Kind – diese natürliche Hilfsbedürftigkeit -, und doch ist die Ruhe in dem kleinen Gesicht und Auge zu bewundern.

Recht gut kann man schon die breite Nasenwurzel erkennen und die darüber vorgebaute Stirn, wo das Tatsachen- und Begebenheitsgedächtnis liegt.

Auch kann jeder leicht erkennen, daß das Seitenhaupt mit der wirtschaftlichen Veranlagung und dem Tätigkeitstrieb schon recht gut entwickelt ist. Wie voll ausgefüllt die Schläfen des Kindes sind – ein Zeichen der stark vererbten Lebenskraft und Gesundheit.

Was Besseres kann dem Kinde ja gar nicht mitgegeben werden als eine starke Lebenskraft durch lebens- und liebesstarke Eltern. Man sieht, wie schön anliegend das Öhrchen geformt ist, das den Seelenadel zeigt, und dazu kommt noch der glückliche Ausdruck des Mundes.

Wie wertvoll ist doch diese Psycho-Physiognomik [Physiognomische Psychologie] allein, um das kleine Kind recht zu verstehen, das noch nicht sagen kann, was es bedrückt und erfreut. Alles sollte die Mutter ihrem Kinde an Auge und Gesicht abzulesen verstehen.

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Physiognomische Psychologie (Hinzugefügt)

Unendlich viel Liebe braucht nun wiederum zunächst das Kind zu seinem besten körperlichen, seelischen und geistigen Wachstum. Liebe ist und bleibt die Lebenskraft, und alles Leben ist aus Liebe entstanden, es ist die Kraft in uns, der wir alles verdanken.

Was ist das für eine wunderbare Entdeckung Carl Huters, daß er die Liebe als Lebensstrahlkraft, entwickelt aus der Empfindungsenergie der Materie, naturwissenschaftlich nachgewiesen hat mit ihrer Zentrale im Zentrosoma der lebenden Zelle!

Die Wertschätzung dieser Entdeckung wird wachsen, und wenn Jahrhunderte vergehen, nie wird man aufhören, den Geist zu loben, der diese große Entdeckung zuerst gemacht und ausgebaut hat.

Mag die Wissenschaft fortschreiten, die Kenntnis vom Leben und der Lebenskraft sich vertiefen, nie wird man aufhören, den Grad der Lebens-Liebeskraft aus Augen und Gesicht, Gewebe und Strahlkraft, Gestalt und Bewegung zu erkennen und zu studieren.

Hier sind die ersten Anfänge, mögen sie Aug und Sinn erhellen, um das Leben glücklicher zu gestalten, die schwache Lebenskraft des Menschen von der Wiege an zu heben und ihm entsprechende Aufgaben zu stellen, denn auch das gehört zur menschlichen Lebenskunst.

 

Kinderbildnis Nr. 9.

Um nun kurz darauf zurückzukommen, daß man auch schon beim kleinen Kind das innere seelische, körperliche und geistige Leben in Augen und Gesicht erkennen kann, was jede Mutter weiß, auch wenn es ihr noch keine Wissenschaft gelehrt hat, bringen wir ein weiteres Studienbild.

Gerade beim kleinen Kinde kommen und gehen die Gedanken und Gefühle langsamer und man ist leichter imstande, den Ablauf in Auge und Gesicht zu verfolgen.

Die Lebenskraft durchstrahlt alle Zellen, Atome und Moleküle, sie macht Empfinden, Gefühl, Seele, Geist und Leben aus. In dem Moment, wo sich die Stimmung verändert, zeigt sich das zuerst im Auge und im Blick, danach an Mund und Wangen und allen Geweben, sogar das Haar nimmt Anteil. Es ist die Formkraft der Psyche, von welcher Bild 9 uns überzeugen kann.

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Bild 9. In sehr schlechter Laune (Aufnahme mit Zeiß-Ikon-Kamera)

Das Kindchen hat eine gesunde Kraftnatur und energisch bringt es seine schlechte Stimmung im Gesicht zum Ausdruck.

Im zusammengekniffenen Auge liegt sprechend der ganze Unwille über das Mißgeschick, welches das Kindchen betroffen hat, und da es sich noch nicht verstellt, so verzieht es das Näschen und kneift die Oberlippe herunter, so daß die Unterlippe hervorquillt. Es ist bitterböse, verstimmt, und das ist sein Ausdruck dafür.

Das ist der Lebensausdruck, tausendfach verschieden, ein unablässig buntes Spiel, immer feiner und komplizierter werdend und dennoch der vollen Gesetzmäßigkeit unterliegend.

 

Die Gesetze der strahlenden Lebenskraft Helioda nachgewiesen zu haben, ist eine geistige Großtat allerersten Ranges.

Die Helioda ist positiver und negativer Natur, von außen nach innen aufnehmend und organisierend, und von innen nach außen schöpferisch gestaltend.

Bei Bild 4, 6 und 7 ist die schöpferische Helioda am stärksten, daher die plastisch blühenden Formen.

 

Bei Bild 10 ist bei allen drei Personen die positive und negative Helioda etwa gleich stark, das seelische, negative, empfindende Innenleben und die positive, nach außen tretende, schöpferische Lebensstrahlkraft.

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Bild 10. Bruder mit zwei Schwestern.      Huter-Museum

Bei allen drei Personen ist eine gute Vereinigung seelischer und sinnlicher Liebe in der Anlage vorhanden

Infolgedessen weisen die Formen bei aller Plastik und Strahlung noch eine besondere Innerlichkeit und Tiefe, Zartheit, Feinheit und Weichheit auf. Die Formen und Gewebe sind wie von innen durchleuchtet, und entsprechend ist der Farb- und Gewebston.

Das ist bei unserem Bilde wunderbar zu sehen, eine besondere Reinheit und Feinheit liegt über allen Formen, eine besondere Durchgeistigung und seelische Tiefe – bei aller plastischen Formkraft.

Es dürfte dem Leser nicht schwer fallen, das zu sehen, die Beschreibung bis in alle Einzelheiten führt zu weit.

Man betrachte den geistig gespannten Ausdruck an den Auge, dabei das gleichzeitig vorhandene warme Quellende an Nasenform und Mund, was auf das tiefste seelische Empfinden deutet, schließlich am Kinn, an den Wangen, an allen Geweben und am Haar. Ein besonderer, reiner und feiner Ausdruck, wenn man so sagen darf, eine besondere seelische Prägung, liegt über allen Formen.

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Ein einziges Bild bringt auf die richtige Spur, Carl Huter selbst, der die Lebenskraft in allen Phasen nachwies, hat dieses Bild wie oben bezeichnet, es ist daher von außerordentlichem, wissenschaftlichen Wert.

Eine ganz neue Natur- und Lebenskraftbetrachtung eröffnet sich allein aus diesem Beispiel.

Die Natur läßt sich, wie Goethe zum Ausdruck brachte, mit Hebeln und Schrauben ihre Geheimnisse nicht abzwingen. Sobald aber der Mensch anfängt, richtig den Geist aus den Formen zu sehen, gibt sie ein Geheimnis nach dem andern preis. – Aber – der Mensch muß der Natur seinen Tribut bezahlen, damit sie ihr inneres Wesen offenbaren, seine Sinne, sein Lebensgefühl verfeinern, Geist und Verstand neu schulen, sonst sind und bleiben ihm zeitlebens diese und noch viele andere Wahrheiten verschlossen.

Die Natur zwingt – sie erreicht ihr Ziel der geistigen Verfeinerung, des geistigen Wachstums und der Höherentwicklung. Diesen inneren Reichtum aber kann niemand geben, noch, wo er einmal erworben ist, nehmen. Die Natur steht felsenfest, sie gibt uns aber zu verstehen: ihr müßt den richtigen Weg einschlagen.

 

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Drei Photographien, welche zeigen, wie wunderbar lebendig formend und Ausdruck verleihend die Lebens-Liebeskraft ist

Diese drei Bilder sind Aufnahmen von ein und demselben jungen Herrn.

Nr. 1 zeigt ihn in hoffnungsfrohem, glücklich liebendem Zustand.

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Bild 1. Huter-Museum

Man beachte den Ausdruck an Augen und Augenumrahmung, Nasenform, Mund und Wangen, besonders im mittleren Gesicht.

Man beachte, wie das Haar liegt, es kennzeichnet – da Leben, Empfinden, Geist und Seele auch im Haar fortwirken – ganz den oben bezeichneten Gemütszustand.

Fest, bestimmt, glücklich im Ausdruck tritt uns hier der junge Herr vor Augen. Fest gebaut ist die Form, aus einem inneren glücklicheren Zustand heraus ist das Auge offen, klar und fest, erwartungsvoll und froh.

Nichts trübt seine Seele, seinen Geist, d.h. die innere Lebens-Liebeskraft ist stark und froh, daher dieser starke, frohe, glückliche, männliche Ausdruck.

Das bis in alle Einzelheiten in Wort zu kleiden ist nicht möglich, das Auge ist der vornehmste Sinn und mit einigen Blicken läßt sich vielmehr sehen, als man in Worten beschreiben kann.

 

Bild 2 zeigt den Herrn in unglücklichem Zustand, mit enttäuschtem und betrogenem Liebesleben.

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Und nun sehe man sich die Veränderungen an Augen, Nase, Mund, Haltung, Gesicht und Haar an, es ist, als sei der Sturmwind durch alle Tiefen der Seele geweht, das Empfinden ist aufgerührt bis in alle Zellen, Atome und Moleküle.

Der gesamten Form ist der glückliche Ausdruck genommen, selbst die Spannkraft der Haltung hat merklich gelitten, als habe der Sturm den Baum geschüttelt und fast entwurzelt.

Traurig blickt das Auge, Schatten haben sich besonders in den inneren Augenecken gebildet, Schatten und feine Formveränderungen an den Geweben. Das Empfinden hat durch das Leid gelitten, aber es hat sich auch zweifellos vertieft. Direkte Formveränderungen an der unteren Nase, an Mund und Augen sind deutlich zu erkennen. Düster ist der Ausdruck geworden, als wenn ein Gewitter am Tage die helle, sonnige Natur verdunkelt. Selbst das Haar nimmt daran Anteil.

Wer will, der kann sehen, daß die Seele, die Psyche die Formkraft hat, aber im Sehen muß man konzentriert sein, sonst sieht man wohl das Bild, aber nicht den Geist, der daraus spricht, obwohl die beschriebenen Veränderungen objektiv vorhanden sind.

Wer nachdenkt, erkennt, daß die Lebenskraft in den Geweben und Formen Liebes-, Glückes- und Freudeskraft ist, die Leben, Spannung, Kraft, Ausdruck und – Gesundheit steigert.

Schreitet dieses seelische Liebesleiden fort, so folgt Verfall der Kraft, Verfall der Form, und aus seelischem Leiden kann, das ist bekannt, Siechtum und selbst der Tod hervorgehen.

Bild 2 sieht aus, als wäre es der Schatten von Bild 1, der im Hintergrunde steht und diesem gefolgt sei.

Wo die Liebe enttäuscht, verwundet, behindert ist, da folgt Leid und Nachlassen jeglicher schöpferischen Kraft. Die höchste Weisheit ist demnach, des Volkes Kraft durch Stärkung der Liebe, des guten Vertrauens, des Glückes, der Freude zu heben, das macht stark, gesund und unüberwindlich.

 

Nun Bild 3, es ist derselbe Herr einige Zeit später, mit Mißtrauen erfüllt infolge der Enttäuschung und dem erfahrenen Leid im Liebesleben.

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Bild 3.

Man hat den Eindruck, als sei das Gesicht schmäler und härter geworden, was sich besonders in den äußeren Gesichtskonturen zeigt. Die Formen treten härter, sozusagen eckiger hervor.

Der glückliche und warme Ausdruck des Auges hat einem harten, mißtrauischen Blick Platz gemacht.

Dieser Ausdruck liegt auch an der Nasenform und am Mund, dessen Winkel den Zug nach abwärts erhalten haben.

Die Gesamtform hat unverkennbar einen strengen und harten Zug erhalten, was man, wie gesagt, besser an dem Bilde unmittelbar sehen wie beschreiben kann.

 

Aus Bild 1 sehen und lernen wir deutlich, wie Liebe und Glück die Formen sonnig, hell, freundlich, licht und lebenswarm gestalten.

Bild 2 aber zeigt, daß Liebesunglück die glückliche Lebensform in Verfall bringt, – und Bild 3, daß Mißtrauen die Gewebe fester und härter, strenger und kälter werden läßt, da hier der Magnetismus und die elektrische Energie stärker hervortreten und die Helioda übertönen.

Die Liebes-Lebenskraft sollte nicht bei Enttäuschungen dem Mißtrauen und der harten magnetischen oder gar der elektrischen Energie Platz machen und unterliegen, sondern sich durch Weisheit, Selbstüberwindung und Menschenkenntnis erst recht gereift und geläutert herauskristallisieren.

 

Was wir an diesen drei Bildern unterscheiden, zeigt uns deutlich die Formkraft der Psyche, der Seele, jener höchsten Kraft, die unser Leben ausmacht, die Lebenskraft, Liebes-, Freudes-, Lust- und Glückeskraft ist.

So wie diese die Gewebe belebt, lockert, formt, verschönert, durchstrahlt und plastisch spannt, ist sie auch in ihrer höchsten Blüte und Konzentration Geistes- und Schöpferkraft.

Bei aller Weisheit der Welt ist daher die Lehre Jesu nicht zu übertreffen, daß die Liebe am höchsten steht. An die Liebe ist alles Glück, alle Kraft und Tugend gebunden. Der gewaltigste Fortschritt liegt darin, diese höchste Kraft im Verein mit allen andern Natur- und Lebenskräften im Menschen zu erkennen, sie im Ausdruck sehen zu lernen und danach das Leben glücklich zu gestalten.

 

 

Des Körpers Form ist

Seines Wesens Spiegel.

Enthüllst du sie, so löst

Sich dir des Rätsels Siegel. 

 

 

Bild „treu und fest“ (Hinzugefügt)

Lebensrichtung von Carl Huter (1905), 1. Strophe:

Immer den Blick nur nach vorwärts gerichtet,

Niemals verzagen, wenn Schweres uns droht,

Selbst wenn das Schicksal uns alles vernichtet,

Schaut nur ins Auge recht mutig dem Tod,

Eins bleibt uns sicher, das nimmt man uns nicht,

Es ist die Treue in Tugend und Pflicht.

 

 

 

 

Große Studienbüste (Photo Myrta Chesini, Schweiz)

Mail vom 23. September 2005 von “Myrta Chesini” mchesini@hispeed.chan Herrn Timm.

Sehr geehrter Herr Timm

Die Studienbüste hat ihr neues Zuhause gefunden. Der neue Besitzer würde

gerne mit Ihnen Kontakt aufnehmen, denn er verbreitet auch die Lehre von

Carl Huter. Wenn Sie das möchten, hier seine Mail Adresse:

info@diagnostik.de ( Hr.Michael Münch ).

Herzlichen Dank für den Kontakt mit Ihnen, wünsche Ihnen alles Gute und

herzliche Grüsse aus der Schweiz

Myrta Chesini         (Hinzugefügt)

 

Schriftleiter Amandus Kupfer, Schwaig bei Nürnberg

D.A. 4500. Druck: C. Brügel & Sohn AG. Ansbach.

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Herausgegeben von Amandus Kupfer, Schwaig bei Nürnberg

Schweizer Huterfreunde

Neuherausgeber Medical-Manager Wolfgang Timm

Copyright 2001-2009 by Carl-Huter-Zentral-Archiv

 D The Gate MK

 

DgM 051

Der gute Menschenkenner 051 von 101

MENSCHENKENNTNIS           

CARL HUTER (1861-1912)

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Der Menschenkenner und die neue Zeit

nach Carl Huters Psycho-Physiognomik

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Herausgegeben von Amandus Kupfer in Schwaig bei Nürnberg

CARL-HUTER-ZENTRAL-ARCHIV

Medical-Manager Wolfgang Timm

http://www.chza.de 

 

  Form Geist

EXTRA LIFE INTELLIGENCE TRANS ENERGY 

PSYCHOLOGIE UND MEDIZIN DER ZUKUNFT 

 

 

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                         
Der gute Menschenkenner                                                                        

 

nach Carl Huters Psycho-Physiognomik

© April 1937, Nr. 51

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DIE GROSSEN

FRAUEN

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An den großen, charaktervollen, idealen Frauennaturen sind die großen Männer und Völker emporgewachsen, an den charakterlosen, lieblosen, sittenlosen zugrunde gegangen.

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Unser Zeichner Erich Mellerke bei der Arbeit.

 

Es kann wohl keine schönere Aufgabe geben, als das Leben großer Frauen zu schildern und zu würdigen.

Wir lernen sie aber erst so recht verstehen, wenn das Bildnis vor uns liegt und die psycho-physiognomische Kunst der Menschenkenntnis dabei in Betracht gezogen wird.

Das soll hier geschehen. –

Daß es nun gerade Schweizer Frauen sind, die wir heute würdigen wollen, liegt nicht etwa daran, daß vielleicht andere Länder weniger große Frauen hatten, nein – das ist es nicht, sie sind überall vorhanden und oft gerade da, in kleinen Alltag des Lebens, wo wir sie am wenigsten vermuten.

Gerade die Schweiz, dieses schöne Land mit seinen urwüchsigen Bewohnern, und besonders die deutschsprachige Schweiz ist uns stamm- und artverwandt, und von jeher hat besonders zwischen Baden- und Würtemberg diesseits und den Schweizer Kantonen jenseits des Rheines ein reger Verkehr stattgefunden.

Wer wie ich im Laufe der letzten Jahrzehnte so viel Gutes durch die Schweiz erfahren hat und die Schweizer Gastfreundschaft kennenlernte, der kann gar nicht anders, als die Schweiz und die guten Schweizer Leute hochachten und wertschätzen.

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Vereinsgründung „Helioda“ in der Schweiz 1934  (Hinzugefügt)

 

Mit Staunen und Verwunderung haben viele Schweizer unsere Psycho-Physiognomik [Physiognomische Psychologie] kennengelernt und sind mit Feuereifer, so recht mit dem urwüchsigen Geist des Schweizer Volkes, dafür eingetreten.

Groß, klar, sonnig und licht wie die Berge und Höhen des Schweizer Landes sind diese neu erkannten ewigen Wahrheiten der Natur, welche die Psycho-Physiognomik [Physiognomische Psychologie] erschließt.

Aber ich meine, ich habe das Schweizer Volk doch erst so recht in seinem Kern verstehen können, nachdem ich seine großen, edlen Frauen würdigen und verstehen lernte. Ich glaube, hier liegt ein Kernpunkt seiner Kraft, Treue und Rechtschaffenheit, den man nie übersehen sollte.

Betrachtet man das Leben der großen Schweizer Frau und besonders auch im psycho-physiognomischen Sinne, dann ist das Band zwischen der Tradition und dem Leben und Wirken des Schweizer Volkes gefunden. – Das ist der Sinn der nun folgenden Betrachtungen.

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Bild 1. Anna Marty.

Freilich ist ihr Name nur ein Pseudonym, sozusagen ein Gleichnis für viele andere, die unerkannt und unbeachtet ein Heldentum ihres Frauendaseins lebten.

Aber Anna Mary hat wirklich gelebt, sie war freilich nur eine ganz einfache Fabrikarbeiterin, doch nichtsdestoweniger eine edle Frau, eine Heldin in ihrem Wirkungskreis.

Ihre Heimat war an der Grenze der Hochalpen, wo die Natur bereits ihre Bergespracht entfaltet und – im Gegensatz dazu – im Tale die Fabrikschlote der großen Webereien rauchen.

Dort verbrachte Anna Marty ihr Leben. Arm – bitterarm, sah sie ihr Los voraus. Zuerst diente sie mit ganzer Kraft ihren armen Eltern, dann, obwohl sie sah, was kommen würde, nahm sie den Mann ihrer Liebe und diente nun ihm und ihren Kindern.

10-12 Stunden in der Fabrik, weite Wege in Sturm, Wind und Sonnenschein, und in ihrem Häuschen am Berge wartete nun erst recht die Arbeit auf sie.

Nimmermüde trug sie ihr schweres Los, immer gut und hilfsbereit lebte sie ein Leben nicht für sich und nur für andere.

Als dann ihr Mann in den Bergen durch einen Unfall zu Tode kam, da verzagte sie nicht, nahm weiter alle nunmehr vermehrte Arbeit und die liebe Sorge auf sich um ihre Kinder zu rechtschaffenen Menschen zu erziehen.

Obwohl ihr Körper schon ausgemergelt war, ihr die Kraft versagte, sie raffte sich immer wieder auf, um bis zur letzten Stunde zu schaffen, zu arbeiten, Gutes zu tun.

Sie war ein edler Mensch, wie eine Edeltanne auf einsamer stürmischer Höh, fest verwurzelt mit ihrer Heimat, gerade und aufrecht durch das Leben gehend.

Wir betrachten dieses wunderbare, große, willensstarke Auge – wie man es gar oft in der Schweiz findet -, das sowohl tief nach innen aufnimmt, wie auch in die Ferne sieht, charakterfest, klar und rein wie ein Bergkristall.

Man betrachte die unerschütterliche Willenskraft und Pflichterfüllung, die aus dem Auge spricht, man beachte die Charakterfestigkeit, die Selbstbeherrschung und Selbstaufopferung, die Willensfestigkeit, die in der kraftvollen Nasenform und dem Stirnansatz zum Ausdruck kommt.

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Man vergißt dabei ganz das einfache Kattunkleid, den abgezehrten Hals, die enge Brust, das Leid und die Entbehrung, die am Mund sich spiegeln, die harte, über ihre Kräfte gehende Arbeit, die das Kinn noch deutet, – man vergißt das alles ganz und glaubt es nicht mehr zu sehen, wenn man dieses herrliche Auge und die gerade Haltung des Kopfes betrachtet.

Anna Marty ist in Wirklichkeit eine königliche Frauennatur, sie liegt im Tat- und Bewegungs-Naturell mit Harmonie und Idealität.

Das ist des Rätsels Lösung! Wir wissen nach unserer Psycho-Physiognomik, daß dieses Naturell den höchstwertigsten Menschen eigen ist. Hier sehen wir es vor uns, wie es im Leben gekämpft, gelitten und aufrecht sich durchrungen hat und alle Pflichten auf das beste, nicht für sich, sondern für andere erfüllte!

Das ist es, was wir aus diesem Bildnis lernen wollen, die königliche Natur auch unter den Ärmsten des Volkes von vornherein zu erkennen, um sie dann nach Möglichkeit in einen solchen Wirkungskreis zu bringen, wo sie nicht nur in kleinem und engem Rahmen, sondern darüber hinaus zum größten Nutzen und Segen für die Allgemeinheit vorbildlich wirken kann.

Das ist es, was diese Psycho-Physiognomik [Physiognomische Psychologie] als Weltkulturfaktor erreichen will. –

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Unser Zeichner, Herr Mellerke, schrieb: „Wenn man diese Frauenbilder zeichnet, dann merkt man so recht den großen Geist, der daraus spricht!“ Jawohl, wir wollen sie erkennen, die hochwertigen Edelmenschen auch unter den Frauen, und wir wollen sie schätzen als unser kostbarste Gut auf Erden!

 


Bild 2. Frau Katharina Sulzer-Neuffert.

Jetzt sehen wir im Geiste ein frisches Mädchen ihre Heimat im Schwabenland verlassen, wo ihre Eltern gestorben waren und sie nun ganz allein auf sich selbst angewiesen dastand.

Mit frischem Mut und frohem Sinn sehen wir sie über den Bodensee fahren, in die Postkutsche einsteigen in der Richtung nach Winterthur, wo sie ihre Stellung antritt.

Was hatte sie mit diesem Schritt in die Fremde für ein Leben vor sich? – Sie wußte es nicht, aber frisch und froh griff sie die Arbeit an, die sie begleitete, die sich steigerte und sie nicht mehr verließ. Wir wissen es heute, und wir wollen diese tüchtige und gute Frau ehren!

Bald hieß es in Winterthur, die Kathrine ist das sauberste Mädel, und als der Dreher Schaggi Sulzer ihre Hand begehrte, da hatte sie erst so Recht die neue Heimat dort gefunden.

In unentwegter Treue, Arbeit und Mithilfe stand sie ihrem tüchtigen Manne zur Seite, der mit aller Macht und Kraft sein Handwerk vorwärtszubringen strebte. So entstand aus den kleinsten Anfängen unter den größten Schwierigkeiten das heute weltberühmte Eisenwerk Gebr. Sulzer.

Bei aller Tüchtigkeit ihres Mannes und später ihrer Söhne, ist es doch diese hervorragende Frau und Mutter gewesen, die im stillen, immer wieder ausgleichend und versöhnend, den Grundstock für das Gedeihen des großen Werkes gegeben hat.

Wie Vertrauen erweckend, wie gut und lieb ist doch das Gesicht, das dieses Bildnis zeigt!

Es sind die treusorgenden Augen der Gattin und Mutter, die stets nach dem Rechten sehen muß, die stets und zu jeder Zeit hilfsbereit ist, die sparsam, wirtschaftlich, äußerst fleißig und umsichtig ist, die nicht ruhen und rasten darf.

Die Breite des Gesichtes in der Region des unteren Seitenhauptes zeigt die vorzüglichen wirtschaftlichen und ökonomischen Talente und die Breite der Nasenwurzel den außerordentlichen praktischen Sinn.

Dabei ist das Auge ganz warm, gut, weich und freundlich, wie auch das Mittelgesicht und die Züge um Mund und Wangen.

Das starke Kinn und der kräftige Unterkieferbogen zeigen die enorme körperliche Arbeits- und Schaffenskraft, wie auch die Tat- und Ausführungskraft.

Es ist nicht nötig, ihren wohltätigen Sinn hervorzuheben und viele andere Tugenden zu preisen, der Leser erkennt sie aus diesem wacker schaffenden, treuen und guten Angesicht.

So sieht die Frau aus, die mit beiden Füßen fest auf dem Boden des praktischen Lebens stehend, mithilft, daß ein angefangenes Werk blühen und gedeihen kann, die immer wieder im besten Sinne harmonisch ausgleicht als die stetig gute Impulskraft.

Es ist das harmonische Bewegungs- und Ernährungs-Naturell, das praktisch wirtschaftliche, man möchte fast sagen, soweit man davon bei der Frau sprechen kann, das Unternehmertalent.

Es ist im Gegensatz zu Anna Marty ein hochwertiges Naturell mit praktischen wirtschaftlichen Fähigkeiten. Es ist darüber hinaus die treusorgende und liebende Gattin und Mutter, die ihre Liebe und Hilfsbereitschaft auf alle ihre Mitmenschen überträgt.

Man sieht an diesem Bildnis zum zweiten Male, daß man den hochwertigen Menschen erkennen kann und was er nach seiner jeweiligen Naturellanlage zu leisten imstande ist, daß es darum gar kein höheres Gesetz geben kann, als solche Menschen, einerlei, ob es Männer oder Frauen sind, stets richtig zu erkennen und möglichst an einen solchen Platz zu stellen, wo sich ihre Kräfte und Anlagen voll auswirken und entfalten können.

Zum anderen erkennen wir, daß die Naturellanlage eines Menschen sozusagen sein eigenes Grundgesetz ist, in dessen Rahmen er einzig und allein gesund und glücklich sich auszuwirken imstande ist. Wenn dieses Naturgesetz einmal erkannt ist, dann wird die Zeit kommen, wo es in jeglicher Gemeinschaft nur noch gesunde, tat- und schaffensfrohe, glückliche Menschen gibt. Denn Katharina Sulzer ist das lebendige Beispiel dafür. Trotz späterer Krankheit, trotz ihres hohen Alters, sie war ein in sich harmonisch ausgeglichener, guter und glücklicher Mensch – eben, weil sie am rechten Platz stand und sich voll entfalten konnte.

 

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Bild 3. Katharina Morel.

Ja, was diese Frau, ein Luzerner Kind, durchgemacht hat, das ist gar nicht zu glauben, man hat sie daher mit Recht als die tapfere Frau bezeichnet.

Es ist das Geschlechts- und Lebens-Naturell mit Harmonie.

Man betrachte die in älteren Jahren noch plastischen und vollen quellenden Formen, die von einem ungeheuren Vorrat an Kraft, Stoff und Lebensenergie zeugen.

Man betrachte die plastische Stirn, in der ein klarer Verstand wohnt, diese großen, dunklen, klugen Auge und die gerade, Willensstärke zeigende Nasenbildung, es ist die vorzügliche und angeborene praktische Menschenkenntnis, die diese Frau besaß und ohne die sie in ihrem bewegten Leben gar nicht durchgekommen wäre. Es ist die praktische Menschenkenntnis, die nunmehr lehrfähig geworden ist und die sich jeder aneignen kann und sollte.

Daher hat sie ihre Intelligenz und Klugheit so außerordentlich herausgeschult zu einer wirklichen praktischen Welt- und Lebenserkenntnis.

Sie war eine Wirtstochter, und so ist infolge ihrer Anlage gar nicht wunderzunehmen, daß sie schon mit 16 1/2 Jahren heiratete und daß sie dann ihren Manne, dem Sattler Heinrich Peyer vom 2. Schweizer Regiment, als dieser für Napoleon gegen Rußland in den Krieg zog, einfach folgte und mitzog.

Diese tapfere Frau mit ihrem starken Liebessinn konnte nicht anders, sie folgte dem Manne auf Leben und Tod.

Was der Zug nach Rußland bedeutete, braucht nicht gesagt zu werden. Nur 30 Soldaten von dem ganzen Regiment kamen mit ihr und ihrem Manne zurück, ja, ohne sie hätte ihr Mann ganz gewiß die Heimat nicht wieder gesehen.

Aber auch später, als ihren Mann im Bewegungs-Naturell die Ruhelosigkeit wieder gefaßt hatte, – das Bewegungs-Naturell haßt die Ruhe und Bequemlichkeit – ließ sie ihn nicht allein ziehen, sie begleitete ihn.

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In allem bewegten Kriegsleben was sie die überlegene Menschenkennerin und gerade deswegen und aus Anlage die praktische Frau, die unverzagt eine verlorene Existenz nach der andern freudig wieder von neuem aufbaute.

Was kein Oberst des Regiments durchsetzte, das schaffte sie mit ihrer Energie, Klugheit und Menschenkenntnis.

Dabei entwickelte sie die tapfersten Eigenschaften, man betrachte die gespannte Energie an Augen, Stirn, Nase, Kinn, Mund und Haltung. Sie entfaltete Übersicht und Voraussicht.

Was ein Mensch bei solcher Anlage, wenn sie zum Harmonischen geht, dulden, ertragen, leiden und an Freude schaffen kann, darüber gibt dieses Bild Auskunft.

Sie heiratete später nochmals und war Besitzerin des „Schweizer Hofes“ in Luzern.

Im hohen Alter noch ging von ihr eine große moralische Kraft aus. Sie, die den Tod nicht gefürchtet hatte, erwartete ihn, als er sich ihr nahte, ruhig, ohne Ungeduld und ohne Angst. Das war Katharina Morel, die tapfere Frau!

 

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Bild 4. Anna Josefine Dufour.

Man kann ruhig sagen, es ist das ideale harmonische Naturell. Was das bedeutet, ist unsern Lesern bekannt. Edler Stolz, große Schweizer Vornehmheit, Tüchtigkeit und Idealität zeichneten sie aus.

Dieses Naturell ist materiell, geistig und moralisch zu Hächstleistungen befähigt – und das hat Frau Dufour bewiesen.

Über den Augen prägt sich der Sinn für Schönheit, Raum- und Ebenmaß aus, eine gewaltige geistige Kraft und Formerfassung zeigt die Nasenwurzel und die klassische Stirnform. Sie hat dabei den auserlesenen Geschmack, den großen Farben- und Ordnungssinn, die Berechnung und Übersicht, siehe die Stirnbildung seitlich und unmittelbar über den Augen, sie hat die große Tat- und Durchführungskraft und die wirtschaftlichen Talente, siehe Kinn und Unterkiefer und das starke Seitenhaupt.

Wunderbar ebenmäßig, klassisch schön und rein sind die Formen, hochgewölbt ist der Scheitel, und eine wunderbare Vornehmheit, Ruhe und Sicherheit spricht aus Haltung und Gesicht. Eitelkeit liegt ihr fern, alles an ihr ist echt und wahr.

Dieser lebhafte Geist entwickelte sich zu einem Verwaltungsgenie. Die ganze hohe Schweizer Kultur und Menschlichkeit ist in dieser Frau verkörpert.

Als ihr Mann starb, heiratete sie nicht mehr. Sie übernahm das große Geschäft, um es ihrem Sohn zu erhalten, mit einem treuen Teilhaber, Johannes Alispach, und leitete unter der Firma Dufour & Co 40 Jahre lang dieses große Unternehmen.

Man betrachte die großen, wirklichkeitsnahen – und doch fernblickenden Augen, die Feinheiten in diesen Zügen, hier offenbart sich wohl das große Geheimnis der Kulturhöhe des Schweizer Volkes, soweit das Gute zu Tat und Leben drängt.

Aber ein Kleinod hat diese Frau noch besessen, man beachte die Gespanntheit der Haltung, das geistig Rege an Augen und Gesicht, die klassische Nasenwurzel, den forschenden, ruhig beobachtenden Blick des warmen Auges, es ist die angeborene und erworbene Gabe der praktischen Menschenkenntnis, durch die sie befähigt wurde, das große Unternehmen so viele Jahre mit Erfolg zu leiten.

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Sie täuschte sich vermöge ihrer Menschenkenntnis nie in einem Menschen, sie hatte damit eine ungeheure Waffe in Aug und Hand, und wer in ihren Diensten erprobt war, dem hielt sie unentwegt ihr Vertrauen. Sie täuschte sich nicht und sah im Gesicht des Menschen, wie er dachte, handeln würde, liebte und lebte.

Was wäre diese Frau ohne ihre Menschenkenntnis? – Mit sicherer Hand konnte sie, was niemand geglaubt hätte, das Unternehmen ihres Mannes weiter- und aufwärts führen.

Das Erbe Lavaters scheint vielen Schweizern nahezuliegen. Vielleicht stellt dieses Volk bald solche ideal-harmonischen Naturen, die es tatsächlich gibt – Männer und Frauen -, an die ersten Stellen, vielleicht folgt es dieser Naturwahrheit – vielleicht aber folgt es disharmonischen Naturen -, man weiß es nicht. Ich will hier nur den echten Schweizer Geist dieser großen Frauen zeigen und erklären, wie man ihn erkennt!

Hier ist das Mittel, die hochwertigen und kernigen Naturen auszulesen.

 

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Bild 5. Herzogin Colonna.

Diese prachtvolle Büste zeigt die Dame der großen Welt, die gottbegnadete Künstlerin.

Der Anlage nach ist sie mit dem zarten, verfeinerten Körperbau, dem zarten Gesicht und der hohen, breiten Stirn ein Empfindungs-Naturell.

Sie strebte nach einem vollendeten Ideal, und in unermüdlichem Fleiß hat sie die herrlichsten Plastiken geschaffen.

Wir wissen, daß die Empfindungs-Naturelle, wenn sie ethisch, künstlerisch und wissenschaftlich durchgebildet sind, leicht in das Ideale und Geniale übergehen. Das war hier der Fall.

Das Auge hat den scharf beobachtenden Ausdruck, wie er großen bildenden Künstlern eigen ist.

In Reichtum geboren, umgeben von Kunst und Pracht, inmitten einer großen Natur, fern von allen Sorgen des Alltags, konnte sich dieses Naturell gerade so ausleben und entfalten, wie es seiner Anlage entsprach.

Sie wollte ihr Leben so gestalten, daß sie anderen damit nützlich sein könne, ganz in ihrer Art, ganz in ihrer Weise, und das hat sie auch vollbracht.

Sie stammte aus der Familie d`Affry, und als ihr Gatte, Herzog Colonna, nach drei Monaten glücklicher Ehe starb, heiratete sie nicht mehr.

Es ist immer dasselbe. Das Empfindungs-Naturell neigt zur Entsagung, auch inmitten von Reichtum und Pracht – man beachte den fein geschwungenen Mund -, in Armut opfert es sich, in Reichtum und Pracht lebt es dem Idealne und Schönen, Kunst, Religion und Wissenschaft.

Prachtvoll ist der Schwung des Halses und Nackens, edel Arm und Brust, Ohr und Wangen, den hohen Adel des Innenlebens kundgebend.

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Zur höchsten Höhe des Lebens führt uns das Empfindungs-Naturell, in die Welt des Geistes und der Kunst. Die Herzogin erstrebte das Ideal der Vollendung der Persönlichkeit – im Rahmen ihrer Naturellanlage. Sie wollte andere beglücken, erfreuen, Wohltaten erweisen. Leiden und Not lindern – und so wuchs sie selbst mit ihren Idealen zur moralischen Persönlichkeit empor.

Obwohl den Verlockungen des Reichtums und des Wohllebens preisgegeben, lebte sie doch ihrer sich selbst auferlegten Pflicht, alles in den Dienst des Idealen, Guten und Schönen zu stellen.

So finden wir sie, die hochwertigen Frauen, ob arm oder reich, ob in Not und Lebenskampf, ob ringend um die Existenz für Gatten und Kinder, sie bleiben sich selbst getreu. Ja, wir werden noch sehen, je mehr diese edlen Menschen behindert wurden, desto weiterbarmender und liebender wurden sie. Solle es angesichts dieser Tatsachen den guten Menschen nicht einleuchten, daß Menschenkenntnis nötig, gut und nützlich ist? –

 

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Bild 6. Marie Anna Calame.

Meine Hand vermag das hohe Lied des Lebens dieser Frau nicht gebührend zu schildern.

Wenn man aber das Bild betrachtet, so hat man den Eindruck, als wenn sie viel Armut, Not und Elend gesehen und mitempfunden hätte. Betrachtet man das Auge so glaubt man, daß ihre Kraft zu helfen dabei immer größer geworden wäre.

Man merke sich dieses Auge, diese weichen, warmen Formen, es spricht daraus das Mitleid, der Wille zu helfen, Leid in Freude umzuwandeln. (Der Ausdruck ist ganz entgegengesetzt dem harten, kalten Auge des Menschen, der Freude in Leid und Wahrheit in Finsternis umwandelt.)

Es ist die Mutter der Armen und Waisen.

Sie schuf das erste Rappenliebeswerk. Es herrschte damals um 1800 nach den Kriegszeiten großes Elend, und ihre Hilfe kam zur rechten Zeit.

12 Bewerber schlug sie aus – und heiratete nicht, weil sie befürchtete, ein Mann könne womöglich das Werk, das sie vorhatte, hindern. Entsprechend reserviert und eigen ist auch der Mundausdruck.

Sie nahm zuerst 16 Waisen und Bettelkinder zu sich in Kost, Logis und Unterricht. Sie wollte den Ärmsten der Armen helfen.

Aber wenn man glaubt, die Behörden und Mitmenschen hätten sie dabei unterstützt, dann irrt man sich, sie wurde von den Behörden peinlich genau überwacht, alles, was sie jahrelang in unermüdlichem Fleiß geschaffen, Gutes und Liebes getan hatte, das wurde ihr übel ausgelegt und abfällig kritisiert.

Aber allmählich rang sie sich durch – sie lehrte ihren Pfleglingen den Glauben an Gott und Christus, aber doch in etwas anderem, wie üblichem Sinne, und bald begeisterte sie viele Menschen zu freudiger Mitarbeit.

Sie ließ ihre Zöglinge arbeiten, lehrte ihnen die Anfertigung von Spitzen, gründete eine Zeichenschule, fertigte und lehrte Porträtmalereien in Emaile, sie lehrte durch ihr Beispiel die Führung eines einfachen, wohlgeordneten Lebens und nahm sich des ganzen, von ihr betreuten Menschen an, um ihn zu ertüchtigen, den Kampf des Lebens führen zu können.

Wir sehen, wie praktisch sie vorging – ganz nach ihrem Naturell, Bewegung und Harmonie (Kennzeichnend ist das lange energische Gesicht und für das erzieherische Talent die lange, bestimmte, gerade Nasenform), brachte sie es fertig, tüchtige Menschen aus ihren Zöglingen zu machen. Der seitlich abfallende Augenbrauenzug zeigt, wie sie das Leid selbst miterlebte.

Das erste Kind, das sie aufnahm, lief bettelnd von Haus zu Haus und war nur in alte Lumpen gehüllt.

Der erste Knabe, der seinen Lehrzeit bei ihr beendet hatte, gab ihr sein ganzes erstes selbstverdientes Geld.

Als sie schon Weltruhm hatte, blieb sie ihrer Einfachheit treu! Das ist das Wunderbare bei diesen Naturen, sie bleiben wie sie sind, kein Reichtum und keine Ehre vermag sie zu erschüttern.

Aber noch haben wir die Hauptsache nicht gesagt, wodurch Anna Calame ihre besten Erfolge hatte.

Man beachte den forschenden, beobachtenden Ausdruck der Augen in Verbindung mit der plastischen Nasenwurzel und der langen, geraden, ausdrucksvollen Nasenform. Sie hatte die große Freude am Beobachten der Natur und menschlicher Gesichter. Sie war eine vollendete Menschenkennerin. Als sie schon 250 Zöglinge hatte, kannte sie jeden einzelnen dennoch ganz genau, kannte seinen Charakter, ging darauf ein und leitete den Schüler danach langsam vorwärts und aufwärts.

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Sie besaß also auch noch die große Kunst der richtigen Menschenbehandlung.

Sie, die Mutter der Armen, starb mit den Worten: „Ich verzeih allen, die mich gekränkt haben, und bitte alle, die ich kränkte, um Vergebung.“

O, das Letztere zu sagen, hätte sie nicht nötig gehabt, wir bitten sie um Vergebung, daß heute noch, trotz ihrem Vorbild, es noch Armut, Not und Leiden in der Welt gibt!

Sie stammte aus dem Tal von Locle in der welschen Schweiz. Nicht unerwähnt soll bleiben, daß sie Vorgänge erlebte, die an das Wunderbare grenzten.

 

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Bild 7. ´s Mutterli. (Elise Rupp).

Das ist ´s Mutterli! Man kann sie wohl auch dem Bild nach gar nicht besser benennen, denn alles, was man unter dem Wort „Mutter“ versteht, erwacht in uns beim Anblick dieses Bildes.

Wer noch nicht weiß, wie der gute Mensch aussieht, hier ist er – hier kann man ihn studieren. Wenn erst das Lob des guten Menschen ertönt – heute wohl vielfach Gutheit mit Schwäche und Dummheit noch verwechselt -, dann wird selbst die Natur, die ja nicht tot ist, an solchem Erleben teilnehmen.

´s Mutterli wollte in ihrer Jugend Erzieherin werden. Sie stammte aus Zug, lebte später im Aargau und heiratete in ein Doktorhaus.

Da gab es viel zu tun. Ein Haus voller Kranker und Hilfsbedürftiger – das war schon ein rechtes Wirkungsfeld für sie.

Als dann aber ihr Gatte starb, da nahm sie unter schwersten Umständen ihren Jugendvorsatz auf und verwirklichte ihn.

Sie wurde wie ein guter Engel, wollte immer nur helfen, Gutes tun – alles für andere und nichts für sich selbst.

Sie begründete eine vorbildliche Erziehungsanstalt ganz in den Bahnen des von ihr hochverehrten Pestalozzi, und doch wieder ganz nach ihrer Ursprünglichkeit.

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Sie paßte die Erziehung den praktischen Bedürfnissen an, sie übte einen magischen Einfluß aus, entfachte in ihrer ganzen Umgebung einen Wetteifer im Lernen und Arbeiten, im Wohltun, im Opfern und Helfen. Man sagt, über dem Schweizer Land wehte damals die Fahne der Humanität, der Liebe und Gemeinnützigkeit.

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Schweiz-Symbol (Hinzugefügt)

Vielleicht ist das scheinbar zu viel gesagt, aber man kann sicher sein, der Einfluß einzelner guter Menschen ist oftmals viel gewaltiger und größer wie man glaubt.

Man betrachte dieses Bild, es ist die vollendete Harmonie und Gutheit. Daß man noch sagen muß, wie der gute Mensch aussieht – hier ist doch sein Bild: Warme, strahlend gute weiche Augen – ein wunderbar mildes, weiches, reines und warmes Gewebe. Das ist schon im Prinzip alles, es ist nicht viel – so wenig, wie der gute Mensch für sich selbst beansprucht. Aber es will doch gelehrt, es will gesehen und verstanden werden. Alles andere sagt das Bildnis, mehr wie Worte es vermögen – man studiere es eingehend, und wo man ähnliches wieder findet, da erinnere man sich, daß man den guten Menschen nicht bekämpfen, sondern ihm helfen soll, denn durch ihn kommt das Glück in die Welt. Auch braucht man den guten Menschen nicht zu fürchten, er tut nichts Böses. Man gebe sich einmal Mühe, den guten Menschen zu verstehen, und man wird bald finden, daß es sich reichlich lohnt.

´s Mutterli starb mit 83 Jahren, ohne Kampf, ohne Schmerz, im festen Gottvertrauen. Wir legen ihr im Geiste die schönste Rose auf das Grab.

 

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Bild 8. Anna Schlatter.

Anna Schlatter, geboren in St. Gallen, liegt, – das zeigen ihre großen, geistreichen Augen in Verbindung mit der kräftigen deutschen Nasenform – im harmonischen Tat- und Bewegungs-Naturell.

Mag ihre Zeit vergangen sein, mag sie in ihrer Tracht uns heute nicht mehr modern erscheinen – die Erinnerung an sie, ihre Charaktergröße und Einfachheit, ihre liebe, warme Frauennatur soll ein nie versiegelnder Quell ewiger Jugendkraft sein und bleiben.

Dieses wundersame Auge mit dem weichen und sanften und doch so festen Blick trifft man gar oft im Schweizer Land, als spiegele sich darin die Heimat mit ihrer felsigen Bergwelt, ihren lieblichen Tälern und klaren Seen.

Anna Schlatter war eine ausgeprägte Persönlichkeit, ein Charakter, ein lebhafter Geist von natürlicher Frömmigkeit und großer Menschenliebe. Sie war ihrem Gatten in treuer Liebe ergeben, sie hatte einen außerordentlichen Scharfblick und eine große Gewandtheit in allem, was ihre Hände anfaßten.

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Sie war Gattin, Mutter, Hausfrau und Geschäftsfrau, und doch bewahrte sie sich die Freiheit und Beweglichkeit des Geistes und sammelte in ihrem Kreis die Besten ihrer Zeit. Lavater war ihr Seelenfreund. Ihre ganze Wesensart prägt sich deutlich in diesem durch die großen Augen so außerordentlich belebten Gesicht mit der ausdrucksvollen Nasenform und dem charakteristischen Mund, den bewegten und lebhaften Zügen aus.

Alles in diesem Gesicht ist Offenheit und Geradheit, ist Festigkeit und Zuverlässigkeit, Regsamkeit und Fleiß, Geist und Treue.

Sie sah in der Vervollkommnung des eigenen Selbst ihr höchstes Lebensziel. Im Charakter treu wie Gold, in der Seele von feinster Empfindlichkeit, in Kraft und Tätigkeit unermüdlich, von regsamem Geist, fromm und gottesfürchtig, so steht sie vor unseren Augen: Nicht ein unerreichbares Ideal, sondern ein wirkliches Vorbild echter Frauentugend.

 

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Bild 9. Johanna Spyri.

Das Bergdorf Hirzel an der Straße von Zug nach Zürich war ihre Heimat.

Man glaubt, in eine träumerische Märchenwelt zu sehen, wenn man das beschattete, geheimnisvolle und doch so freundliche Auge betrachtet und dazu den sprechenden Mund, als würde er gerade eine ihrer schönsten Geschichten erzählen.

Es ist ein Auge, das bis in die Feinheiten alles wunderbar lieblich beobachtet. Dabei sind die Gesichtsformen schärfer und sehr markant herausgeholt, ein wenig härter – aber doch sehr durchgeistigt, und im Mittelgesicht strahlt warm das allerfeinste Empfinden aus.

Das sind gewisse Kontraste, und so sah sie die Unterschiede des sich abspielenden Lebens ganz und gar mit eignem Sinn und eigner Gefühlstiefe. Alle Geschichten krönte sie mit größter Lieblichkeit, – wie sie symbolisch schön und eigenartig das Haar über das Haupt gelegt hat.

Sie schuf die herrlichsten Kindergeschichten, sie weckte die Lust und Freude am Leben – und dieses wird ja wohl die Erziehungskunst der Zukunft sein -, sie machte das einfachste und kleinste Leben des Alltags dennoch fesselnd, lebendig und wertvoll. Sie erzählte so natürlich, wahr und echt, daß ihre jungen Leser mit den Gestalten ihrer Erzählungen alles miterlebten, mitfühlten und sich mitfreuten.

Sie selbst verbarg ihre Schriftstellerei und merkte es nicht, daß sie bereits eine berühmte Frau geworden war. Sie hatte aber auch einen starken Eigenwillen, denn im Unterton erscheinen die Gesichtsformen etwas herb, sind aber dennoch von feinsten, warmen, lichten und nervenreichen Gewebe umspannt.

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Johanna Spyri  blieb bei einer einmal gefaßten Meinung, aber bei den Armen und Kranken, das schmolz alle vorgefaßte Meinung und löste sich in großes Mitleid, Mitgefühl und Hilfsbereitschaft.

Man beachte das sehr breite Oberhaupt, wo die Ansammlungssinne für Poesie und Dichtung und der Idealsinn unter der hohen und reichen Haarkrone liegen. – Wie ganz scharf erfassend die seitliche Augenlidbildung ist – Aus der freundlichen weißen Halskrause schaut sie uns wie die echte, liebe Märchenerzählerin an.

Sie blieb auch im Alter noch jung im Gemüt, wie die Gestalten ihrer Erzählungen, das Heidi, das Gritli und viele andere jung geblieben sind.

„Und so blau ist kein Himmel,

Keine Sonne so licht,

Wie die Sonne der Heimat,

Und die laß´ich auch nicht.“

 

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Bild 10. Anna Pestalozzi.

Leise verklingen mit diesem Bild unsere Zeilen über die große und edle Schweizer Frau.

Sie verklingen  so leise und bescheiden, wie das Leben von Frau Anna Pestalozzi war. 50 Jahre Liebe, Treue und Aufopferung für ihren Gatten, dessen gutes Omen, dessen lichte Hand sie war, die ihn in feiner und edler Weise schützte.

Das kann nur der verstehen, der weiß, was es heißt, an der Stelle eines genialen Empfindungs-Naturells, wie es Pestalozzi, ihr Gatte war, durch Leben zu schreiten.

Wie viel sie unter den äußeren Verhältnissen gelitten hat, das zeigt dieses liebe, leidvolle, dennoch sonnig freundliche Gesicht. Ihr Leben lang übte sie die vollendetste Selbstbeherrschung, das zeigt diese lange feine Nasenform.

Sie bewahrte ihren Gatten, wenn er in schlimmer Not war, vor Verzweiflung. Wie muß diese Frau mit den weichen, eindrucksvollen Zügen mitempfunden und mitgelitten haben, und dennoch verraten noch die Augen auch den Abglanz ihres Glückes.

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Die übermäßige Anstrengung und das harte Leben brachen schon frühzeitig ihre Kraft, aber in ihren Idealen, in ihrer großen Liebe blieb sie unerschütterlich fest und stark. Mochte auch der Körper brechen, der Geist brach nicht.

Was wäre aus Pestalozzi ohne diese Frau geworden?! Anna Pestalozzi lebte eine ideale Liebe. Sie wollte ihren Gatten lieben, solange er der Tugend treu sein würde. Was ist das für ein Wort!! Und was sagte Huter, der dieses Geständnis der edlen Frau gewiß nicht kannte? Pestalozzi liegt im Tugend-Naturell.

Wundersame Wege sind es, die das Schicksal manchmal den Menschen gehen läßt.

Wenn alle ihren Gatten verließen und verhöhnten, wenn die Landwächter ihn für einen Bettler hielten, – nie verlor sie ihren Glauben an ihn.

Sie wurde v on ihm geliebt, geehrt, bewundert, aber allen Kummer bis zum völligen äußeren Elend mußte sie auch mit ihm tragen. In ihrer stillen Liebe hat sie engelsgleich ihren empfindsamen Gatten behütet und geschützt.


Was war das für eine Welt, die das Genie nicht erkannte und die den guten Menschen nicht zu helfen wußte?

Das alles und noch viel mehr Leid, Tragik und Unvollkommenheit wird durch die Psycho-Physiognomik [Physiognomische Psychologie] einst überwunden werden können. Möge der gute Mensch sich ihr zuwenden, denn so wie Anna Pestalozzi nie den Glauben an ihren Gatten verlor, so verliert der Mensch durch die Erkenntnis der Wahrheit in der Natur nie den Glauben an den endlichen Sieg des Wahren, Guten und Schönen in der Welt! Solange es noch solche Menschen auf der Erde gibt, wie sie hier geschildert wurden, solange verlieren wir auch nicht den Glauben, daß der gute Mensch auch einstmals seine segensreiche Hand und Tatkraft dieser Psycho-Physiognomik [Physiognomische Psychologie] zuwenden wird, und damit legen wir im Geiste all diesen großen Frauen die schönsten Blumen zu Füßen.

 

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Bild „treu und fest“ (Hinzugefügt)

Lebensrichtung von Carl Huter (1905), 1. Strophe:

Immer den Blick nur nach vorwärts gerichtet,

Niemals verzagen, wenn Schweres uns droht,

Selbst wenn das Schicksal uns alles vernichtet,

Schaut nur ins Auge recht mutig dem Tod,

Eins bleibt uns sicher, das nimmt man uns nicht,

Es ist die Treue in Tugend und Pflicht.

 

 

 

 

Große Studienbüste (Photo Myrta Chesini, Schweiz)

Mail vom 23. September 2005 von “Myrta Chesini” mchesini@hispeed.chan Herrn Timm.

Sehr geehrter Herr Timm

Die Studienbüste hat ihr neues Zuhause gefunden. Der neue Besitzer würde

gerne mit Ihnen Kontakt aufnehmen, denn er verbreitet auch die Lehre von

Carl Huter. Wenn Sie das möchten, hier seine Mail Adresse:

info@diagnostik.de ( Hr.Michael Münch ).

Herzlichen Dank für den Kontakt mit Ihnen, wünsche Ihnen alles Gute und

herzliche Grüsse aus der Schweiz

Myrta Chesini         (Hinzugefügt)

 

Schriftleiter Amandus Kupfer, Schwaig bei Nürnberg

D.A. 4500. Druck: C. Brügel & Sohn AG. Ansbach.

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Herausgegeben von Amandus Kupfer, Schwaig bei Nürnberg

Schweizer Huterfreunde

Neuherausgeber Medical-Manager Wolfgang Timm

Copyright 2001-2009 by Carl-Huter-Zentral-Archiv

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DgM 050

Der gute Menschenkenner 050 von 101

MENSCHENKENNTNIS           

CARL HUTER (1861-1912)

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Der Menschenkenner und die neue Zeit

nach Carl Huters Psycho-Physiognomik

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Herausgegeben von Amandus Kupfer in Schwaig bei Nürnberg

CARL-HUTER-ZENTRAL-ARCHIV

Medical-Manager Wolfgang Timm

http://www.chza.de 

 

  Form Geist

EXTRA LIFE INTELLIGENCE TRANS ENERGY 

PSYCHOLOGIE UND MEDIZIN DER ZUKUNFT 

 

 

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                         
Der gute Menschenkenner                                                                        

 

nach Carl Huters Psycho-Physiognomik

© März 1937, Nr. 50

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Mit künstlerischem

S E H E N

durch die Welt

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Welches Bild

zeigt nach eigener Anschauung und Gefühl:

1. Die Ausserlichkeit

2. Die Innerlichkeit

3. Fürsorglichkeit

4. Festigkeit und Tüchtigkeit

5. Lebensnüchternheit

6. Sparsamkeit und Fleiss

7. Kälte und Härte

8. Bewegung und Beobachtung

 

Mit der vorliegenden Arbeit erscheint die Nr. 50 dieser Zeitschrift.

die erste Nummer kam im August 1932 und damit eine nach Form und Inhalt gänzlich neuartige Zeitschrift.

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DgM Nr.1 (Hinzugefügt)

Ein Kleinod liegt allem darin Gebotenen zugrunde: Neue große Forschungen und Entdeckungen der Carl Huterschen Psycho-Physiognomik [Physiognomische Psychologie], die in Wort und Bild einfach und schlicht zur Darstellung gebracht sind.

In glücklicher Weise wurden durch Carl Huter Natur und Mensch in vergleichende Betrachtung gezogen, und die segensreichsten Folgerungen ergeben sich daraus für das praktische Leben. Die große Liebe zur einmal erkannten Wahrheit in der Natur, um damit allen Menschen dienen zu können, ist es, die diesen Arbeiten zugrunde liegt.

Heute soll nun eine kleine Übersicht des Dargebotenen in der Weise erfolgen, daß wir an sehr verschiedenartigen Bildern jeweils das Typische, die hauptsächlichsten physiologischen Besonderheiten hervorheben, etwa so, als wenn wir im täglichen Leben Menschen beobachten oder illustrierte Zeitschriften durchblättern und an einzelnen Bildern gerade das erkennen, was besonders in die Erscheinung tritt und sich physiognomisch deutlich ausprägt.

Dabei soll der tiefe Sinn, der in diesen vergleichenden Betrachtungen liegt, nicht verlorengehen, obwohl die naturwissenschaftliche Begründung zugunsten der praktischen Erläuterungen zurückgestellt werden muß.

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Bild 1. Der Urmensch. Archiv

Bild 1 zeigt den Urmenschen, wie er nach Schädel- und Skelettfunden des Neandertaler- und Aurignac-Menschen, der Cro-Magnon-Rasse, des Pithekanthropus aus Java oder des Pitdowner-Menschen aus Sussex, des Rhodesia- oder des Taungsmenschen rekonstruiert werden kann.

Der grobe und große Mund, die starken Kiefer und Kauwerkzeuge – sicherlich ist das Kinn noch stärker und vorspringender gewesen – lassen die Frage berechtigt erscheinen: Wodurch hat sich der Urmensch aus diesem noch fast tierischen Zustand erhoben und höher entwickelt?

Betrachtet man das grobknochige Gesicht, den Stiernacken mit dem starken kurzen Hals, sowie die gewaltigen seitlichen Unterkiefer, so erkennt man, daß der Urmensch im Kampf ums Dasein, getrieben durch Hunger und Liebe, im gewaltigen Kampf mit prähistorischen Tieren sich wohl durch seine außerordentliche Gewandtheit und Körperkraft behaupten konnte, aber nur in Verbindung mit seinem fabelhaft scharfen Sehen und Beobachten.

Demgemäß finden wir das Auge ganz scharf und konzentriert sehend eingestellt, es ist sicherlich noch viel klarer und schöner gewesen, wenn auch auf andere Momente gerichtet, wie bei einem Falken oder Adler.

Sprechend zeigt energische und knorrige Stirnansatz unmittelbar über den Augen und an der Nasenwurzel die fabelhafte Beobachtungsgabe.

Aus biologischer und entwicklungsgeschichtlicher Erkenntnis wissen wir heute, daß hier die Organe für die reale und objektive Beobachtung der sichtbaren Dinge in der Welt liegen.

Das scharfblickende Auge, die fabelhafte Beobachtungsgabe ist es gewesen, die den Urmenschen auszeichnete und ihn in der Folge in Verbindung mit noch weiteren Umständen zum Herrn der Erde gemacht hat.

Danach sollte man eigentlich annehmen, daß der spätere und auch der heutige Mensch sich diese scharfe Beobachtungsgabe, der er ja im Grunde genommen alles verdankt, weiterhin bewahrt hätte. Das ist leider nur in Ausnahmen der Fall gewesen.

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Adolf Hitler und Urmensch. Das Buch von 1941. (Hinzugefügt)

Hätte er es getan, dann wäre er seit langem zu einer brauchbaren Formenpsychologie gelangt. Es wäre dann z.B. nicht möglich gewesen, daß stark minderwertige Menschen wie der römische Kaiser Nero und viele andere das Los der Völker der Erde so außerordentlich hätten erschweren können.

Die hochentwickelten Tiere, wie der intelligente und wachsame Hund, beobachten vielfach schärfer, denn letzterer erkennt mit einem Blick aus dem Gesicht seines Herrn, wie derselbe gelaunt ist, und aus seinen Bewegungen, was er vorhat und richtet sich danach.

Der Zündholzkönig Ivar Kreuger führte eine ganze hohe Weltdiplomatie und Bankaristokratie irre, niemand gewann aus seinem Äußeren Einblick in sein entartetes inneres Wesen.

XX

Ivar Kreuger (Hinzugefügt)

 

Der Mörder Gorguloff erhielt von der Polizeit Einlaßkarten zu jenem verhängnisvollen Feste, auf dem er den Präsidenten der Französischen Republik erschoß. Ähnliche Beispiele mangelnder Menschenkenntnis bis in die kleinsten Verhältnisse hinein charakterisieren die Menschheitsgeschichte.

Reiche Eltern geben ihren Kindern die beste Erziehung und lassen sie alles mögliche lernen, und doch kann nachher oftmals der junge Mensch, wenn er auf sich selbst angewiesen ist, vom ersten besten getriebenen Gauner irregeführt, verführt, betrogen und um alles gebracht werden.

Man hat geglaubt, die denkbar schärfste Beobachtung des Menschen nicht mehr nötig zu haben, und ist dadurch trotz aller Kultur und allen Gesetzen vielfältig Unbilden ausgesetzt, und es will kein richtiges und dauerndes Glück aufkommen.

Die Intelligenz und Herrenmenschen, die großen Staatsmänner, Feldherrn und Unternehmer haben sich ausnahmslos aus dem natürlichen Instinkt für Menschen und Dinge die beste Beobachtungsgabe erhalten. Dadurch faßten sie die Menschen so auf, wie sie wirklich waren, verwandten sie für ihre Dienste und kamen so zu Einfluß, Ansehen, Macht, Besitz und herrschender Stellung in ihrem Bereich.

Aber der Herrscher und Adelsstand kam im Laufe der Zeit von der objektiven Menschen- und Seelenforschung ab und verlor sich in Standes-, Macht- und Herrschaftsinteressen.

Die Menschenpsychologie der Priester bestand in einer reinen Seelenanalyse, und auch sie gelangten dadurch im öffentlichen Leben zur Macht. Ihre Psychologie entwickelte sich zur Ideallehre und Theologie und verlor damit den Boden der Lebenswirklichkeit.

Die Naturforschung suchte den Menschen nach seinem körperlichen Organismus zu erforschen und kam dadurch von dem Kern der Sache, der Seele und ihrem Zusammenhang mit dem Körperlichen, ab, wodurch der praktische Blick für den Charakter und die Persönlichkeit verloren ging.

Die besten Beobachter der menschlichen Natur blieben immer noch die großen bildenden Künstler, Pädagogen, Philosophen, Dramatiker und Romanschriftsteller.

Allmählich bricht sich heute die Erkenntnis Bahn, daß der Mensch nach Körper, Kopf, Augen- und Gesichtsform und in allen Lebensäußerungen scharf und künstlerisch zu beobachten ist, daß das Leben von Leib und Seele einheitlich ineinander überfließt und entsprechend Form und Lebensausdruck bildet.

Die natürliche Wertung von Innenleben und Charakter aus dem äußeren Erscheinungsbild ist, da die Beobachtungsgabe für den Menschen selbst Jahrhunderte und Jahrtausende vernachlässigt wurde, schwer auf einmal und restlos wieder nachzuholen, um so mehr, als ja noch die Einsicht gering ist, daß überhaupt die scharfe künstlerische Beobachtung des Menschen nötig und wichtig ist. Daher darf man sich nicht wundern, daß in der Welt das Leben im großen und ganzen im alten Geleise weitergeht, obwohl sich die Menschen heraussehnen und zu einem höheren und vollkommeneren Glück kommen möchten.

Der Mensch selbst hat seine beste Waffe im Lebenskampf nicht geachtet. Je komplizierter aber die Kultur und die Lebensverhältnisse für den Menschen werden, um so mehr zwingen sie ihn, nach einem Ausweg zu suchen, zu einer neuen, scharfen, klassischen und ständigen Beobachtung des Menschen zurückzukommen.

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Klassisches Sehen (Hinzugefügt)

Es liegt also der tiefste Sinn dieser sehr realen Kunst, die sich jeder aneignen kann, zugrunde. Betrachten wir nun in der geschilderten Weise Bild 2.

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Bild 2. Die Weltdame.

 

Naturwissenschaft, Philosophie und moderne Weltdame.

Bild 2 zeigt die moderne Weltdame, die äußerlich glanzvoll in die Erscheinung tritt. Das Haar ist künstlich gewellt, das Gesicht, die Hand, die Fingernägel sind außerordentlich gepflegt, die Augenwimpern und die Brauen sind hervorgeholt, Mund und Gesicht sind geschminkt und gepudert.

Kostbarer Schmuck und eine ebensolche Kleidung erfreuen das Gemüt. Entsprechend ist die Bewegung und der gesamte Lebensausdruck dieser reizvollen Dame.

Vom rein naturwissenschaftlichen Standpunkt und objektiv künstlerischen Sehen aus betrachtet fällt sofort das ganz objektiv und real gegenständlich blickende, Lebensfreude verratende Auge auf. Das Auge blickt scharf und ist auf äußere Schönheit eingestellt.

Also ohne scharfe Beobachtung der für diese Weltdame in Betracht kommenden Dinge geht es auch hier nicht.

Dann fällt aber weiterhin auch die breit und schön abgerundete Bildung der Nasenwurzel zwischen beiden Augen auf. Hier liegt der Sinn für Schönheit, Formen, Gestalt und die Beobachtung der Bewegungen.

Wir sehen auch die sehr gut und hoch gebildete Wölbung zwischen Augenlidern und Augenbrauen, besonders etwas seitlich oberhalb des Augensternes.

Hier liegt der Farben- und Lichtsinn, der Sinn für Takt, Ton und Rhathmus, auch für Übersicht, Ordnung und Berechnung.

Das alles herrscht, wie auch die Kopfhaltung und der Augenausdruck offensichtlich zeigen, vor, und damit kann man feststellen, daß diese Weltdam ganz unter dem Zeichen des Formen- und Farbensinnes, der Äußerlichkeit steht.

Verstärkt werden diese Anlagen auch noch durch den stark entwickelten, real-praktischen Sinn, denn ungefährt über die Mitte der Stirn, die durch die Haarlocke abgegrenzt ist, zieht sich eine starke Plastik nach dem gut entwickelten Seitenhaupt hin, wo die praktischen und ökonomischen Sinne liegen.

Das Kinn ist gut breit und lebhaft vorspringend, es kennzeichnet den lebhaften körperlichen Impuls. Der schwungvolle Hals und Nacken und die Hand zeigen den Körperadel und die Körperpflege.

Der obige, schwächere Teil der Nasenform zeigt den geistigen Fleiß und die Tätigkeit und tritt gegenüber dem unteren, viel stärker geformten Teil der Nasenbildung, der anatomisch-physikalisch mit der inneren Leiborgan- und Gefühlstätigkeit korrespondiert, stark zurück. Das Genußleben steht demgemäß im Vordergrund.

Auch die vollen, lebhaften Lippen deuten auf die Empfänglichkeit für Genüsse, wobei aber die schärfer hervortretende Oberlippenpartie die reservierte, sark persönliche, auf das „Ich“ konzentrierte Einstellung deutlich hervorhebt.

Das sind einige wesentliche, ganz objektiv in die Augen springende Beobachtungsmerkmale, die bei allem äußeren Zauber dennoch charakteristisch sind und eine innere Kühle hervortreten lassen.

Der Blick zeigt die Entwertung für alles, was nicht diesem äußeren Zauber entspricht.

Wir sehen, die Natur arbeitet auch heute noch in Verbindung mit der modernen äußeren Kultur an der Entwicklung des Formen-, Gestalt- und Farbensinnes.

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In den Formen lebt der Geist (Hinzugefügt)

 

Es fragt sich nur, ob die Tätigkeit dieser Sinne auch in Zukunft einzig und allein auf reine Äußerlichkeiten gerichtet bleiben wird. Sicherlich nicht, es wird die Zeit nahen, daß man die scharfe Beobachtung noch viel mehr steigert und auf die lebendigen Formen und ihren Zusammenhang mit dem inneren Geist-, Organ- und Seelenleben richtet.

Dann erst wird der Formen-, Farben- und Gestaltsinn allmählich den Zweck voll erfüllen, für den die Natur ihn geschaffen hat und zu dessen Entwicklung sie Jahrhunderttausende benötigte.

Dann wird der Formen- und Farben-, Licht- und Gestaltsinn in den Dienst einer harmonischen, allseitig guten Entwicklung und Betätigung aller Anlagen gestellt.

Damit wird der große, kosmopolitische Zukunftsmensch langsam die Herrschaft über das Erdreich übernehmen, zu welcher der Urmensch die ersten Anfänge machte.

Aber alles in allem, berechtigt ist und bleibt die Pflege aller äußeren Schönheit und Lebenskultur, nur darf sie nicht Selbstzweck bleiben und alle anderen Anlagen, so wie es bei unserem Bilde der Fall ist, übertönen.

Wie soll das rechte Maß nun erkannt werden? – Es bleibt nur die lebendige Lebensformenbeobachtung bis in alle Feinheiten übrig, um daraus unmittelbar die greifbare Erkenntnis, die zu einem noch höheren Lebensaufstieg führt, zu entnehmen.

Dann wird manche einfache Dame, die wohl das Äußerliche, aber ebenso das Innerliche pflegte und besitzt, von manchem Manne richtig und rechtzeitig erkannt werden und den Vorrang erhalten.

 

Die Welt der Verinnerlichung.

Bild 3 zeigt eine Madonna des Carlo Dolci und führt uns in eine entgegengesetzte Welt, die engelsrein und gut ist.

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Bild 3. Madonna del dito. Von Carlo Dolci, Galerie Borghese, Rom.

Sie ist da, sie ist ebenso wirklich, wie die Welt der Veräußerlichung und des Körperadels.

Wie aber sollen wir uns objektiv über diese entgegengesetzten Welten orientieren, wenn nicht durch die lebendige Sprache der Formen, die greifbaren Gestaltungen des körperlichen, seelischen und geistigen Lebens?

Die Madonna hat das Haupt gesenkt und die Formen sind sehr edel, das Gesicht ist nur schmal, die Wangen sind weich, mild und zart durchhaucht, fast wie zerbrechlich. Und doch liegt ein tiefes inneres Glück und Erleben in diesem Angesicht.

Die großen, sanft über den Augapfel fallenden Augenlider sind in Verbindung mit dem weichen Auge, das ganz in Gedanken der Liebe aufgeht, das typische Merkmal der Frömmigkeit, Entsagung und Ergebenheit.

Das Auge beobachtet überhaupt kaum mehr die realen äußeren Dinge der Welt, es ist nach innen gewandt in Heiligung und Gottergebenheit.

Auch das ist durchaus wirklich. Welcher Welt sollen wir uns nun zuwenden? Wo ist die ganze Wahrheit, was sollen wir tun und was sollen wir lassen?

Zweifellos gibt es diese innere Welt der Vertiefung, der Heiligung und Entsagung, der Duldsamkeit und unendlichen Liebe. Daher sollen wir beide Welten, die der Innerlichkeit und der Äußerlichkeit, miteinander verbinden, gleich stark pflegen und ausleben. Das ist der goldene harmonische Mittelweg. Wir sollen den Blick gleich stark nach innen wie nah außen in die reale Welt der Wirklichkeit richten!

Wunderbar edel ist bei der Madonna diese klassische Stirn in ihrem Übergang zu der langen und äußerst fein gebildeten Nase.

Aus dieser Form spricht die vollendete Charakter- und Selbstbeherrschung aller Anlagen, Neigungen und Triebe, die Abkehrung von allen irdischen Genüssen.

Wir können nicht die Augen verschließen für diese innere Welt und nur der Äußerlichkeit leben und ihre Vorteile wahrnehmen.

Der Mund der Madonna mit der kurzen, weichen, schön geformten Oberlippenpartie ist wunderbar weich, schön, mild und freundlich. Das Kinn ist edel gerundet und vorspringend, es zeigt den edlen körperlichen Impuls zu allen Tugenden und guten Taten in Verbindung mit dem starken geistigen Impuls, auf den die klassische Nasenform deutet.

Je mehr Schlimmes auf solche Naturen eindringt, desto weltverachtender, welterbarmender und gottseliger werden sie.

Alle Formen und Gewebe sind hochverfeinert und von einer verborgenen Kraft, Lieblichkeit und Heiligkeit.

Es ist der heilige Mensch. Wer will sagen, daß es ähnliche edle Menschennaturen nicht auch heute noch gibt? Man beobachte nur und öffne die Augen für die lebendige Formenwelt und man wird sie finden und meist dort, wo man sie am wenigsten vermutet. Sie sind ganz unauffällig, einfach und unscheinbar, sie bleiben meist unerkannt und erst die restlose Sichselbstaufopferung im Dienste der Nächstenliebe läßt manchmal auf sie aufmerksam werden.

Diese Menschen erschließen uns eine höhere Welt der Innerlichkeit und seelischen Tiefe.

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Innere Erschließung (Hinzugefügt)

Und doch möchten wir so sehr auch diesen edlen Menschen mehr Lebensfreude und äußeres Glück wünschen und geben, diese seltenen Naturen auf Händen tragen und in die richtige Wirksamkeit bringen, denn sie sind kostbar wie Edelsteine, gleich den wertvollsten Menschengütern.

Die Nasenflügel bei der Madonna sind schwach und zart, als wage sie kaum kräftig ein- und auszuatmen. In einer Welt, wo ähnliche Menschen durch den Lebensformenausdruck erkannt werden, da werden sie sich auch nach außenhin glücklich entfalten können und die oftmals harte, rauhe und brutale Lebenswirklichkeit wie durch Sonnenschein mildern und verschönern.

Aber Menschenkenntnis ist dabei nötig!

 

Das Gemälde, Bild 4, von Guinard macht einen ernsten, ruhigen und hoheitsvollen Eindruck. Man fühlt sich in eine teils liebliche und teils ernste Welt versetzt. Ein besonderer Adel und die Schönheit der Linienführung wirkt behutsam und beglückend.

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Bild 4. Die Beschützerin. Gemälde von Robert Guinard.

Aber trotzdem zeigt das Bild einen strengen Zug. Mag die Umwelt sonnig und schön sein, – hier ist dennoch tiefer Lebensernst.

Mütterlichkeit spricht aus dem betreuenden, fürsorglichen Ausdruck der Beschützerin. In ihrer Hut sind diese lieben kleinen Menschenkinder wohlgeborgen. Wieder sehen wir bei der Mutterstelle vertretenden Schwester die großen, auf Frömmigkeit deutenden oberen Augenlider, aber in Verbindung damit ein langes Gesicht mit starken Jochbeinen, mit kräftigem Kinn und Unterkiefer, also Formen, wie sie dem Tat- und Bewegungs-Naturell eigen sind.

Die lange, gerade Nase zeigt die erzieherische Veranlagung, die Willens- und Charakterstärke, in Verbindung mit dem sehr ruhigen festen Ausdruck die Strenge im Grundsatz bei viel Gemüt und tiefer Lebenserfahrung.

Wie verwundert schaut das liebliche, wohlgepflegte Kind mit seinen weichen Locken und dem eindrucksvollen Gemüt in die Welt, als würde ihm durch die ernste und strenge Erziehung doch manches versagt. Das Kind will sich oft ausleben, übermütig sein, aber hier ist alles freundlicher Ernst, Gemessenheit, Vornehmheit, die sprühende Lebenslust gedämpft, gemäßigt, abgetönt, fast könnte man sagen, in ein System gebracht. –

Der Künstler hat gewiß viel Kinderleid in den großen Städten gesehen, er widmete sein Bild der Tuberkulosefürsorge, und durch die Hoheit, Reinheit und Schönheit der Kindergestalten will er das Herz bewegen: Helft und sorgt mit für die Kinder der Großstädte!

Der Künstler sagt: Licht, Luft und Sonne braucht der Mensch, das zarte Kind zu seiner gesunden und glücklichen Entfaltung. Dumpf sind die Wohnungen der Fabrikstädte, sonnenarm.

Herrlich sind die Körpergestalten der Kinder, von wunderbarem Ebenmaß, wie glücklich und froh können sie sich hier inmitten der Natur entfalten.

Wir sehen in diesem Bild: Die Kunst ist nicht nur um ihrer selbst willen da, sie soll belehren, sie soll beglücken, sie soll alle Tugenden im Menschen erwecken. 

Gewiß, wir wünschen dem Kinde vielleicht noch mehr Freiheit, ungehemmte Fröhlichkeit; aber unglücklich sind diese Kinder nicht, sie befinden sich in guter Obhut, ihnen wird Liebe und Wohlwollen zuteil, wie der freundliche Zug am Munde der Beschützerin zeigt. Diese beglückende Liebe ist gleichbedeutend mit Lebenskraft, wie Huter nachgewiesen hat, ohne diese kann der junge Mensch nicht gedeihen.

Das alles hat der Künstler zum Ausdruck gebracht, den Ernst, die Pflicht des Lebens und die hilfsreiche Nächstenliebe. Wir sehen den Kontrast gegenüber der allzu einseitig eingestellten Dame der großen Welt und gegenüber der tiefen Verinnerlichung der Madonna von Dolci, die lebensabgewandt ist.

 

Wiederum in eine ganz andere Welt führt uns Bild 5. Hier ist die rauschende Höhe des Lebens dahin, brutal tritt der harte Daseinskampf mit diesem Bild vor unsere Augen.

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Bild 5. Lebens-Nüchternheit. Archiv

Rauh hat das Leben diese Frau angefaßt, sie hatte keine Zeit und Mittel, weder für die Verinnerlichung, noch für allen äußeren Glanz des Lebens, sie hatte auch nicht die Anlage zur Selbsterziehung.

Wenn auch der Ausdruck ungepflegt ist, so blickt doch das Auge scharf und gegenständlich, und in den breiten Jochbeinen und Kiefern zeigt sich die enorme Widerstandskraft.

Daher ist auch die Kopfhaltung gerade, eine zähe Energie und starker Lebenswille kommt in dem Gesicht zum Ausdruck, gepaart mit starker sinnlicher Liebe, wie die seitlich hängenden oberen Augenlider zeigen.

Gewiß, die nach innen stark eingebogene Nasenform und die breite Oberlippenpartie zeigen auch nicht im Entferntesten jene Charakterbildung, Selbstbeherrschung und Selbsterziehung, wie wir sie an den vorhergehenden beiden Bildern kennenlernten.

Wohl verrät die hochgehende Stirnbildung in der Anlage viel Wohlwollen, Sinn für Höheres und Okkultes und Verehrung, jedoch ist der Ausdruck allzu lebenshart geworden, wobei aber doch noch im Unterton eine verborgene Gutheit liegt, eine gewisse Weichheit am Mund mit dem herben Zug der Mundwinkel.

Die eingefallenen Schläfen zeigen, daß sie viel Kummer und Ärger gehabt hat und harten Daseinskampf.

Wenn auch die Nase, der breite Oberkiefer und das breite Gesicht Disharmonien zeigen, – wer will sagen, was Schuld und Sünde ist? – Der Mensch, dem die äußeren Lebensumstände alles Wünschenswerte geben, und der die beste Veranlagung hat, für den ist es leicht, gut zu sein, aber wenn diese Frau sich im harten Lebenskampf behauptete und doch noch, wenn auch in eine rauhen Schale das Gefühl bewahrte, wie der Mund immerhin noch zeigt, so hat sie viel mehr getan. –

 

Bei Bild 6 ist alles Bewegung und Beobachtung, Stirn und Gesicht zeigen starke Unruhe und man hat den Eindruck, daß die Umwelt wie im Fluge durcheilt wird und alles nur so vorbei rast.

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Bild 6. Piet van Kempen, Holländischer Radrennfahrer, Weltbild.

Wir wollen hier nur den auffallenden Zug der Stirn, der von der Nasenwurzel nach beiden Augenbrauen verläuft, kennzeichnen, weil er so deutlich wie nur möglich praktisch das zeigt, was die Psycho-Physiognomik [Physiognomische Psychologie] theoretisch lehrt. Es ist die Konzentration, der Überblick, die Beobachtung, die so stark hervorspringt. In der seitlichen Wölbung unmittelbar über den Augenlidern sieht man die Beobachtungshöcker stark hervortreten. Alle Form- und Gewebsteile von der Nasenwurzel bis zum seitlichen Verlauf der Augenbrauen sind auf das Höchste angespannt. Auf die hier liegenden Sinne, wie Beobachtung von Form, Gestalt, Richtung im Raum, Gewicht der Dinge, Licht, Tiefe, Ordnung und Übersicht, ist die Kraft des Denkens ausschließlich konzentriert.

Seitlich beider Augenbrauen verläuft nach oben bis zur Haargrenze ein angespannter plastischer Stirnzug, der sprechend zeigt, daß alle Sinne, Gefühl und Verstand die Beobachtung auf das Äußerste unterstützen.

Deutlicher und lebendiger kann die Natur die bevorzugte Betätigung bestimmter Hirnorgane nicht zum Ausdruck bringen. Es ist handgreiflich und bildet in Verbindung mit der Zähigkeit und Ausdauer, die in dem langen Gesichtstypus und dem breiten, kräftigen Kinn sich ausprägt, die Grundlage seiner außerordentlichen sportlichen Erfolge.

Was die Natur hier in Formen zum Ausdruck bringt, ist allemal der Beobachtung und Erforschung wert. Daher ist auch zu folgern, daß diese Wissenschaft vom Formenausdruck, die Psycho-Physiognomik [Physiognomische Psychologie], auf die Dauer gar nicht mehr unbeachtet bleiben kann.

 

Bild 7 zeigt einen Mann, der auch den Sport sehr gut kennt. Im Beruf verrichtet er Qualitätsarbeit.

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Bild 7. Ruhe, Kraft, Festigkeit, Gleichmaß. Archiv.

So natürlich gerade und fest die Kopf- und Körperhaltung ist, so fest und gerade ist sein Charakter. Man kann sich stets auf ihn verlassen.

So klar und fest wie das hell blickende Auge, so bestimmt ist auch die Nasenform, ist das Ohr angesetzt und verraten alle Formen den gleichen ruhigen Charakter, Sicherheit und gutes Streben. Gewissenhaftigkeit, Genauigkeit und Fleiß, Natur- und Kunstliebe zeichnen ihn aus. Bei noch so gefahrenvollen Felsenbesteigungen überwand er alle Schwierigkeiten. Für ihn ist der Sport gleich einer Naturverehrung, ein Verbundensein mit der Natur, ein Erproben der Kraft.

Daneben besitzt dieser vortreffliche Mann die Kunst der praktischen Lebensbelehrung und Erziehung. Es ist ein Mustermensch in seiner Art. Man beachte die freie, gut vorgebaute Stirn, den weiten Blick des Auges, den natürlich guten und frischen Ausdruck. Er kam aus sich selbst dazu, die Wahrheit dieser Psycho-Physiognomik [Physiognomische Psychologie] durch Erfahrung und Beobachtung zu erkennen. –

Personenwerte stehen höher wie Sachwerte. Sie erkennen zu lernen, fordert der Zug der Zeit. –

 

Übungsaufgabe: Welches Bild zeigt den religiösen, arbeitsamen, sparsamen und gewissenhaften Menschen, – und welches Bild den aus Anlage, Neigung und Selbstsuggestion zu verbrecherischen Handlungen disponierten Menschen?

Bevor der Leser die Beschreibungen zu diesen Bildern durchliest, unterziehe er zunächst die Bilder in allen Einzelteilen und in der Gesamtformbildung einer vergleichenden Betrachtung und beantworte sich zuerst die oben gestellte Übungsfrage.

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Bild 8. Huter-Museum.              Bild 9. Archiv.

 

Bild 8 stellt einen von Epilepsie geheilten Mann dar.

1. Derselbe zeichnet sich durch einen religiösen Sinn aus. Das ist zu erkennen an dem tief warmen Blick der Augen und an den sanft über beiden Augen liegenden verhältnismäßig großen Augenlidern, an den hochliegenden Augenbrauen und den weichen Formteilen zwischen denselben bis zum oberen Augenlid, wobei das seitliche untere Augenlid eine Zug nach oben hat. Ferner ist dieser Zug zum Religiösen zu ersehen aus dem in der Tiefe der Gewebe liegenden reinen Ton des Gesichts, an dem feinen dünnen Haar, das sich licht über das breit ausgewölbte Oberhaupt legt, wo die Organe der Religiosität liegen. Auch zeigt die Stirn in der seitlichen obersten Region eine schöne plastische Breite und lichte Auswölbung, dort liegt der Sinn für Herzensgüte, und zum Oberhaupt zu für Ansammlung höchster religiöser Lebensgüter.

2. Er hat nur eine schwache Geschlechtskraft, was an der schwachen Schwell- und geringen plastischen Formkraft der Gewebe zum Mund, Wangen und Nasenpartie zu erkennen ist, ferner an den sehr dünnen unteren Augenlidern, wo die physische Lebensnervenfülle zum Ausdruck kommt, und an der dünnen Form- und Gewebsbildung der inneren und unteren Nasenspitze, wo die Korrespondenz und Polarität mit den Geschlechtsorganen liegt.

3. Ihn zeichnet ein starkes Gewissen aus. Die Anlage erkennt man an der starken seitlichen Breite des hinteren Oberhauptes, wo die Organe für die Gewissenhaftigkeit u.a. liegen. Daß diese Anlage auch geübt und gegenständlich ist, erkennt man u.a. an der guten, ruhigen, sicheren Gleichmäßigkeit des Gesichtsausdrucks in Verbindung mit dem warmen, aufrichtigen Ausdruck der Augen und der weichen Partie im Mittelgesicht.

4. Ihn zeichnet ferner Arbeitsamkeit aus. Das erkennt man an dem starken, langen, breiten Kinn und Unterkiefer. (Das Kinn zeigt im Gewebe lebhaften Impuls), ferner an dem entschlossenen Zug des Mundes, an den starken breiten Schultern und Oberarmen und an der gut gespannten Breite des Seitenhauptes vor und über den Ohren, wo die Arbeitsliebe und der Anspannungstrieb liegen.

5. Ihn zeichnet Sparsamkeit aus. Das erkennt man an dem straffen plastischen Zug zu beiden Seiten des mittleren Seitenhauptes, wo die Organe des Erwerbs liegen. Die Spannung, die sich hier zeigt, teilt sich selbst dem Haar mit, das lebhaft in Form und Ausdruck ist. Das ganze Gesicht, die Haltung und Kleidung zeigt, daß er auf eine einfache Lebenshaltung und Arbeit eingestellt ist. Man beachte auch zu allem die reine Form und Zeichnung des Ohres.

Was wäre dieser Mann ohne seine starke inner religiöse Einstellung, die gleichsam zum Leitprinzip für alle seine Handlungen geworden ist? – Die Religiosität ist es, die den Menschen auf dem geradesten Wege am ehesten veredeln und zu den besten Tugenden veranlassen kann. Ursprünglich stand dieser gute Mensch unter dem Zeichen einer gewissen Schwere, Starre und Hemmung, die besonders der starke Unterkiefer zeigt, vielleicht gab in Verbindung damit Überarbeitung und zu große Sorglichkeit den Anstoß zu seiner durch Huter geheilten Krankheit.

Wird die Formbetrachtung analytisch und synthetisch zusammengefaßt, dann können wir den Menschen würdigen und gerecht beurteilen.

 

1. Bei Bild 9 fällt sofort neben einer gläsernen Starrheit in den Formen des Gesichts und der Stirn der starre Blick der Augen auf, der auf Belastung des inneren Nervensystems und starke Selbstsuggestion hindeutet.

Die Starrheit, die im Blick liegt, pflanzt sich auf das Mittelgesicht und auf die Haltung fort, wodurch erkenntlich wird, daß er sich in eine abnorme Idee bis zur Tatausführung versteifen kann.

2. Betrachtet man noch den glasharten und kalten Ausdruck der Gewebe im Gesicht, wo bei normalem Zustand die feinen warmen Weichteile quellen, und dazu das wild, wie in lodernden Flammen liegende Haar, so wird die oben ausgesprochene Befürchtung zu Gewißheit, daß hier schon abnorme Taten vorliegen.

Die Phantasie dieses Mannes geht leicht wilde, abnorme Wege.

3. Aus dem Ohr ist auf das Seelenleben zu schließen. Da hier das linke Ohr häßlich und hartförmig absteht, so erkennen wir, daß hier schlimme, von der guten Norm abweichende Neigungen bestehen. In Verbindung mit der Form steht die starke Spannung des Ohres, aus welcher man schließen darf, daß auch die Organe hinter dem Ohr, die Gewalt- und Vernichtungssinne, in starker Anlage und Spannung sich befinden.

4. Im Gesicht finden wir, von den Hochbeinen an sich nach unten ziehend, einen eisenharten Zug, der bis zum Unterkiefer verläuft. Dieser Zug deutet auf ein erkaltetes, wie verhärtetes Mittelhirn -, d.h. inneres Gefühlsleben. Das Empfinden ist wie ausgelöscht. Da auch das Kinn schwer, lang und hart ist, wird der Eigenwille und die kalte Tatdurchführung dieses Mannes verständlich. Er hat einen schweren Raubüberfall begangen.

5. Die Nasenform ist bis zur Spitze eingebogen und die Nasenlöcher werden sichtbar. Man erkennt daraus die ungenügende Beherrschung des Charakters, der Triebe und Anlagen. Der Mund mit den hängenden Winkeln aber zeigt eigenwillige Entschlossenheit und er empfindet Freude, wenn er andere durch Gewaltausübung in Not bringen kann. Er sucht sein Fortkommen nicht durch ehrliche Arbeit und Gewissenhaftigkeit. Auch der Hals zeigt Abnormes in Form und Gewebe.


Der Vergleich dieser beiden Bilder ist sehr überzeugend und für den objektiv und scharf beobachtenden Menschen auch von wirklich praktischer Bedeutung.

Der Leser erkennt, daß tatsächlich der Ausdruck so grundverschieden wie die Charakterveranlagung, die Ideen- und Gedankenwelt und der Wille dieser beiden Personen ist. Kennt man nun die anatomisch-physiologische Wechselbeziehung der einzelnen Gesichtsteile mit dem Körperinnern und verbindet damit ein scharfes künstlerisches Sehen, so erscheint der Zusammenhang von Leib und Seele keineswegs mehr verborgen, sondern ganz offensichtlich.

Des Körpers Form ist

Seines Wesens Spiegel.

Enthüllst du sie, so löst

Sich dir des Rätsels Siegel.

 

Ein  Bildnis des Schönheitsphilosophen

Carl Huter,

des Begründers der Psycho-Physiognomik

[Physiognomische Psychologie], ist in der

Größe von 18×24 cm für den Preis von

RM. 5,- zu liefern.

(Scharfe Vergrößerung einer Photographie

nach dem Leben.)


Bild „treu und fest“ (Hinzugefügt)

Lebensrichtung von Carl Huter (1905), 1. Strophe:

Immer den Blick nur nach vorwärts gerichtet,

Niemals verzagen, wenn Schweres uns droht,

Selbst wenn das Schicksal uns alles vernichtet,

Schaut nur ins Auge recht mutig dem Tod,

Eins bleibt uns sicher, das nimmt man uns nicht,

Es ist die Treue in Tugend und Pflicht.

 

 

 

 

Große Studienbüste (Photo Myrta Chesini, Schweiz)

Mail vom 23. September 2005 von “Myrta Chesini” mchesini@hispeed.chan Herrn Timm.

Sehr geehrter Herr Timm

Die Studienbüste hat ihr neues Zuhause gefunden. Der neue Besitzer würde

gerne mit Ihnen Kontakt aufnehmen, denn er verbreitet auch die Lehre von

Carl Huter. Wenn Sie das möchten, hier seine Mail Adresse:

info@diagnostik.de ( Hr.Michael Münch ).

Herzlichen Dank für den Kontakt mit Ihnen, wünsche Ihnen alles Gute und

herzliche Grüsse aus der Schweiz

Myrta Chesini         (Hinzugefügt)

 

Schriftleiter Amandus Kupfer, Schwaig bei Nürnberg

D.A. 4500. Druck: C. Brügel & Sohn AG. Ansbach.

dgm049-bucher-49

Herausgegeben von Amandus Kupfer, Schwaig bei Nürnberg

Schweizer Huterfreunde

Neuherausgeber Medical-Manager Wolfgang Timm

Copyright 2001-2008 by Carl-Huter-Zentral-Archiv

 D The Gate MK

DgM 048

Der gute Menschenkenner 048 von 101

MENSCHENKENNTNIS           

CARL HUTER (1861-1912)

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Der Menschenkenner und die neue Zeit

nach Carl Huters Psycho-Physiognomik

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Herausgegeben von Amandus Kupfer in Schwaig bei Nürnberg

CARL-HUTER-ZENTRAL-ARCHIV

Medical-Manager Wolfgang Timm

http://www.chza.de 

 

  Form Geist

EXTRA LIFE INTELLIGENCE TRANS ENERGY 

PSYCHOLOGIE UND MEDIZIN DER ZUKUNFT 

 

 

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                         Der gute Menschenkenner                      

nach Carl Huters Psycho-Physiognomik

© Januar 1937, Nr. 48

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Ernährungs-

Bewegungs- und

Empfindungs-

KRÄFTE

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Die aufbauende gute und

die abbauende böse Kraft

 

Ernährungs-, Bewegungs- und Empfindungskräfte liegen den drei Organsystemen des Körperbaues für die Ernährung, Bewegung und Empfindung zugrunde.

Sie bauen und formen den menschlichen Körper, organisieren, beleben und bewegen ihn.

Die von Huter entdeckten drei Haupttypen des Lebens, – Bild 1, 2 und 4 – ferner die polaren, sekundären und Mischformtypen in der Pflanzen-, Tier- und Menschenwelt sind weit über die Grenzen unseres Landes bekannt geworden und – da auf Schritt und Tritt nachweisbar – auch als richtig erkannt.

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Kretschmer vs. Huter (Hinzugefügt)

Die Ursache des so verschiedenartigen Körperbaues liegt zunächst in dem wechselreichen Spiel der Vererbung und den vielseitigen Einflüssen einer bunten, stets sich verändernden Umwelt.

Damit sind aber die inneren und letzten Ursachen von Form und Gestalt noch nicht erklärt!

Schon die Samen- und Eizelle, aus welcher der Mensch entsteht, sind winzig kleine Lebensgebilde, die dennoch bereits alle Stoffe und Kräfte, den ganzen Grundplan des werdenden Menschen in sich tragen.

Infolgedessen sind die bauenden, formenden und organisierenden Natur- und Lebenskräfte im Menschen unsichtbar, aber dennoch von urgewaltiger Energie.

Diese kleinsten Lebensgebilde bestehen wiederum aus ungezählten Billionen von Atomen und Molekülen, die ihrerseits, nur unendlich konzentrierter, die Energien in sich tragen, aus denen die Samenzelle entstehen konnte.

Wir sind also unversehens mit diesen Betrachtungen in eine Welt des Kleinen hineingeraten, welche einer früheren Zeit noch vollständig verschlossen war und daher herrschten auch bisher die dunkelsten Vorstellungen über die Energien, die Leben hervorbringen und organische Formen bilden.

Die Größenverhältnisse in einem einzigen Atom sind trotz der Kleinheit ganz unvorstellbar.

Um den Atomkern kreisen Elektronen und Jonen in solchen Abständen, daß die Größenunterschiede, Bewegungen und Entfernungen nur zu vergleichen sind mit denen der Himmelskörper unseres Sonnensystems.

Das klingt zwar phantastisch, aber es sind Forschungsergebnisse der modernen, sehr realen Physik und Biologie.

Der moderne Mensch ist aber schon auf dem Wege, sich an die Vorstellung dieser neu entdeckten Welt des Kleinen zu gewöhnen, die so unendlich nach der Kleinheit und Innerlichkeit des Raumes ist, wie der Kosmos in seiner unendlichen Größe.

Und aus dieser Welt des Kleinen steigen die Stoffe und Kräfte auf, die unser Leben, die Formen und Gestalten bilden. Ja, in dieser Welt des Kleinen, der Innerlichkeit, wurzelt schon bei Lebzeiten unser eigenes körperliches, seelisches und geistiges Sein.

Damit erklärt es sich auch, daß wir unausgesetzt, unser ganzes Leben lang Tag für Tag neue Eindrücke aufnehmen und festhalten können, ohne daß ein ausgewachsenes Gehirn auch nur um ein Geringes größer wird.

Die Innerlichkeit in uns weitet sich bis in eine unbekannte Tiefe und Unendlichkeit.

Es ist klar, daß damit nicht nur die Anschauungen vom Leben, sondern auch vom Tod, von Geist und Seele, von Kraft und Stoff aus einer dunklen Vorstellung in ein helleres Licht der wissenschaftlichen Erkenntnis gerückt werden.

Die Energien, welche die Samenzelle bilden, die Körperform und Gestalt zum Wachsen, Reifen und Sterben bringen, sind unendlich fein, sie liegen in der Feinheit weit, weit hinter dem Atom, das ja noch eine stoffliche Beschaffenheit hat, und keine Macht, nichts in der Welt vermag sie zu zerstören.

Verfällt der Körper, ereilt ihn der Tod, oder werden Teile durch Operationen z.B. entfernt, die Lebensenergien bleiben, sie sind unzerstörbar und ziehen sich nur in die Welt der unendlichen Kleinheit zurück, aus der sie zur Lebens- und Formbildung aufstiegen.

Das sind die aller einfachsten Folgerungen aus den modernen, gesicherten Lehren der Physik und Biologie, die sich seit Huters Tode ganz in dem Rahmen bewegte, wie er sie vorgezeichnet hat.

Damit änderte sich unser altes Weltbild grundsätzlich und es ist nur eine Frage der Zeit, daß man die Folgerungen aus den neuen Erkenntnissen ziehen wird.

Die Wissenschaft wird dann vergeistigt, die Religion auf naturwissenschaftliche Grundlagen gestellt, und damit kündet der Großhirnkulturmensch sein erstes Nahen an.

[Comment by Medical-Manager W. Timm: Carl Huter selbst als Mensch ist sozusagen der Prototyp des nahenden Großhirnkulturmenschen – seiner Zeit ca. 200 Jahre voraus.]

Anstelle einer dunklen Mystik in den Vorstellungen über Leben und Tod tritt sonnenhelle und lichte, naturwissenschaftliche Erkenntnis.

Das sei vorausgeschickt, und nun können wir, auf dem Boden der modernsten Physik und Biologie fußend, uns die Frage nach den Kräften und Energien stellen, die Leben, Form und Gestalt bilden.

Dabei lassen wir die alte kindliche Vorstellung, daß der Körper des Menschen dort, wo die Haut ihn abschließt, sein absolutes Ende hat, gänzlich fallen.

Der lebendige Körper besteht aus Zellen, Atomen und Molekülen, in denen der Magnetismus, die Wärme und andere Kräfte spielen, deren Wirksamkeit über die Grenzen des Gebildes hinausreicht. Die Atmosphäre, welche die Körper umgibt, besteht ebenso aus Atomen und Molekülen, und folglich stehen die Kräfte und Stoffe der Innenwelt und Außenwelt in einem Austausch ihrer Energien.

Bis zu einem gewissen Grade vermögen wir diese Energien sinnessinnlich zu erfassen oder durch Instrumente nachzuweisen, ganz abgesehen davon, daß wir sie in der lebendigen Formbildung in ihrer Auswirkung zu erkennen vermögen.

Der Leser betrachte Bild 1.

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Bild 1. Schematische Darstellung des typischen Ernährungs-Naturells mit der dieser Körperform besonders stark anhaftenden Energie.

Es ist natürlich nur eine primitive bildliche Darstellung der Energie, die diesem Körperbau zugrunde liegt.

Huter forschte der Ursache der Form- und Lebensbildung nach, und als er erkannte, mit den alten Forschungsmethoden nicht weiterzukommen, schlug er neue Wege ein.

Er stellte zunächst fest, daß der menschliche Körper von einer emanierenden Substanz durchdrungen ist, die besonders den Leiborganen und übrigen Weichteilen stark anhaftet.

Diese Substanz durchdringt nicht nur die inneren Organe, sondern sie umgibt den Körper in bestimmter Weise – siehe Bild 1 – noch auf nahe Entfernung, etwa 1/2 bis 1 m mit einem odischen, wolken- oder lohenartigen Hauch.

Diese Energie ist im Dunkeln unter günstigen Umständen als schwach leuchtende Substanz sichtbar.

Es ist das von Freiherrn Karl von Reichenbach zu Anfang des vorigen Jahrhunderts [19. Jahrhundert] entdeckte Od.

(Reichenbach errichtete die ersten Holzverkohlungsöfen, ferner große Eisenwerke, entdeckte das Kreosot und Parafin.)

Huter stellte bald fest, daß das Od die Substanz ist, welche die Ernährung und Verdauung vermittelt, die ferner besonders die inneren Organe, die weichen und vollen, sowie die konkaven Hohlformen bildet.

Damit hatte er die Energie gefunden, welche besonders stark dem typischen Ernährungs-Naturell mit seinen vollen, korpulenten, weichen und breitfleischigen Körperformen eigen ist.

Das Od durchdringt die aufgenommenen Speisen und Getränke, löst die Stoffe, welche im Magen und Darm auf uns bekanntem chemischem Wege schon zersetzt sind, weiter auf bis unter die Grenze des Atoms, so daß ein Neuaufbau, die Neubildung anderer Stoffe möglich wird. Den Beweis gibt u.a. die Tatsache, daß in unserem Körper Elemente nachweisbar sind, welche die aufgenommene Nahrung nicht enthält.

Menschen, die mager und hager sind, haben im Verhältnis zum Ernährungs- und Verdauungsmenschen nur ein schwaches Od und ein geringes Vermögen, die Nahrung dem Neuaufbau des Organismus dienstbar zu machen.

Das Od tritt nach Quantität und Qualität sehr verschiedenartig auf. Es unterscheidet sich streng von den Dunst-, Duft- und Stoffwechselemanationen. Reichenbach erkannte es bereits am Menschen und auch an Kristallen. Letzteres nannte Huter Hart-Od oder Medioma. Diese ist der Mutterstoff der chemischen Materie, der, dem Körperleben dienstbar gemacht, vornehmlich die festeren, derbfleischigen Formteile bildet, z.B. am Rücken und an der Außenseite der Glieder gelagert ist.

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Rücken eines Mannes (Hinzugefügt)

An der besonderen härteren oder weicheren Beschaffenheit der Gewebe ist das Od, sowie die Medioma deutlich zu erkennen und damit ein gut Teil der Veranlagung eines Menschen.

Menschen mit starker Medioma und grobem Od können die schwersten Speisen und Getränke noch gut verdauen. Das weiche Od hat als physiologisch abgewandelte Energie und Substanz den Charakter einer gewissen Gutmütigkeit und Gemütlichkeit.

Das Od durchdringt die Kleider, die Atmosphäre, Gegenstände und Einrichtungen, und daher haben alle Räume, in denen volle, wohlbeleibte, weichfleischige Menschen wohnen und verkehren, wo noch möglichst gegessen und getrunken wird, die anheimelnde, warme, gemütliche und teils gutmütige Atmosphäre.

Daher haben Menschen oft Kleider, Gegenstände und ihre Wohnräume so gern, als seien sie gewissermaßen ein Stück ihres eigenen Selbst, sie sind ja auch tatsächlich mit ihrem Lebensod durchdrungen, das sich nur schwach polarisiert. Daher haben durch Vermittelung des Odes viele Menschen, meist schwach oder halb unbewußt, in der Nähe eine andern Menschen zuerst einen bestimmten Eindruck, der sich erfahrungsgemäß oft als richtig erweist.

Man glaube nicht, daß diese und noch viele andere Dinge, die durch das Od zu erklären sind, von selbst oder von ungefähr kommen, das ist nicht der Fall.

Bei den Pflanzen ist die Medioma in den Holzteilen am stärksten, an den Blättern und Blüten das Od, es bildet die zartesten Formen, Knospen usw.

Bei noch jungen Tieren ist das Od sehr stark, besonders an der Brust des säugenden Tieres, es bildet die zartesten flaumigen, odisch durchhauchten Gewebe, die zartesten Haare und das sehr feine, flaumige Gefieder.

Da das Od eine emanierende Substanz ist, so haben ganz besonders stark odische Menschen in besonderen Fällen einen nicht zu unterschätzenden, stark heilenden und das Wohlbefinden steigernden Einfluß auf andere Menschen.

Umgekehrt, wenn sich ein Mensch in Gegenwart bestimmter anderer Menschen wiederholt geschwächt fühlt, so spielt der Austausch bzw. die Entziehung des Odes dabei oftmals eine Rolle.

Da das Od leicht aus den Geweben erkannt werden kann, so unterliegt es der Berechnung.

Das kleine Kindchen an der Brust oder im Schoße der Mutter liegt sozusagen in einer nährenden, wohltuenden und wärmenden Odhülle oder Atmosphäre, die es zu seinem Wohlbefinden fast nicht entbehren kann.

Nun kommen wir zur Beschreibung der zweiten großen Energie des Lebens, dem Magnetismus, siehe Bild 2.

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Bild 2. Schematische Darstellung des Tat- und Bewegungs-Naturells mit dem ihm besonders stark eigenen Magnetismus und den magnetischen Kraftspannungslinien.

Kein Atom und Molekül ist ohne Magnetismus denkbar. Also schon in der Welt der fast unvorstellbar kleinsten Teile der Materie wurzelt die magnetische Energie.

Daß dieselbe unsichtbar ist, liegt auf der Hand, denn wir sehen z.B. auch den Magnetismus des Magneten nicht (wohl seine Wirkung) und haben uns längst seit Entdeckung des Radiums und anderer strahlender Elemente, mehr noch seit Bekanntwerden der Radiowellen usw. an die Vorstellung der unsichtbaren Energien gewöhnt.

Der Magnetismus im lebenden Körper ist ähnlicher Natur wie der Magnetismus der Materie, nur ist derselbe physiologisch abgewandelt.

Der Magnetismus hält alle Atome, Moleküle und Zellen unseres Körpers zusammen, ist also Eigenkraft der Materie. Darüber hinaus stärkt derselbe unausgesetzt das eigene Ich, die Selbsterhaltung und Machtentfaltung, er ist die egoistische Kraft im Leben.

Im einheitlichen Zug durchströmt der Magnetismus alle Atome und Moleküle des lebenden Körpers, bildet aber vorzugsweise das harte Knochengerüst und findet in den Beinknochen, der Wirbelsäule und dem harten Schädelknochen die magnetische Richtachse. Durch den Magnetismus wird die Spannkraft des Körpers bestimmt, die Höhen- und Längsrichtung. Derselbe strahlt am Kopf-, Strahl- oder Nordpol aus, umgibt den Körper mit Kraftspannungslinien und wird vom Fuß-, Süd- oder Saugpol stets wieder aufgenommen, wodurch das eigene Ich gestärkt wird.

Das ist die Hauptsache das Wesen des Magnetismus, maßgeblich für alle aus der Natur gewordenen belebten und unbelebten Formen.

Ohne den Schutz der magnetischen Kraftspannungslinien, welche die Erde umgeben, könnte sie nicht bestehen, und kein ruhiges Leben auf ihrer Oberfläche wäre möglich. Erst dort, wo die magnetischen Kraftspannungslinien aufhören, beginnt der freie Weltenraum mit seinen Einflüssen.

Mit den saugenden magnetischen Wurzeln hält die Pflanze, der Baum, sich in der Erde fest, der harte Stamm bildet die magnetische Richtachse, die Krone den Strahl- oder Nordpol. Dazwischen liegen die magnetischen Kraftspannungslinien und Kraftfelder.

Daher gibt der Wald mit seinen starken Bäumen dem Wanderer die Ruhe und Erholung und stärkt dessen eigene magnetische Lebensenergie. Daher stärken weite Wege und Märsche die Bein- und Knochenkraft, den Magnetismus, die Energie, Ausdauer und Willenskraft, wodurch nachher, in der Ruhe um so stärker das Empfinden wach wird.

Daher haben auch Menschen, die auf Fels- und Granitboden mit dem stärksten Magnetismus leben, eine stärkere Urwüchsigkeit, Festigkeit, Knochen- und magnetische Spannkraft wie Menschen, die auf Sumpf-, Sand-, Ton- oder Lehmboden wohnen.

Durch den vorherrschenden Magnetismus erklärt sich der typische Körperbau des Tat- und Bewegungsmenschen, siehe Bild 2. Er hat die starke Willensenergie, Bewegungs- und Tatkraft.

Aber nicht nur die Körperform und Gestalt zeigt den starken Magnetismus, sondern auch schon das straffe, feste, gespannte und harte Gewebe, die gestrafften Züge des Gesichts, das klar und real blickende Auge lassen die vorzugsweise stark entwickelte magnetische Energie eindeutig und klar erkennen.

Mit Vorliebe unternehmen diese Menschen weite Wege. Anstrengender Sport, energische Arbeit, Wind und Wetter, ja selbst Strapazen werden mit Lust und Wohlbefinden ertragen, es ist ihr Lebenselement.

Ihr Sinn richtet sich in die Weite, auf das Äußerliche, sie wollen hinaus aus den vier Wänden, die sie bedrücken, sie wollen Taten vollbringen, es ruft sie die Freiheit, und sie streben nach harter Herrschaft über andere.

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Schon die Haltung und Spannkraft des Körpers verrät die vorherrschende oder zur Geltung drängende magnetische Energie. Nichts kann diesem Einfluß widerstehen. Der Magnetismus beeinflußt die Atome und Ätherilionen, er wirkt bannend, zwingend, herrschend, suggestiv beeinflussend, Ja, selbst den Menschen mit schwachem Magnetismus überträgt sich unter Umständen die magnetische Energie der starken Naturen, so daß sie z.B. in Marschkolonnen Strapazen ertragen und Leistungen vollbringen, die sie sonst wohl kaum durchführen könnten.

Die magnetischen Kraftspannungslinien wirken bis auf einige Meter Entfernung vom Körper und verursachen indirekt eine gewisse Ätherspannung.

Wer also in der Nähe eines magnetische starken Menschen tritt, steht in dessen magnetischem Kraftspannungskreis, der unter Umständen sehr zwingend und bannend wirken kann. Darauf beruht z.B. auch die gewaltige Kraftübertragung, die große Menschenansammlungen auslösen können.

Auch die Sympathie zwischen dem Bewegungs-Naturell und der schwach magnetischen Empfindungs-Natur ist dadurch zu erklären, die Antipathie gegen das disharmonische Naturell und die sonst fast unmögliche Beeinflussung des Ernährungs-Naturells.

Das alte Wort „In das innere Wesen der Natur dringt kein erschaffener Geist“ verliert mit den Fortschritten der modernen Biologie und Physik allmählich bis zu einem gewissen Grade seine Gültigkeit.

Der Magnetismus als Heilkraft ist bekannte, und durch die neueren Erkenntnisse der Physik ist das Wie und Warum verständlich.

Durch die magnetisch starke Energie eines Menschen kann die magnetisch schwache Kraft eines kranken Menschen gestärkt werden, wodurch die Lebens- und Heilkraft günstig beeinflußt wird.

Allerdings sollte der Heiler in solchen Fällen außer einem wirklich starken Lebensmagnetismus auch noch ein starkes Od besitzen, denn sonst kann er z.B. bei einem odisch schwachen Menschen diese Substanz bannend und lähmend beeinflussen, wodurch keine Stärkung der Lebenskraft und auch keine Besserung entsteht. Also auch hier ist die Kenntnis der Natur- und Lebenskräfte Voraussetzung.

Wenn der Magnetismus eines Menschen gebrochen ist, dann sieht es um seine Lebensfähigkeit schlecht aus. Die Haltung des Menschen, die Spannung des Körpers, aller Gewebe und inneren Organe ist dann wie gebrochen. Das Aussehen ist in solchen Fällen typisch, siehe Bild 3.

 

Gebrochene Lebenskraft
Gebrochene Lebenskraft

 

Bild 3. Briand, französischer Staatsmann. Die gebrochene Lebenskraft. Photo Vogel-Sandau

Das Bild zeigt diesen Staatsmann, als er 1931 zur Konferenz in Berlin weilte. Er starb einige Monate später im Alter von 70 Jahren infolge eines Herzleidens.

An der stark eingesunkenen Haltung des Körpers, an den hängenden Wangen und Gesichtszügen, an den unsicheren Händen, sowie an vielen anderen Merkmalen, die schwerer zu sehen sind, ist zu erkennen, daß die magnetische Spann- und Lebensenergie gebrochen ist.

Wenn der geistige Wille auch noch so stark ist, der Zustand selbst wird dadurch nicht geändert.

Bereits bei Erscheinen des Bildes erkannten wir: Es ist die gebrochene Lebenskraft, die nur noch Monate vorhält, und ich bewahrte deshalb das Bild zu Studienzwecken auf.

Solange der Magnetismus noch ungebrochen ist, vermag der Körper selbst inneren Leiden gegenüber noch vielfach standzuhalten. –

Ein einfaches Beispiel von der Wirkung des Magnetismus liegt in folgendem: Wenn der Mensch spricht und dabei aufrecht und gespannt steht, so ist der Einfluß auf andere Menschen stärker, als wenn er in einem Stuhl sitzt und spricht, wobei der Magnetismus entspannt ist.

Der Magnetismus der Lebewesen unterscheidet sich selbstverständlich von der mechanischen Energie der Materie. Auch bezüglich der letzteren schreitet die Erkenntnis mächtig fort. Ungeahnte Möglichkeiten eröffnen sich, wenn es gelingt, die Atom-Energien frei und nutzbar zu machen, die in den Bergen von Granit aufgespeichert sind, dann braucht kein Bergmann mehr Kohle aus der Tiefe der Erde zu fördern.

Hier wie dort, – die Kenntnis von der Natur- und Lebenskräften macht den Menschen geistig frei und gibt ihm die Herrschaft über die Natur.

 

Nun kommen wir zur höchsten Kraft, die es im Weltall gibt.

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Es ist die von Huter entwicklungsgeschichtlich und experimentell nachgewiesene Lebenslichtstrahlkraft im Zentrosoma der lebenden Zelle, die er Helioda nannte.

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Bild 4. Das Empfindungs-Naturell mit der verfeinerten Form und der ihm besonders stark eigenen schöpferischen Liebes-Lebensstrahlkraft Helioda.

In Bild 4 sehen wir die verfeinerte, zarte Lebensform, den empfindungsreichen und oft auch schöpferischen Geistmenschen. Der Magnetismus und die Medioma treten in dieser Gestalt stark zurück, aber die Nerven- und Lebenskraft Helioda tritt hervor und das feine Weichod, das mit derselben sympathisiert.

Die Helioda ist heute mikroskopisch, biologisch und experimentell erforscht, sie ist gleichbedeutend mit jener Liebeskraft, die Jesus einst als das Höchste lehrte, die er selbst so stark in sich trug, daß er sie heilend übertragen konnte.

Diese Liebes-Lebenskraft wurzelt in der Empfindungsenergie der nur scheinbar toten Materie. Dieses Urempfinden konzentriert sich mit der fortschreitenden Umbildung und Entwicklung so stark, daß es in der Zelle zu Leben erwacht.

Aus den Einzellern entwickeln sich mehrzellige Organismen. Es bilden sich mit Hilfe und auf den Bahnen der Strahlung fein Fibern, dann Nerven, Ganglionen, bei fortschreitender Höherbildung das Rückenmark, die Sinnesorgane und das Gehirn.

Die empfindende Strahlkraft ist im Spiel der Kräfte die oberste Leit- und Richtkraft, die mehr oder weniger die untergeordneten Kräfte beherrscht, die selbst die starke magnetische Richtachse biegt und den Magnetismus zur Formung des harten Schädelknochens benutzt.

Im Gehirn sammelt sie sich so stark, daß sie aus dem bloßen Reizempfinden und Unterbewußtsein zum Geist und Tagesbewußtsein erwacht und die Triebe mit Bewußtsein leitet.

Sie wurzelt in jedem Ätherkleinstteilchen, – in der jetzt von der Physik uns enthüllten und bisher unbekannten inneren Raumwelt, in der Zelle, in den Atomen, Molekülen, Elektronen und Jonen als die bisher unbekannte Impulskraft zu allem Werden und Entwickeln in der Welt.

Sie ist die schöpferische Liebeskraft, die man früher aus Unkenntnis einem unbekannten Gott zusprach, durch die alles Leben entsteht. Nun ist bewiesen, daß auch der Mensch die Schöpferkraft in sich selbst trägt. –

Die Zelle, die sich ohne genügende Mitwirkung der im Strahlengebilde des Zentrosomas liegenden Schöpferkraft teilt, ist stets dem Tode geweiht, – wie es alle Zellforscher und Histologen übereinstimmend beobachtet haben.

Die Helioda schwingt zwischen den Stoffen und Kräften des lebendigen Körpers als eine wunderbar milde und angenehme Strahlung, die nah- und fernwirkend ist, das sie durch die Empfindungsenergie der Atome und Moleküle und des Äthers geleitet wird. Daher sind auch Gedanken Kräfte, ganz besonders, wenn sie stark von Liebe getragen sind, nicht nur innerhalb des Körpers, sondern auch über diesen hinaus wirkend.

Haß und böse Gedanken verkürzen die Strahlung und heben die Fernwirkung mehr und mehr auf, das Wohlwollen und der gute Gedanke verstärkt sie.

Huter mußte sieben Jahre über diese seine größte Entdeckung schweigen, da er sich der Verhöhnung aussetzte, wenn er nur erwähnte, daß das Leben auf Strahlung beruhe. Erst als das strahlende Radium entdeckt wurde, durfte er es eher wagen, diese seine Entdeckung darzulegen und experimentell zu beweisen.

Heute gibt es über die biogenetischen, das sind diese Lebensstrahlen, schon eine Literatur und man schreibt die Entdeckung derselben dem Russen Gurwitsch zu, der sie zuerst nach Huters Tode bei Zwiebelwurzeln feststellte.

Aber das änderte nichts an der Sache, denn die Helioda ist ewig und die mit ihrer Entdeckung verbundenen weiteren Forschungen Huters werden mit der Zeit die richtige Quelle finden lassen, – wir haben Zeit, wir säen nur, ohne schon die Ernte zu erwarten.

[Comment by Medical-Manager Wolfgang Timm: In der Tat ist die richtige Quelle Carl Huters Helioda, seine Kraftrichtungsordnung. Alle diesbezüglichen Forschungen Gurwitsch mit seinen Zwiebelwurzeln, oder heute unter dem Begriff „Biophotonen“, beispielsweise Forschungen von Popp, beginnen mit dem Vater dieser „Lichtstrahlungsforschungen“ in Lebewesen – nämlich Carl Huter (1861-1912). Carl Huter war Nichtakademiker und Privatgelehrter, der nie eine staatlich beschützte Einrichtung besucht hatte, da einem Universalgenie, wie Carl Huter, solche staatlich beschränkten und beschützten Einrichtungen mit mehr oder weniger konformistischen Gruppendruck für seine freie Forschungen eher hinderlich gewesen wären. LINK: http://www.chza.de%5D

Die Helioda, die Liebeskraft, ist unser höchstes Gut, sie trägt unser Leben und Sein, sie trägt es in diesem Leben, sie trägt es nach dem Tode weiter.

Wenn mit dem Tode die Zellen und Gewebe in ihre Urbestandteile, in Atome und Moleküle verfallen, also Erde zu Erde und Asche zu Asche wird, wie man so schön sagt, so ist daran die Helioda gar nicht mehr beteiligt.

Sie spaltet sich individuell ab und geht dorthin, woher sie kam, in jene Welt der unendlichen Tiefe und Kleinheit, die uns jetzt erst die Physik nach Huters vorangegangenen Lehren erschlossen hat, – um sich ewig fortzuentwickeln bis zur höchsten Kleinheit, Feinheit, Vollkommenheit, Macht und Schönheit.

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(Hinzugefügt)

Die innere Helioda ist negativ aufnehmend und gestaltend, die nach außen wirkende Helioda ist positiv schöpferisch und strahlend. Damit ist nicht nur das Leben selbst, sondern auch jedwede Organ-, Form- und Gestaltbildung zu erklären, die Sprache der Natur und des Lebens in den lebendigen Formen.

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(Hinzugefügt)

Die Helioda durchleuchtet, belebt und durchstrahlt die Gewebe, sie ist Schwell- und plastisch schöpferische Formkraft, in ihrer negativen und positiven Wirkung neben allen andern Stoffen und Kräften in der lebendigen Körperform leicht zu erkennen und nach allen erdenklichen Graden zu bewerten. Wie, – das lehrt die Psycho-Physiognomik [Physiognomische Psychologie].

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PGS Link www.chza.de

Heute ist die Erklärung leider nur noch meist theoretisch zu geben. Wie Huter durch Experimente diese Strahlung bewies, ist nur noch durch Erklärungen seiner Schüler zu überliefern, daran wird die Nachwelt anknüpfen müssen. Alles ist Entwicklung und Erkenntnisentwicklung, aber ewig strahlt die Helioda aus allen lebenden Formen.

Wenn das Kind sich gestoßen hat, streicht die Mutter aus ihrem natürlichen Gefühl heraus die wehe Stelle, man würde das nach Huter „heliodisieren“ nennen.

Wenn alle Heilmittel versagen, hat die Heliodabehandlung oder Lebenskraftübertragung auf einzelne Organe oft noch helfen können.

Wenn das erst erkannt wird und wenn man weiß, daß die höchste Heilkraft im Menschen selbst liegt, wenn die Gesetze der strahlenden Lebenskraft bekannt sind, dann kommt eine Zeit, die man eine neue Götterdämmerung im modernden Völkerleben nennen kann, die kein Fürst, kein Krieger und Theologe herbeiführt, sondern welche die moderne wissenschaftliche Forschung in ihrer Entwicklung langsam erschließt. „Suche daher die Wissenschaft, als würdest Du ewig hier sein – und die Tugend, als hielte der Tod Dich schon am sträubenden Haar.“ –

Alles hat der Mensch selbst in der Hand. Am Ende wird man die heliodisch-starken Naturen erkennen und sie am höchsten bewerten.

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(Hinzugefügt)

Aus dem Empfinden steigt das Leben empor, aus Traum und Tiefe der Geist in den Formen, der sich mit keinem Instrument messen, wohl aber mit dem Wunderbau des Auges sehen und erkennen läßt. Aber auch das erfordert Übung, Kenntnis, Wissen und einen liebenden Sinn, denn das Leben ist gleich einem großen Kunstwerk. –

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Klassisches Sehen (Hinzugefügt)

 

Zwischen den magnetischen Kraftspannungslinien und der Oberfläche des Körpers entsteht ein Ätherdruck, der Oberflächenspannung oder Elektrizität erzeugt.

Atome und Moleküle werden in den Körper hineingetrieben und durch die Attraktions- und Konzentrationsenergie dem Kreislauf der Stoffe und Kräfte dienstbar gemacht.

Die elektrische Energie richtet sich stets quer zur magnetischen Richtachse, – das ist Gesetz. Sie entladet sich an irgendeiner Stelle und ihre Strahlen kehren nicht zum Körper zurück.

Die elektrische Energie ist Entäußerungs-, Flieh-, Trennungs-, Zerstreuungs-, Verneinungs- und Zerstörungskraft, entsprechend ist ihr Charakter.

Sie strömt nach einer Stelle hin und treibt und bildet somit die Breitformen, die Breiten-Gliederung der Lebewesen, beim Fisch die Seitenflossen, bei der Pflanze die Äste und Zweige.

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Bild 5. Das disharmonische Naturell mit der ihm eigenen starken elektrischen Energie.

Wir sehen in Bild 5 das disharmonische Naturell. Hier übertönt die elektrische Energie die übrigen Kräfte und entsprechend ihrem Charakter wirkt sie sich schon in der Körperform aus. Von einem Adel der Gestalt wird man hier wenig mehr finden, sondern breite, teils harte, grobe und eckige Formen treten hervor.

Der Hals ist z.B. sehr kurz und breit, der Kopf geht in die Breite, die Ohren stehen im Winkel von 45° ab.

Man kann aber auch schon aus dem Gewebe selbst die zu starke elektrische Energie durch eine kühle, zerfahrene, harte Spannung und Unruhe erkennen. Es wetterleuchtet sozusagen in dem Gewebe des Gesichts wie von verhaltener Zerstreuung und Entäußerung.

Wenn die elektrische Spannung sich auslöst in Aufregung und Erregung, in Zersplitterung und Bewegung, in Zorn und Wut, in zu starke ungerechte Kritik und Opposition, dann hat die Helioda und damit die ruhige Vernunft die Herrschaft über diese Energie verloren und man kann kein ruhiges und liebevolles Handeln erwarten, sondern muß harte elektrische Spannungen und Entladungen, Streit und Kampf gegenwärtigen.

Die elektrische Hochspannung verpufft sich zum Glück mehr oder weniger schnell wieder, aber stets bleibt eine Störung im friedlichen und harmonischen Ablauf des Lebens zurück.

In allen zu stark von der guten Proportion abweichenden Breitformen wirkt vornehmlich die elektrische Energie.

Wenn mehrere stark elektrische Menschen beisammen sind und es kommt noch ein Tat-Naturell hinzu, dann ist der Friede vorbei, die Disharmonie treibt und bald ist ein Streit oder ein böses Komplott fertig. Aber die elektrische Energie ist nicht nutzlos, sie erfüllt auch ihren Naturzweck. Die Disharmonie rüttelt den guten Menschen wach und zwingt ihn, nach Mitteln und Wegen zu suchen, um die Harmonie und das Gute zu erhalten. Wo rohe Kräfte sinnlos walten, da herrscht statt der Liebe und Weisheit das Spielt der Naturgewalten.

Der Magnetismus festigt, das Od und die Helioda lockern, verfeinern und veredeln die Formen und Gewebe, die zu starke elektrische Energie durchbricht die Harmonie des Lebens.

Im ewigen Spiel der formenden und gestaltenden Natur- und Lebenskräfte soll die höchste Leit- und Richtkraft, die Lebens-Liebeskraft, allein führend sein. Wenn auch ungewollt trägt letzten Endes auch die elektrische Energie zur Erreichung dieses Zieles bei.

Wer aber weiß, wie die Kräfte im Menschen auf das Äußere gestaltend wirken, der lernt sie mit der Zeit auch auf Schritt und Tritt aus den Formen erkennen. Die Frage nach dem Woher und Wohin dieser Kräfte, nach ihrer Wirkung im allgemeinen und im Formbau der Natur, wird man auf die Dauer nicht abweisen können, denn ewiges Gesetz ist die Kraftrichtungs- und –entwicklungsordnung.

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Die Wärmem veranschaulicht durch Bild 6, welche dem Körper mehr oder weniger stark anhaftet, ist wohl im Spiel und Austausch der Energien am sinnfälligsten.

Die strahlende Wärme, die sich stärker veräußert, ist bei unserem Bilde durch die kleinen Flammengebilde an der Körperperipherie dargestellt. Die Körperwärme ist auf nahe Entfernung wahrzunehmen.

Die gebundene Wärme, die stärker den inneren Organen anhaftet, ist bei unserer Figur durch die Flockengebilde am Körper versinnbildlicht.

Wenn bei einem Menschen die strahlende Wärme stärker in den Vordergrund tritt, dann ist die Haut und das Gewebe lebhafter durchblutet, wärmer durchstrahlt und offener, gut reaktionsfähig für Temperaturwechsel. Oft hat dabei die Haut den warmen Ton, die Ausdünstung und der gasförmige Stoffwechsel ist lebhafter.

Daher entlastet sich der Körper bei Menschen mit starker strahlender Wärme leichter und nur selten treten ernstere Erkrankungen auf.

Ist dagegen die gebundene Wärme stärker, dann ist die Haut und das Gewebe weniger offen, weniger locker und porös, sondern in sich fester und geschlossener. Es kommt leichter zu Ansammlungen von Fremdstoffen und ernstere Erkrankungen können eher auftreten.

Auch diese Zustände sehen zu lernen, ist bei einem Anschauungsunterricht an lebenden Personen nicht schwer.

Die Wärme ist ebensowenig als die Lebenskraft anzusprechen wie das Od, die Elektrizitiät oder der Magnetismus.

 

Das Bild am Kopfe dieser Zeitschrift

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stellt das harmonische Naturell dar, das alle Natur- und Lebenskräfte voll, stark und in harmonischem Gesamtfluß entwickelt hat. Die elektrische Energie ist stark gebunden und großartig sind alle anderen Stoffe und Kräfte von der obersten Leit- und Richtkraft Helioda beherrscht, gelagert und gerichtet, daher die starke, schöne und edle Körperform und die vorbildliche, ausgleichende und edle Wesensart dieser glücklichen Menschen. –

Durch diese sinnfälligen Darstellungen gewinnt der Leser eine gute Übersicht über die verschiedenen Kräfte, ihren Charakter und ihre das Leben begleitende Wirkungsweise, und so sind die Grund- und Haupttypen des Lebens, die Naturelle, in natürlicher Weise zu erklären.

Aber zugleich eröffnet sich ein Verständnis, warum alle Menschen so sehr verschiedenfach in Sympathie und Antipathie zueinander stehen.

Ja, es läßt sich nunmehr nach Körperform und Gesicht berechnen, wie die Sympathien und Antipathien zwischen zwei oder auch mehreren Personen sind.

Das aber ist von unendlich großer Bedeutung, denn das größte Glück auf Erden liegt im Zusammenschluß von Menschen, die voll und ganz harmonieren.

Wo das nicht der Fall ist, das bleiben, mögen die äußeren Verhältnisse noch so gut sein, Leid und Bitterkeit, oft unglückliche und tragische Folgen nicht aus.

Es ist also ein großes neues Wissensgebiet, das hier in den Grundzügen gestreift werden konnte, denn so wichtig wie die Menschenkenntnis ist, – so wichtig ist es zu berechnen, wie die Sympathieverhältnisse und die Beeinflußbarkeit der Menschen sind.

Dieses neue Gebiet ist außerordentlich bedeutungsvoll, die Freude und die Genugtuung, die dasselbe bereiten kann, ist große, es ist wohl das interessanteste und schönste Studiengebiet.

Ohne viel Mühe, Liebe und Geduld ist in das inner Wesen der Natur, der Gestalten, der Formen und Farben nicht einzudringen. In großen Zügen wird uns der Zusammenhang von Leib und Seele, von Körperform und innerer Wesensart durch die hier gegebenen Unterlagen verständlich.

Der Kopf des Menschen wächst aus dem Körper hervor und hat daher das innere und äußere Gepräge dieses Körpers.

Unter den Darstellungen der Kräfte zeigt das große Bild 1 das Ernährungs-, Bild 2 das Bewegungs-, Bild 4 das Empfindungs-Naturell.

Es sind die Haupt- und Grundtypen des Lebens.

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Das Bild am Kopfe dieser Zeitschrift zeigt das harmonische und Bild 5 das disharmonische Naturell, die beiden polaren Lebenstypen.

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Die kleine hier wiedergegebene Bildreihe zeigt nochmals den genauen und typischen Kopfbau dieser Naturelle, sowie die drei sekundären Zwischentypen.

Es ist unmöglich, sich den Kopf des einen Naturells auf dem Körperbau eines anderen Naturells zu denken, weil der Körperbau die Grundlage für den Kopfbau ist und die hier dargestellten Kräfte nicht nur äußerlich, sondern vornehmlich innerlich im ganzen Körperbau wirken.

Der Körper sendet seine Lebenssäfte zu Kopf und Gehirn empor, spannt, richtet und formt diese entsprechend.

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Danach ergibt sich kurz folgendes:

1. Das Ernährungs-Naturell hat das viele Od und die starke Medioma, daher die vollen, weichen Leiborgane und die breitfleischigen Körperformen.

Entsprechend ist der Kopf- und Gehirnbau und auch das Denkleben, d.h. dieser Mensch sinnt vorzugsweise nach, wie er am besten für Ruhe, Ernährung, Gleichmaß, Bequemlichkeit, Annehmlichkeit und für die praktischen und wirtschaftlichen Bedürfnisse des Lebens sorgt, also das zu tun, was die Ernährungsorgane wollen.

Die Helioda und die körperliche Spannkraft, der Magnetismus, sind bei diesem Typus schwächer.

2. Das Bewegungs-Naturell hat den sehr starken Magnetismus im bevorzugten Knochen- und Muskelsystem.

Daher sind auch die Züge des Gesichts lang, knochig, hart, fest, gespannt und voller robuster Energie.

Daher ist das Denkleben real und nüchtern und vorzugsweise auf das eingestellt, was die Bewegungsorgane des Körpers wollen, die Arme und Beine, die Knochen und Muskeln. Sport, Arbeit, Spiel, Anstrengung, Strapazen zu ertragen, große Taten zu vollbringen und ähnliches wird hier erstrebt.

Das Empfinden und die Ernährung mit ihren Energien und Stoffen stehen zurück.

3. Das Empfindungs-Naturell hat den zarten Körperbau, die starke Helioda, die vorzugsweise Nerven, Gehirn und Sinnesorgane bildet.

Daher ist das Gesicht zart, durchgeistigt, die Augen sind groß und, wenn das Interesse wach ist, leuchtend und seelenvoll, der Schädelbau ist begünstigt.

Daher richtet sich das Gedankenleben vorzugsweise auf das, was die Empfindungsorgane wollen. Daher die Liebe zu schönen Ideen und Gefühlen, zu Poesie, Musik, Kunst, Dichtung, die Neigung in religiösen und ethischen Dingen sich auszuleben, eine verfeinerte Kultur und Lebensart zu pflegen.

Die Ernährung und die energievolle Spannkraft des Körpers stehen demgegenüber zurück, da das Od, die Medioma, der Magnetismus und die elektrische Energie schwach sind.

4. Das harmonische Naturell hat alle Kräfte, Energien und Stoffe gut entwickelt, daher die volle harmonische Gestalt, Kopf-, Gesichts- und Augenbildung.

Entsprechend ist die harmonische Denk-, Gefühls- und Lebensweise, die Leistungsfähigkeit nach jeder Richtung, die stete Wahrung der Harmonie des Lebens, da der goldene Mittelweg eingehalten wird.

5. Das disharmonische Naturell hat die Stoffe und Kräfte nicht harmonisch vereinigt, vornehmlich ist es die starke elektrische Energie, welche die Harmonie der Kräfte durchbricht.

Daher zeigt der Kopf- und Körperbau nicht das ruhige Ebenmaß, ist zu hart oder zu weich, wobei einzelne Formen mehr oder weniger aus der Harmonie des Ganzen treten.

Je runder und feiner, je edler; je eckiger, je disharmonischer kann als Regel gelten.

Daher ist dieses Naturell wohl oft im einzelnen leistungsfähig, durchbricht aber stark wieder die ruhig und heiter dahin fließende Harmonie des Lebens durch Disharmonien, wodurch es vielerlei Leid verursacht, letzten Endes aber zur Entwicklung energisch antreibt.

Zwischen den geschilderten Typen liegen alle erdenklichen Mischformen, bedingt durch Spiel und Kreislauf der Stoffe und Kräfte und durch die Entwicklung.

Neuland ist immer von stark eigenartigen Naturen, die originale Wege gingen, erschlossen worden.

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Wir stehen in Hochachtung vor der wissenschaftlichen Forschung, aber Erfahrung und Geschichte lehren, daß gute Anregungen und bahnbrechende Erkenntnisse gar oft aus dem Volke gekommen sind. Unsere bescheidene Bitte an die wissenschaftlichen Zweifler und Kritiker ist daher, bezüglich dieser Neulehren, die für das praktische Leben nur Segen bringen können, auch das Naturtalent zu Worte kommen zu lassen. 

 

Bild „treu und fest“ (Hinzugefügt)

Lebensrichtung von Carl Huter (1905), 1. Strophe:

Immer den Blick nur nach vorwärts gerichtet,

Niemals verzagen, wenn Schweres uns droht,

Selbst wenn das Schicksal uns alles vernichtet,

Schaut nur ins Auge recht mutig dem Tod,

Eins bleibt uns sicher, das nimmt man uns nicht,

Es ist die Treue in Tugend und Pflicht.

 

 

 

 

Große Studienbüste (Photo Myrta Chesini, Schweiz)

Mail vom 23. September 2005 von “Myrta Chesini” mchesini@hispeed.chan Herrn Timm.

Sehr geehrter Herr Timm

Die Studienbüste hat ihr neues Zuhause gefunden. Der neue Besitzer würde

gerne mit Ihnen Kontakt aufnehmen, denn er verbreitet auch die Lehre von

Carl Huter. Wenn Sie das möchten, hier seine Mail Adresse:

info@diagnostik.de ( Hr.Michael Münch ).

Herzlichen Dank für den Kontakt mit Ihnen, wünsche Ihnen alles Gute und

herzliche Grüsse aus der Schweiz

Myrta Chesini         (Hinzugefügt)

 

Schriftleiter Amandus Kupfer, Schwaig bei Nürnberg

D.A. 4500. Druck: C. Brügel & Sohn AG. Ansbach.

Herausgegeben von Amandus Kupfer, Schwaig bei Nürnberg

Schweizer Huterfreunde

Neuherausgeber Medical-Manager Wolfgang Timm

Copyright 2001-2008 by Carl-Huter-Zentral-Archiv

 D The Gate MK

 

 

DgM 037

Der gute Menschenkenner 037 von 101

Deutschland Wappen Red S

MENSCHENKENNTNIS           

CARL HUTER (1861-1912)

pgs-link-wwwchzade-redm.jpg 

Der Menschenkenner und die neue Zeit

nach Carl Huters Psycho-Physiognomik

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Herausgegeben von Amandus Kupfer in Schwaig bei Nürnberg

 CARL-HUTER-ZENTRAL-ARCHIV

Medical-Manager Wolfgang Timm

www.chza.de 

 

  Form Geist

EXTRA LIFE INTELLIGENCE TRANS ENERGY 

PSYCHOLOGIE UND MEDIZIN DER ZUKUNFT 

 

 

                                       

Der gute Menschenkenner

nach Carl Huters Psycho-Physiognomik

© Februar 1936, Nr. 37

 

Menschen mit bösem

und mit

Gutem Sinn

in Wort und Bild

Überwindung allen Leides

durch

MENSCHENKENNTNIS

 

Carl Huter

Begründer der Psycho-Physiognomik [Physiognomische Psychologie]

Ein hier zum erstenmal veröffentlichtes Bild, das Huter in gereiftem Alter darstellt, aus jener Zeit, da er mit seinen Gegnern abrechnete und gegen ihre Angriffe seine Entdeckungen und Forschungen im Dienste des Wahren, Guten und Schönen ins Feld führte.

Daher ist auch die Körperhaltung in großer Spannung, der Gesichtsausdruck ist außerordentlich fest und bestimmt.

Die Augen sind durchgeistigt, unerschütterlich gleichsam wie auf eine sichere Naturerkenntnis gestützt -, ganz gerade, offen, groß und frei auf ein bestimmtes geistiges Ziel gerichtet.

Der Leser wolle einmal im Leben nachprüfen: die Haltung und Bewegung eines Menschen, der Ausdruck gibt die inneren Motive kund, aus denen heraus der Mensch handelt! –

Daß die Stirn außerordentlich hoch, breit und ganz fein ausgewölbt ist, kann wohl jeder sofort erkennen, ebenso, daß ein leichtes und freier,

heller und warmer Ton

über dem ganzen Gesicht, dem Haar und allen Formen liegt.

Die Stirn, das Oberhaupt, wie überhaupt der ganze Schädelbau zeigt auch nich die allerkleinste Unausgeglichenheit, sondern eine vollendete Plastik, verbunden mit größtmöglichster Feinheit und Schönheit.

Man betrachte die Breite und Höhe der Stirn, dazu die Höhe und Wölbung des Oberhauptes im Verhältnis zu Form und Länge des Nasenbaues, zu Form und Wölbung der Augen, die Ohren, wie überhaupt das ganze Gesicht, die Würde und Schönheit aller einzelnen Teile und diese in ihrem Verhältnis zur Gesamtbildung des Kopfes, so wird man feststellen müssen, daß der anatomische und architektonische Bau hinsichtlich seiner Vollendung wohl kaum noch übertroffen werden kann. Auch die Würde und Schönheit des Ausdrucks, dieses allerfeinste, empfindungsreiche Gewebe steht damit in Gleichklang.

Man beachte auch die Freundlichkeit am Mund, die Milde im mittleren Gesicht bei aller sonstigen Festigkeit des Augenausdrucks und des Formbaues. Männliche Schönheit und Klarheit liegt über dem Ganzen. Das Bild überrascht und stimmt feierlich.

Daher ist es auch wohl berechtigt, dasselbe zu veröffentlichen und damit gewissermaßen auch zu erhalten.

Aber das allein ist es nicht, was hier mit der Veröffentlichung des Bildes bezweckt werden soll, sondern es ist vielmehr der Gedanke,

xx das Bild selbst als einen Maßstab

xx ein Vorbild hinzunehmen, um darnach andere Bilder

xx einer vergleichenden Betrachtung

xxerziehen zu können xx

Das ist zweifellos berechtigt, denn viele Menschen betrachten den Augen-, Schädel-, Kopf- und Gesichtsbau eines anderen Menschen und wissen nicht recht, wie sie die Formen bewerten sollen, wo es fehlt, wo sie überentwickelt, stark oder schwach, mehr oder weniger vollendet sind.

Mit einem Wort, es fehlt der Maßstab, der Ruhepunkt in aller Erscheinungen Flucht, das Vorbild, die sichere Grundlage, nach der man sich in jedem Fall richten kann.

Prägt man sich nun dieses Bild im Geiste fest ein, so daß man es geistig stets gegenwärtig und im Sinn hat, dann kann man die Formen eines beliebigen Menschen damit vergleichen und zu sicheren Beobachtungs- und Schlußergebnissen kommen.

Was Huter geleistet hat, braucht hier nicht hervorgehoben zu werden, es ist zum Teil bekannt, und davon zeugen seine Werke, ebenso die Tatsache, daß die Forschungen an sich ohne Huters Namen zum Teil in das Geistesleben der Gegenwart übergegangen sind.

Die Leistungen stehen vollauf im Gleichlauf zu dieser Formbildung und dem Ausdruck dieses menschlichen Hauptes.

Jeder Personenkultus liegt dabei absolut fern, lag Huter selbst fern, denn er war ein einfacher Mann aus dem Volk und ist es zeitlebens geblieben. Er opferte alles für seine Forschungen und Entdeckungen.

Das zeigt ja auch der ganze Ausdruck: alles Materielle des Lebens ist sozusagen überwunden, und es herrscht an erster Stelle der Wille, das als wahr, echt, gut und schön Erkannte unbedingt zu verfechten und zu verwirklichen. Mehr kann ein Mensch nicht.

Also lediglich die reale, objektive Wirklichkeit ist es, die das Bild zu dem Vergleich mit anderen – um daraus zu lernen, einen Maßstab für Beurteilungen und vergleichende Betrachtungen zu haben – bestens geeignet erscheinen läßt.

Bild Nr. 2.

Betrachten wir nun das Bild 2, so wird es auf einmal leicht, die Abweichungen, sagen wir von einer Ideal- oder besten Normalform des Menschen, festzustellen.

Denn irgendeinen Maßstab, nach welchem man sich  richtet, muß man zweifellos haben.

Zunächst fällt auf, daß hier bei Bild 2 unterhalb der Augen ganz schwere, grobfleischige, harte Gesichtsmassen liegen.

So grob, schwer und gefühlsarm diese Gesichtsmassen sind, so ist die Wesensart dieses Menschen. – Man betrachte dazu den sehr groben, rohen und übergroßen Mund, ferner den breiten, schweren Oberkiefer, die gewaltigen Kauwerkzeuge, die dahinterliegend zu denken sind, so hat man sofort nach dem hier mit Bild 1 gegebenen Maßstab die Abweichung vom besten Normaltypus.

Man darf also von vornherein bei Bild 2 kein Feinempfinden, kein tieferes moralisches Gefühl voraussetzen, sondern Roheit, Grobheit, Gefühlskälte und Härte. Das bestätigt auch sofort der stahlharte und kalte Blick der Augen, deren Lider seitlich in scharfen, spitzen Winkeln verlaufen.

Gegenüber den groben Schwermassen des Gesichts kommen im Verhältnis die schwachen oberen Gehirnmassen fast nicht mehr in Betracht. Nur über den Augen, wo die Beobachtung und Auffassung liegt, und an den Schläfen, wo das technische Geschick liegt, herrscht Spannung.

Der in das Gesicht gezogene Hut zeigt schon symbolisch an, bei Berücksichtigung dieser sonstigen Gesamtanlage, daß die oberen Gehirnmassen herabgedrückt sind und daß die Schwermassen der Kiefer, wo die Tat- und Gewaltenergie liegt, vorherrschen.

(Es läßt sich die Tatsache nicht ableugnen, daß die Tracht und Mode Einfluß auf die Psyche hat, und unbewußt vollführen dabei die Hände, welche den Hut aufsetzen, das, was die Seele wohl denkt und empfindet, insofern hat auch die Kleidung zweifellos mehr oder weniger eine individuelle Note und Bedeutung.)

Betrachtet man nun neben diesem kalten, harten, rohen Blick der Augen auch noch die Kopfhaltung, so fällt sofort auf, daß der Hals fast verschwindet. Derselbe ist eingezogen, die Schultern sind hochgezogen, der Kopf ist geduckt, ähnlich wie bei einer Katze, die zum Sprung auf ein Opfer bereit ist.

Diese Gesamtunterschiede werden durch einen Vergleich der Bilder sofort ganz objektiv und real offensichtlich. Ebenso weicht dieser Mensch in seinem ganzen Denkleben und in seinen Handlungen vom sehr guten Normaltypus ab, er ist der Gegenpol zu Bild 1.

Er ist ein Bandit,

ein Spezialist für Einbrüche, ein Straßenräuber und noch einiges mehr.

Jedenfalls muß auch der ungeübte Beobachter auf diese Weise zu ganz guten selbsteigenen Betrachtungen kommen, die natürlich tausendfach verschieden sein können, ebenso verschieden, wie es die Menschen sind.

Niemandem geschieht damit ein Unrecht, im Gegenteil, man lernt den Menschen nach seinen Augen, Schädel- und Gesichtsformen und nach dem Ausdruck genauer betrachten und bewerten.

Man hat für alle möglichen Dinge Maße, Gewichte und Wertungen, daß solches auf die Dauer auch für den Menschen nicht mehr zu vermeiden ist, lehrt offensichtlich die ganze gegenwärtige Entwicklung.

Damit kommen wir zu einem gänzlich neuen Faktor im menschlichen Gesellschaftsleben, zu einer Lehre, die bis in das Ungeahnte durch Huter bereits ausgebaut ist und die in Wissenschaft, Kunst und Leben immer mehr Eingang findet.

Nun zu anderen Vergleichen

Bild 3.

Ein Einbrecher, den man den „Maulwurf“ nennt.

Bild 3 zeigt einen schweren Geldschrankknacker, der, um zu diesen zu gelangen, unterirdische Stollengänge anlegt.

In der Tat, das kleine, sehr unebene Gesicht dieses Menschen ist so eingetrocknet, erdfarbig und grau, daß man sich recht gut vorstellen kann, daß er wie ein Maulwurf in der Erde gräbt und ein darauf gerichtetes Denkleben hat.

Die stumpfe, aber feste Nasenform, die vorspringenden Augenwülste, welche die starke Beobachtung zeigen, und das linksseitige starke Jochbein, das die Überwindungskraft zeigt und wie ein Hammerkeil wirkt, illustrieren noch diesen Vergleich.

Dabei sind die Augen ganz klein und liegen trübe lauernd in dicken, schlitzartigen Lidern, sie zeigen, daß er nur einen sehr beschränkten Gesichtskreis hat, aber Einzeldinge sehr scharf erspäht. Man könnte auch glauben, die engen Lider schützen vor dem hellen Tageslicht, er vermag aber im Dunkeln oder bei sehr trübem Licht noch scharf zu sehen.

Die Augen liegen auch ganz tief und geschützt, ähnlich wie bei manchen Hunden, die den Kopf voraus durch Strauchwerk und Gestrüpp jagen. Auch die Nasenwurzel ist tief eingedrückt, ein Merkmal, daß er ganz bedachtsam und mit großer Vorsicht zuwege geht.

Dabei ist die Kopfhaltung wie lauschend, das Ohr steht ganz frei, es ist so geformt, daß er die kleinsten Geräusche wahrnimmt und, wie der gespannte Gesichtsausdruck zeigt, auch noch vermeidet.

Man überzeuge sich auch, wie abgekanzelt der Hut aufgesetzt ist, der Kragen und Schlips ungebunden, wie genau er nur noch etwas vom Bart stehen läßt, wie er diese Dinge genau beachtet, sich also in Grenzen hält.

Dabei sind aber die Augenbrauen dicht, stark und buschig, die Unterlippe ist abnorm breit und fleischig, auch die Oberlippe wirkt schwer, das sind Gegensätze zu den zuerst gekennzeichneten Formen und Anlagen und deuten auf schwere und stark hervortretende Leidenschaften und momentane Zähigkeit und Ausdauer.

Selbst die Nasenflügel zeigen bei dem eingetrockneten Gewebe eine starke Spannung, er vermag noch in schlechtester Luft lange auszuhalten und zu arbeiten.

Von hohem, lichtem Geist ist im Gewebe keine Spur, man blicke auf Bild 1, um das sofort zu erkennen.

 

Bild 4 zeigt ein ziemlich dickes Gesicht mit sehr festem und hartem Gewebe, ausgefüllt mit harten elementaren Stoffen und Kräften bei kurzem Hals.

 

Bild 4. Spezialist, der schwere Schränke erbricht und andere Spezialarbeiten verrichtet.

 

In der Gedrungenheit liegt viel harte Spannkraft, das zeigt auch die Kopfhaltung und der Ausdruck.

Der Mund ist verkniffen bei sehr dünnen, scharfen Lippen und abnorm starkem Ober- und schwerem Unterkiefer, dabei ist die Nase kurz und plump, das sind Merkmale abnormer Tattriebe.

Wer solche Dinge nicht zu sehen und zu beobachten gewohnt ist, der könnte wohl den Mann im Moment für einen guten Onkel halten, der aber, wenn man näher hinsieht, die „schönsten“ Henkel- und Verbrecherohren hat.

Interessant ist, was man besonders bei dem mittleren Bild beobachten kann, daß die Spannkraft des Kopfes und des Gesichts in den seitlichen Partien liegt, als dort, wo die harte elektrische Energie wirkt.

In der Mitte des Gesichtes, wo die feinste Weichheit und Schönheit liegen sollte, ist Formverhärtung, Disharmonie und Unschönheit vorhanden. Das sind gefährliche Merkmale.

Das Auge mit den harten Lidern und spitzen Winkeln hat den verstellten, halbstarren Ausdruck, der Mund läßt sich gleichzeitig nicht verstellen und spricht durch seinen fast idiotenhaften Ausdruck die Wahrheit.

Man kann auch sehen, daß der Schädel im vorderen Teil oben flach ist, und bei dem Seitenbild, daß das hintere Oberhaupt, wo die „Icheinstellung“ liegt, gegenüber dem unteren Hinterhaupt aus der Proportion fällt.

Der zweite Ring unterm Kinn zeigt bei dieser Anlage das zu starke Vorherrschen chemischer Schwerstoffe.

Man vergleiche mit Bild 1, und die gewaltigen Abweichungen von der besten Normalform werden sofort offensichtlich.

 

Bild 5 zeigt einen ganzen Schlauberger xx Disharmonie.

Bild 5. Der eigentliche Organisator der Bande von Bild 2, 3 und 4.

Man könnte glauben, er hätte mehrere Brillen auf, obwohl er keine trägt, um das wahre Wesen zu verstecken.

Die Stirn ist frei und deutet auf Intelligenz und Organisation, sie soll auch Offenheit und Wohlwollen vortäuschen, was aber sofort als Täuschung offenbar wird, wenn man das Gesicht betrachtet, das ja bekanntlich den Ausschlag gibt.

Die Nase ist auch lang und ziemlich gerade und deutet auf Intelligenz und Vorberechnung.

Es ist der Anführer und Organisator – aber was für einer? –

Das erfährt man sofort, wenn man die Augen betrachtet, die lose und glasig im Kopfe hängen und von verformtem, unreinem Gewebe umgeben sind.

Das Gewebe um den Mund und an den Wangen ist pergamentartig, es ist wenig Gefühl und Lebensgeist darin, die Oberlippe ist lappig und zu groß, der Mund hat dünne, seitlich scharf und breit verlaufende Lippen.

Die Jochbeine treten seitlich tief und breit aus der Norm, der Kiefer holt breit aus, und die Ohren sind groß und abnorm häßlich.

Das sind in Verbindung mit diesem frechen verstellten Augenausdruck und dem zerknitterten Gewebe schwere abnorme Tatmerkmale.

Dabei hat er das Auge und den Mund mit dem Ausdruck des Sprechers, er kann Wunder war für schöne Dinge vorschmusen und Pläne darlegen, dabei ist alles nur eitel Dunst und endet im Verbrechen.

Es ist eine moderne, bewegte Gaunerphysiognomie. Den ganzen gegenständlichen realen Ernst, die Gefährlichkeit dieser Natur, erkennt man sofort, wenn man den Blick auf Bild 1, dem Gegenpol, ruhen läßt.

XX

Bild 1 und Bild 5

 

Bild 6 zeichnet ein schwammiges, teigiges, unreines und mattes Gewebe aus, stark verschleierte finstere Augen mit dem trüben Blick der moralischen Verblödung, mit einer unwilligen und böswilligen Mimik.

Bild 6. Ein Verbrecher und Ladendieb.                           Bild 1-12 Archiv.

 

Das ist gerade der Unterschied vom hellen, lichten, reinen, durchstrahlten und empfindungsreichen, offenen und edlen Gewebe des besten Normalmenschen.

Der Geist liegt im Gewebe, in den Peripherieorganen, und muß daraus erkannt werden, das ist erste Bedingung zur Menschenkenntnis.

Das Gewebe muß eine milde Leuchtkraft haben, diese fehlt bei Bild 2, 3, 4, 5 und 6 gänzlich.

Diese milde geistige Leuchtkraft der Gewebe ist aber nicht zu verwechseln mit der magnetischen, elektrischen und mediomischen Strahl- und Spannkraft derselben und dem Fettglanz der Haut.

Das ist der Kernpunkt aller physiognomischen Menschenkenntnis, daher muß ein neues klassisches Sehen gelehrt werden, für welches die Psycho-Physiognomik [Physiognomische Psychologie] die wissenschaftliche Unterlage gibt.

Betrachtet man das Seitenbild, so fällt der flache und schwache Hinterkopf auf, der Menschen eigen ist, die keine Lust und Liebe zur Arbeit haben.

Nichtsdestoweniger ist das Hinterhaupt oben hoch, dort, wo die Selbsttriebe liegen, und das Kinn ist unwillig ein- und breit gezogen.

Arbeiten will der Mensch nicht, aber auftreten und leben wie ein Gentleman, das letztere deutet der Hut an, die großspurige Kleidung und Kopfhaltung.

Dabei hat er weiche, sinnliche Gefühle, das zeigen die dicken vollen Lippen, der vorgeschobene Mund; daß diese bösartig sind zeigen die im rechten Bilde scharf herabgezogenen spitzen Mundwinkel.

Das Gewebe um beide Augen, seitlich der Nase, unter der Nase und an den Wangen ist verformt und unrein, das deutet auf Vergiftung und Entartung des Blutes, der Lymphe und der Säfte.

Man betrachte die Stirn des mittleren Bildes, diese ist dort, wo der Erwerbs- und Diebessinn liegt und weiter nach oben hin, wo der Sinn für den Besitz schöner Sachen liegt, erheblich ausgebuchtet und in Spannung.

Dabei ist er geschmeidig, gewandt im Auftreten, und er läßt in Läden geschickt die Sachen mitgehen.

Ein Blick auf das Ohr zeit die starke Disharmonie.

Das Ohr ist auch im oberen Teil hängend, wie es typisch bei dieser sittlichen Entartung ist.

Die Naturellanlage ist Bewegung und Empfindung mit Disharmonie. Die Erfahrung lehrt, daß Entartung eintritt, sobald die Naturellanlage nicht richtig betätigt wird.

Das ist Naturgesetz und zwingt jeden Menschen in eine bestimmte Bahn der normalen Tätigkeit, die er willkürlich ohne Schaden nicht einmal abändern darf.

 

Leitspruch

Zähme deine Leidenschaften,

Hebe deine Schwächen,

Pflege und vewende deine guten Anlagen und Talente!

Dann kannst du glücklich leben und nützlich wirken.

Carl Huter

 

 

Wir haben mit der vorhergehenden Bildnisreihe die Nachtseite und den Tiefstand des Lebens kennengelernt und wenden uns nun der Lichtseite desselben zu. – Das Bildnis Huters, das nicht nur die großartigsten Porportionsmaße zeigt, sondern auch im Gesicht die sehr xx Quellkraft der Gewebe, die feine lebenswarme PlaXX und Durchstrahlung der Stirn, selbst das Ohr und xx Haar, das ja auch am Leben teilnimmt, zeigt einen warmen, milden und schönen Ton xx

In dieser milden und starken Spannung, Strahlung, Feinplastik und Durchleuchtung der Gewebe zeigt sich

der geniale Lebensgeist.

In jeder Zelle ist der Lebensgeist lebendig wirksam und tätig und läßt sich auf diese Weise direkt sehen und erkennen.

Diese Feinheiten sieht und erkennt wohl nicht jeder sofort – es bedarf einiger Übung, vergleichender Studien am lebenden Menschen, eines neuen klassischen verfeinerten Sehens, das Huter lehrte und naturwissenschaftliche begründete.

Ohne dieses verfeinerte Sehen, läßt sich die praktische Menschenkenntnis einwandfrei nicht lehren.

Das ist der Kernpunkt.

Alle Formdeutung an sich versagt mehr oder weniger, wenn man nicht aus der Qualität und der Feinheit des Gewebes das Geistige direkt sehen lernt.

Denn der Geist lebt ja in der Form, ist allen Geweben, gegenüber dem Inhalt der Form kann diese selbst an Bedeutung zurücktreten, da ja die Form zunächst bleibt, wenn sich auch der Inhalt günstig oder ungünstig verändert.

Hier aber stimmt mit der hervorragenden Proportion, dem Ebenmaß und der Schönheit der Form auch der Inhalt, die geistige Qualität überein, das zeigen die Augen und der Gesichtsausdruck, das zeigt ferner die sehr feine, lichte und warme Spannung.

Das ist es, was an diesem Bilde gezeigt werden soll.

Am besten lassen sich diese Unterschiede natürlich am lebenden Menschen sehr deutlich zeigen und erklären, wozu mir aber die Möglichkeit fehlt, und daher müssen wir uns mit den Bildern behelfen.

Denn diese hier erwähnte Qualität im Gewebe findet man natürlich auch mehr oder weniger bei anderen Menschen wieder, und von ihrer richtigen Bewertung hängt die ganze feinere Beurteilungskunst ab.

Diese feingeistige Gewebsstrahlung ist grundverschieden von dem lebhaften Glanz und dem Farbton mancher Gewebe, ebenso von der elektrischen, magnetischen und mediomischen Spannung und Strahlung und noch von einigen anderen Dingen.

Ohne Kenntnis dieser Unterschiede und das darnach geschulte Sehen gibt es keine auch nur halbwegs vollendete Menschenkenntnis. Erst dergestalt wird der Lebensgeist direkt aus den Formen erkannt und jede Täuschung bis in alle Feinheiten hinein vermieden.

Erst auf diese Weise ist die größte und fast einzige Wahrheit in der Natur, die sie unmittelbar offenbart, zu erkennen.

Darüber hinaus gibt es hier auf Erden eine höhere Wahrheit wohl kaum mehr.

So unglaublich es auch klingen mag, ist es doch Tatsache, daß diese Erkenntnis und ihre naturwissenschaftliche Begründung vor Huter gänzlich fehlte.

 

Bild 8 [Walter Alispach (1908-1998), bedeutsamster Schweizer Huter-Referent]

 

In Bild 8 sehen wir eine breite und hohe Vorderstirn, die plastisch gut in Spannung und Strahlung ist. Das übrige Gesicht zeigt einen sehr warmen und gut durchstrahlten Gewebston.

Da nun in der oberen Vorderstirn das Wohlwollen und die Menschenliebe liegt, der psychologische Lebenserkenntnissinn und die innere Herzensgüte, so ist dieser Mann aus Liebe zur Wahrheit, zum Guten und Schönen rastlos in diesem Sinne tätig.

Wie energisch er sich bei seiner Arbeit anspannt, das zeigt die große Anspannung der Gewebe and den Schläfen.

Das sehr warme innere Gefühlsleben liegt auch im übrigen Gesicht.

Jede Schwierigkeit und Enttäuschung sucht er aus dieser inneren Liebe und Wärme heraus zu überwinden. Die Arbeit für das Rechte und Wahre löst neue Begeisterung aus und stärkt die innere Lebensfreudigkeit. Diese strahlt nach allen Seiten aus, teilt sich mit, ermuntert, erfreut, belebt, begeistert, hilft durch Humor die Sorgen überwinden, schwere Arbeit wird leicht, und der Erfolg bleibt nicht aus, selbst wenn er nur in der inneren Befriedigung und Freude liegen sollte, der Freude und dem Glück. Gutes getan und dem Fortschritt und der Wahrheitserkenntnis gedient zu haben. – Das ist das Geheimnis dieser Natur.

 

Bild 9 [Amandus Kupfer (1879-1952) bedeutsamster Huter-Schüler und Herausgeber von „Der gute Menschenkenner“ Nr. 1 bis 101, 1932 bis 1941].

Dieses Bild zu beurteilen fällt mir schwer, vielleicht weil ich den Abgebildeten genau kenne, und es geschieht auch nur, um daran etwas zu zeigen, damit andere daraus lernen.

Hier finden wir wieder die plastische, breite, offene und lichte hohe Vorderstirn. Das Gewebe im Gesicht ist leicht, empfindungsreich, gut durchstrahlt und durchleuchtet, von innerer Wärme und Festigkeit wie die Formen und von einer gewissen Abgeklärtheit.

So durchstrahlt, hell und licht wie das Gewebe ist, so licht und hell ist auch das Geistesleben in Verbindung mit einem Feingefühl im Sehen und Erkennen – man beachte die Anspannung am Auge und an der Nasenwurzel -, einer guten Voraussicht und Vorausberechnung.

Aus dieser Anlage heraus konnte der Abgebildete sich fast 30 Jahre Tag für Tag [Stand Jahr 1936] in den Dienst des Wahren, Guten und Schönen stellen. Gewiß haben die Stürme der Zeit das Gewebe durchfurcht, aber die Lebensfreude, der Glaube an das gute Kommende ist geblieben, weil die Kraft wiederum aus der guten Arbeit selbst gezogen wird. Daher war trotz allem Kampf, wenn auch der Erfolg noch nicht kommen konnte, da neue Erkenntnisse sich nur langsam Bahn brechen, – die Arbeit nicht umsonst –

 

Bild 10. Edle jugendliche, noch schlummernde Kraft, die aber aus sich selbst heraus dem Guten zu folgen vermag.

Reines, frisches, gesundes, unverdorbenes Blut – man beachte die reine natürliche Zeichnung der Form – , daher auch Reinheit und Heiligkeit in der Aufnahme und im Denken.

Die Formen wirken frisch und jugendlich natürlich, da jede Versteifung fehlt.

Offen, natürlich und frei sieht er in die schöne Welt. – Starker, aber nicht übereilter Drang, Wissen, Kenntnisse und Fertigkeiten anzusammeln, siehe die breite Stirn, das lichte Gewebe, die Spannung in der Kopfhaltung. Das Denken beherrscht das Gefühl.

Ist in voller Entwicklung. – So sollte jedes Kind erst die Natur beobachten lernen, Pflanzen und Tiere, um sich natürlich und xx zu entfalten, sonst kann man leicht das Gegenteil von dem xx, was man wünscht.

Bild 11. Homer, der große griechische Schriftsteller und Dichter, der die Iliade und Odysee geschrieben hat.

Hier prägt sich in der machtvollen Stirn, im langen vergeistigten Gesichtstypus die hohe Geisteskrft aus, bei welcher die körperliche Kraft zugleich stark geschwächt zurücktritt.

Der Körper mußte alles bis zur letzten Kraft im Dienste des Geistigen hergeben. Dieses Gesicht zeigt uns zum Unterschied von den Bildern auf Seite 2 nach Form und Ausdruck den hohen Geistesadel.

Einige tausend Jahre sind seit Homers Zeiten vergangen und man vergleiche damit das Bildnis Huters, um zu erkennen, was die Entwicklung in dieser Zeit zustande gebracht hat.

[Carl Huter (1861-1912) Begründer der wissenschaftlichen Menschenkenntnis].

 

Hier ist ein ganz gewaltiger Unterschied in den Proportionen von Gesicht, Stirn und Schädelbau, eine unendlich vergrößerte Umspannung aller nah- und fernliegenden Dinge.

Greifbar tritt der Unterschied zutage, sowohl in der Formbildung und Proportion, wie auch in der Feinheit und der umfassenden Fülle des Geistes bis in alle Tiefen und Schönheiten.

 

XX

Bild 12. Man beachte das Gewebe und die Formbildung genau, das Bild ist unretuschiert.

Die Formen und Umrisse sind sehr bestimmt gezeichnet, so bestimmt und aufrecht ist auch die Denk- und Handlungsweise.

Dabei ist die Kopfhaltung und sind die Formen elastisch, leicht und elegant, jede körperliche und geistige Anstrengung wird leicht und mit Sicherheit überwunden.

Man beachte, wie das Auge scharf und bestimmt den Gegenstand ins Auge faßt, ebenso scharf und bestimmt ist das Denken. Die gespannte Plastik der Schläfe zeigt die sehr gute technische Befähigung.

Alle Formen sind gut abgerundet, das ganze Gewebe ist nicht nur leicht, sondern auch von feiner Qualität, Spannung und milden, warmen Durchstrahlung, daher der Sinn und Eifer für den guten Fortschritt auf allen Gebieten, die enorme vielseitige Arbeitskraft im Dienste des Wahren, Guten und Schönen bei frohem, natürlichem, heiterem Lebenssinn und gewaltiger Abneigung gegen alles Unnatürliche in Wissenschaft, Leben, Kunst und Religion.

Die Verstoßung Hagars. Gemälde von van der Werff.

Ein ergreifendes Gemälde und zugleich eine Tragödie von meisterhafter Darstellung, welche erst durch die wissenschaftliche Menschenkenntnis voll verstanden werden kann.

Eine junge Mutter von großer Reinheit und  Schönheit wird mit ihrem lieblichen edlen Kinde aus dem Hause in die Nacht und in die größten Gefahren hinein verstoßen.

Man sollte eine solche Grausamkeit nicht  für möglich halten, und doch liegt in dem Bild selbst die Lösung für dieses Rätsel.

Die verstoßene Mutter mit ihrem Kind hat weiche, lichte, helle und reine, schöne Formen.

Der alte Mann empfindet wohl Mitleid und segnet die Verstoßung, – aber er läßt auch das Unrecht geschehen. Er rafft sich nicht auf, die Schmach und das Unrecht energisch zu verhindern.

In der Haltung des Körpers hat ihn der Künstler als alten Schwächling gezeichnet und mit verdicktem, schwerem Hals, kraftlosen Händen, überdicken Lippen und einem Zug an Mund und Bart ähnlich dem des Judas von Holbein.

Aber die eigentliche Triebkraft dieser Tragödie der Verstoßung einer offensichtlich guten Mutter mit ihrem edlen Kind ist die Frau, die schadenfroh in der Türe des Hauses lehnt.

Von ihr geht der geheime Impuls zu dieser bösen Tat aus. Sie hat ein hartes, langes, böses und kaltes Gesicht, ohne Gefühl, ohne Mitleid, ohne Erbarmen.

Die Nase der Frau, die den Charakter zeigt, ist steinhart, tief nach unten und auswärts gebogen.

Der Mund hat den teuflischen, schadenfrohen, aufgeworfenen Zug. Am Oberkiefer, nach dem Zug des Herzens hin, liegt grausame Härte, Kinn und Oberkiefer ist wie von Stein, die Brust hart.

Man muß schon die wissenschaftliche Menschenkenntnis beherrschen, um den Künstler recht zu verstehen, der hier meisterhaft die Wahrheit in den Formen, Farben und Bewegungen lebendig und lebenswahr schilderte.

Die verstoßene Mutter mit ihrem Kind hat den hellen reinen Typus der edlen Rasse. (Dem biblischen Bericht nach war Hagar eine Ägypterin.) Der Mann und die Frau im Hintergrund sind unverkennbar Semiten.

Das Gemälde ist in Farben von großartiger Wirkung, die leider ja hier nicht wiedergegeben werden können, das Original befindet sich in der Dresdner Gemäldegalerie, wo man es bei Gelegenheit studieren wolle.

Das Gewand der Mutter ist hell, von goldig schimmernder Farbe, das des alten Mannes von einem neutralen, kalten und harten Blau, das der Frau von schmutziger unangenehmer Farbtönung.

Das Kind der verstoßenen Mutter hat einen unschuldigen, sehr edlen Ausdruck mit goldigem, lockigem Haar, – das zurückbleibende Kind zeigt harte Formen mit breitem Gesicht, dickem Mund und sehr kurzem Hals.

Zwischen der verstoßenen Mutter und ihrem Kind und zwischen dem alten Manne, der Frau und ihrem Kind ist keine Harmonie möglich, es sind entgegengesetzte Pole von Gut und Böse, daher geht die junge Mutter auch lieber in Nacht und Finsternis und Ungewißheit hinaus.

Der Künstler war ein vollendeter Beobachter des Lebens und der menschlichen Natur, er hat die Wahrheit – wenn auch nur für den Kenner voll ersichtlich – wunderbar dargelegt, daher ist das Gemälde heute noch von großem wissenschaftlichen Wert.

Der Künstler ist nicht nur ein Maler, sondern auch im vollsten Sinne des Wortes ein großer Natur- und Lebensforscher gewesen, der wissenschaftliche Wahrheiten, lange bevor sie bekannt waren und gelehrt wurden, bereits gesehen, lebendig wahr und richtig geschildert hat, so richtig, daß die Formen und Farben und die Bewegungen, durch die er den Sinn des Bildes deutlich machte, mit unserer heutigen wissenschaftlichen Erkenntnis noch übereinstimmen.

Die großen Meisterwerke der Kunst erhalten erst durch die Psycho-Physiognomik [Physiognomische Psychologie] Carl Huters ganz neue und lebendige Werte, die klar und deutlich lehren: Der gute Mensch soll nicht verstoßen werden und in Elend umkommen, sondern er soll den bösen Menschen erkennen und sich zum gemeinsamen Schutz und zu einer Macht des Guten mit gleichgesinnten Menschen in dem Geist der wissenschaftlichen Menschenkenntnis zusammenschließen und die Welt von allem Übel und Leid erlösen.

Einen anderen Weg der Lösung gibt es nicht, das lehrt die ganze menschliche Erfahrung und Geschichte, Kunst und Leben von Anbeginn der Zeit bis auf den heutigen Tag.

Machen Sie Ihre Freunde und Bekannten auf die

Zeitschrift „Der Menschenkenner“ aufmerksam,

dann fördern Sie echte deutsche Volksforschung!

 

 

 

 

 

Carl Huter:

„Der Wahrheit und der Schönheit

das ganze Sein“

 

 

                                                       

„Der Menschenkenner“ ist zu beziehen durch alle Vertreter der Huterlehren, Buchhandlungen oder direkt vom Verlag Amandus Kupfer, Schwaig bei Nürnberg, Postcheckkonto Nürnberg 18330.

Bei Voreinsendung von R.M. 1.- und 30 Pfg. für Porto erfolgt jedesmalige Zusendung der nächsten 5 Nummern sofort nach Erscheinen.

Schriftleiter Amandus Kupfer, Schwaig bei Nürnberg

D.A. 4300. Druck: C. Brügel & Sohn AG. Ansbach.

Herausgegeben von Amandus Kupfer, Schwaig bei Nürnberg

Schweizer Huterfreunde

Neuherausgeber Medical-Manager Wolfgang Timm

Copyright 2001-2008 by Carl-Huter-Zentral-Archiv

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Der gute Menschenkenner 005 von 101 

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SEELENKENNTNIS

Carl Huter (1861-1912)

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durch Körper-, Kopf- und Gesichtsausdruckskunde

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CARL-HUTER-ZENTRAL-ARCHIV

Medical-Manager Wolfgang Timm

http://www.chza.de

 Form Geist

 EXTRA LIFE INTELLIGENCE TRANS ENERGY

PSYCHOLOGIE UND MEDIZIN DER ZUKUNFT 

 Der Menschenkenner und die neue Zeit

nach Carl Huters Psycho-Physiognomik

© Dezember 1932 Nr. 5

Gesicht und Charakter

Der Weltflieger Wolfgang v. Gronau.

Dort wo unsere obige Studienbüste am Stirn-Nasenübergang den Konzentrationssinn zeigt, Beobachtung und Orientierung, den Sinn für Raum, Gestalt, Form, Richtung und Tiefe im Raum, den Gewichts- und Lichtsinn, beobachten wir bei unserem Flieger Gronau gewaltige Formkraft und in der Faltenbildung die allerhöchste Anspannung des Gewebes.

Die ausgesprochene Plastik und Eckenkraft dieser stark und unmittelbar in die Stirn übergehenden Nasenwurzel zeigt die große Geistesruhe und Uebersicht, bei aller Schnelligkeit der Erfassung der Bewegung im Raum, der Schnelligkeit im Ueberlegen, Erfassen und Handeln.

Das Auge liegt zwischen den Lidern gedeckt und geschützt und doch äußerst lebhaft, klar, beweglich, fest und geistesgegenwärtig eingestellt, um im schnellsten Flug alles zu beachten, schnellstens innerlich zu verarbeiten und zu meistern.

Die wie Eisen so feste Nasenlinie zeigt die unbedingte Willensfestigkeit, Selbstbeherrschung und Durchführung.

Der gespannte Zug, – seitlich vom Nasendach über die Wangen bis zum Unterkiefer, wo das Mittelhirn sich spiegelt, das Empfinden und die Ausdauer, wo der Zug des Herzens und der Kraft liegt (vergl. obige Studienbüste), – zeigt, wie kraftvoll und ungehemmt diese Tätigkeiten hier das Auge unterstützen.

Die Wucht im Kinn und Unterkieferbogen, die Frische im gespannten Ohr zeigen die gesamte motorische und seelische Kraft in einheitlicher Leistung und Anspannung.

Dabei ist die Haut gespannt und erscheint wie gehärtet, an Hitze und Kälte gewöhnt, alles Empfinden nach innen auf die angeführten Punkte der Körper- und Geistestätigkeit konzentrierend. Das Wenige hier Gedeutete kann jeder erkennen. Wie klar spricht doch der Geist aus den Formen, in denen er lebt!

Die Schöne „Unbekannte“ aus der Seine.

Man könnte dem Bild auch die Bezeichnung geben:

„In seligem Todesschlummer“.

Die Geschichte ist kurz folgende: Eines Tages wurde die Unbekannte bei Paris tot aus dem Flusse gezogen. Seltsam ist, daß gleichzeitig – man spricht bei solchen Geschehnissen von Zufall– ein hervorragender bildender Künstler hinzukam. Von der Schönheit der Frau, von dem seligen Glück, das noch im Todesschlummer auf ihrem Gesichte lag, – der Leser betrachte das oben rechtsbefindliche Bildnis, – aufs Höchste überrascht, bat er um die Erlaubnis und erhielt dieselbe, einen Abguß machen zu dürfen und die Tote zu modellieren.

Das Bildnis ist meisterhaft ausgeführt und dank des Entgegenkommens des Verlags können wir die schöne Unbekannte hier wiedergeben.

Hals, Gesicht und Kopf ist von großer Schönheit. Um Augen, Mittelgesicht, Stirn, Wangen und Kinn liegt ein lieblicher, seliger Ausdruck.

Man fragt sich, wie ist das möglich, wie können die Formen noch im Tode eine so wunderbar edle, plastische Schönheit annehmen?

Es ist dies eine große Seltenheit, daß es wohl lohnt, die Erklärung dafür zu suchen und zu geben.

Wenn wir die edlen Linien des Halses betrachten, die Gesichtsbildung von der Nasenlinie bis zum Kinn, im Verhältnis hierzu das mittlere Gesicht, ferner die schöne Stirnform mit der hohen Scheitelwölbung, wo die Menschenliebe, die Herzensgüte, der Glaubens- und Idealsinn liegen, (man betrachte und vergleiche hiermit die Inschriften der Studienbüste am Kopfe dieser Zeitung) dann erkennen wir, daß diese „Unbekannte“ im

idealen Naturell liegt.

Sie gehört also zu den höchstwertigsten Menschennaturen, zu den kostbarsten Gütern, die es auf der Erde gibt.

Ist es nicht eine Tragik sondergleichen, daß dieser edle Mensch in der Jugendblüte den Tod in der Seine fand und wahrscheinlich selbst gesucht hat?

Was ist das für eine Welt, in welcher wir leben? Warum läßt man so edle Menschen, welche den Himmel der Liebe und Güte, des Glückes und der Schönheit in sich tragen, tragisch zugrunde gehen? – Man erkennt sie nicht und man wertet sie nicht!

Betrachten wir den Mund der „Unbekannten“. Er ist verformt und die Oberlippen- und Oberkieferpartie wie belastet. Etwas wie eine Vergiftung der Leiborgane spiegelt sich hier. Das ganze Leid, das dieses schöne Wesen erlebt hat, spricht aus dieser Mundregion.

Nun muß man bedenken, daß ein so edler Mensch allen Kummer viel, viel tiefer fühlt und empfindet wie der Durchschnittsmensch. Er leidet unsagbar darunter, für ihn kommt eher die Stunde, daß er das Leid einfach nicht mehr zu ertragen vermag – und dieser Fall scheint hier eingetreten zu sein.

Diese edle Frau im idealen Typus hatte die stärkste

Lebens-, Seelen- und Formkraft,

den stärksten Glauben an das Gute und an ein Weiterleben nach dem Tode.

Diese Lebenskraft, die gleichzeitig Beglückungs- und Liebeskraft ist und als geistige Strahlkraft alle Gewebe durchlebt, gibt diese Spannung, Plastik und edle Schönheit. Sie hält den Auflösungsprozeß auf und gibt selbst nach eingetretenem Tod noch das verklärte Aussehen.

So erklärt sich der glückselige Ausdruck im Gesicht. Sie ist ohne Schuldbewußtsein. Sie hat das Leid überwunden und im letzten Augenblick des Todes, bevor die feinstoffliche Seele und der Geist den Körper verließ, hat sie gefühlt und geahnt, nein – direkt wahrgenommen und empfunden, daß sie nun glücklicher wird, daß das Leid von ihr abfällt, daß ihr ein besseres Leben in anderer Form bevorsteht.

So lehrt dieses Bild, daß die Psyche

plastische Formkraft

besitzt, chemische und physikalische Wirkungen auslöst.

Die Natur ist viel großartiger, weit gerechter und weiser, wie wir ahnen. – Auch das lehrt uns dieses Bild, denn die glücklichsten Vorstellungen und Ahnungen eines neuen und besseren Lebens, das ihrer wartet, haben im letzten Augenblick diese Unbekannte erfüllt. Sonst wäre der glückselige Ausdruck im Gesicht undenkbar. Hier spricht die Form die letzte Wahrheit.

Sie symbolisiert in gewissem Sinne den Weihnachtsgedanken: „Durch hohe Liebe wird das Leid verklärt. – Die Liebe ist die stärkste Macht.“ Lerne man endlich die Symbolik der lebenden Formen richtig verstehen, damit

„Gerechtigkeit werde und Frieden auf Erden –

und den Menschen ein Wohlgefallen! -„

Huß vor dem Konstanzer Konzil 1414

nach dem Gemälde von K. Fr. Lessing 1842

Wie man mit Hilfe der Psycho-Physiognomik die Meisterwerke der bildenden Kunst versteht.

In der Mitte des Bildes, mit Nr.1 bezeichnet, sehen wir den böhmischen Reformator Johann Huß. Er hat sich freiwillig dem Konzil zu Konstanz 1414 gestellt, um sich wegen seiner angeblich ketzerischen Lehren zu verantworten. Er hat vorher die Zusicherung gegeben, daß er seine Lehren widerrufen wolle. sofern ihm das Konzil an Hand der Schrift nachweisen würde, daß er im Irrtum sei.

den Teilnehmern an diesem Konzil war es aber noch um etwas ganz anderes zu tun, nämlich um die Erhaltung ihrer Macht – und Huß überkommt es, wie das Gemälde mit zum Ausdruck bringt, wie eine innere Erleuchtung, daß er die hohen Herren ja gar nicht überzeugen kann. Sein guter Wille war verfehlt, er wurde mitsamt seinem Freunde, der ihm zu Hilfe geeilt war, zum Feuertod verurteilt und auf dem Schaffot verbrannt.

Unwillkürlich fragt man sich:

Wie ist das nur möglich?

Wie kann man nur einen Menschen, wenn er eine andere Überzeugung von der Wahrheit hat, darum verurteilen?

Sehen wir uns aber um, wie die großen Erfinder und Entdecker meist einen Leidensweg gingen und nicht verstanden wurden; – wie zur Jetztzeit viele rechtliche Menschen um ihrer politischen Überzeugung willen den Tod erlitten haben, – dann finden wir die Parallele.

Wir erkennen, daß die Wahrheit oder die Überzeugung von der Wahrheit und des besseren Weges sich nicht durch solche grausamen Mittel aus der Welt schaffen lassen, – denn der Kampf um dieselbe hat bis heute nicht aufgehört.

Wir erkennen, daß nur auf geistigem Wege, durch Aufklärung und Belehrung der Wahrheit und dem Guten in Wirklichkeit zum Siege verholfen wird.

Mit Hilfe der Menschenkenntnis wird man es in Zukunft vermeiden, daß Bringer neuer Wahrheiten um ihrer Überzeugung willen grausam leiden, Gut und Leben verlieren. Man wird von vornherein den richtigen Maßstab anlegen, den wir in folgendem zu finden suchen:

Bild 1. Huß steht ganz vergeistigt da, eine hohe, schlanke Gestalt. Wunderbar fein ist die edle Hand gezeichnet, die so viel Gutes schaffen wollte und niedergeschrieben hat.

Das Oberhaupt, wo der Sinn für die höchsten Ideale liegt, ist hoch und schön gewölbt, die Nase ist feinstens modelliert. Dieser edle Kopf erinnert an andere große Helden des Geistes. Huß beteuert, daß er aus Wahrheitsdrang, aus Liebe zum Guten und Besseren seine Lehren, die gut und nicht ketzerisch seien, zum Wohle aller Menschen aufgestellt habe.

Aber er dringt damit nicht durch. Warum?

Bild 2, dieser hohe Würdenträger, der zweifellos eine maßgebende Stimme in dieser Versammlung besitzt, hat grobe Gesichtsformen, eine grobe Nase, einen fetten Hals, die linke Hand liegt da, wo der Magen sitzt und deutet symbolisch, daß hier bei ihm der Sitz der Gefühle und Interessen in der Hauptsache zu suchen ist. Er ist mit seinem Urteil fertig und nimmt keinen Anteil mehr an den Vorgängen.

Bild 3 zeigt ein feineres, wenn auch im Kern hartes Gesicht. Das Auge geht ideal nach oben. Er möchte wohl einesteils dem Huß recht geben, aber die innere Wärme durchdringt nicht den strengen Zug des Mundes.

Bild 4, ist der Würdenträger, der sich zwischen den beiden Personen herniederbeugt. Er stützt mit der Hand das Kinn, wo die Tat und der Wille liegen, sodaß die Kraft mehr der Stirn und dem Oberhaupt zuströmt und er besser denken kann. Er ist ganz Ohr, ganz entspannt und daher sinkt auch das Haupt tief herab. Er denkt im guten menschlichen Sinne nach, er ist auf dem Wege der besseren Überzeugung. Sicher und gewiß, Huß würde nicht auf das Schaffot kommen, wenn auch seine anderen Richter die Fähigkeit der Wahrheitserkenntnis im gleichen Maße besäßen.

Bild 5. Dieser alte Mann dahinter, ein würdiges, freundliches Haupt, ein edler, guter Mann, würde Huß ganz gewiß auch nicht verurteilen. Und es ist, wie man genau hinsehend wahrnimmt, als wenn Huß selbst ganz gebannt wäre und nur noch zu diesen drei Personen, Bild 5, 4 und 3, spräche.

Bild 6. Der Patriarch mit dem langen Bart verfolgt aufmerksam den Huß. Aber die Gesichtszüge, die steife Kopfhaltung, die ganze Gestalt zeigen unerbittliche Strenge. Hier ist keine Milde zu erwarten, sondern ein Urteil nach vorgefaßter Meinung.

Bild 7. Dieser Mann wendet sich dem Patriarchen Bild 6 zu. Aus den dunklen Augen mit dem bezwingenden Blick spricht die Leidenschaft der Überzeugung. Er stimmt dem zu, dem er sich zuwendet.

Bild 8. Dieser Kopf betrachtet Huß kritisch, aber hart, etwas mitleidig und mit entwertenden Blicken, als wolle er sagen: Was will denn der Mann! Wer nicht für uns ist, der ist gegen uns.

Bild 9. Dieser Mann mit dem Bart und der niederen Stirn sieht finster drein. Er begreift den tiefen Sinn der Bemühungen und den Eifer des Huß nicht. Er verurteilt.

Bild 10. Dieser Würdenträger, der uns und auch dem Huß den Rücken zuwendet, scheint der dritte im Bunde der Letztgenannten zu sein. Und dahinter die hohe Gestalt.

Bild 11, sieht wie ein Krieger aus, knochig und bestimmt, als könne er den Huß schon mit seinen Blicken und mit seinem Denken vernichten, das hinter der harten Stirn wirkt und das tiefe, milde Denken des Huß nicht erfaßt.

 

Nun zu der anderen Seite.

Der hohe Würdenträger mit den weißen Gewand, Bild 12, liegt im Ernährungs-Naturell. Alle Körperformen gehen in die Breite. Verstand und Gefühl dringt nicht in die Tiefe, ganz entgegengesetzt wie bei der schmalen, feinen Gestalt und der hohen Stirn des Huß, den er darum nicht verstehen und dem er nicht folgen kann. Er nimmt keinen Anteil mehr. Vielleicht enthält die mit dem großen Siegel versehene Pergamentrolle schon das Urteil über Huß. Er wendet sich um zu dem Manne, Bild 13, mit dem breiten Gesicht, der niederen Stirn und dem flachen Oberhaupt, den er besser versteht. Schon die Kutte, die dieser trägt, wirkt unheimlich wie das kalte Gesicht, – er erhält seine Weisung.

Der greise Würdenträger, der in dem Lehnstuhl sitzt, die Füße auf einem Kissen, Bild 14, zeigt harte Formen. Die Gestalt ist groß und hager, ganz anders wie die des Huß, der zierlich und fein ist. Er urteilt nach äußerlichem Recht und der Macht.

Dahinter die drei Gestalten, die ebenfalls sitzen, Bild 15, 16 und 17, haben harte, grobe Gesichter, große Nasen, den starken Unterkiefer, wo die Tatkraft liegt, die strengen Züge. Es sind Äußerlichkeitsmenschen und kein dem Innerlichkeitsmenschen gerecht werdendes Urteil ist zu erwarten.

Diese Äußerlichkeitsmenschen verstehen es wohl, Pracht und Glanz zu entfalten, die Macht auszuüben und rücksichtslos zu herrschen, aber auf den Platz, den sie hier ausfüllen, gehören sie nicht. In geistigen und religiösen Fragen soll der Innerlichkeits- und Edelmensch die Entscheidung haben, sonst triumphiert die Gewalt und das Edle und Hohe, der wahre Fortschritt und Forschergeist leidet Not und wird geknebelt.

Die beiden Gestalten an der Säule stehend, Bild 18 und 19, haben den finsteren und drohenden Ausdruck. Das Auge ist tief gestellt, die Mundwinkel sind herabgezogen und alle Energie liegt im Untergesicht. Die beiden sind furchtbar und schrecklich, sie sollten nie über gute Menschen richten. Sie verurteilen womöglich die arme Seele des Huß noch über den Tod hinaus, – wenn es ginge.

Bild 20 verfolgt aufmerksam die Verteidigung des Huß, wagt aber nicht eine eigene Meinung zu bilden oder gar zu äußern. Er hat gelernt zu lauschen, zu gehorchen und – zu schweigen.

Und das vorletzte Bild 21, der Mann mit der runden Kappe auf, stiert hervor, er macht Augen, Nase, Ohren und Mund auf, er staunt über den Mut des Huß, obwohl er kaum etwas recht begreifen kann und er weiß nicht, was er sagen und denken soll.

Der letzte, Bild 22, schaut aus seiner Kopfumhüllung finster heraus, wie das dunkle Mittelalter mit seiner Verirrung.

(Hinzugefügt)

Hier vor dieser Versammlung ist Huß rettungslos verloren. Huß starb für seine Idee, standhaft ertrug er den schrecklichen Feuertod. Wie anders hätte man diesen edlen Mann würdigen müssen!

Wäre Huß in ein anderes Land gegangen, vielleicht zu den Naturvölkern, er hätte mehr Verständnis finden können wie unter diesen Männern.

Aber dieser Geistesheld opferte sich.

So lernen wir dieses Kunstwerk auf Grund der Menschenkenntnis verstehen. Wir lernen weiter daraus, wie notwendig es ist, den guten und edlen Menschen mit aller Kraft energisch und unter allen Umständen zu unterstützen, ihm mit Tatkraft beizustehen, denn durch ihn allein kommt aller Fortschritt und alles Gute in die Welt.

Welche Bewandtnis hat es mit dieser

lebensgroßen Studienbüste zur Menschenkenntnis?

Die hier abgebildete Studienbüste wurde genau nach den Vorlagen und Zeichnungen aus Huters Werken, erstmalig vor mehr als 10 Jahren, von uns hergestellt und vervielfältigt.

Diese Büste hat sich seitdem als

plastisches Anschauungs- und Lehrmittel

gut bewährt und sich viele Freunde erworben.

Sie gelangte auch in das Institut für Menschenkunde des bekannten Physiologen Prof. Dr. Hans Friedenthal an der Universität Berlin, Kaiserin Friedrich Haus„.

In Nr. 39, Jhrg. 1930, des „Weltspiegels„, Beilage des „Berliner Tageblattes, erschien ein ill. Artikel über dieses Institut, welchem die Studienbüste in drei großen Abbildungen als interessierendes Hauptbild vorangesetzt war. Die Wiedergabe geschah aber so, daß die Herkunft der Büste nicht zu erkennen war.

Dann erschienen ähnliche Arbeiten über das genannte Berliner-Institut auch in der „Illustr. Republ. Zeitg.„, in Beilagen des „Vorwärts-Verlages„, in denen die Büste ganz abgebildet wurde.

Neuestens brachte die bekannte Zeitschrift „Wissen und Fortschritt“ Heft 10, Okt. 1932, die Abb. der Büste in einer entsprechenden Abhandlung in Verbindung mit Bildern aus dem Friedenthalschen Forschungs-Institut.

Man hat aber, den erwähnten Arbeiten nach zu urteilen, die 130 Jahre alte Gallsche Phrenologie zur Erklärung herangezogen, anstatt auf die viel wichtigeren neueren Forschungen Bezug zu nehmen, welche den Inschriften der Studienbüste zugrunde liegen.

Wie aus den beigefügten Abbildungen des Friedenthal-Instituts hervorging, wurde die Büste von den Studierenden der philosophischen und medizinischen Fakultät zu vergleichenden Forschungen mit daselbst vorhandenen plastischen Bildwerken benutzt.

Wir geben ein solches Bild, das die Verwendung der Büste zeigt, hier wieder. Was daran befremden muß, daß ist das auf dem Tisch liegende große Winkelmaß; ein weiteres Bild zeigte noch den Gebrauch des Zimmermannsinstrumentes, des sogenannten „Kalibers“, bei Messungen an den Bildwerken.

Auf diese Weise feststellen zu wollen, welche Bedeutung der äußeren Form für die Anlagen eines Menschen zukommt, mag zu Galls Zeiten, also vor Huter, üblich gewesen sein.

Nachdem aber Huter den Nachweis erbracht hat, daß es weniger auf die Form an sich und ihren Rauminhalt ankommt, daß vielmehr

die Qualität der Form

erfaßt werden muß, um den darin wohnenden Lebensgeist einwandfrei festzustellen, ist diese Meßmethode zur Feststellung der Anlagen als wissenschaftlicher Irrtum und Rückständigkeit abzulehnen.

An einem Beispiel seien diese wichtigen Qualitätsunterschiede der Form kurz illustriert:

An den Nasenflügeln zeigt sich z.B. die Kraft und Schwäche der Atmung und Lunge.

Sind die Nasenflügel von reiner, gesunder Form, Farbe und Konstanz, plastisch gut modelliert, in frischer Spannung und Strahlung, dann ist die Atmung kräftig und die Lunge gesund.

Sind aber die Nasenflügel matt, bleich, verschwollen, ungünstig verfärbt, von einer lockeren, brüchigen Konstanz, oder sind sie gar hart, unelastisch und wie leblos, fehlt die Kraft der Spannung, die lebenswarme Strahlung, dann ist die Atmung und Lunge krank.

Diese Unterschiede sind aber mit den angeführten Meßinstrumenten auch nicht im entferntesten festzustellen, sondern nur durch ein neues

klassisches Sehen,

wie es Huter besonders lehrte und ausbildete, das seinen Schülern geläufig war. Diese Grade der Qualität sind niemals zu messen und zu wägen. Sie können nur durch das geschulte Auge, das feinere Tönungen wahrnimmt als alle Instrumente der Welt, lebendig geistig erfaßt und gesehen werden. Ähnlich so verhält es sich mit den übrigen 250 Einzeichnungen der Studienbüste. Wer sich für die Büste interessiert, beachte die Anzeige der nächsten Seite.

Meines Lebens Leitgedanken!

von Carl Huter.

Zum 4. Dezember, seinem 20. Todestag.

1. Der wahre Wert des Menschen liegt nicht in materiellem Besitz und Eigentumswerten, sondern in seinem Charakter.

2. Du sollst nicht besitzen, bis Du des Besitzes wert bist!

3. Wer des Besitzes unwürdig ist und doch besitzt, der ist eine stehende Gefahr für die Güter, die er besitzt, und für die Menschen und Dinge, die er beherrscht.

4. Daher tut uns dringend eine neue Menschenkenntnis-Methode not, um den reinen, wahren Wert des einzelnen Menschen zu erkennen und es tut uns eine neue ideale Weltlehre not, um den Menschen zum höchsten Innenwert emporzubilden; die erstere habe ich geschaffen in der wissenschaftlich beweisbaren und lehrfähigen Psycho-Physiognomik, die zweite in der Kallisophie, der neuen Welt- und Lebensreligion.

5. Aber es muß auch eine Umformung der Gesellschaft nach diesen Lehren eingeleitet werden. Auch diese Wege bahnte ich in einer neuen Ethik an. Sie erstrebt:

a) wirtschaftliche Gerechtigkeit,

b) glückliche Ehen auf Grund der Entdeckungen über die komplementären Naturelle,

c) ein neues Liebes-Sittenrecht,

d) ein Familienrecht als Grundrecht aller Rechtsein-richtungen,

e) die Rangordnung der Persönlichkeiten, d.h.:

6. In Zukunft sollen nicht der verstandeskalte Scheingebildete neben Weisen und Guten, – nicht auch noch Verbrecher und Narren regieren, sondern es sollen die Weisen, die Besten und Tüchtigsten in der Natur-, Menschen- und Gotterkenntnis regieren, raten, leiten und Recht sprechen!

7. Es sollen nicht die außerhalb der kirchlichen oder staatlichen Formehe gezeugten Kinder außerhalb des Familien- oder Vaterrechtes stehen, sondern sie sollen innerhalb der Familie des Vaters stehen.

8. Es sollen die Männer nicht lediglich Alkohol-, Spiel-, Sport- und Parteimenschen oder Frauenjäger, sondern sie sollen an erster Stelle Gottergebene sein, die alles Nützliche, Ideale und Gute treiben, schaffen und erstreben und sich dadurch erst des Besitzes und der Beherrschung des Weibes und der irdischen Güter würdig erweisen.

9. Das Recht der Liebe anderer hat der, der die Pflicht der Liebe gegen andere erfüllt; die Liebe soll frei, der intime Verkehr aber gesperrt sein, wo nicht die reinste Liebe ihn begleitet und wo er nicht betätigt werden darf, allein schon nicht aus Menschenwürde!

10. Die Ehe soll nicht in einer, sie soll in vielen Formen bestehen, um allen freien Liebesneigungen, soweit sie sittlich berechtigt sind, gerecht zu werden, um durch die Liebe und Ehe alles erdenkliche Menschenglück entfalten lassen zu können.

11. Es soll die heilige Liebe und Ehe als Ideal gepflegt werden, aber es kann auch die weniger hohe, also die geringer gradige Liebe und Ehe gelebt werden. Es soll auf keinen Fall eine unliebsame, unharmonische Ehe mehr gelebt werden. Solange sich zu keiner besseren, höheren, annehmbaren Ehe Gelegenheit bietet, lebe man ehelos.

12. Allen Menschen soll das Recht auf Arbeit und Verdienst eingeräumt werden, damit kein ehrlich Wollender mehr Not leidet.

Aber jeder Arbeitsscheue soll die Not als Strafe leiden, denn die Not erzieht zur nützlichen Arbeit alle die, welche den Wert der Arbeit nicht kennen wollen, daher soll auch der Wohlhabende arbeiten.

13. Der edle Charakter adelt den Besitzer und dieser adelt seinen Besitz und alles das, was er beeinflußt.

14. Man fange mit allen Reformen bei dem Innern der Menschen und zuerst bei sich selber an, bei der Veredlung der Gesinnung, Bereicherung der Erkenntnis und Energieentfaltung im guten Streben und Arbeiten.

15. Dazu studiere man Menschen- und Seelenkenntnis und bilde die Ideale der Reinheit, Lauterkeit, Wahrhaftigkeit und die Kraft zu stetigem Schaffen, Vervollkommnen, Verbessern bei sich und andern Menschen aus.

16. Ursprünglich lag alles nebeneinander, Gutes und Böses, erst der Wille zum Guten sammelte und einigte das Gute.

So wie die Ethik und Moral erst aus der Weltanschauung entstanden ist, so ist die Religion und das Ideale und das Göttliche aus dem ethischen Heiligkeitsgefühl entstanden.

 

Mein neuer Gottesglaube und meine ideale

Welt- und Lebensreligion

17. Das Göttliche ist das gesammelte Gute, es ist etwas Geschaffenes und Gewordenes aus dem Willen, der das Gute liebt und das Böse verabscheut.

18. Der Wille, der das Böse liebt, wird sich am Bösen erfreuen, wird das Böse sammeln und Unschuldiges und Gutes böse zu machen suchen.

Dieser Wille ist ein sündiger Wille, er haßt und verfolgt das Gute, er sucht das Gute böse, das Böse gut hinzustellen.

19. Dieser böse Wille schafft Leid und Verderben, er wächst, wird er nicht im Keime erstickt, zur Satansmacht mit Lügen und Verbrechen und schweren Lastern heran und dieser böse Wille ist der Todfeind alles Guten und Göttlichen. –

20. Wende Dich ab von allem Bösen durch rechte Erkenntnis, höhere Bildung, festen Gegenwillen und durch Gebet und bleibe treu und fest dem Guten ergeben und vernichte alles Böse durch Verbesserung desselben, denn zerstören läßt sich nichts!

Meine Lebensmoral heißt: Dulden, leiden, verbessern in Liebe ohne Ende! Gehet hin und tuet das Gleiche!

(Fortsetzung folgt.)

 

 

Carl Huter heilt eine gelähmte Frau durch

Uebertragung der überschüssigen Lebenskraft.

Mit Nr.1 bezeichnet sehen wir in den Gruppen das Bildnis Huters und mit Nr.2 eine seit vier Jahren völlig an beiden Beinen gelähmte Frau.

Das Bild links (es stammt aus dem Jahre 1902) zeigt, wie Huter bestrebt ist, durch Uebertragung der Lebenskraft das Gewebe der Beine neu zu beleben und damit den stockenden Blutumlauf wieder in Gang zu bringen.

Huter ist bekanntlich der Entdecker der als Strahlkraft wirkenden Lebenskraft. Er hat den Nachweis erbracht, daß die Lebenskraft der Zellen gleichbedeutend mit Liebeskraft ist, daß sie in Form einer weichen, sehr mild und angenehm, meist kühl empfundenen Strahlung auftritt.

Die Lebenskraft tritt in dem anatomischen Strahlengebilde der Zelle, dem Zentrosoma, (letztere ist mikroskopisch sichtbar) auf und kann über die Zelle hinaus wirksam sein.

Damals – 1899 – stand Huter vollständig isoliert mit seiner Entdeckung – heute gibt es bereits eine medizinische Literatur über diese Lebensstrahlen und eine ganze Reihe hervorragender Forscher beschäftigt sich mit dem Problem, es seien nur erwähnt Prof. Gurwitsch, Stempell und Lakhowski.

Das Bild in der Mitte zeigt, wie Huter der kranken Frau, die bereits mit Unterstützung der anderen Personen wieder stehen kann, sehr wohlwollend entgegenkommt, sie anfaßt und streicht und durch gütigen Zuspruch die Hoffnung, das innere Glück, die Zuversicht weckt und stärkt.

Das Bild rechts zeigt, wie die Frau bereits allein wieder stehen kann. Das war der Fall nach vierwöchentlicher Behandlung und Kur. Huter selbst steht aufrecht und gespannt gebend da, er facht durch Bestreichungen und Willensstärke die Strahlkraft der Zellen und damit die gesunkenen Körperfunktionen zu energischer und anhaltender Tätigkeit an. Es ist das innere Lebenslicht der Zellen, das durch die Lebenskraft des Heilers gestärkt, gleichsam angefacht wird wie ein heiliges Feuer, resp. Lebenslicht.

Es gibt  nur wenige Menschen, welche die Lebenskraft, – Huter nannte sie Helioda, – so stark besitzen und abgeben können, daß dadurch Kranke zu heilen sind. Das geschieht natürlich aus unmittelbarer Nähe und nicht durch Fernbehandlung, die Huter nur zu Versuchszwecken, sonst aber nicht anwandte.

In den obigen Bildern sehen wir noch eine mit Nr.3 bezeichnete männliche Person Dieser junge Mann war ein Schüler Huters mit Namen

Karl Kotthaus,

der nun vor kurzem gestorben ist. Eine Frau Evers-Millner schreibt in der Berliner Zeitung „Der Tag“, Kotthaus Tod sei ein sehr schwerer gewesen, – er habe an Tuberkulose und Diabetes gelitten.

Seine letzten Worte auf die Frage, die er selbst stellte, ob sein Leben umsonst gewesen sei, sollen gelautet haben: Was für ein Ende….! – Welche Tragik….!

Da die genannte Frau M. schreibt, daß sie 20 Jahre mit Kotthaus zusammenarbeitete, mit ihm in Italien war und an seinem Sterbelager in einer Lungenheilstätte weilte, ist anzunehmen, daß sie Kotthaus gut kannte. Leider geht sie zu einigen Bemerkungen über, die man

im Interesse der Huterlehren

und der wissenschaftlichen Forschung auf diesem Gebiet nicht unwidersprochen lassen kann.

Sie behauptet u.a., außer Lavater und Huter habe es keinen Physiognomiker von so hohem Rang gegeben wie Kotthaus, (Lavater und Huter haben große Werke hinterlassen, Kotthaus keines) er habe die Naturellehre Huters übernommen und ausgebaut.

Schon vor einigen Jahren hatte dieselbe Dame in den Münchner Neuesten Nachrichten behauptet, der geniale Kotthaus, ein Schüler Huters, habe die von Huter gefundenen Naturelltypen auf drei Grundtypen zurückgeführt.

Das entspricht natürlich nicht der Wahrheit. Es genügt wohl an dieser Stelle die Erklärung, daß Zeitungsberichte und andere kleine Drucksachen aus den Jahren 1904-08 vorliegen, wonach Kotthaus selbst auf Carl Huters drei Grundnaturelltypen Bezug nahm.

Auch sonst ist uns nicht das allergeringste bekannt geworden, daß Kotthaus in irgend einer Weise die Huterlehren ausgebaut hätte. Wir halten das auch, der ganzen Sachlage nach zu urteilen, für gänzlich ausgeschlossen.

Fest steht folgendes: Carl Huter nahm den noch nicht 20 jährigen Kotthaus zu sich in seine Detmolder Anstalt, um ihn als Masseur und Bademeister auszubilden (wie es die obigen Bilder zeigen) und behielt ihn etwa 4 Jahre dort. Kotthaus hatte damals eben seine Lehrzeit in einem Handwerk beendet. Huter schreibt, daß Kotthaus schwindsüchtig war. Er habe ihn dann in die Grundelemente seiner Psycho-Physiognomik eingeführt, ihn als Redner und sogar als Elementarlehrer ausgebildet, ihn gesund und stark an Leib und Seele gemacht. Was Kotthaus ist, sei er durch Huter geworden.

Als Kotthaus später Vorträge über Huters Lehren hielt, damit Bewunderung erregte und Ansehen bekam, änderte sich das Bild bald und er ging eigenen Wege.

Uns ist in den letzten 20 Jahren kein einziger Fall bekannt geworden, daß Kotthaus irgend ein Huterwerk aus unserem Verlag verlangt oder sonstwie an eine dritte Person empfohlen hätte. Er nahm daran keinen Anteil.

Eine große deutsch-amerikanische Zeitung erließ vor etwa 5 Jahren einen Hilferuf für das Kulturwerk des Begründers der Gestalt-Psychologie, der Biologischen Physiognomik Karl Kotthaus„.

Es genügt wohl, wenn wir demgegenüber erwähnen, daß Carl Huters Psycho-Physiognomik, auf biologische und physiologische Grundlagen gestellt, fest begründet und in Werken niedergelegt ist, an denen Kotthaus keinen geistigen Anteil hat.

Kotthaus war unserer Ansicht nach ein guter Psycho-Physiognomiker. Wir halten aber dessen ungeachtet dafür, daß die Huterlehre andere Ziele verfolgt, als

dem Selbstzweck

des ausübenden Physiognomen zu dienen.

 

 

DgM Nr. 3 (Hinzugefügt)

Die Höhenstrahlen

In Nr.3 „Der Menschenkenner“ brachten wir eine Abhandlung über Prof. Piccard, wie derselbe nunmehr bekannt gibt, ist als Ergebnis seiner beiden Höhenflüge festgestellt, daß die sogenannten Höhenstrahlen nicht aus dem Weltall kommen, sondern von der Erde ausgehen.

Damit haben wir recht behalten.

An der Hand von Zeichnungen legten wir dar, daß es sich bei den sogenannten Höhenstrahlen jedenfalls um die von Huter gelehrten magnetischen Kraftspannungslinien der Erde handelt.

Damit ist aber natürlich nicht gesagt, daß es keine Strahlen gibt, die direkt aus dem Weltall kommen. Huter stellte auch die Elementarstrahlung der Weltenkörper fest und lehrte, daß der Lauf der Gestirne, die große Ordnung im All nicht nur auf der gegenseitigen Anziehung (Schwerkraft) beruhe, sondern daß die Himmelskörper im gleichen Maße oder noch stärker durch Strahlung aufeinander wirken.

 

Glück und Erfolg im Leben durch

Menschenkenntnis

Für den Inhalt verantwortlich: B. v. Thurn, Schwaig bei Nürnberg

Druck: Graphische Kunstanstalt Zerreiss & Co., Nürnberg

      Schweizer Huterfreunde

Neuherausgeber Medical-Manager Wolfgang Timm

Copyright 2001-2008 by Carl-Huter-Zentral-Archiv

 D The Gate MK

DgM 004

Der gute Menschenkenner 004 von 101 

Deutschland Wappen Red S

SEELENKENNTNIS

Carl Huter (1861-1912)

durch Körper-, Kopf- und Gesichtsausdruckskunde

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CARL-HUTER-ZENTRAL-ARCHIV

Medical-Manager Wolfgang Timm

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http://www.chza.de

 BRD de jure erloschen

 The „German Empire“

The documents of capitulation of the German War Might of the 7th of May in 1945 and of the 9th of May in 1945 finished indeed the struggles, but not the existence of the German Empire. The government of the empire became arrested on the 23rd of May in 1945. A peace treaty was not signed, neither with the FRG nor with the former GDR, and is lacking until today.

The Federal Constitution Court in Karlsruhe (President Prof. Dr. Jutta Limbach) decided on 31st of July in 1973 [BVerfGE Bd. 36, 1-37 (LT1-9) BGBl I 1973, 1058] and on the 21st of October in 1987 [Bd.77, S.137,150,154,160,167] unanimous and how intended, that the German Empire in 1945 not perished but continued.

Page 15 to 16: … „The Grundgesetz (Basic Law) — not only a thesis of the International Law and of the State Law sees that the German Empire outlasted the breakdown of 1945 and neither perished by the capitulation nor by the exertion of foreign state power in Germany by the allied occupation mights nor perished later; this is to recognize from the preamble, from article 16, article 23, article 116 and article 146 of the Basic Law. This corresponds to the jurisdiction of the Federal Constitution Court in which the senat persists. …

The German Empire (see e.g. BVerfG, 1956-08-17, 1 BvB 2/51, BVerfGE 2, 266 (277); 3,288 (319f); 5,85 (126); 6,309, 336, 363) owns still competence in law, but is as whole state not able to act by itself because of lacking organization, especially because of lacking institutionalized organs … the responsibility for „Germany as whole thing“ (= German Empire) have — even — the four mights. The Federal Republic of Germany is in this way not „successor in law“ of the German Empire, but identical as state with the state of the „German Empire“, — under reference to its territorial expanse only „partially identical“, so that insofar the identity demands no exclusivity. The Federal Republic of Germany includes in this way, concerning its state people and its state territory, not the whole Germany regardless of that it recognizes a consistent state people of the subject of the International Law „Germany“ (German Empire) … and a consistent state territory „Germany“ (German Empire) … It (= Federal Republic of Germany) limits its sovereignty in legal terms of state to the field of application of the Basic Law.

„The Federal Republic of Germany agrees the statement of the four mights and emphasizes that the in this statement mentioned incidents and circumstances will not occure, what means, that a peace treaty or a peace regulation is not intended„. Protocol of the Bureau of the Federal Chancellor in negotiations of the 17th of July on 1990 in Paris, appendix No. 354 B.

(furthermore dissertation of Dr. Michael Rensmann, occupation law in the re-united Germany)

 Form Geist

 EXTRA LIFE INTELLIGENCE TRANS ENERGY

 PSYCHOLOGIE UND MEDIZIN DER ZUKUNFT 

 HARMONIE MENSCHEN

Der Menschenkenner und die neue Zeit

nach Carl Huters Psycho-Physiognomik

Herausgegeben von Amandus Kupfer in Schwaig bei Nürnberg

© November 1932 Nr. 4

 DgM 004 Carl Huter - Papen

Reichskanzler von Papen Ein Persönlichkeitsbild

Die Wahrheit über den Tod König Ludwigs II.

Die Erklärung des Hellsehens

Wie man Ghandi richtig versteht

Wann siegt Max Schmeling

Reichskanzler von Papen 

Es gibt heute viele Menschen, die sehr gerne nach einer zuverlässigen Grundlage wissen möchten, wie unser Reichskanzler von Papen

in Wirklichkeit ist,

denn von vornherein hatte Herr von Papen die großen Parteien gegen sich. Die Hitlerpartei wollte ans Ruder, Zentrum und Sozialdemokraten verloren ihren entscheidenden Einfluß und die

umstrittene Persönlichkeit

war der Reichskanzler.

Infolgedessen sind auch die Urteile über ihn sehr verschieden, ob gerecht, das ist eine andere Frage. Haben sie

einen Parteistandpunkt

zur Grundlage, dann fallen sie meist einseitig gefärbt aus.

Daher ist es für den Menschen, der ein wirklich objektives richtiges

Persönlichkeitsbild des Reichskanzlers 

wünscht, sehr schwer, ein solches zu erlangen.

Dem Irrtum ist und bleibt Tür und Tor geöffnet und auf einer irrtümlichen Grundlage kann man nicht klar sehen und richtig handeln.

Hier kommt uns nun die neue

Wissenschaft der Psycho-Physiognomik,

die Menschenkenntnis,

zur Hilfe. Wie ein Lichtstrahl erleuchtet sie das Dunkel und zeigt den kürzesten und geradesten Weg, indem sie lehrt:Der Geist lebt in den Formen, der Wille und das Wesen des Menschen ist an seine Organe gebunden, und die reine, lautere Wahrheit über seine Persönlichkeit ist am schnellsten und sichersten aus den

Körper-, Kopf und Gesichtsformen 

zu ersehen.

Der Leser hat dabei den großen Vorteil, die Formen selbst mit überprüfen zu können, auf der denkbar sichersten Grundlage sich eine eigene Überzeugung zu bilden, um danach richtig handeln zu können.

Das sei vorausgeschickt. Der Leser betrachte nun unvoreingenommen und mit dem aufrichtigen Wunsche recht zu sehen das

oben wiedergegebene Bildnis des Reichskanzlers.

DgM 004 Von Papen

1. Das Gesicht des Reichskanzlers hat eine gut durchgebildete längliche Form, ist nur mäßig breit, dabei markant gebaut, das ist das sichere Merkmal dafür, daß die Naturellanlage

der Tat und Bewegung

im Vordergrund liegt,

daß andererseits die Anlage für die Ruhe, Ernährung und Bequemlichkeit zurücksteht.

2. Das Längenverhältnis der drei Hauptabschnitte des Gesichts1. Stirn-, 2. Nasen- und 3. Oberkiefer-, Mund- und Kinnpartie – ist ungefähr gleich. –

Wir haben daher den in seinem Tat-, Gefühls- und Verstandesleben

normalen Menschen vor uns.

3. Da Stirn und Oberhaupt höher gebaut sind wie beim primären Tat- und Bewegungs-Naturell, da ferner die Haut sehr frisch und kernig, klar und nervenreich ist, das Auge mit seinen Lidern auf Gefühlswärme und Tiefe deutet, so geht die Anlage über die des Bewegungs-Naturells weit hinaus und nimmt die Richtung zur

Harmonie des Lebens.

Trotzdem bleibt die Tat- und Bewegungs-Anlage aber doch im Vordergrund liegend und stark betont.

4. Wer die

weltberühmte Dreitypenlehre

Huters kennt, der weiß sofort, daß mit diesen drei Punkten die

Hauptcharakterrichtung 

des Herrn Reichskanzlers bereits gekennzeichnet ist. Man studiere die Dreitypenlehre in den einschlägigen Originalwerken Huters und identifiziere sie nicht mit der

nach dem Tode Huters

heute an den Universitäten gelehrten

medizinischen Dreitypenlehre.

Diese kann die Originaltypenlehre des Entdeckers nicht ersetzen!

Die Dreitypenlehre sollte jedem Menschen so geläufig sein wie Lesen, Schreiben und Rechnen, da sie für das praktische Leben in mancher Beziehung noch wichtiger ist, als diese Elementarfächer des allgemeinen Wissens.

Obwohl es selbstverständlich ist, sei doch kurz betont, daß diese Lehre absolut nichts mit der modernen Art der Astrologie zu tun hat. Carl Huter hat nie ein Horoskop gestellt, obwohl er den Einfluß der Gestirne auf unsere Erdenentwicklung nicht in Frage zog. Seine Lehre führt die Menschen – um den Charakter zu erforschen, von den Sternen ab, zurück auf die Erde, zum lebendigen Menschen und seinen Formen, – zur Lebenswirklichkeit.)

5. Das Oberhaupt des Reichskanzlers, das schlicht und doch so bestimmt liegende Haar, die Stirn mit der feinst gespannten Haut, das Gesicht mit dem guten warmen Ausdruck, – in Verbindung mit dem klaren, reinen und durchaus offenen Blick der Augen zeigt, daß der Träger solcher Merkmale eine von gutem Wollen getragene ideale Lebensrichtung verfolgt.

6. Das Auge selbst hat dabei den Blick in die Ferne, der also nicht nur auf das Naheliegende des Lebens gerichtet ist, sondern der im Gegenteil die Menschen und Dinge zu umspannen versucht, in die Tiefe greift, um allen, nicht nur einer Partei, einer Kaste, einer Religion, einem Stand allein gerecht zu werden, sondern dem ganzen deutschen Volk mit seinen Lebensbedürfnissen und Idealen, der darüber hinaus auch eine gerechte Stellung und Würdigung gegenüber andern Völkern sucht, – und die gute Tradition und Vergangenheit berücksichtigt.

So erst kann man den Reichskanzler recht verstehen,

es ist ihm ernst, und er gibt sich die größte Mühe, in unserm Volke wieder das einige Deutschtum wachzurufen, damit alle das eine große Ziel der Volkswohlfahrt fördern.

7. Der ganze Gesichtsausdruck ist durchaus offen, die Bildung um beide Augen und an der Nasenwurzel, – der Leser überzeuge sich, –

ist wie abgezirkelt,

so offen, schnurgerade und grundehrlich meint es der Reichskanzler, – das ist wahrlich etwas, was jeder objektiv Denkende anerkennen sollte.

Das gute Wollen, die Arbeit und Aufopferung für ideale Ziele machen den Grundzug seines Wesens aus.

(Wohl vermag er, wie das breite Kinn und die Jochbeine zeigen, wenn er momentan keinen anderen Ausweg sieht, zuweilen hart in der Durchführung zu sein, aber das ist nicht seine Grundwesensart, es bricht die warme ideale wohlwollende Gesinnung wieder durch, wir können daher sicher sein, daß auch die Härten der Notverordnung, welche die Ärmsten belasteten, wieder aufgehoben werden.)

Wer mit Leib und Seele so bei der Sache ist, die er vertritt, dem sollte man auch zur Seite stehen und ihn nicht um Prinzipien willen bekämpfen. Zerstören ist leicht, – aufbauen schwer.

Würdigung und Gerechtigkeit ist das Ziel dieser Forschung. Die Menschenkenntnis bewertet jeden individuell, gleichviel welcher Rasse, Religion, Partei oder welchem Stand er auch angehören mag.

 

König Ludwig II.

Die wahre Ursache seines Todes und wie sein Ende sich wirklich abgespielt hat

Durch die Veröffentlichung der Aufzeichnungen eines Augenzeugen, des Freiherrn von Washington, in der Berliner Illustrierten Zeitung und die Darstellungen des Könglich Bayerischen Kammerherrn, Freiherrn von T., in der Deutschen Allgemeinen Zeitung, sind die Vorgänge, die sich bei dem tragischen Tod des Königs abspielten, scheinbar vollkommen klargestellt.

Nach der ersten Darstellung ist das tragische Ende des Königs in erster Linie auf Selbstmord zurückzuführen, d.h. es ist geschildert, wie der König bereits an spontanen geistigen Störungen litt, aber doch nicht in der Weise, daß seine volle Willensbestimmung ausgeschaltet gewesen wäre. Ich glaube nun nicht an eine Selbstmordabsicht des Königs.  Wohl mag ein schwerer Albdruck auf ihm gelegen haben, der ihn ahnen ließ, daß es mit seiner geistigen Gesundheit noch weiter bergab gehe.

DgM 004 Nervenarzt Gulden 

Der König war unter Aufsicht des Nervenarztes Dr. von Gudden gestellt, Bild 1.

Diese Maßnahme gegen den König war verfehlt.

Man betrachte das Bildnis des Dr v. Gudden. Aus diesem Gesicht spricht Willensfestigkeit und Strenge, Kraft und auch wieder Wohlwollen. Er war zweifellos ein tüchtiger Fachmann, eine Kraftnatur, der man sich beugen und gehorchen mußte, – etwas, was dem König doch ganz und gar nicht lag. Der Gesichtsausdruck des Dr. Gudden ist aber auch der des ganz realen Wissenschaftlers, der nur mit den greifbaren Tatsachen rechnet.

DgM 004 König Ludwig Jugend 

Der König liegt im genialen und idealen Typus, voller Geist, Leben und Schönheitsgestalten.

Er war ein genialer Architekt. 

Er war aber auch ein ideal gesinnter Mensch, der Kunst und Wissenschaft förderte, der sein Volk nach jeder Richtung hin sittlich und geistig höherbringen wollte.

Kurz gesagt, der König wollte

sein Bayernvolk glücklich machen,

und zwar auf seine Weise, nach seiner künstlerischen Veranlagung.

DgM 004 Neuschwanstein 

Überall stieß er auf Widerstand, auf Verständnislosigkeit, Beschränktheit, Dogmatismus, Kurzsichtigkeit, sogar auf bösen Willen usw.

In der Anlage des Königs und in seiner Umgebung, der er weit an Geist und Gaben überlegen war, ist schon

der Grund zu der Tragik 

seines Lebens zu suchen.

Er zog sich immer mehr zurück, lebte in den prachtvollen bayerischen Bergen, baute seine Schlösser, entwarf selbst alle Pläne, arbeitete Tag und Nacht, das Volk dort liebte ihn und er glaubte, so doch noch sein Ziel zu erreichen, das Beste für sein Volk zu tun, durch den Bau seiner Schlösser, die Entfaltung höchster Pracht und Schönheit, in Verbindung mit einer herrlichen Natur die Herzen seines Volkes zu den höchsten Idealen zu erheben. Der König wußte, daß

ohne die erhabene große bildende Kunst 

das Leben Gefahr läuft, im blauen Alltag zu versimpeln. Das wollte der König verhüten. Er wurde nicht verstanden. Die Folge war für ihn, da er sich immer mehr abschloß, eine einseitige falsche Lebensweise führte, daß sich eine gefährliche Belastung des sympathischen Nervensystems einstellte.

DgM 004 König Ludwig Krank 

Nach außen hin fanden diese Mißklänge ihren Niederschlag – in einem Schuldenkonto von 13 Millionen Mark -, diese wolle man nicht bezahlen – und dem König weiter kein Geld zum Bauen geben, obwohl doch das ganze Land den Nutzen davon gehabt hätte.

Heute hat allein die Stadt Nürnberg mehr als 14 Millionen Mark Schulden, und niemand macht ein großes Aufheben davon. Man nimmt die Tatsache einfach hin.

Hätte man sich nicht so verständnislos gegen den König gezeigt, ihn besser erkannt und gewürdigt, dann hätte er gesund bleiben können. Die feenhaften Schlösser, die der König noch bauen wollte, würde heute die Menschen aus der ganzen Welt anziehen, sich glänzend verzinsen, die Besucher ideal erheben und für das Große und Schöne begeistern, dem Bayernland aber den herrlichsten und kostbarsten Besitz geben.

Das war König Ludwig. 

Man betrachte dieses große, herrliche, schönheitsbegeisterte Auge, den feinplastischen Gehirnbau, die sehr breite hohe Stirn, das im Verhältnis dazu schmale und kleine Gesicht, den ganzen Ausdruck, die Haltung des Kopfes, das Haar usw., um zu erkennen, daß wir hier den

hochwertigen, idealen Menschentypus 

vor uns haben.

Man bedenke: der König, der in der märchenhaften Pracht seiner Schlösser lebte, der die wunderbaren Nächte der Berge, den Geist einer erhabenen Natur kannte wie kein anderer, königlich gesinnt im Denken und Fühlen, – der wird unter Kuratel des realen Naturwissenschaftlers Dr von Gudden gestellt, dessen Tätigkeit sich vorher in Nerven- und Irrenheilanstalten abspielte.

Beide Menschen lagen sich so fern wie nur möglich, allein in der Verbindung dieser beiden Menschen lag kein gutes Omen.

Der König bezwang sich, soweit er sich noch in der Gewalt hatte, und Dr. von Gudden zeigte Wohlwollen. Er gab nach – ging allein mit dem König am See spazieren – und bald darauf war das Unglück geschehen –, man fand beide tot im See.

Die Annahme lautet: Selbstmord des Königs – er zog Dr. von Gudden mit in die Fluten des Sees und beide ertranken.

Die andere Annahme geht dahin, daß der König fliehen wollte. Zu diesem Zweck mußte er in das Uferwasser, um den Zaun, der ihn von der Außenwelt trennte, zu umgehen.

Das gelang ihm nicht, Dr. von Gudden wollte den König im Wasser zurückhalten, es entspann sich ein kurzer Kampf und beide ertranken.

So die abschließenden Berichte. Beide enthalten

nicht die volle Wahrheit.

Auf Grund der Menschenkenntnis will ich sie hier dem Leser klar und handgreiflich vor Augen führen.

Der Leser betrachte das den König kurz vor seinem Tode zeigende Bildnis.

DgM 004 König Ludwig Krank 

Unter dieses Bild schrieb Huter: Materielle Kopfbelastung, stierer Blick bei hochgestelltem Augapfel, hochgradige Disposition zu Geisteskrankheit.

Damit hat der Leser des Rätsels Lösung. Den stieren hochgestellten Blick kann man gut erkennen, und wer genauer hinsieht, erkennt auch, daß das ganze Gesicht und der vordere Hals

unnatürlich geschwollen ist.

Diese Überformung rührt von einer jahrelangen falschen Lebensweise her, wodurch das innere sympathische Nervensystem schwer belastet wurde. Die gesamten Weichteile des Gesichts, des Halses und der ganzen vorderen Körperseite waren mit Fremd- und Belastungsstoffen angefüllt.

Die Belastung wäre, frühzeitig erkannt, zu heilen gewesen.

Die Wahrheit über den Tod des Königs ist nun folgende: Er beging weder Selbstmord, noch verschuldete er den Tod des Dr. v. Gudden.  Im Gegenteil, dieser edle kunstsinnige König bot noch alle Kraft auf, um sich zu beherrschen, er fügte sich nach anfänglichem Weigern in sein schweres Schicksal, er zeigte guten Willen, den Anweisungen des Dr. v. Gudden nachzukommen.

Beide gingen zusammen in den Park.

Aber diese scheinbare Ruhe des Königs war die Ruhe vor dem Sturm, d.h. vor dem elementaren Ausbruch der durch die Belastung verursachten Geisteskrankheit.

Nach dem Grad der Gesichtsbelastung zu urteilen, konnte der plötzliche Ausbruch des vollen Wahnsinnes jederzeit erwartet werden.

Damit hatte Dr. v. Gudden wahrscheinlich nicht genügend gerechnet; denn sonst hätte er doch nicht allein mit dem kranken König den Spaziergang unternommen.

Nachdem nun alle Möglichkeiten, den Tod des Königs wahrheitsgemäß darzustellen, erschöpft sind, bleibt als letzte Wahrscheinlichkeit aller menschlichen Berechnung nach nur noch folgende Annahme übrig:

Auf diesem Spaziergang konnte der König sich nicht mehr beherrschen, es brach der volle Wahnsinn bei ihm aus.

Dr. v. Gudden erkannte die Schwierigkeit der Situation, er wollte den König in das Schloß zurückführen. Dazu war es aber zu spät, der König lief ihm davon und auf den schmalen Steg, der in den See führt. Dr. V. Gudden lief ihm nach, wollte ihn zurückführen, kämpfte mit dem seiner Sinne nicht mehr Mächtigen und beide fielen von dem schmalen Steg ins Wasser und ertranken.

Das wird aller menschlichen Berechnung nach die Wahrheit über das tragische Ende des unglücklichen Königs sein. Dr. v. Gudden wurde ein Opfer seines schweren Berufes.

Der König aber hat keinen Selbstmord begangen, er hat auch nicht seinen Arzt, Dr. v. gudden, ins Wasser werfen wollen. Das Unglück war die Folge des plötzlich mit elementarer Wucht herein gebrochenen Wahnsinnes. Der König war nicht mehr Herr seiner Sinne und was in solchem Zustand geschieht, dafür hört jede Verantwortlichkeit auf

Hat man den König im Leben viel verkannt, so soll ihm doch noch endlich Gerechtigkeit widerfahren.

Es lebe das Andenken des Königs im besten Sinne weiter, er war an dem Unglück ohne Schuld. Möge sein Lebensziel, das Bayernvolk glücklich zu sehen, in einem wirtschaftlichen und idealen Aufschwung seine Erfüllung finden.

Das Hellsehen

volkstümlich und wissenschaftlich erklärt

Um das Hellsehen, Hellfühlen und Hellhören völlig zu verstehen, beachte man folgende, etwas tiefer greifende Erklärung:

Ähnlich wie der Fisch im Wasser, der Mensch und andere Lebewesen auf unserer Erde sich in Licht und Luft entwickelten, bildete sich die Erde und das ganze Weltall

aus einem Urstoff, 

den wir Weltäther nennen.

DgM 004 Ur - Äther 

Derselbe besteht nach Carl Huters Forschungen aus Kleinstteilchen, die eine kugelige Gestalt haben und die er Illionen nennt.

Jedes Illion birgt in sich das dreieinige Schöpfungsprinzip, die Welturkräfte: Kraft, Stoff und Empfinden. Daraus hat sich

alles in der Welt entwickelt.

Siehe Fig. 1, 2, 3, 4, 5 und 6.

Im Empfinden liegt die Impulskraft, diese gab den Anstoß zur Differenzierung und damit zu allem Werden in der Welt. (Alles was lebt, empfindet, und im Empfinden des Weltenäthers liegt daher schon die erste Keimkraft des Lebens.)

Etwas absolut Totes gibt es in der Welt überhaupt nicht, alles um uns her ist mehr oder weniger beseelt, er hat Empfinden und wenn dieses auch noch so minimal ist.

Im Empfinden liegt die Gedächniskraft der Materie und das Rückerinnerungs-vermögen. Wer die Peterskirche in Rom betritt, den überkommt ein Schauer der Ehrfurcht. Warum? Weil die Steine die starken Lebenseindrücke vergangener Jahrhunderte festgehalten haben, die sie mit ihrer Elementarstrahlung auf die Schwingung des Äthers übertragen. Letztere wiederum wirken auf die Empfindungssphäre des Menschen, der in ihren Bereich tritt, ein und lösen ein bestimmtes Empfinden aus. Anders ist das Gefühl beim Betreten eines Gerichtssaales, einer Oper, einer Kneipe , einer Privatwohnung usw. usw.

Die Stimmung liegt sozusagen in der Atmosphäre. –

In günstigen chemischen Verbindungen, wie z.B. dem lebenden Eiweiß, sammelt sich das Empfinden sehr stark, so daß sich ein individuelles Gebilde nach außen von der übrigen Masse abschließt, dann fängt es, von außen her gereizt, an, sich zu bewegen und wir sagen – das Ding lebt!

DgM 004 Helioda 

Das kleinste Lebensgebilde ist die Zelle, Siehe Fig.7 und 8.

Unser Körepr besteht aus vielen Billionen von Zellen. Im Empfinden der Zellen liegt

der Grund- und Hellsinn,

man nennt ihn auch den sechsten oder

besser gesagt – Wurzel- oder Ursinn.

DgM 004 Helioda Sm 

Diesen Grundsinn oder Ursinn haben schon die niedersten Lebewesen. Er treibt die Entwicklung vom Niederen zum Höheren und zu wunderbarer Organisation. Wo die Lebens-Empfindungsstrahlen oft ihren Weg nehmen, bilden sich zuerst feine Fibern, dann Nerven, später Nervenknoten, Ganglionen, das Rückenmark und schließlich das Gehirn. In den Nerven wirkt also eine Kraft, es ist die Lebenskraft, die ihre Wurzeln, ihren Boden in der Strahlung der Körperzellen hat.

Es bilden sich aber weiterhin aus dem Empfinden, dem eigentlichen Grundsinn, auch noch Organe, mit denen wir sehen, hören, riechen, schmecken und fühlen können.

Es sind die bekannten fünf Sinne.

Die meisten Menschen nehmen nur mit diesen fünf Sinnen die Dinge der Welt wahr, den Hell- oder Grundsinn gebrauchen und üben sie nicht. Er ist verkümmert. Es kommt höchstens mal ab und zu vor, daß sie etwas erleben, was sie sich nicht erklären können. Sie reden sich aber das Erlebte schnell wieder aus, nennen es Unsinn, Spuk, Einbildung, Schwindel, Zufall oder Aberglauben.

Sobald aber ein Mensch imstande ist, die fünf äußeren Sinne ähnlich wie im Schlaf negativ zu gestalten und möglichst auszuschalten, sich ganz in sein Inneres zu versenken oder auf ein bestimmtes Gefühl außerhalb der fünf Sinne zu konzentrieren, dann stößt er

auf den inneren Grund- oder Hellsinn.

Wenn es ihm dann gelingt, die Gefühlseindrücke einigermaßen verständlich mit dem Bewußtsein zu erfassen, dann kann er hellsehend oder hellfühlend von Dingen berichten, die ganz und gar außerhalb der Wahrnehmung durch die fünf äußeren Sinne liegen.

Mit dem inneren Grundsinn kann der Mensch die feinsten Schwingungen wahrnehmen, die im magischen Empfinden des Äthers liegen, ebenso die Strahlungen der Materie, – und dann vermag er oft, zurückliegende Ereignisse oder fernliegende und in seltenen Fällen auch kommende Dinge, wenn auch meist nur nebelhaft, zu erkennen und zu schildern.

Man vergegenwärtige sich folgendes: Ich schreibe z.B. diese Worte mit dem Bleistift auf Papier. Die Elementarstrahlung des Bleistiftes und des Papiers kommt mit dem lebendigen und starken Empfinden der Hand in Berührung. Das Empfinden dieser sonst leblosen Gegenstände wird ebenfalls spontan geweckt, sie nehmen die starken Lebenseindrücke auf, halten sie fest und strahlen sie wieder zurück.

Wenn nun das beschriebene Blatt nach kurzer oder längerer Zeit an einem anderen Ort in die Hände eines Menschen gelangt, der sensibel bis zum Hellfühlen ist, so überträgt sich mit der Elementarstrahlung der Materie, der Schriftzeichen, etwas von dem, was durch die starken Lebenseindrücke festgehalten wurde, auf die feinsten Nervenstrahlungen der Hände des Hellfühlers.

Konzentriert sich nun dieser Mensch stark auf ein solches Gefühl, so kann er im Moment den Eindruck der Person haben, welche die Worte auf das Papier geschrieben hat. Er kann die Person schildern, womöglich noch sogar besondere Ereignisse derselben wiedergeben usw. usw.

Der Uneingeweihte steht dann vor einem Rätsel, es ist ihm unerklärlich, die Polizei hat vielfach solche Dinge verboten und im Mittelalter wurden viele Hellfühler der Hexerei angeklagt, der Okkultist sagt, – es seien Geister im Spiel.

Durch diese Strahlungsvorgänge lassen sich eine große Zahl aller okkulten Phänomene und Begebenheiten, der bekannte sechste Sinn der Blinden, das sogenannte „zweite Gesicht“ u.a. naturwissenschaftlich erklären.

DgM 004 Isaiah Michelangelo Big 

Bild 9 zeigt den Propheten Jesias, wie ihn Michel-Angelo plastisch dargestellt hat. Der Prophet lauscht auf die innere Stimme, die ihm etwas verkündet. Das Auge ist leicht geöffnet wie im Halbschlaf, es sieht und fühlt nach innen zu, nach der inneren Tiefe, aus welcher die Offenbarung quillt.

DgM 004 Isaiah Michelangelo sm 

Der Mund ist nur leicht geschlossen, gleichsam wie nach innen aufnehmend. Die ganze Muskulatur des Gesichts spiegelt, daß alles Gefühl nach innen zu angespannt ist. Jedes Haar des Hauptes scheint ähnlich wie ein Füllhorn zu arbeiten, um die feinsten Ätherschwingungen zu leiten. Auch die Finger der linken Hand scheinen wie feine Fühlorgane aufzunehmen und nach innen zu weisen, wo die Offenbarung die Nerven in Tätigkeit setzt, daß sie die feinsten Eindrücke weiterleiten, dem Gehirn zu, allwo sie in das Bewußtsein übergehen.

Diese ganze meisterhafte Darstellung macht den Eindruck, als habe Michel-Angelo sich das Gehirn und sympathische Nervensystem dieses Propheten gleichsam wie eine aufnehmende Antenne gedacht, die von außen kommende geheimnisvolle Strahlen empfängt.

DgM 004 Isaiah Michelangelo Engel sm 

Diesen Vorgang symbolisiert auch der Engel, der hinter dem Propheten ihm etwas in das Ohr zu flüstern scheint. Das Tuch, welches weit abweht, soll wohl andeuten, daß die raunende Stimme – ähnlich wie die Radiowellen – aus geheimnisvoller Tiefe des Raumes kommt.

DgM 004 Isaiah Michelangelo 

Wahrlich das Bildwerk ist erhabene Kunst. Dieser große Meister der Bildnerei hat gewußt, daß der Raum nach dem Innern, nach der Tiefe zu genau so unendlich ist wie in die unermeßliche Ferne, die der Astronom nach Millionen Lichtjahren zu messen sucht. Das Gehirn vermag z.B. auf einer jahrelangen Reise unendlich viel aufzunehmen und festzuhalten, ohne daß es auch nur im geringsten größer wird. Das Geistige ist Innerlichkeit, ist gleichsam der Empfindungsextrakt der Materie und reicht in seiner Feinheit bis in die Tiefe des Raumes.

Dort liegt das Geheimnis des Lebens – und, was nur angedeutet werden soll -, die wissenschaftliche Möglichkeit eines individuellen Weiterlebens nach dem Tode. Wer im Geiste sich die Forschungen der modernen Astrophysik, Atom- und Ätherlehre vergegenwärtigt – wird hier den Anknüpfungspunkt finden. Kein Instrument der Welt vermag an Feinheit der Aufnahme ein menschliches Gehirn zu ersetzen.

Daher sollten auch die Phänomene des Hellsehens und Hellfühlens in dem hier bezeichneten Sinne studiert werden. Die Zeit, da man sie mit einer Handbewegung abtun konnte, ist vorüber.

Aber auch bei diesen Studien geht es nicht ohne MENSCHENKENNTNIS, da man das Echte vom Unechten unterscheiden muß. Ich glaube daher, daß man in Zukunft die okkulten Phänomene im Zusammenhang mit dieser Formenausdruckslehre behandeln wird, um sie naturwissenschaftlich einwandfrei zu erklären und im rechten Sinne zu bewerten.

 

Wie man Ghandhi richtig versteht

Bild 1 zeigt den großen indischen Freiheitsführer Mahatma Gandhi, der kürzlich aus ideellen Gründen sechst Tage lang fastete – und damit auch bei der englischen Regierung einen großen politischen Erfolg erzwang. Das klingt für uns seltsam, entspricht aber ganz dem indischen Volkscharakter.

DgM 004 Ghandi England Ankunft 

Die Inder gehören in der Mehrzahl zu den Empfindungs-Naturellen; auch Gandhi zählt zu diesem Typus.

Das sind also jene Menschen, die klein, fein, zart und schlank gebaut sind, bei denen das Ruh- und Ernährungsleben, sowie das Tat- und Bewegungsleben zurücksteht. Dafür herrscht aber das Empfindungs- und Ideenleben vor.

Das Nahrungsbedürfnis ist bei diesen Menschen schon an und für sich gering, es sind natürliche Vegetarier und Abstinenzler.

So darf man sich über die magere und abgezehrte Gestalt Gandhis nicht wundern, sie beruht zum Teil auf der Naturellanlage und braucht deswegen durchaus nicht krankhaft zu sein.

Allerdings sind bei Gandhi die Schläfen sehr stark eingefallen, das deutet auf Schwächung der allgemeinen Kraft, auf eine gewisse Lebensverneinung, und auch wohl auf viel Sorgen und Kummer, die er sich gemacht hat.

Auch sind die Wangen eingefallen, ebenso die Gewebspartien des Halses, die den Ernährungszustand zeigen. Das ist auch nicht zu verwundern, denn Gandhi lebt sozusagen von wenig Obst, Datteln und etwas Milch.

Die Askese und Entsagung liegt, wie gesagt, in der Natur des Inders begründet. Diese Menschen leben vorzugsweise dem Religiösen und Okkulten, sie vermeiden die Anwendung offener Gewalt, und so ist es zu verstehen, daß diese großen Völker sich von einer kleinen Anzahl Engländer, die im Tat- und Bewegungs-Naturell liegen, politisch beherrschen lassen.

Wenn man weiß, daß die Bewohner Indiens hauptsächlich Empfindungs-Naturelle sind, dann kann man auch die Sitten und Gebräuche, sowie den Volkscharakter leichter verstehen.

Empfindungs-Naturelle werden allerdings auch in ihren Ideen leicht extrem, sie neigen dahin, alles zu opfern, nur ihre Ideale nicht.

Insofern ist auch Gandhi zu bewundern, aber es steckt hier doch auch in vielen Dingen ein gut Teil Einseitigkeit, wenn nicht gar Fanatismus.

Gewiß will Gandhi durch den Aufzug, in dem das Bild ihn zeigt, bekunden, daß er von sich aus auf alle persönlichen Vorteile verzichten kann, daß er allein von seinen Ideen und Idealen geleitet ist.

Wir müssen demgegenüber aber bedenken, daß unser Körper es ist, der die Seele und den Geist geherbergt, von dessen Gesundheit und Wohlergehen nicht nur unsere Arbeitskraft, sondern auch das Wohl unserer Nachkommen und schließlich alles Glück und alle Freude abhängt.

Daher ist es richtig, daß wir unserem Körper wohltun, ihn gesund, lebensfreudig und arbeitsfähig erhalten, anstatt ihn zu kasteien und seine Lebensfähigkeit herabzusetzen.

Gandhi selbst soll ja nach den Gerüchten oft tagelag kaum ein Wort sprechen und seine Wolle spinnen. Seine Leistung ist also in der Tat gering, und ein Angestellter bei uns könnte damit wohl schwerlich den beruflichen Anforderungen Genüge leisten.

Allerdings soll der Mensch, wenn er etwas wirklich Großes vollbringen kann, unter Umständen selbst Leben und Gesundheit opfern.

Das hat Gandhi durch sein freiwilliges Fasten getan, – und ja auch tatsächlich viel erreicht, – insofern kann ihm wohl niemand die Bewunderung und Hochachtung versagen.

In dem abgezehrten Körper des Gandhi wohnt ein willensstarker Geist und auch ein edler Geist, das zeigt bei genauem Zusehen die Feinheit der Haut, der Stirn, der Augen, die Modellierung des Ohres usw., was allerdings bei diesem Bilde weniger zu sehen ist.

Jedoch muß auch hervorgehoben werden, daß der Mahatma durchaus keine harmonische Natur ist, denn die Ohren stehen fast quer ab, die Nase ist im unteren Teil plump, die Unterlippe schiebt sich unschön vor usw.

DgM 004 Ghandi Change 

Daraus erklären sich die Extreme und Disharmonien im Leben Gandhis. Bei aller Seelengröße und bei allem Heroismus ist auch diese Seite seines Wesens vorhanden. Wer sich die Mühe gibt, das Leben Gandhis zu verfolgen, wird Disharmonien finden, die sich hätten vermeiden lassen. –

Der Herr, der hinter Gandhi zu sehen ist, betrachtet ihn und dreht verlegen an seinem Schnurrbart. Er scheint zu denken: „Das ist nicht mein Fall“, – was ihm sicher jeder glauben wird, denn er gehört mehr zu dem genußfreudigen Ernährungstypus. Das stört Gandhi aber nicht im geringsten, er geht unbeirrt seinen Weg und lebt so, wie er es will. Er kaufte sich z.B. in London eine Milchziege, – diese Tiere liegen ebenfalls im Empfindungs-Naturell, – die er mit sich nach Indien nahm.

DgM 004 Ghandi England Ankunft 

Der Herr rechts hinter Gandhi liegt im typischen Bewegungs-Naturell, wie es in England vorherrscht. Er hat das lange, harte, knochige Gesicht, die hagere Gestalt usw. und sieht wie etwas mitleidig auf Gandhi herab.

Auch die alten Portugiesen und Spanier, die zu erobern und zu herrschen verstanden, lagen vorzugsweise im Tat- und Bewegungs-Typus, – sie trieben Welt- und Kolonialpolitik.

DgM 004 Schmeling Boxer 

Wenn wir im Vergleich zu Gandhi das Bildnis des Boxmeisters Schmeling betrachten mit seiner gewaltigen Körperkraft, so haben wir so ziemlich das ausgesprochene Gegenstück vor uns. Schmeling würde nie das erreichen können, was Gandhi ihm vorlebte, er würde wahrscheinlich bei entsprechenden Versuchen bald die Schwindsucht und Abzehrung bekommen. Gandhi als Empfindungs-Naturell könnte in einem Menschenleben durch noch so großes Training sich doch nie zu einem Boxmeister ähnlich wie Schmeling umformen.

Daher sollte auch, wie es dieses krasse Beispiel deutlich macht, in Schule und Erziehung jede Schematisierung vermieden werden. Die Menschenkenntnis soll Platz greifen, um allen Illusionen rechtzeitig vorzubeugen.

Alles in allem macht uns dieses Bild deutlich: Erstrebenswert ist und bleibt für uns die Harmonie des Lebens, alles Extreme und Einseitige soll nach Möglichkeit vermieden werden, wir gehen den goldenen Mittelweg und die beste Führerin ist uns die wahre und echte Schönheit in allen Lebensdingen.

Damit will aber nicht gesagt sein, daß Gandhi für seinen Spezialfall nicht das Richtige getan hat.

Das Empfindungs-Naturell, in diesem Falle das indische Volk, kann eine unliebsame Zwangsherrschaft, wenn es ihm nicht möglich ist, durch die Waffen des Geistes, durch Intelligenz und weise Maßnahmen den Gegener zur Einsicht zu bringen, wohl nur durch das Mittel des passiven Widerstandes abschütteln, das Gandhi bis zur letzten Konsequenz anwandte, und verlorene Freiheiten wiedergewinnen.

MAX SCHMELING

der deutsche Meister-Boxer

Max Schmeling liegt im athletischen Naturell. Hier kann man so recht die enorme Stoßkraft in den Armen beobachten, ebenso zeigt die Brust und der Hals gewaltige Kraft.

Interessant ist auch die Körperhaltung, sie ist ganz dazu angetan, auch den schwersten Stoß und Schlag auszuhalten.

Der Mund ist breit gekniffen, um jeden Schmerz sofort zu überwinden, von vornherein abzuwehren und sich dadurch sozusagen empfindungslos zu machen.

DgM 004 Schmeling Boxer 

Das Gesicht ist vorgebeugt, um besser beobachten zu können. Das Auge liegt tief, ganz in den Höhlen versteckt, aus denen es scharf beobachtet, um möglichst jede Bewegung des Gegners noch zu erspähen, bevor sie ausgeführt wird.

Durch die stark hervorragende Unterstirn wird das Auge sehr geschützt, das ist ein großer Vorteil für Schmeling, denn es kann so im Boxkampf nicht leicht verletzt werden.

Die Hauptkraft und Spannung liegt im Kinn, Ober- und Unterkiefer.

Hier ist die Knochenmasse mächtiger wie die Gesamtmasse an Stirn und Oberhaupt einschließlich des Gehirns. Stirn und Oberhaupt sind gegenüber der gewaltigen Kraft des Untergesichts schwach entwickelt.

Der Unterkieferbogen zeigt die gewaltige Durchführungs- und die breite Unterlippe, ähnlich wie beim Herkules, Bild 2, die gewaltige Körperkraft.

DgM 004 Herkules 

In dem starken Zug von der Nase über die Wangen abwärts, wo bei Schmeling die Vertiefung ähnlich wie ein Grübchen liegt, zeigt sich der Zug der Kraft, den alle Herkulesse haben.

Was uns an SCHMELING angenehm berührt, das ist außer der Kraft noch eine gewisse Schönheit im Körperbau, in der Proportion, in der Nacken- und Halsform, auch das Ohr ist gut geformt, daher ist Schmeling bei aller Gefühlsausschaltung – (die Haut scheint wie verhärtet zu sein) -, die sein Beruf erfordert, trotzdem noch von Ritterlichkeit gegenüber dem Gegner beseelt.

Der Leser wird unwillkürlich fragen, wo ist noch ferner eine starke oder schwache Seite des Schmeling zu erkennen?

Wie der Leser gut erkennen kann, ist die Nasenform bei Schmeling breit, aber doch nicht in der Weise geformt, wie es die klassischen griechischen Darstellungen der Kraftmenschen zeigen, siehe die Nasenform des Herkules, Bild 2. Hier ist der Übergang zwischen Stirn und Nase umittelbarer, er bildet eine gerade Linie.

Bei solchen Menschen ist Sehen und Handeln eins, sie erfassen blitzschnell und handeln fast augenblicklich.

Bei Schmeling liegt diese Partie, der Stirnnasenübergang tiefer, sie ist mehr breit und flach. Er beobachtet daher z.B. einen Punkt, konzentriert sich auf denselben und erst dann bricht er wuchtig hervor.

DgM 004 Schmeling Boxer 

In der Verbindung von Auffassung und Handlung ist er trotz größter Ruhe und gesammelter Überlegung nicht so blitzartig schnell, wie es z.B. ein Boxer sein würde, der die griechische Nasenform hat, ähnlich wie der Hekrules, den unser Bild 2 zeigt.

Schmelings Kampfesweise ist darum die sicherste, wenn er zuerst sich mehr auf die Abwehr konzentriert und erst zum Angriff übergeht, wenn die Stoßkraft des Gegners bereits nachläßt. Wenn Schmeling also zunächst den Gegner austoben lassen kann, dann bleibt er um so eher Sieger.

Wenn aber der Gegner, der ihm an Kraft und technischer Gewandtheit gleich ist, die griechische Nasenform hat, also die stärker herausgeholte Nasenwurzel, wenn jener überdies die starke Seite Schmelings kennt und beachtet und im Boxkampf gleichmäßig mit ihm durchhält, dann würde er vermöge seiner schneller und richtiger ausgeführten Stöße, Schläge und Abwehr am Ende der Sieger bleiben.

Es wäre interessant, erstmalig auf Grund der Menschenkenntnis die Chancen des nächsten Boxkampfes für Schmeling und seinen Gegner zu berechnen.

DgM 004 Bücher Carl Huter sm 

Wer diese Zeitung liest, sollte auch die

grundlegenden

Bücher über Menschenkenntnis besitzen:

 

Für den Inhalt verantwortlich: B. v. Thurn, Schwaig bei Nürnberg

Druck: C. Brügel & Sohn AG., Ansbach

Herausgegeben von Amandus Kupfer, Schwaig bei Nürnberg

 Schweizer Huterfreunde

Neuherausgeber Medical-Manager Wolfgang Timm

Copyright 1995-2008 by Carl-Huter-Zentral-Archiv

 D The Gate MK

DgM 003. DER GUTE MENSCHENKENNER. (HELIODA1)

Der gute Menschenkenner 003 von 101

Deutschland Crash Red S

SEELENKENNTNIS

Carl Huter (1861-1912)

PGS Oktober 2007 TIMM

PGS. Physiognomische Psychologie Nr. 64. Schweiz-Zürich. Oktober 2007


Knights Templar Z

700th anniversary of the Knights Templar

This secretive Catholic organisation had been officially disbanded in 1307 by Pope Clement V, who had accused them of being heretics and devil-worshippers; their leader, Jacques de Molay, was burned at the stake. This Saturday, October 13, marks the 700th anniversary of the day their persecution began: Friday October 13, 1307

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durch Körper-, Kopf- und Gesichtsausdruckskunde

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CARL-HUTER-ZENTRAL-ARCHIV

Medical-Manager Wolfgang Timm

http://www.chza.de

Head 4

BRD de jure erloschen

The “German Empire”

The documents of capitulation of the German War Might of the 7th of May in 1945 and of the 9th of May in 1945 finished indeed the struggles, but not the existence of the German Empire. The government of the empire became arrested on the 23rd of May in 1945. A peace treaty was not signed, neither with the FRG nor with the former GDR, and is lacking until today.

The Federal Constitution Court in Karlsruhe (President Prof. Dr. Jutta Limbach) decided on 31st of July in 1973 [BVerfGE Bd. 36, 1-37 (LT1-9) BGBl I 1973, 1058] and on the 21st of October in 1987 [Bd.77, S.137,150,154,160,167] unanimous and how intended, that the German Empire in 1945 not perished but continued.

Page 15 to 16: … “The Grundgesetz (Basic Law) — not only a thesis of the International Law and of the State Law sees that the German Empire outlasted the breakdown of 1945 and neither perished by the capitulation nor by the exertion of foreign state power in Germany by the allied occupation mights nor perished later; this is to recognize from the preamble, from article 16,article 23, article 116 and article 146 of the Basic Law. This corresponds to the jurisdiction of the Federal Constitution Court in which the senat persists. …

The German Empire (see e.g. BVerfG, 1956-08-17, 1 BvB 2/51, BVerfGE 2, 266 (277); 3,288 (319f); 5,85 (126); 6,309, 336, 363) owns still competence in law, but is as whole state not able to act by itself because of lacking organization, especially because of lacking institutionalized organs … the responsibility for „Germany as whole thing” (= German Empire) have — even — the four mights. The Federal Republic of Germany is in this way not “successor in law” of the German Empire, but identical as state with the state of the “German Empire”, — under reference to its territorial expanse only “partially identical”, so that insofar the identity demands no exclusivity. The Federal Republic of Germany includes in this way, concerning its state people and its state territory, not the whole Germany regardless of that it recognizes a consistent state people of the subject of the International Law “Germany” (German Empire) … and a consistent state territory „Germany” (German Empire) … It (= Federal Republic of Germany) limits its sovereignty in legal terms of state to the field of application of the Basic Law.


“The Federal Republic of Germany agrees the statement of the four mights and emphasizes that the in this statement mentioned incidents and circumstances will not occure, what means, that a peace treaty or a peace regulation is not intended“. Protocol of the Bureau of the Federal Chancellor in negotiations of the 17th of July on 1990 in Paris, appendix No. 354 B.

(furthermore dissertation of Dr. Michael Rensmann, occupation law in the re-united Germany)

Form Geist

EXTRA LIFE INTELLIGENCE TRANS ENERGY

HARMONIE MENSCHEN

Der Menschenkenner und die neue Zeit

nach Carl Huters Psycho-Physiognomik

© Oktober 1932 Nr.  3

Reichspräsident Hindenburg

Ein klares Charakterbild seiner Persönlichkeit. – Wichtige Moment im Leben v. Hindenburgs – u. ihr tiefer Sinn.Warum Herr v. Papen Reichskanzler wurde? – Hochinteress. Studien an 3 Gruppenbildern.

Prof. Piccard u.d. Problem d. Höhenstrahlen. Kontraste unter Menschen

 

I. Gedanken und Erinnerungen.

Ein Teil Geschichte, – unerhörten Erlebens des deutschen Volkes, – knüpft sich an den Namen Hindenburg. Man könnte, wenn man sich die Gestalt von Hindenburgs im Geiste vorstellt, fast glauben, die ganze Volksseele vergangener großer Zeit habe in ihm ihren lebendigen Niederschlag gefunden.

Es ist ferner seit dem Kriege ein gewisser Umschwung im Geistesleben des Volkes bemerkbar, – in Naturwissenschaft und Psychologie dämmert langsam ein neues Morgenrot.

Vor genau 18 Jahren fesselte uns zum ersten Mal das Bildnis von Hindenburgs, sodaß wir Gelegenheit nahmen, es nach neuen naturwissenschaftlichen Grundsätzen zu beurteilen.

Damals im September 1914, lag ein besonderer Anlaß vor, (es wird noch darauf Bezug genommen), und bei genauer Überlegung ist dies heute wieder der Fall.

Reichspräsident v. Hindenburg ist jetzt 85 Jahre alt, (auch Carl Huter, geb. am 9. Oktober 1861, gestorb. 1912, dessen Lehren ins Volk zu tragen, Aufgabe dieser Blätter ist, hat seinen 71. Geburtstag in diesem Monat).

Wenn auch die politischen Wogen noch hochgehen, so hat doch in gewissem Sinne unter Führung des Reichspräsidenten eine ruhige Zuversicht für die nächsten Jahre Platz gegriffen. Auch darauf kommen wir weiterhin noch zurück.

Wir fragen: Wie wird wohl einst der Mensch der Zukunft in 50, 100, 200 und noch mehr Jahren über Hindenburg und heutige deutsche Volk urteilen? Soviel ist gewiß, die Erkenntnis, daß der Geist in den Formen lebt, und daraus erkannt werden kann,“ wird dann bei der Beurteilung vergangener Geschehnisse eine Hauptrolle spielen.

II. Das heutige Bild des Reichspräsidenten.

Der Leser betrachte das oben rechts befindliche Bildnis. Man hat den Eindruck, wenn man die Person nicht kennen würde, zu sagen: „Dieser alte Herr hat viel erlebt und durchgemacht!“

Die Faltenbildung oberhalb beider Augen zeigt die momentane Aufmerksamkeit und das Auge hat den beobachtenden Blick. Der Mund hat den Ausdruck der Genügsamkeit, er spiegelt vergangene Erlebnisse und die noch schwere gegenwärtige Verantwortung.

Im mittleren Gesicht liegt im Gewebe viel eindrucksvolle Weichheit. Auch die Nasenform hat den weichen und doch wiederum sehr bestimmten Charakter.

Zu beiden Seiten der Nase quillt das Gewebe weich und stark hervor. Das ist ein gutes Zeichen: Hier kommt das Leben des Mittelhirns zum Ausdruck, die große Kraft und Ausdauer im Gefühlsnerven- und Empfindungsleben. In dem weichen und warmen Gewebe des Gesichts liegt ein gutes Wollen. Das weiche Gewebe und die weiche Formbildung des Ohres läßt auf Empfänglichkeit für Suggestionen schließen. Ist aber solche überwunden, handelt dann der Mensch unbeeinflußt aus eigener innerer Wahrheitserkenntnis, – dann kann dieses sehr gut und sehr richtig sein!

Man beachte auch den starken Muskelzug von den Nasenflügeln abwärts, – hier wirkt sich die Herz- und Lebenskraft aus. Diesen Zug kann man in ähnlicher Weise bei allen 90- und 100 jährigen beobachten.

Auge und Mund haben nicht den glücklichen, frohen, lebensheiteren Ausdruck. Das ist auch weiter nicht zu verwundern, denn das eindrucksvolle Gemütsleben, das sich in dem weichen Gewebe des mittleren Gesichts kennzeichnet, mußte ja durch die Zersplitterung, die in den letzten Jahren im deutschen Volke hervortrat, stark mitgenommen werden, insbesondere da der Sinn des Reichspräsidenten auf Einigkeit und glückliches Zusammenleben gerichtet ist.

 

III. Ein Profilbild des Reichspräsidenten.

Wer das Profilbild betrachtet und die dargestellte Person nicht kennt, muß doch den Eindruck haben, daß hier ein Charakterkopf in die Erscheinung tritt, der eine starke individuelle Eigenart, eine enorme Durchhaltekraft, Lebens- und Widerstandsenergie besitzt.

DgM 003 Hindenburg Profil

Das zeigt schon der starke Hals und Nacken, die noch vorhandene Festigkeit im Gewebe, das große Ohr, die starken Jochbeine, die wuchtige Unterstirn, die Fülle und Breite im Gesicht.

Obwohl der Herr Reichspräsident schon so alt ist, hat doch noch das Auge den scharfen, durchdringenden Blick, – und um Stirn, Nase und Mund liegt ein fester, entschlossener und fast trutziger Zug.

Der Herr Reichspräsident, der hier abgebildet ist, weiß was er will, – das ist das Urbild des Siegers von Tannenberg.

Man beachte nur die Faltenbildung der Stirn, die Plastik im Seitenhaupt, wie hier jedes einzelne Haar und auch das obere Ohr einen bestimmten Zug zum Hinterhaupt hat, dorthin wo die Schutzsinne liegen, der Heim- und Familiensinn.

Man könnte sagen, der Herr Reichspräsident denkt sich das deutsche Volk wie eine große Familie, – die er als solche schützen möchte vor Zersplitterung und Zerstörung. Daher macht auch das ganze Oberhaupt, wo die Triebe für die höchsten Ideale und Gefühle arbeiten, einen ehrwürdigen Eindruck.

Der  noch immer volle Haarwuchs zeigt die urwüchsige Kraft der Gedanken und auch, daß die inneren Organe ohne Belastung arbeiten.

Das Ohr ist groß und klar gebildet und deutet noch auf Mut und Tatkraft.

Die Stirn, welche das Denkleben zeigt, ist besonders im unteren Teil von wuchtiger Kraft (und im Oberhaupt liegt sanfte Rundung). Sie ist geschützt durch die starke, wie gemeißelte Nasenwurzel, welche die geistige Erfassung zeigt, und ruht auf dieser wie auf einer Säule.

In der ganzen Stirn und im plastischen Seitenhaupt liegt die Hoheit menschlichen Geistes, die Weisheit des Alters, – in dem Jochbein enorme Überwindungskraft, in der Nasenform herber entschlossener Wille.

So kann man es sich ganz gut denken, daß der Reichspräsident noch im hohen Alter die Kraft fand, seinen Willen in einer Weise und unvermittelt zum Ausdruck zu bringen, – die uns nochmals

den alten Sieger von Tannenberg

neu erstehen und erleben läßt. Vielleicht wird eine spätere Zeit diese jetzigen Ereignisse als von großer Zukunftsbedeutung verzeichnen.

Die seitlich hängende Wange steht mit dem hohen Alter in Beziehung und läßt noch die im starken Unterkiefer liegende unweigerliche Durchführungskraft erkennen.

Der starke Hals und Nacken, dem sich, wie wir wissen, ein ebensolcher Körperbau zugesellt, lehrt, daß das proportional mäßig große Gehirn leicht ernährt und durchblutet wird. So ist es zu verstehen, daß der Reichspräsident noch heute, – und besonders was es in früheren Jahren der Fall, sich nach Anstrengungen und Ermüdungen sehr leicht und schnell wieder erholte, daher sehr großen Anstrengungen gewachsen war.

DgM003 Hindenburg

Der Reichspräsident, wie ihn dieses Bild zeigt, hält innerlich treu am einmal erkannten Guten fest.

 

IV. Ein sehr lehrreiches Gruppenbild.

Als die zweite große Marneschlacht vorbei und das unglückliche Resultat im deutschen Volke noch nicht bekannt war, lag es wie eine Gewitterschwüle über unserem Land. Kurz darauf wurde zur Beruhigung der Gemüter aus dem Hauptquartier das obige Gruppenbild veröffentlicht.

Aber der Menschenkenner war damit nicht zu täuschen, für ihn war das Bild der lebendige Ausdruck einer schweren Katastrophe, die hereingebrochen sein mußte. Von dieser Wahrheit soll sich der Leser mit Hilfe der folgenden Erklärungen überzeugen.

DgM 003 Hindenburg Offiziere Gruppenbild 1918

Nr. 1. Der Offizier hat die sonst gewohnte soldatisch straffe Haltung aufgegeben und der Kopf ist ihm kummervoll auf die Brust gesunken. Es ist der Ausdruck eines Mannes, der verbergen möchte, was ihn innerlich tief bewegt. Darüber kann selbst die Zigarre in der rechten Hand, die ihn vielleicht beruhigen soll, nicht hinwegtäuschen.

Nr. 2. Der Offizier im Korbsessel ist wie unter einem schweren äußeren Druck förmlich in sich zusammengesunken. Die gesenkte Kopfhaltung und der Ausdruck des Gesichts zeigt tiefe innere Depression.

Nr. 3. Die Gestalt ist aufrecht und gerade. Der Blick des seitlich gewendeten Kopfes ist geradeaus gerichtet. Abgekehrt von den andern wie mit eigenen Gedanken beschäftigt, liegt im Ausdruck: Ich habe das ja kommen sehen.

Nr. 4. Ein Herr im Empfindungs-Naturell (kleine Gestalt, kleines Gesicht, großes Gehirn). Er denkt in sich hinein. Die Mundwinkel sind vor Enttäuschung zurückgezogen, er überlegt, was zu tun ist. Das Lächeln mißglückt. Es ist durchaus nicht süß, sondern hat die salzige, bittere und sauere Tönung, welche die Folge ebensolcher innerer Gefühle ist. Die erlebte Tragik, die verborgen werden soll, wird dadurch noch deutlicher.

Nr. 5. Dieser Offizier  sieht aus wie ein Riese nach einem Zweikampf, bei dem ihm fast der Atem vergangen ist. Die Gestalt beugt sich, als wolle sie schwere Last auf ihre Schultern nehmen. Auch hier ein unglücklicher Versuch zu lächeln.

Nr. 6. Der darunter (sitzend) sich befindende Offizier wendet sich unwillkürlich nach rechts, als müsse von dort in schwerer Not die Hilfe kommen. Der Ausdruck des Gesichts ist ratlos, verzweifelt, – aber doch zur äußersten Tat entschlossen und bereit.

Nr. 7. Das ist der Generalfeldmarschall. Er allein blickt den Beschauer an, als fasse er dennoch die Ereignisse fest ins Auge. Mund und Kinn zeigt stärkste Anspannung, aber ganz im Gegensatz dazu ist der Körper kraftlos und weich, wie unter einem schweren Schicksalsschlag zusammengesunken. – Es liegt nur ein weißes Tuch auf dem Tisch und Wassergläser stehen darauf, gleichwie als Vorbedeutung schwerer Zeiten.

Die ganze Gruppe macht den Eindruck, als habe schweres Unglück und das Schicksal sie alle gebeugt.

Das Bild sollte, wie gesagt, im Lande eine beruhigende Wirkung ausüben, aber wer etwas Kenntnis von dieser Formensprache besaß, der wußte, was die Glocke geschlagen hat. Diese einfachen Beobachtungen sind gerade wegen ihrer Wahrheit so ergreifend und künden, daß Gestalt und Ausdruck ein Spiegelbild der äußeren Ereignisse und inneren Erlebnisse sind.“ – Wenn solche und andere Bilder einer fernen Nachwelt erhalten bleiben, so wird man daraus die innern Zusammenhänge der Geschehnisse weitgehendst erklären

V. Eine zutreffende Beurteilung.

Es war im September 1914, als ich das Bild des damaligen Generalobersten v. Hindenburg im oberschlesischen Grenzland zum ersten Mal zu Gesicht bekam. Die Schlacht von Tannenberg war geschlagen und die Siegesnachrichten wurden allmählich in ihrem ganzen Umfang bekannt.

Von dem Bild Hindenburgs wurde sofort eine Beurteilung angefertigt. Diese brachte der „Oberschlesische Kurier“ als Leitartikel in seiner Sonntagsnummer vom 27. September 1914.

Die hervorragenden Gaben Hindenburgs als Feldherr und Mensch wurden phrenologisch und physiognomisch dargelegt. Die Ausführungen sollen hier nicht wiederholt werden, weil es nicht im Rahmen dieser Arbeit liegt.

DgM003 Hindenburg

Nur der Schluß der Beurteilung sei wörtlich wiedergegeben. Er lautete:

„Dieser Feldherr ist wohl befähigt, die Oberleitung über die gesamte verbündete Ostarmee zu übernehmen, zum Schrecken des Gegners und zum Ruhme des Vaterlandes.

Wir Deutsche können stolz sein auf einen solchen Feldherrn sein und auf unsere oberste Leitung, die es verstanden hat, gerade diesen Mann an den richtigen Platz zu stellen.

Fürwahr, das ist die höchste Kriegskunst!“

Von Hindenburg erhielt dann auch bald die Oberleitung über die gesamte Ostarmee.

 

VI. Wie das Volk Hindenburg sah.

Dieser Feldherr wurde nach der siegreichen Schlacht von Tannenberg bald im ganzen Volk bekannt und hochverehrt, – weitere Siege steigerten noch die Sympathie.

Jeder kannte das Bildnis Hindenburgs, die markanten Formen mit dem Namenszug darunter in seiner festen kernigen Handschrift genügten, um bei jung und alt Glauben und Vertrauen zu sichern.

Ganz instinktiv und gefühlsmäßig sah man z.B. in der gerade und hochansteigenden Stirn des Feldherrn das väterliche Wohlwollen, – in dem festen Blick den Willen zur Tat, – in dem breiten Untergesicht die gewaltige Durchführungs-Energie.

Man sah ferner in der großen, mächtigen Körpergestalt mit der enormen Brust- und Armkraft die beste Schutzkraft für alle materiellen und ideellen Güter. In seiner ruhigen Gelassenheit erschien er dem Volk als der Mann, auf den man sich felsenfest verlassen konnte.

Bald steigerte der Verehrungssinn des Volkes alle hervorragenden Gaben des Feldherrn, und auch die bildende Kunst idealisierte ihn. Er wurde der Heros der Nation, der unbesiegbare Recke, gewaltig an äußerer Gestalt und Kraft, an geistiger Überlegenheit und Kriegskunst.

Man glaubte schließlich unbewußt, Hindenburg könne Unmögliches vollbringen, aber

das kann kein Mensch.

Und doch hatte unser Volk ein Recht, den großen Feldherrn zu idealisieren, denn es brauchte einen festen Halt, – sozusagen einen Ruhepunkt in den sich jagenden und überstürzenden Ereignissen.

VII. Grenzen des Feldherrngenies.

Wir sahen in der damaligen Zeit in Hindenburg ganz den Typus, der zum Sieger über die Russen wie geschaffen war.

DgM 002 Napoleon III

Hindenburg sah ganz anders aus wie Napoleon I., der im Osten, als er gegen Rußland zog und sich die große Niederlage holte, trotz seines gewaltigen Feldherrngenies nicht mehr am rechten Platz stand; denn im brennenden Moskau und in der eisigen Kälte der Steppe mußte sein Genie versagen.

Etwas Ähnliches war bei Hindenburg nicht zu befürchten, er stand seiner Naturveranlagung nach

im Osten am rechten Platz.

Man stelle sich Hindenburg doch vor, seine mächtige breitschultrige Gestalt, das gewaltige Haupt mit den entschlossenen Zügen, den starken, durch den Backenbart verstärkten Schnurrbart, – der die Wucht der Persönlichkeit symbolisiert, die mächtige Arm- und Faustkraft, wie er fest mit beiden Füßen auf seiner Heimaterde steht und – ruhig abwartend der Gefahr ins Auge blickt; – das war ganz der Feldherr, wie geschaffen, glänzend mit den Russen fertig zu werden und unsere Kultur zu schützen.

Im Westen.

Als aber der Feldherr noch dazu das Oberkommando über alle Fronten erhielt, also auch über die Westfront, da schien uns dieses eine Zersplitterung seiner Aufgabe zu sein, ohne dabei seiner Größe als Feldherr irgendwie Abbruch tun zu wollen.

Franzosen und Engländer waren z.B. in ihrer Eigenart ganz andere Menschen wie die Russen, und diese allesamt zu besiegen, war von vornherein für einen Menschen eine unmögliche Aufgabe, die hätte von Anfang an lange vorbereitet sein müssen.

Die Franzosen waren leicht und beweglich, klug und geschmeidig, im Kriege mit Mitteln arbeitend, die man nicht übersehen und vorausberechnen konnte. Hier mußte neben dem Feldherrngenie auch noch ein geniales diplomatisches Geschick, eine große Menschenkenntnis, Voraussicht usw. mit Platz greifen. Die Engländer aber sind großzügig, schnell von Entschluß und Handlung, planmäßig und weit vorausberechnend, – und Unmögliches konnte, wie gesagt, ein Mensch gegen sie nicht vollbringen.


VIII. Der Reichspräsident handelt mit alter Entschlußkraft.

Zu dem ersten Bildnis wurde bereits gesagt, daß der Ausdruck im Gesicht nicht ganz der glückliche sei, folglich wird auch die Ursache in den Erlebnissen der letzten Jahre zu suchen sein.

Der Reichspräsident als alter Soldat und Feldherr kennt doch am Ende am besten die Macht, die ein großes Volk besitzt, das sich einig ist. Die Zersplitterung des Volkes in Parteien, die sich wie Feinde bekämpfen, mußte auf die Dauer

den Frieden seines Alters stören.

Da ist es kein Wunder, daß der hochbetagte Reichspräsident mit Hilfe der ihm verliehenen Rechte nach seiner besten Erkenntnis handelte und einen Mann zu seinem Kanzler berief, der mit ihm in Bezug auf den Willen zur Einigung des Volkes eines Sinnes war.

DgM 004 Von Papen

Der Reichskanzler v. Papen aber verkündet immer wieder als oberste Richtlinie für alle seine Maßnahmen:

„Wir sind alle Deutsche und bewohnen eine Heimaterde … Wir lassen uns von niemandem in der sozialen Gesinnung übertreffen.“

(Carl Huter fand, nebenbei gesagt, den besten sozialen Ausgleich darin, daß er 50% vom Reingewinn dem Unternehmertum und 50% der Beamten- und Arbeiterschaft zuerkannt wissen wollte, und er glaubte, daß es darüber hinaus einen besseren sozialen Ausgleich nicht mehr gäbe. Dadurch bleibe das Unternehmertum lebensfähig und der Beamten- und Arbeiterschaft werde die Arbeitsfreudigkeit erhalten).

Im Sinne dieses großen Einigungsgedankens ist es auch zu verstehen, daß der Reichspräsident, als von ihm kürzlich verlangt wurde, die Machtergreifung durch den Parteiführer Adolf Hitler zu dulden, die Rechte seines Amtes, die Rechte seines Amtes energisch wahrte und durch einen Schlag auf den Tisch diese Bestrebungen zurückwies.

Hindenburg muß im Grund als alter Soldat, – man wolle ihn recht verstehen, – das deutsche Volk in seiner Gesamtheit über einzelne Parteien stellen.

Man wolle daher die jüngsten Handlungen des Reichspräsidenten gerecht würdigen und zu verstehen versuchen, – die Zeit, die einst gerecht richtet, wird dieses Gebot sicher erfüllen.

IX. Warum der Reichspräsident sich Herrn v. Papen zum Kanzler wählte. –

Doch darum, weil der Reichspräsident in ihm die bestgeeignetete Persönlichkeit für dieses hohe Amt erblickte.

DgM 004 Von Papen

Er erkannte bei Herrn v. Papen z.B. das große internationale diplomatische Geschick, die Voraussicht, den feinen Takt, die Selbstbeherrschung und den großen Glauben an das Gute.

Die Konferenz von Lausanne stand damals unmittelbar bevor und in dieser ist

das System der Reparationen und der Young-Plan

gefallen.

Das war ein großes Ereignis, – mag man darüber denken wie man will. – die Tatsache selbst läßt sich nicht bestreiten und ist letzten Endes auf die Initiative des Reichspräsidenten zurückzuführen.

Das muß für den Reichspräsidenten eine große Genugtuung gewesen sein, auch gegenüber den Franzosen und Engländern, mit Hilfe des Reichskanzlers diesen Albdruck vom deutschen Volk zu nehmen, sodaß wieder ein etwas freieres Aufatmen möglich ist.

So greifen die Geschehnisse ineinander und alles, was sich seitdem ereignete, und vielfach vom Standpunkt der Parteien nicht mit Zustimmung aufgefaßt wurde, gipfelt in dem Streben Hindenburgs, vergangene Schäden so gut es möglich ist, wieder wettzumachen und die Bahn für einen neuen Aufstieg frei zu bekommen.

Möge mit Gottes Hilfe das Werk gelingen. Aber

ohne Menschenkenntnis,

das lehrt die Geschichte vergangener Jahrhunderte und Jahrtausende, bleibt jede noch so gute Reform mehr oder weniger in ihren Anfängen stecken oder dem Zufall überlassen. Denn der disharmonische Mensch, dessen Einfluß stets Leid, Zersplitterung, Tragik und Elend nach sich zieht, macht sich, wenn er nicht rechtzeitig erkannt und daran verhindert wird, tatkräftig und auf die geschickteste Weise mit beiden Ellenbogen Platz, drängt sich vor und rücksichtslos zur Macht, und – wenn er diese hat, dann erlebt man seine Wunder. Das alte Lied geht wieder von vorne an, gute Eigenschaften werden langsam aber sicher illusorisch gemacht und Eigennutz geht vor Gemeinwohl.

 

X. Zwei freundliche Bilder aus dem Leben des Reichspräsidenten.

Das Gruppenbild Nr. 2 zeigt den Reichspräsidenten beim Verlassen des Wahllokales, in welchem er zur Reichs- und Landtagswahl gewählt hat.

DgM 003 Hindenburg Gruppe Wahllokal

Wir wollen die Personen, die das Bild zufällig festgehalten hat, kurz skizzieren.

Nr. 1. Die Dame ist sehr überrascht und erfreut, den Reichspräsidenten zu sehen. Das Auge blickt gespannt von unten nach oben, um ja recht deutlich den Eindruck aufzunehmen.

Nr. 2. Der Herr steht ganz frei und freudig da, er hat den Hut in der Hand und das Gesicht offen und begeistert dem Reichspräsidenten gerade zugewandt, die Mundwinkel gehen freundlich hoch, das Auge zeigt Liebe und Sympathie, – ein freies Wollen liegt im Gesicht und der klaren Stirn.

Nr. 3. Dieser ältere einfache Mann tritt bescheiden zurück. Sein Leben war harte Arbeit. Im Gesicht und dem hohen Oberhaupt liegt Ergebenheit und Ehrfurcht vor dem Reichspräsidenten.

Nr. 4. Der Reichspräsident ist voller Wohlwollen in der Gesinnung, das liegt deutlich im Gesichtsausdruck, daher senkt sich auch das Haupt, – er grüßt, – und schreitet, als ob er noch jung an Jahren wäre, kraftvoll aus.

DgM 003 Hindenburg Gruppe Wahllokal

Nr. 5. Eine Dame mit bescheidenem und freundlichem Gesichtsausdruck. Es liegt viel Empfinden in diesem Gesicht und in der langen geraden Nase kommt Klugheit, Erfahrung und Selbstbeherrschung zum Ausdruck. (Man sollte die feinempfindende Frau vielmehr wie bisher im öffentlichen Leben mitwirken lassen.)

Nr. 6. Hier liegt Würde und hoher Stand im Ausdruck, daher ist auch die Haltung des Kopfes entgegengesetzt wie beim Reichspräsidenten, sodaß die Energie in die Achse vom Kinn zum Hinterhaupt verlegt ist.

Nr. 7. Hier erkennt man ein sehr schönes, fast klassisches Profil. Es ist das ideal betonte Bewegungs-Naturell. Das Gesicht ist ernst und zeigt viel Geneigtheit, als stimme die Person dem Reichspräsidenten in Gedanken wohlwollend zu.

Nr. 8. Das Gesicht und die Haltung ist wundervoll charakteristisch. Eine große momentane Gutheit und Herzlichkeit liegt im Gesicht. Er grüßt militärisch und um den Mund liegt der süße Ausdruck, wie man ihn bei guten und warmen, freundlich zugeneigten inneren Gedanken und Gefühlen findet.

Nr. 9. Der Herr schaut anders wohin. Er hat die Hand in der Tasche, den Hut auf und den Mund reserviert geschlossen. Er ist in Gedanken mit sich selbst und seinen persönlichen Vorhaben beschäftigt.

So zeigt uns diese ungezwungene Gruppe in lebendiger Sprache der Formen, des Ausdrucks und der Bewegungen einen freundlichen, friedlichen und schönen Moment im Leben des Reichspräsidenten.

Der Reichspräsident mit seinen Enkelkindern Hubertus, Gertrud und Helga.

Man sagt, das Alter wird erst glückl